Mr. Perfect muss passen

Der MamS ist richtig gewieft, wenn es um das Herausfinden der preiswertesten Krankenversicherung geht, er ist Könner was das Jugendhilfe- und Kostenerstattungsrecht angeht, er ist Spezialist was die „häusliche Pflege“ angeht, wo kein Staubkorn und keine Schliere den Hauch einer Chance haben und immer über die aktuelle Höhe des DAX informiert. Aber auch ein Perfektionist hat eine Achillesferse und das ist bei ihm die Verrichtung von Arbeiten handwerklicher Natur im allgemeinen und den Anstrich von Zimmerdecken im speziellen. Er hat schon viel probiert, feste Farbe, Latexfarbe, matt, glänzend, Dispersionsfarbe, alles was der Baumarkt hergibt, befindet sich auf unseren Zimmerdecken und zwar durchaus nicht in befriedigender Optik. Auch heute, unter Einsatz eines Urlaubstages, versuchte er sich, angefüllt mit Optimismus bis an die Oberkante der Unterlippe, an der Wohnzimmerdecke. Schon mittendrin war klar: Das wird nichts. Fleckig der Anstrich, jede gezogene Bahn mit der alten Teleskoprolle deutlich sichtbar. Der entsetzte MamS war erst dem Tobsuchtsanfall, dann den Tränen nahe und eine glückliche Fügung zwang ihn zur Wahrnehmung eines aushäusigen Termins. So konnte er sein erhitztes Gemüt beruhigen und ich versuchte inzwischen, die schlimmsten, sichtbaren Übergänge mittels Kreuzanstrich zu beseitigen, was nur bedingt gelang. Jetzt sah die Decke nämlich aus wie ein Schachbrett. Ich kann aber nicht Schach spielen und der MamS auch nicht und außerdem ist das an der Decke reichlich unpraktisch. Das Sozialnetzwerk „Sportverein“ half mal wieder weiter: Ich sendete ein „SOS“ an einen ansässigen bekannten Maler, der sich das Dilemma auch gleich anschaute und befand, dass die Farbe (gebrauchsfertig!) zu dick sei und der Untergrund die Farbe zu schnell aufsauge, weshalb er das Untermischen eines „Tiefgrundes“ empfahl, der das schnelle Trocknen verzögere und dann ein besseres Ergebnis zu erwarten stünde.
Morgen, nach Feierabend, also nochmal derselbe Mist: Ausräumen des verbliebenen Inventars, Auslegen der Fliesen mit Folie oder Karton, Farbspritzer in jeder Pore zuzügl. Haare, Augen und Füße, Sauerei ohne Ende und Nachtschicht, weil ja alles perfekt sein soll.
Ich wusste, dass das Projekt „Ein schicker living room und wie ich ihn bewohnbar mache“ zu einem Fiasko ausartet. Und noch ist nicht eine einzige Bahn tapeziert …
Habe ich eigentlich schon erwähnt, wie sehr ich Renovierungsarbeiten verabscheue? Auf dem Heimweg muss ich morgen auf alle Fälle noch beim Getränkemarkt vorbei. Ich glaube nämlich nicht, dass der Weinvorrat für die morgige Aktion ausreichend ist …

Euch einen gestrichen vollen Abend wünscht
moggadodde

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Dieser Eintrag wurde in Daily Soap veröffentlicht.

5 commenti su “Mr. Perfect muss passen

  1. socki sagt:

    Du Arme! Diese Anfälle wenn etwas nicht so wird, wie ich es haben möchte obwohl ich mich genau an die Anweisung halte, kenne ich. Der Gatte schmeißt mit Schlappen und ich den gesammten Bettel hin. Der Gatte macht aber so lange weiter, bis er es hingekriegt hat und das macht mich noch mehr rasend.

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  2. Mephisto sagt:

    Wie sieht eure Zeitplanung aus? Erst Wein, dann streichen? Senkt vielleicht die Erwartungshaltung an die Gleichmäßigkeit der aufgetragenen Farbe 😉

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  3. Georg sagt:

    Deckenschach ist doch was! Naja, zur Not könnte man darauf ja auch Halma spielen ;o)

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  4. Gott, ist mir Dein MamS sympathisch. Same to me. Wozu gibts Handwerker?

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  5. moggadodde sagt:

    @ socki: Ich bin da eher gelassen … und hätte das auch so anschauen können, dunkelt ja eh irgendwie nach :-)Es sieht halt bei genauerem Hinsehen etwas fleckig aus aber der MamS ist unerbittlich und wirft dann auch schon mal gerne mit Gegenständen …

    @ Mephisto: Nee, erst streichen, dann Wein, weil das böse Erwachen sonst groß sein könnte. Und ein drittes mal will ich den Dreck hier nicht haben!
    Spritzt ja wie blöd!

    @ Georg: Man könnte auch versuchen, ein Mandala oder optischen Irrgarten an die Decke zu pinseln, zur Entspannung in der Horizontalen 🙂

    @ fortysomething: Schön, ihr könnt ja zusammenlegen … 😉 Das Budget ist ohnehin wegen der Vorhänge schon wieder überschritten. Da muss der MamS schon selbst Hand anlegen – an die Decke, meine ich …

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