Downtime

Nicht besonders gut war mein Befinden gestern Abend. Nach den Katakomben, wo die Zeit träge und schleichend und wie in einer nicht endenden Zeitlupe ablief, erwartete mich daheim eine hungrige, meckernde Meute Kinder, die ein Abendessen einforderte. Ich also ab in die Kochzone und einen Reisauflauf mit noch im Gefrierfach gefundenen Garnelen (Penny-Markt, also günstig, ihr braucht nicht so zu gucken) und Tomaten gemacht und das Ganze mit Parmesan überbacken. Hank mag keine Garnelen und mokierte sich über Fischreste auf seinem Teller. Dixie fasste nach, wollte aber nur Käse und Tomate und Garnelen, weshalb der MamS meinte, sie müsse auch Reis nehmen. Er selbst bediente sich bei seinem Nachschlag aber ebenfalls nur an der Auflage, was Dixie aufbrachte: „Ich dachte, man muss auch Reis nehmen“. Der MamS schoss zurück, dass ER nehme, was ER wolle und Dixie verließ laut schimpfend den Tisch. Superstimmung also und ich musste mein Besteck beiseite legen und dachte nur: „Geht das Gottverdammt auch mal ohne Streit beim Essen“, machte verbal meinem Unmut Luft und musste wegen der gefühlsmäßigen Großwetterlage einige Tränen absondern, was den MamS zu der hirnrissigen Bemerkung veranlasste: „Wenn du das nicht schaffst dann kündige doch. Keiner verlangt, dass du, wenn du arbeitest, abends mordsmäßig aufkochst!“ Blödmann, der! Ich bin aber tatsächlich im Moment irgendwie überfordert, ohne Energie, leicht reizbar und würde am liebsten wegfahren, ein oder zwei Monate nur für mich sein, damit ich danach mein eigentlich relativ sorgloses, gesichertes und beständiges Leben wieder zu schätzen weiß. Mag sein, dass ich eine selbstsüchtige, dumme Pute bin. Aber zeitweise gehen mir hier alle derart auf die Nerven, dass ich gerne wie im bekannten Fall zum Zigarettenholen gehen und nicht wiederkommen möchte! Außerdem habe ich zunehmend Schmerzen an der Stelle, an der sich vor einem Jahr noch meine Gallenblase befand, wobei ich nicht weiß, ob der Begriff „Phantomschmerz“ nur für verlorene Glieder oder auch für entfernte Organe gilt …

Der Lichtblick des gestrigen Tages war die mail vom Käufer unserer Espressomaschine, der mitteilte, dass sie gut angekommen und er schon einem Kaffeeflash nahe sei; die Maschine sei seine neue große Liebe, wobei er sich in seinem Leben bisher dreimal „auf den ersten Blick“ verliebt habe. Zweimal seien es Katzen gewesen und einmal eben diese Espressomaschine.
Vielleicht sollte ich meine Anforderungen ans Leben auch nur einfach etwas zurückschrauben …

Euch einen zufriedenen Tag wünscht
moggadodde

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Dieser Eintrag wurde in Daily Soap veröffentlicht.

14 commenti su “Downtime

  1. socki sagt:

    Sach Bescheid, ich komm mit. Die obligatorische Frage nach den drei Dingen, die ich auf eine einsame Insel mitnehmen würde, müßte ich mit drei Ausschlußdingen beantworten. Nicht meine Kinder, nicht mein Ehemann, nicht mein …(was drittes fällt mir grad nicht ein). Einfach mal keinen um einen herum, der wahlweise nölt oder was von einem will und dem mans eh nicht recht machen kann.

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  2. Dalzo sagt:

    Auch mein Daddy ist vor 10 Jahren kurz einmal Zigaretten holen gegangen. Ob er wiederkommt? Ich denke mal, da er eine so ausgefallene Marke raucht, hat er sie in der Trafik nicht gleich bekommen, musste also zum Duty Free Shop am Flughafen. Dort hat er sich dann beim Rausgehen in der Tür geirrt und ist in ein Flugzeug gefallen.

