Catwash

Hat doch unser Vermieter wieder an der Heizung herumgefummelt? Kein warmes Wasser – da wurden natürlich nur die nötigsten Regionen mit Erfrischung bedacht … und die Haare selbstredend, bei relativ kurzen Haaren muss leider täglich gewaschen werden. Die Kopfhaut prickelt und ist kurz davor taub zu werden, deshalb schnellschnell an den Föööön, Stufe 3 und 10 Minuten, damit die Birne auftaut und das wohlig-warme Kopfgefühl sich wieder breit macht.
Jetzt mach ich dem MamS noch ein Memo, damit er gleich mal den Vermieter auf Sommerzeit umstellt!

Euch einen sonnigen Samstag wünscht
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Orale Belästigung

Um den Konsumklimaindex zu pushen und nebenbei meine arg heruntergekommene Garderobe ein wenig zu ersetzen, unternahmen wir einen ausgedehnten Nachmittag in der Innenstadt und gönnten uns abschließend einen Besuch beim Inder-Pakistani. Zwischen Tandoori-Chicken und Mango-Lassi beobachtete ich eine Unart, der ich schon lange nicht mehr begegnet bin: Zwei Tische weiter bearbeitete ein Enddreißiger die Speisereste zwischen seinen Zähnen. Mit seiner riesigen, linken Pranke als Sichtschutz schirmte er die rechte Hand ab, die mit einem Zahnstocher hingebungsvoll und in allen möglichen Winkeln sein Gebiss reinigte. Er bearbeitete hingebungsvoll seine Kauwerkzeuge und verfolgte das Tischgespräch, unbeeindruckt von meinen entgeisterten Blicken, die er gar nicht wahrzunehmen schien. Hin und wieder senkte er die Sichtschutzpranke und besah sich das Ergebnis seiner Höhlenforschungen auf der Spitze seines Zahnstochers, führte denselben dann wieder in den Mund, um die erbeuteten Nahrungsrückstände dann ganz selbstverständlich wieder abzuschlecken. Es dauerte eine Weile, bis die Reinigung abgeschlossen war und meine Blicke saugten sich fest an diesem Mann, dem ich gerne die Arbeit abgenommen und ihm penibelst, metaphorisch gesprochen, die Fresse poliert hätte … Ich meine, wenn Kinder am Tisch kleckern oder mit den Füßen zappeln, wenn sie aus Unachtsamkeit das Saftglas umkippen oder verträumt in der Nase bohren, bekommen sie in der Regel einen Anpfiff, vielleicht sogar einen Klaps auf den Hinterkopf. Und beim Inder sitzt zwei Tische weiter ein ausgewachsener Kerl, der ungeniert und ungestraft in seiner Gesichtsgrotte herumkratzt. Ich hatte gehofft, diese Unsitte sei endlich ausgestorben …

Satt und müde werde ich jetzt ins Bett gehen, denn morgen ist um fünfe die Nacht gelaufen. Überstunden schrubben in den Katakomben von 7.00 bis 12.00 Uhr ist angesagt und natürlich bereue ich jetzt, am Donnerstag leichtfertig meinen Samstagseinsatz avisiert zu haben und einzig tröstet mich der Umstand, mit einer Menge Plusstunden bei den kommenden schönen Tagen vorzeitig in den Feierabend starten zu können.

Euch eine ruhige Nacht wünscht
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Abscheu, noch ohne Entsetzen

Ich verabscheue diesen Tag schon jetzt: Nach allen anderen Widrigkeiten, die heute so auf der Agenda stehen, wünscht der MamS, dass ich ihn zu einer Brauereibesichtigung heute Abend begleite, initiiert von den führenden Figuren des Sportvereins, mit anschließendem Besäufnis gemütlichen Zusammensein und Bierprobe.
Ich will um 23.00 Uhr hier wieder aufschlagen, das ist mein fester Vorsatz. Auch unsere Nachbarin von gegenüber, die unseren Kindern immer den Ball konfisziert und die in ihrem Vorgarten stets ihre Gebärmutter ausstellt ziemlich leicht geschürzt arbeitet, so dass ich nur darauf warte, bis der erste Autofahrer mit fliegenden Lefzen und ungebremst in die Mauer kracht, wird auch anwesend sein und ich glaube nicht, dass wir in diesem Leben noch mehr als Begrüßungsfloskeln austauschen werden.
Ach, wenn nur schon Nacht wäre!

