Freitag, der Dreizehnte

Nein, zu diesem überall durchgenudelten Thema lest ihr hier nichts, das ununterbrochene Dauerbangemachen ging mir heute nämlich mächtig auf die Eierstöcke. Zu berichten habe ich allerdings dennoch ein wenig:

Gestern hat der MamS sich Sönke Wortmanns „Sommermärchen“ angeschaut und viel für seine temporäre Tätigkeit als Trainer der F-Jugend mitnehmen können. Obwohl er wegen der aufkeimenden Übelkeit ob der verwackelten Aufnahmen gegen Ende des Films die Augen geschlossen halten musste, kupferte er vom Bundesjürgen zumindest die kessen Motivierungssprüche ab, deren Tauglichkeit er heute gleich beim anstehenden Spitzenspiel der F-Jugend an der lebenden Materie ausprobierte. Ruckizucki lagen seine Buben, ein bunter, verschworener Haufen, teilweise mit Migrationshintergrund (u.a. Artur, die armenische Wand, ein herzenslieber, 9jähriger, quadratischer 45-Kiloklops, der jeden Gegner mit einer erstaunlichen Wendigkeit und meist oft manchmal vollkommen fair vom Ball befreit), 3 : 0 im Hintertreffen. Der MamS tigerte an der Seitenlinie auf und ab und probierte Sprüche wie „Los Jungs, die sind nicht besser als ihr!!!“ oder nach dem 4 : 1: „Ihr seht doch, dass es geht, die packt ihr noch, die kochen doch auch nur mit Wasser!“. Nachdem der Ritalin-Marvin seinen direkten Gegner mit der Blutgrätsche bedachte und unser Torminator Gregory den völlig zu Recht gepfiffenen Siebenmeter nur knapp um zwei Meter verfehlte, war das Spiel gelaufen und endete 6 : 3.

Zum Kochen blieb keine Zeit, so kehrten wir am Abend in eine Pizzeria ein und hier bedauerte ich einmal mehr die fehlende Digicam. Zu gerne hätte ich hier die purpurroten Plastikrosen präsentiert, die die Tische schmückten. Die Musikanlage versetzte den MamS und mich in unsere Jugend zurück. Wohltuend, nicht die unsägliche Neo-Italo-Mucke oder etwa Andrea Bocelli, dem in einem italienischen Lokal entkommt meist niemand entkommt, noch viel Unsäglicheres tat sich auf und der MamS beeindruckte mich einmal mehr mit seinem unglaublichen, musikalischen Erinnerungsvermögen. Sogar bei den Stiefeln kennt er sich aus und Titel und Interpreten wie „Alice“ mit „Per Elisa“, „I Santo California“ mit „Tornero“ hätte ich auch gewusst aber „Alan Sorrenti“ mit „Tu sei l’unica donna per me“ hatte ich schon viele Jahre nicht mehr gehört. So sprach ich dem Signore Alberto ein Kompliment nicht nur zu meiner sehr schmackhaften Pizza mit Sardellen und Kapern (nicht die Nase rümpfen, das schmeckt geil richtig gut), sondern auch zu seinem konservativen Musikgeschmack aus, was ihn so stolz machte, dass er noch zwei Espressi aufs Haus ausgab.
Da fällt mir ein, dass ich heute gelesen habe, dass es auf den Philippinen einer findigen Dame gelungen ist, aus Katzenkot einen angeblich schmackhaften Kaffee herzustellen. Die Zibetkatze pflegt nämlich Unmengen von Kaffeekirschen zu verspeisen und die fermentierten Bohnen wieder auszuscheiden, die dann gewaschen, getrocknet und geröstet werden. Der daraus gebrühte Kaffee schmecke angeblich süßlich und leicht schokoladig und wird in China, Australien, Taiwan und bei den Amerikanern verkauft und auch Japan Airlines schenkt ihn in ihrer Business Class aus, sogar in einem Wiener Kaffeehaus werde „Alamid“, der als teuerster Kaffee der Welt deklariert wird, angeboten. Noch nie war die Redewendung, dass es gelänge, aus Scheiße Geld zu machen, treffender als hier.

Hank fiel eben wie eine gefällte Eiche in sein Bett, während Dixie mit einer Gruppe „Leutz“ im Zelt zu übernachten gedenkt. Auf den Einwand, dass es des nachts Mitte Oktober etwas kühl werden könnte, wandte sie ein, dass ihr Rosenkavalier über einen Thermoschlafsack verfügt, „er hat zwei“ schob sie schnell hinterher.

Das Fremdwort des Tages,

Necking

umschreibt jedenfalls den Austausch von Zärtlichkeiten oberhalb der Gürtellinie(n) und wird als Vorstufe des Petting gehandelt.
Als Dixie vorhin winkend das Haus verließ, versuchte sie mich noch zu beruhigen mit den Worten „Mama, es kommt zu keinerlei biologischem Kontakt“. Nun frage ich mich trotzdem, in welche Kategorie dann das Knutschen fällt …

Euch eine neckische Nacht wünscht

moggadodde

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Dieser Eintrag wurde in Daily Soap veröffentlicht.

