Soul Food statt Salbei

Auch wenn heute überall Halloween das beherrschende Thema ist, ich kann nicht über meinen Schatten und auf diesen nervigen Zug springen. Dazu nur so viel: Ich habe Hank vorhin aus einem ausgedienten Bettbezug noch ein Geisterkostüm geschnippelt, weil er mit seinen Kumpels unbedingt durch die Gemeinde ziehen und Süßzeug erbetteln will. Falls sich hierher jemand verirrt, bitte, nur zu. Ich habe gruselig schmeckende Salbeibonbons besorgt, damit im nächsten Jahr keiner mehr freiwillig hier klingelt …

Als Anti-Halloween-Programm stelle ich euch unsere Familienhymne vor, die sich mit SchwäSu und dem SchwaMa sowie dem MamS und mir sowie unter Zuhilfenahme von etwas sehr viel Phantasie vielleicht sogar ein wenig so anhört, wie Manhattan Transfer das hier zustande bringen.

Euch einen souligen Abend wünscht
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Drahtfresse de luxe

Wenn ihr ein Geschenk sucht für einen Plastikgangsta, der schon genug Base-Caps, Goldketten, Puck-die-Stubenfliege-Sonnenbrillen, Arsch-in-Kniehöhe-Hosen und unzähliges Klunkerzeug im Schrank hat, hier noch der ultimative Tipp, wie der Patenonkel/die Patentante oder die Checker-Ellies garantiert voll phat auf der voll krassen Winnerschiene fahren: Schenkt dem Intelligenzallergiker doch einfach einen Grill! Damit meine ich jetzt nicht den Würstel-Grill sondern eine funkelnde Verzierung für die Futterluke,

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damit der Terrorkrümel unglaublich rolexen und sich gegen alle Tittenfische und Tafelglotzer so richtig geschmeidig abgrenzen kann. Was, ihr sagt das sieht bescheuert aus? Eyyy allda, is voll geil son grill, biss du nullchecker odda?

Und immer schön cremig bleiben, Leutz!
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Zur Gabenbereitung

Nicht mehr lange und das so genannte „Fest der Liebe“ steht wieder vor der Tür. Umso wichtiger ist die richtige Vorbereitung auf das alljährliche Großkampfereignis. Krawatten, Socken und Schnellkochtöpfe sind zu Recht geächtet, deshalb hier zunächst ein Gabenvorschlag für den golfsportbegeisterten Herrn. Geschickte Frauenhände können hier die Kosten auf ein Minimum reduzieren, etwas Kunstrasen von OBI zuschneiden, zwei Golfbälle und ein kleiner Putter – fettich.

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Für die Dame gibt es hier ein ganz besonderes Geschenk (etwas kostspieliger zwar, aber die ewige Dankbarkeit der Beschenkten ist hiermit garantiert)

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und für den Nachwuchs natürlich DER Dauerbrenner

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Für glänzende Augen unter grünen, goldbehangenen Tannenwedeln dürfte nachhaltig gesorgt sein …