Euch einen hellen Tag wünscht
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Pech im Unglück

Mit Wünschen, die in Erfüllung gehen, ist das ja so eine Sache: Der Führerscheinneuling spart eisern auf einen sportlichen Opel mit 160 Pferdestärken und seine Erzeuger schenken ihm sogar einen GT, allerdings einen Kadett, Baujahr 1983 mit 40 PS. Oder die 14-jährige wünscht sich Buffalos mit 14 cm Absatzhöhe, Oma lässt sich erweichen, beglückt den Teenager mit High-Heels zu Ostern und 2 Tage später liegt Madleen-Soraya mit doppelten Trümmerbruch und gerissenem Kreuzband im Spital. Oder der nörgelige Ladenhüter des Eheanbahnungsinstituts „Himmelreich“, nennen wir ihn Frank Z., Soziophobiker und Prothesenträger, findet endlich seine Traumfrau, die 25jährige Crystal, 100-70-90, die zum dritten Date allerdings ihren Bernhardiner Bruno mitbringt, der auf Konkurrenz bei seinem Frauchen höchst allergisch reagiert und dem Widersacher beim ersten Kuss kraftvoll die Wade perforiert, worauf Crystal umgehend den Tierarzt konsultiert um Brunos Tollwutimpfung kontrollieren zu lassen, während Frank im Stadtpark verblutet.

Nicht immer, wenn die alte Schlampe Schicksal sich entschließt, auf unser Leben Einfluss zu nehmen, meint sie es also gut mit uns. Das musste nun auch meine Mutter schmerzlich erfahren.
Gestern war ich zum Abschlussgespräch beim einzig wahren Arzt auf der Station 5 Ost, denn heute sollte mein Vater ins schöne Bad Kissingen zu einer geriatrischen Rehabilitationsmaßnahme. Meiner Mutter, die wir ohnehin nur mit Schwierigkeiten von der Notwendigkeit einer solchen Maßnahme überzeugen konnten, gefiel das gar nicht. Sie, die in den letzten mehr als 30 Jahren keinen einzigen Tag ohne meinen Vater verbracht hat, wollte, wenn überhaupt, partout eine Reha-Maßnahme in ihrem Wohnort, damit sie ihn auch weiterhin täglich besuchen und verwöhnen kann. Wir vermittelten ihr, dass sie selbst auch eine Pause braucht, immerhin führt sie seit 9 Wochen ein Leben auf Sparflamme. Meinem Vater ging es eigentlich gut. Er lief zwar wackelig und brauchte auch noch Hilfe beim Aufstehen, aber er konnte die Schwestern und auch meine Mutter schon prächtig schikanieren und kehrte langsam zu alter Form zurück. Ich rechnete also heute mit einem tränenreichen Abschied der beiden, denn sie hätten sich in den nächsten Wochen lediglich an den Wochenenden sehen können. Es kam aber alles ganz anders, denn eine heftige Lungenentzündung hat ihn nun erwischt, und eine Entlassung ist natürlich unmöglich.
Mit aller Kraft hat sie sich gewünscht, dass mein Vater am Ort bleibt; so aber hat sie sich das nicht vorgestellt. Das mit den Wünschen ist also ein verdammt zweischneidiges Schwert, mit dem man sehr bedächtig umgehen sollte. Erst nach Erfüllung wird nämlich klar, ob sich der Einsatz gelohnt hat.

Euch einen wunschlos glücklichen Abend wünscht
moggadodde

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Neues Berufsbild erfunden!

