Elegie

In die Liste der widerwärtigsten Worte dieser Woche ist „Heimgang“ mein Favorit. Wäre mein Vater heimgegangen, säße er nämlich jetzt in seinem Sessel im Wohnzimmer meiner Eltern. Soviel zum Thema „Floskeln und welche wir vermeiden sollten“, aber das nur am Rande.

Jetzt bin ich nämlich klein, ganz klein, winzig beinahe, muss aber über mich hinauswachsen, um nicht ganz die Fassung zu verlieren. Um mich abzulenken und auf die Gefühle, die mich gleich überschwemmen werden einlassen zu können, habe ich für ihn noch eine Kleinigkeit als Geschenk geschrieben:

Ganz fest in meiner warmen Hand
Halt ich von dir das letzte Bild
Es hat sich in mein Herz gebrannt
So wie ein Speer durchbohrt ein Schild

Mein feuchter Blick ist keine Schand‘
Dein Bild ist alles was mir blieb.
So lös‘ ich nun das traute Band
Lass ziehen, was mir war so lieb.

Call me kitschig, I don’t care …

Euch einen friedlichen Tag wünscht
moggadodde

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Dieser Eintrag wurde in Daily Soap veröffentlicht.

7 commenti su “Elegie

  1. barbara sagt:

    das ist immer so eine Sache, die richtigen Worte zu finden. ‚Heimgang‘ ist so ein Wort aus früheren Zeiten nehme ich mal an. Hört sich wirklich merkwürdig an. ,

    Schön hast du geschrieben.
    Umarmung

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  2. Mephisto sagt:

    Heimgang klingt seltsam und das Gedicht nicht kitschig. Ich finde es schön; sagt vermutlich genau das aus, was du sagen möchtest.

    [Antwort]

  3. markus sagt:

    jaja: aus erde wurden wir erschaffen und zu erde werden wir. so ein blödsinn!
    das gedicht gefällt mir sehr. von kitsch keine spur. dein vater wird weiter leben, in deinen gedanken.

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  4. Ekke sagt:

    Mit „Heimgang“ ist sicher der Heimgang Heim zu Gott gemeint.
    Übrigens bewundere ich Leute, die solche Gedichte schreiben können. Nix Kitsch!

    [Antwort]

  5. moggadodde sagt:

    Viele Tränen, ergreifende Momente, natürlich, aber: Wir haben es überstanden.
    Die Anteilnahme war riesengroß und ich sah so viele Leute aus meiner Kindheit, die sich unserem Vater noch immer verbunden fühlten.
    Jetzt wird nach vorne geschaut und die Mutter wieder aufgebaut. Sie ist auf einem guten Weg, auch wenn sie das jetzt noch nicht weiß.
    Ich wollte meinem Vater das Gedicht noch in den Anzug stecken, aber der offene Sarg war hinter einer Glasscheibe, wie bei Schneewittchen. So hab‘ ich es wieder mitgenommen und lege es zu seinen Fotos.
    Ich bin sehr erleichtert, dass wir diesen Tag hinter uns gebracht haben …
    Dank an dieser Stelle für eure lieben Gedanken und Worte. Das Aufschreiben und eure Kommentare und Mails haben mir geholfen, aber ich will verdammt noch mal hoffen, dass in den nächsten Jahren nicht noch mehr so traurige Ereignisse mein Blog- und sonstiges Leben bestimmen, sonst werde ich ernsthaft sauer, hörst du da oben?!?

    [Antwort]

  6. morgiane sagt:

    ich weiß, was du meinst…

    und von wegen Kitsch, es ist berührend, aber ich bin zur Zeit eh nah am Wasser gebaut.
    Und so makaber es sich anhört, ich wünschte, ich hätte die Beerdigung schon hinter mir, dann wüßte ich, dass sie ihren letzten Weg hinter sich hat, nicht länger leidet und wir die bleierne Zeit beenden könnten…nach vorne blicken…*tröst*…(uns beide?)
    Liebe Grüße von Morgiane…

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  7. moggadodde sagt:

    @ morgiane: Ich denke ganz fest an dich und hoffe für dich und deine Mutter, dass das letzte Stück schnell gegangen werden kann. Der Tag gestern war so emotional, so stark, dass ich ihn gar nicht missen möchte. Er gehört dazu und wir sind es unseren lieben Verstorbenen schuldig, dass wir uns diesem Tag und allen damit verbundenen Ängsten und Schmerzen stellen.
    Ganz viele Gedanken und guten Wünsche für dich!

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