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Déjà-vu

Eine Reise in die Vergangenheit unternahm ich heute. Meine Eltern hatten meinen Bruder und uns zum Mittagessen in eine Lokalität eingeladen, die in meiner Kindheit mein zweites Zuhause war, in der meine Kommunion gefeiert und in die ich als Braut an meinem Hochzeitstag „entführt“ wurde. Meine Eltern waren Stammgäste in der Kneipe, die vis-a-vis zu unserer damaligen Wohnung lag. Faschingsfest und feierfreudig waren sie früher und viel zu oft durfte ich sie zum „Kappenabend“ oder an Silvester begleiten, wurde mit Mirinda und Salzstängeli auf einen Stuhl gesetzt und beobachtete die immer betrunkener werdende Meute, die ausgelassen und immer mit einem schlüpfrigen Witz auf den Lippen feierte, als ob es das letzte mal wäre. Fast jeden Abend verbrachten meine Eltern dort und sehr gut erinnere ich mich noch daran, wie sie mir „beibrachten“ alleine zu bleiben.
Ich war fünf Jahre, wachte in der Nacht irgendwann auf und es war niemand da. Ich trommelte an die abgeschlossene Wohnungstür (wir hatten damals noch kein Telefon!), bis eine Nachbarin aufmerksam wurde und meine Eltern aus der Kneipe holten. Sie kamen sofort, versohlten meinen kleinen Hintern und ich sehe meine Mutter noch vor mir, wie sie sagt: „Und wir gehen jetzt wieder. Wenn wir wiederkommen und du heulst immer noch, kriegste nochmal.“ Diese Szene sehe ich vor mir, als wäre sie erst gestern passiert, darauf angesprochen meinten meine Eltern, dass das ja gar nicht so war. Jedenfalls blieb ich ab dieser Nacht sehr oft allein zuhause. Mein Vater ist „Bierbrauer“ und als solcher verdammt trinkfest und von massiver Statur und wenn man behauptet, Ehepaare würden sich mit den Jahren immer ähnlicher, trifft dies zumindest für die Alkoholaufnahmefähigkeit meiner Mutter zu. Später, mit ungefähr 12 oder 13, begleitete ich meine Eltern regelmäßig am Wochenende nachmittags in diese Kneipe, frühreif und vorzeitig entwickelt, stolz, dem Kreis der Erwachsenen am Rande zuzugehören. Mit meinem kleinen Bruder wurde ich am frühen Abend heimgeschickt, während meine Eltern sich noch 5 oder 6 „Halbe“ gönnten. Ich sehe auch noch einen „Freund“ meiner Eltern, der während ihrer Abwesenheit angetrunken bei uns klingelte und versuchte, in die Wohnung zu gelangen, indem er sich mit seinem kleinen, gedrungenen Körper gegen die Tür drückte. Ich stemmte mich von innen dagegen, fühlte, wie der Läufer im Gang unter meinen Füßen wegrutschte, der Mann immer weiter in die Wohnung kam, fühlte furchtbare Angst und fing an zu schreien, woraufhin der Mann flüchtete. Inzwischen hatten wir schon Telefon, ich rief meine Eltern an und sie kamen sofort. Mein Vater nahm sich den Mann zur Brust und der Vorfall wurde ansonsten nicht mehr erwähnt. Diesen kleinen Mann kann ich noch heute aus dem Gedächtnis hervorholen, ich weiß noch seinen Namen und wo er mit seiner Familie wohnte.

All das ging mir durch den Kopf, als wir heute in dieser Spelunke saßen, die den fünften Pächter seit dieser Zeit hat. Nichts hat sich verändert, die dunkel getäfelten Wände sind immer noch die gleichen, auch das typische 70er-Jahre-Kneipenmobiliar, die Spielautomaten an den Wänden (natürlich neu, aber an der gleichen Stelle), der Geruch auf dem Weg zu den Toiletten nach Klostein und Küche, es gibt sogar noch die „Gassenschänke“, eine Durchreiche mit Türchen zur Straße, wo noch heute Eis und Flaschenbier verkauft werden.
Der aktuelle Wirt ist ein Inder im Hawaiihemd, der sein Lokal „Pizzeria Denny“ nennt und der mit seiner, einen Sari tragenden Frau neben italienischem auch indisches und mexikanisches Essen anbietet. Eine Totgeburt ist dieses neu eröffnete Lokal schon jetzt, niemand, der auch nur einen Funken Atmosphäre bei der Nahrungsaufnahme möchte, zieht einen Besuch dort ernsthaft in Erwägung. Es riecht immer noch nach Frittierfett und Rauch, genau der Geruch, der meinen Eltern früher anhaftete, wenn sie kichernd und schwankend heimkamen.
Meine Eltern, insbesondere meine Mutter, haben mich und meinen Bruder aber, von einigen lässlichen Ausrutschern, die allen Eltern unterlaufen, immer gut und liebevoll erzogen. Meine Mutter verschwieg meinem Vater die schlechten Noten und ließ mich am Sonntag bis mittags schlafen. Ich musste nie im Haushalt helfen, wurde aber zum Babysitter für meinen Bruder zwangsverpflichtet, dem ich, so kommt es mir heute vor, öfter das Fläschchen gab als meine Mutter. Vielleicht liebe ich ihn deshalb heute so.

Der kleine Mann, der mich damals in unserer Wohnung so bedrängte, ist vor ein paar Jahren gestorben, aber auch Zwerge können lange Schatten werfen.

Euch eine friedliche Nacht wünscht
moggadodde

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Unter Verdacht

Gestern habe ich mich also gezwungenermaßen einmal wieder meiner hausfraulichen Pflichten erinnert und Wäscheberge, die mich an die Zugspitze erinnerten, abgearbeitet. Dixie ist im Rahmen ihrer Tätigkeit als Schulsanitäterin zu einer Fortbildungsveranstaltung mit den Johannitern in München. Nun hatte sie gestern früh schon wieder „kein Bock“, da mit zu fahren, weil da „voll die Spasten“ dabei seien und ihre „Leutz“ sich nun doch nicht angemeldet hätten. Angemeldet ist angemeldet, beharrte ich. Wenn jeder, der sich angemeldet hätte, am letzten Tag die Biege macht, weil er gerade unlustig ist, stünden die Ausbilder in München, hätten Unterkunft sowie Futter organisiert und könnten sich in den Arsch beißen, weil sie sich mit 5 Hanseln das Wochenende um die Ohren hauen müssen. Wenn sie hier bleiben wolle, müsse sie selbst höchstpersönlich in München anrufen und absagen, was sie natürlich nicht tat und jetzt Kurse besucht wie: „Psychologische Betreuung bei schwierigen Einsätzen“ oder „Praxistraining auf Erste-Hilfe-Niveau mit speziellen Notfällen in der Schule“. Nachdem sie erst morgen am späten Abend zurück erwartet werden darf, liegen zwei Tage ohne Geschwisterstreit und Schimpfworte vor uns und das ist eine schöne Aussicht, wie ich finde.