Mein meist unerschütterlicher Langmut wurde heute früh schon wieder auf eine harte Probe gestellt:
Der MamS ist in gesundem Zustand ja eigentlich ein recht umgänglicher Zeitgenosse. Bei kleinster Einschränkung seines körperlichen Wohlbefindens jedoch nimmt sein Wesen hypochondrische Züge an und Dixie würde es wohl so formulieren, „Da kann ich ja gar nicht drauf“. Seit einigen Tagen plagt ihn ein Schnupfen. Jawohl, eine schnöde, popelige, zugegebenermaßen lästige Rhinitis, die er sinnvollerweise mit gängiger Medikation zu lindern sucht. Abschwellendes Spray und viel Schlaf. Der trockene Husten, der sich inzwischen hinzugesellte, wird von Ambrohexal nur leidlich bekämpft.
Heute früh nun schleppt sich der Ärmste aus den Federn, ächzend und um mein Mitleid heischend, frei nach dem Motto: „Jetzt werd’ endlich wach und bedaure mich!
„Ich hab’ mir überlegt, ob ich nachher zu Dr. M. gehe“, sagt er. Ich sage „Hm“ und drehe mich um. Geräuschvoll zieht er den Inhalt seiner Nase nach oben und sucht seine Socken. „Mir geht’s gar nicht gut, aber ich will nicht schon wieder daheim bleiben“ stellt er fest und wartet auf meinen Widerspruch und ich bestätige im Dämmerschlaf halbherzig, dass das in den letzten 9 Wochen schon der dritte Montag wäre. Weil ich aber nicht an seinem verfrühten Ableben schuld sein möchte, schiebe ich noch ein: „Wenn’s so schlimm ist, musst du wohl zum Arzt“ hinterher. „Ich glaube, das wird eine Lungenentzündung“ unkt der MamS und jetzt werde ich zwar wacher aber nicht freundlicher: „Himmel, das ist ein Schnupfen mit Beteiligung der oberen Luftwege und wenn es dumm kommt vielleicht noch ein leichter Katarrh. Du hast schon ewig keinen Infekt mehr gehabt und ganz sicher keine Lungenentzündung!“.
Ich konnte den MamS zwar von seiner Arbeitsfähigkeit überzeugen und schließlich machte er sich auf den Weg, aber das nächste Problem lag nur ein Zimmer weiter und ist, wie ich aus Erfahrung weiß, in gewissen Gemütszuständen vernünftigen Argumenten nicht zugänglich.
„Steh’ auf! Es ist viertel 8!“ rufe ich Hank zu, der sich in luftigen Höhen noch in seine Decke eingekuschelt hat. „Noch 5 Minuten“, gibt er zurück. Das liegt noch im zeitlichen Limit und nach 5 Minuten wiederhole ich meinen Weckruf. „Ich hab’ Kopfweh“ jammert Hank und ich rieche den Braten und weiß, dass das jetzt wieder ein Stück Arbeit wird, diesen sturen Bock aus luftiger Höhe zu bekommen. Ich steige zu ihm hinauf, erkundige mich, ob denn in der Schule heute irgendwelche Besonderheiten anstünden und er verneint und lamentiert: „Ich will aber nicht“. Wenn ich einen Kamm hätte, würde der so allmählich ziemlich groß sein und als nächste Maßnahme ziehe ich ihm die Decke weg. Er nimmt Embryonalhaltung ein und stellt trotzig fest: „Immer zwingst du mich zu irgendwas. Du kannst mich nicht zwingen, in die Schule zu gehen.“ „Und ob ich dich zwingen kann, Freundchen“ sage ich lächelnd und ruhig. „Du wirst nicht glauben, dass ich dich entschuldige und wenn du bis 9.00 Uhr nicht in der Schule aufgetaucht bist, kommt das Rollkommando der Polizei und holt dich hier ab“ phantasiere ich. „Mir doch wurscht!“ kommt’s von oben und ich zeige aus dem Fenster, wo die anderen Kinder lustig hüpfend und laut vergnügt auf dem Schulweg sind. „Mir doch wurscht!“ ertönt es erneut von oben und jetzt brauche ich erstmal einen Espresso und ein wenig Bedenkzeit. Ich kenne das ja schon und weiß, wenn er heute Mittag aus der Schule kommt, will er nichts mehr davon hören, dass er sich am Morgen benommen hat wie ein kleiner, ausgetrockneter Schrumpfkopf eine zickige Diva.
Ich eröffne ihm, dass das jetzt die letzte Gelegenheit wäre, sich aufs Pferd zu bewegen, sonst käme er zu spät und das sei ihm ja wieder peinlich. „Mir doch wurscht!“ scheint das einzige zu sein, was er gerade im Angebot hat. Als ich in der Küche prophylaktisch den zweiten Espresso nehme, höre ich ihn aus seinem Bett klettern. Für die Körperhygiene ist leider keine Zeit mehr, deshalb halte ich ihm noch freundlich die Jacke, helfe ihm mit der Büchertasche, rufe ein liebreizendes „Tschüss“ hinterher und placiere mich unauffällig am Fenster, wo ich allerdings vergeblich auf sein Vorbeigehen warte und vermute, dass er durch den Hinterausgang aus dem Haus verschwunden ist, um auch ganz bestimmt meinen Blicken zu entgehen.
Um sicherzugehen, dass er auch am Bestimmungsort gelandet ist, rufe ich kurz vor 8 in der Schule an, wo mir bestätigt wird, dass Hank bei bester Gesundheit auf dem Pausenhof herumturnt.

Das

Fremdwort des Tages,

Nosomanie

bezeichnet übrigens die wahnhafte Einbildung, an einer Krankheit zu leiden.

Abschließend stelle ich fest, dass ich eine gute Motivateuse abgäbe, ein Berufsbild, das es allerdings so noch gar nicht gibt, eine Mixtur aus Motivatorin und Dompteuse. Ich sollte mich bei der IHK mal nach Zuschüssen erkundigen. Existenzneugründungen werden dort bestimmt gefördert, wenn es sich um einen so total neuen Geschäftszweig handelt. Auf euren berechtigten Einwand, dass das ja schon ein alter Zopf ist und dieses Feld schon lange von der „Supernanny“ beackert wird, gebe ich euch nur auf den ersten Blick recht, denn meine Methode funktioniert bei sämtlichen Familienmitgliedern. Und weil ich mich, wie jeder erfindungsreiche Initiator einer guten Idee von der breiten Masse abgrenzen muss, hole ich schon mal die Zorro-Peitsche vom Fasching aus dem Keller …

Euch einen motivierten Tag wünscht
KiGaMomo
(Kinder- und Gattenmotivateuse moggadodde)

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