    Ha! … da klopft wer an der Türe! Daaaaddy? Daaaaaaaddy? …………..äh ….. nein, nur der Postbote.

    Ich habe Zeit

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  3. morgiane sagt:

    diem phasen kenne ich, und bestimmt alle anderen hier, auch…ich glaube, du solltest dir mal wieder einen netten mädelsabend gönnen…oder schnapp dir den mams…

    dir wird schon das richtige einfallen…

    schönes wochenende mit brötchen und zeitung wünsche ich dir!

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  4. barbara sagt:

    es gibt Tage, da führt kein Weg ins Glück….
    Ich hoffe trotzdem, Du kriegst die Kurve noch hin und kannst am WE etwas für Dich alleine machen oder eben nach Gusto.

    lieb grüß *umärmelung‘

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  5. Brüderchen sagt:

    Hey Schwester, was machst du da? Weißt du was du da anstellst wenn du so Zeugs schreibst…? Die Chancen, dass ich jemals mich auch nur annährend in Richtung Familienplanung begebe sinken mit jedem Gruselbeitrag wie diesen dramatisch… Ich werde dann einsam und vergessen sterben ohne Kinder und Enkel an meinem Grab die um mich weinen…

    Liebe Grüße vom einsamen Bruder…* 😉

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  6. moggadodde sagt:

    @ socki: Eine Wagenladung Fluppen, eine Bücherwand, die immer frisch aufgefüllt wird, eine Kaffeemaschine, einen Computer und eine gute Matratze. Hm, das sind fünf Sachen. Ich verzichte auf die Matratze und die Bücherwand. Lesen kann ich auch im PC und Schlafen im feinen Sand. Die Insel muss aber weit weg sein, die Osterinseln wären nicht schlecht. Oder der Mond. Der Mars. Pluto …

    @ dalzo: Ich fahr‘ dann mal los. Zum Flughafen. Ich rauche auch eine spezielle Marke …

    @ morgiane: Der MamS ist heute das, was ich nach den Kindern am wenigsten brauche. Mal sehen, vielleicht werde ich mich einfach nur gepflegt betrinken.

    @ barbara: “ … kein Weg ins Glück“. Das hast du schön gesagt! Danke!

    @ brüderchen: Du weißt, dass ich tue was ich kann, damit du nicht ins Unglück läufst … Du brauchst keine Kinder und Enkel und schon gar kein Eheanhängsel, die dir den letzten Nerv rauben und ob sie an deinem Grab dereinst weinen werden, sei auch dahingestellt. Aber drei Tatsachen stehen fest: 1.: Einsam bist du mit Sicherheit nicht, 2.: du weißt, wie ekelhaft dein Schwager sein kann und 3.: Ich liebe dich.

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  7. Gerlinde sagt:

    Kopf hoch – auch bei mir läuft zur Zeit alles schief, was nur schief laufen kann. Und das Ganze ohne MamS und halbreifem Gemüse. Ich sag mir einfach, dass es am Mond liegen muss. Dauervollmond oder so 🙂

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  8. Mephisto sagt:

    Mit dem ein bis zwei Monate Wegfahren klappt das meistens nicht ganz so gut, dem Schrei nach einer Auszeit sollte man aber prinzipiell schon folgen. Mir reichen häufig ein paar Stunden in irgendeinem Cafe, abseits all dem, vor dem ich gerade flüchten muß. Oder einen geruhsamen halben Tag in einer Saunalandschaft. Oder ein Tag, an dem ich mich von meinem Vierzylinder durch die Lande treiben lassen, abends wieder brav heimkehrend…

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  9. Diane sagt:

    Hi,
    in eine Espressomachine war ich noch nie verliebt *g* … da bin ich auch wieder …
    geht es Dir heute wieder besser?

    Liebe Gruesse 🙂
    Diane

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  10. moggadodde sagt:

    @gerlinde: Ja, der Mond … ist sicher schuld an vielem, aber nicht an allem. Dir wünsche ich, dass es bald wieder rundläuft in deinem Leben!