11 commenti su “Freitag, der Dreizehnte

  1. morgiane sagt:

    ja, es kommt eine aufregende zeit auf dich zu. als meine süße den ersten freund heim brachte, verfiel ich in dumpfes brüten, ob denn meine erklärung von verhütung in zeiten von aids reich- und vor allem nachhaltig genug war. habe dann bei nächster gelegenheit mit ihr gesprochen, so voll cool, mutter-tochter, habs jedenfalls versucht…sie hat abgewunken und gesagt, sie wäre noch nicht soweit…freund nr. 2 erschien und verschwand am horizont mit dem gleichen argument…dann kam nr. 3…und der peinliche moment, als ich ins zimmer platzte….*f**ck*…habe ihr dann bei nächster gelegenheit ein paar kondome gesponsert. weil…ist billiger wie enkelkind…muß noch nicht sein…jetzt ist sie 17 und verantwortungsvoll, will heißen, ich entspannter…

    war das doch schön, als sie noch mit barbies spielte…

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  2. „…auf die Eierstöcke…“ – Erstaunlicher Spruch, noch nie gehört. Ich lerne aber gerne dazu.

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  3. socki sagt:

    Was es alles gibt…. Ich trinke hier ganz normalen Bohnenkaffee und ich glaube, da bleib ich auch dabei. Geröstete Katzenkacke ist nicht so mein Ding. Mein absolutes Ding ist aber Sardellenpizza mit Kapern und scharfer Salami. Schmeckt sowas von geil! Wer da die Nase rümpft hat keine Ahnung oder einen empfindlichen Magen.

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  4. bt sagt:

    Thermoschlafsäcke, kein Biokontakt? Die Ausreden werden immer besser.

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  5. moggadodde sagt:

    @ morgiane: Geredet haben wir natürlich auch und ich denke, sie weiß um die „Gefahren“. Aber trotzdem beschleicht mich immer ein blümerantes Gefühl. Ihren derzeitigen Kavalier mag ich sehr (jaja, ich weiß, dass das nichts zur Sache tut, aber trotzdem) und endlich mal gleich alt. Es wird noch einige Aufregungen geben, da bin ich mir sicher.

    @ uwe: Komm‘ wieder und ich lerne dir Sachen … 🙂

    @ socki: Die Pizza des MamS (Diavola) war wohl nicht ganz hasenrein. Er berichtete, er sei heute Nacht zwei Stunden mit Bauchweh umhergetigert. Ich bekomme sowas nicht mit. Ich schlafe wie ein Granitblock.

    @ bt: Outdoor sleeping war doch nichts. Übernachtet hat sie dann schließlich beim Kavalier daheim. Mit oder ohne Biokontakt weiß ich nicht. Jedenfalls ohne Thermoschlafsack.

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  6. morgiane sagt:

    liebe mutterkollegin,
    habe festgestellt, dass kontakt und damit einhergehend sympathieentwicklung das leben erleichtert. so kann ich mir von den kandidaten ein bild machen, um sie dann nach und nach los zu lassen. und auch ich war jung, weiß um die nur allzu wahre, wo ein wille da ein gebüsch these und ziehe es dann vor, dem jungen glück hier obdach zu gewähren. so lange sie nicht wieder auf die idee kommt ihn hier tagelang kampieren zu lassen…
    und biokontakt…die ersten schmetterlinge…seufz…

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  7. socki sagt:

    Der MaDS hat mein Mitgefühl. Auch ich kann mich über nächtliches Bauchweh nicht beklagen aber am nächsten Tag hab ich noch was von den Peperonies. Es heißt nicht umsonst, die brennen zweimal….

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  8. Mephisto sagt:

    Wenn der Kavalier mit den zwei Thermorucksäcken pfiffig genug ist und „unglücklicherweise“ und „versehentlich“ das Glas alkoholfreie Apfelsaftschorle über den zweiten Rucksack gießt, zeigt sich, ob er deine Tochter wirklich mag. Z.B. in dem er anbietet, ihr etwas Platz in seinem zu schenken 😉

    Nicht, dass ich solche Gedanken in der Praxis je gehabt hätte, ich meine ja nur.

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  9. barbara sagt:

    in dem Alter verschütten sie nicht absichtlich:-)
    Jeder Junge in dem Alter sollte sich einen Berater nehmen.

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  10. Mephisto sagt:

    @barbara: wenn ich so zurück denke … ja, ein Berater wäre nicht schlecht gewesen 😉

    Warum schreibe ich da oben eigentlich von Rucksäcken? Ein altes Jugendtrauma? Wer weiß…

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