Not another Tequila Sunrise …

Schätzungsweise 368 Caipirinhas, gefühlt allerdings einige Tausend, habe ich gestern über den Pass geschickt. Vom Zerquetschen der Limetten präsentiert sich eine hübsche Blase auf meiner Handinnenfläche und durch die fortwährende Zwangshaltung zeigt sich mein Nacken mit schmerzhafter Bewegungseinschränkung. Wahre Menschenmassen drängelten sich gestern auf dem Sportplatzgelände und mit der einfachen Zubereitung des Caipirinha hatte ich, Stößelblase hin oder Nackenschmerzen her, noch ein sehr gutes Los gezogen. Die harten „Touchdowns“ waren in der Zubereitung wesentlich aufwändiger, mauserten sich wieder zum Verkaufsschlager in der Cocktailbar und nicht weniger als drei Bartender waren vonnöten, die gierigen, meist juvenilen Mäuler trinktechnisch zu befriedigen.

Mit einem solchen Ansturm war, obwohl es die dritte Veranstaltung dieser Art im hiesigen Kaff war, nicht gerechnet worden und wir mixten und quetschten und schütteten und schufteten bis gegen 3.00 Uhr der DJ endlich ein Einsehen hatte und den Verstärker schrottete. Erst dann wankten die gut gefüllten Gestalten gen Ausgang. Wie bereits erwähnt, handelte es sich um ein sehr junges Publikum und es ist eigentlich eine bedauerliche Tatsache, dass sich mit Besäufnis-Events immer noch der beste Umsatz erzielen lässt. So stand plötzlich ein Trio vor mir, mit verdächtig geweiteten Pupillen und friedlichem, fast heiteren Gemütszustand, einer davon mit freiem, unbehaarten und nicht sehr muskulösem Oberkörper, Kumpels hätten sich einen Jokus gemacht und sein Shirt hing tropfend aus dem Hosenbund. Ob ich denn ein Hemd für ihn hätte. Ich fragte ihn, ob das hier wie ein Bekleidungshaus aussehe und wenn ich Frau Wöhrl wäre, stünde ich bestimmt nicht hier aber er ließ nicht locker und wollte mein T-Shirt und ich sagte ihm, wenn er es in einer halben Stunde schaffe, sich Brüste wachsen zu lassen, überließe ich es ihm sehr gern. Wir lachten und ich entließ ihn mit den Worten, er solle hier nicht so den Warmduscher geben. Immerhin habe es noch knappe 20 Gräder und er wolle mir hier doch nicht ernsthaft erzählen, dass er friere. Alkoholleichen konnte ich auch gegen 4.00 Uhr noch keine ausmachen, vielleicht hatten sie sich aber zum Sterben auch nur in den benachbarten Wald zurückgezogen. Mir egal. Ich war müde und klebrig von braunem Zucker und Schnaps und wenn ich nicht in stetiger Bewegung gewesen wäre, hätte ich einen vortrefflichen Nährboden für Insekten jeglicher Gattung abgegeben.

Ach, und die Katakomben waren ebenfalls vertreten in Form einer jungen Dame, die mir frenetisch zuwinkte, derer ich mich aber nicht entsinnen konnte. Sie arbeitet im Marketing und war schuld daran, dass ich heute nach träumte, man hätte mich am letzten Tag meiner Probezeit aus den Katakomben geschmissen. In meinem Traum habe ich bitterlich geweint und wegen fortdauernden, störenden Stöhnens hat mich der MamS schließlich geweckt. Das lief also finanztechnisch im oberen Bereich gestern und vielleicht bekommen wir auf unser ansonsten mehr als lausiges Sportgelände endlich mal verschlossene (d.h. mit vier Wänden drumherum und einem Dach) Umkleideräume, damit sich die angereisten Fußballer nicht weiterhin sommers wie winters in wackligen, windigen Bretterbuden ihrer Kleidung entledigen müssen. Jeder andere, pissnelkige Provinzverein hat Umkleideräume, vielleicht sogar mit Duschen. Echt erbärmlich ist das hier! Soccer experience mit einem Hauch Abenteuer, denn die Buden sind steinalt und sehen recht instabil aus. Kommt zu uns und erlebt den Fußball neu! Umziehen nahezu im Freien auch bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt und klamme Klamotten oder steif gefrorene Socken nach dem Match! Unter Umständen können auch gierige Blicke weiblicher Zaungäste mit bestellt werden! Beheizte Umkleiden sind nur für verweichlichte Softballspieler. Kerniger, waschechter und brettharter Fußball wie vor 50 Jahren. Nur bei uns buchbar … Schon wieder ein neuer Trend. Ich sollte den Beruf wechseln …

Das Fremdwort des Tages, Causeuse

bezeichnet denn auch eine unbekümmert-munter plaudernde Frau. Causeuse umschreibt aber auch ein „kleines Sofa“. Die Franzosen wieder …

Schönen Sonntag noch wünscht
moggadodde

Ach und noch was: Die Eagles haben selbst wohl niemals so exzessiv Cocktails gemixt, sonst hätte der Song wohl eher so begonnen:

Not another Tequila Sunrise,
it’s terrible late and I wanna go home
– cause I feel every bone …

Flattr this!

Dieser Eintrag wurde in Daily Soap veröffentlicht.

2 commenti su “Not another Tequila Sunrise …

  1. Brüderchen sagt:

    Heissa, ich bin der Erste! Glückwunsch zu deiner neuen webblogmäßigen Eigenständigkeit.

    Auf dass sich hier viele einfinden um sich an deinen Geschichten die das wahre Leben schreibt zu erfreuen… 🙂

    Grillen morgen geht klar. Bin allerdings erstmal in München (geschäftlich, leider). Mein Erscheinen kann sich daher je nach Verkehrslage etwas verzögern…

    CU,
    Bruder

    [Antwort]

  2. moggadodde sagt:

    Ladies and Gentleman, we proudly welcome Brüderchen! Danke für die guten Wünsche und du musst dich nicht hetzen, morgen. Unser Hyper-Turbo-Wahnsinns-Grill ist schnell einsatzbereit und auch wir haben am Nachmittag noch Termine … Ich freu mich.
    Sista

    [Antwort]

Kommentar verfassen