    @mephisto: Ja, einige Stunden vollkommene Einsamkeit reichen oft schon aus, um wieder ins Gleichgewicht zu kommen. Gestern war ich am Abend alleine, holte dann eine Menge Schlaf nach und heute sieht die Welt schon wieder anders aus.

    @Diane: Espressomaschinen haben als Objekt der Begierde einen entscheidenden Vorteil: Sie geben keine Widerworte … Ja, ich bin wieder auf dem Damm, eingenordet, auf der Erde angekommen und wieder ganz die Alte!

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  11. bt sagt:

    Drei Tage bin ich faul und kaum online und schon muss Dr. Sommer wieder eingreifen…

    Ich hab deinen Gatten so verstanden (die Kernaussage ist gemeint, das Tiefgründige wisst ihr selber zu klären): Wenn du arbeitest, musst du dir am Abend nicht noch den Allerwertesten am Herd aufreißen. Vielleicht lassen sich an den beiden Tagen die Kids einspannen (Vor- Zu- und Nacharbeit, wer mitkocht nörgelt weniger). Da stand doch was im BGB (?), von wegen Kinder können zur häuslichen Mitarbeit eingespannt werden. Außerdem braucht jeder in der Familie seine Rückszugszone und -zeit. Also, frag mal die anderen, wie sie darüber denken und welche Lösung sie anbieten können (keine Improvistaionen bitte!). Und die speziellen Affinitäten Vater/Tochter sind nicht immer dein Ding, auch wenn dein Gerechtigkeitsgefühl leidet. Meist lässt sich sowas zu einem späteren Zeitpunkt weniger impulsiv aufarbeiten. Also auf Durchzug schalten, und danach jeden einzeln vorknöpfen. In der Gruppe will keiner sein Gesicht verlieren (z.B. der Gatte vor der Tochter). Zudem will Streitkultur entwickelt werden bzw. gelernt sein – echt. Hab ich bis vor zehn Jahren auch nicht gewusst. Die Psychos (ja die, du weißt, wen ich meine) trainieren das richtig mit ihren Familien. Ist keine Schande, wenn man es nicht im Urin hat.

    Der (Alb-)Traum in deinem nächsten Beitrag ist kein Wunder – Ehrlich! Und mit dem Bauch geh‘ zum Doc, wenn es nicht nur bei Streß drückt. Das kann alles mögliche sein – ja auch die Narbe.

    Ein lecker Rosébeschwipster wünscht dir was 🙂

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  12. moggadodde sagt:

    Im Großen und Ganzen funktionieren die Tipps für das familiäre Zusammenleben, die ich ja auch weitgehend beherzigen kann, ganz gut. Manchmal allerdings, wenn noch bestimmte, ich nenne es mal, hormonelle Unregelmäßigkeiten erschwerend in die Abläufe eingreifen, tritt schnell eine Konfliktlösungsblockade ein. Da kann ich halt nicht anders als emotional reagieren, manchmal überzogen, das gebe ich zu, aber in diesem speziellen Moment eben nicht zu ändern. An Gelegenheiten zum Erlernen einer gesunden Streitkultur herrscht auf dem hiesigen Truppenübungsplatz mit Sicherheit kein Mangel. Manchmal sind die Waffen nur ungerecht verteilt.

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  13. su. sagt:

    du, LieTanHei? bin auch mal wieder da…bin auch verliebt, aber katzen und espressomaschine (unsere frau jura macht zicken…sie läßt ständig dampf ab, ohne vorher ein kaffeebrünnlein zu kredenzen – miststück!) habe ich schon hinter mir….nein, mich setzt die e-gitarre in verzückung!!!….ich warte auf´s weihnachtsgeld, wie sonst die kleinen auf´s christkind….29mal werden wir noch wach, heißa dann ist weihnachts- äähhh – tach!

    ps: hau meinem bruder doch ab und zu einfach mal eins über die rübe….vielleicht steht er ja drauf!

    bussi!

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  14. moggadodde sagt:

    Hey su! Hast dir also eine ausgeguckt? Baldmöglichst erwarte ich eine vollkommen originalgetreue Wiedergabe von „Smoke on the water“. Du darfst auch als Emmylou Harris kommen! Ich bin schon ganz gespannt!

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