So leicht ich auf Stunk am Frühstückstisch auch verzichten kann, gehört zu unserem samstäglichen Frühstücksritual allerdings zwingend die Lektüre der Tageszeitung. Der MamS fährt jeden Samstag die Brötli ofenwarm vom einzig wahren Bäcker, der leider 15 km weiter sitzt, heran. Schwere Exemplare, mit dickem Innenteil, hell gebacken und ein Samstag ohne „Bäcker-Schäfer-Brötli“ ist kein richtiger Samstag. Das gilt auch für die Zeitung, nur passierte es jetzt das dritte mal in Serie, dass wir keine im Kasten hatten.
Die vergangenen Samstage dachten wir noch, ein Aushilfszeitungsausträger hätte die Zustellung verbockt und ich rief jedes Mal bei der Abobetreuung an, die uns per Kurier (natürlich erst am Nachmittag!) ein neues Exemplar brachte. Heute aber hatten wir eine, wenigstens kurz. Als der MamS nämlich wegfuhr, prangte sie noch dick im Briefkastenschlitz. Als er mit dem Frühstück wiederkam, war die Zeitung weg, geklaut. Gemeinerweise gestohlen. Hinterhältig gerippt. Hundsgemein entwendet. Der MamS schob schon wieder SOOO einen Hals wegen dem diebischen Drecksgesindel hier im Haus, pfefferte das dicke Bündel Werbewurfsendungen durch die Küche, die der dreckige Dieb natürlich nicht aus dem Briefkasten mitgenommen hatte und ohne Zeitung konnten die Schäfer-Brötli schmecken wie sie wollten. Samstagsfrühstück ohne Samstagszeitung ist Scheiße.
Wir müssen uns jetzt eine Strategie überlegen. Dass ein Passant die 15 m vom Gehsteig zum Briefkasten läuft, ausgerechnet unsere Zeitung rippt und weiterspaziert, halte ich für unwahrscheinlich, auch weil hier in der Straße relativ wenig Fußgängerverkehr herrscht. Der Dieb muss also hier im Haus sein und da gibt es nach meiner Ansicht nur 2 Kandidaten: Der eine, der Sektierer, war heute Nacht nicht da, hat also ein Alibi. Die anderen, Fuzzi und Babuschka unter uns, passen eher ins Raster und werden ab sofort verstärkt unter die Lupe genommen. Ich schlug vor, samstagfrüh die Zeitung mittels unauffälligem Edding-Strich zu markieren und stecken zu lassen und dann ganz unverfänglich vorstellig zu werden mit der Frage, ob ich mir denn die Zeitung mal ausleihen könnte, aber das ist ja vollkommen blöd, weil Fuzzi und Babuschka keine Abonnenten sind. Nächster Vorschlag war die Anbringung von Zauberpulver auf der Zeitung wie bei markiertem Lösegeld, die den Dieb mit leuchtender Gewissheit an den Händen entlarven würde. Aber woher bekomme ich dieses Zeug? Vielleicht aus einem Kinder-Detektiv-Experimentierkasten oder so? Bei der SpuSi kenne ich leider keinen. Ich könnte mich auch im Haus gegenüber konspirativ einmieten und mich dann mit Teleobjektiv observierend auf die Lauer legen. Irgendwas muss jedenfalls passieren. Und wenn ich die dreckige Sau den Dieb dingfest gemacht habe, erscheint mir die umgehende Entfernung eines Fingergliedes (wie in „Black Rain“) als keine zu harte Strafe. Ein Samstagsfrühstück ohne Samstagszeitung ist jedenfalls wie ein Eagles-Konzert ohne Glenn Frey.

Ich habe überdies den Verdacht, der MamS liebt mich nicht mehr. Eben musste ich selbst eigenhändig und höchstpersönlich mein Auto saubermachen und das gibt mir auch zu denken …

Euch ehrlich einen schönen Tag wünscht
Mrs. moggadodde Marple

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