Addicted to youth

Mit Parolen bedruckte Shirts sind in der Regel ein Konglomerat aus der Geisteshaltung und dem Intelligenzquotienten des Trägers.

Die Aufschriften können

• selbstreflexiv („ICH WAR ALS KIND SCHON SCHEISSE“)
• größenwahnsinnig („Als Gott mich schuf, wollte er angeben“)
• resigniert („Sex habe ich genug – das Leben fickt mich jeden Tag“)
• politisch („EAT THE RICH!“)
• sexuell motiviert („Bitte sag’ deinen Brüsten, sie sollen aufhören, meine Augen anzustarren!“)

sein.
In der Regel sind die Träger und -innen zwischen 12 und 19, haben pickelige Haut und verströmen ein strenges Odeur, das zwischen Alkoholfahne und erkalteter Körperausdünstung anzusiedeln ist.

Beim Einkaufen im Prolo-Markt entdeckte ich heute eine Dame meines Alters, was bedeutet, dass die Gute nicht mehr ganz taufrisch war. Ihr Einkaufsverhalten war unauffällig und ihr Habitus wäre es, abgesehen von der ungepflegten Hairstyling-Katastrophe auch gewesen, hätte sie nicht dieses schreiend rote T-Shirt getragen, auf dem in großen, weißen Lettern stand:

„If you think I’m a bitch, you should see my mother.“

Was treibt eine g’standene Frau dazu, ein Shirt zu tragen, das sie selbst und ihre Mutter zu Schlampen degradiert?
Möglicherweise hat sie das T-Shirt zum Geburtstag von ihrer missratenen Tussi-Tocher geschenkt bekommen oder sie ist der englischen Sprache nicht mächtig, was ich aber nicht annehme.
Ich hoffe im Stillen, dass sie mit dieser Bekleidung bei ihrer Mutter zum Sonntagskaffee aufkreuzt und die eine pensionierte Englisch-Lehrerin ist, die ihrer jugendgeilen, nymphetaminabhängigen Tochter die Blackforest-Cherry-Torte mitten ins Gesicht schmeißt. Mit richtig Schmackes!

Euch einen spruchreifen Abend wünscht
moggadodde

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Dieser Eintrag wurde in Daily Soap veröffentlicht.

11 commenti su “Addicted to youth

  1. azahar sagt:

    Also ich war auch versucht zu behaupten, die Dame kann kein Englisch.

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  2. moggadodde sagt:

    Sie war vielleicht etwas älter als ich, muss aber doch trotzdem ein wenig Englischunterricht abgekriegt haben. So doof kann frau doch nicht wirklich sein und wenn ich schon über Null Sprachbegabung verfüge, ziehe ich kein Shirt an, von dem ich nicht weiß, was draufsteht!
    Besser sie hätte angezogen: „Ab morgen saufe ich nicht mehr – aber auch nicht weniger“ – das hätte ich ihr abgenommen!

    [Antwort]

  3. Mephisto sagt:

    Cooler Spruch.

    „Hi. Do you have some time to prove your statement?“ …

    [Antwort]

  4. DayLight sagt:

    Dabei gibt es sogar wirklich coole Sprüche auch für *hüstel* Ältere….

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  5. moggadodde sagt:

    @ Mephisto: „Do you mean right here between the geschnitten Brot?“ :-))

    @ Day Light: Ich weiß – Herr Würzblog trägt auf den Bloggertreffen oft sehr coole Shirts, habe ich auf Fotos gesehen. Muss ich ihn doch mal fragen, wie man die herbekommt … 😉

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  6. Ekke sagt:

    Ja, es ist manchmal scheinbar gar nicht so einfach . . . Auch ich hätte jetzt im ersten Augeblick zu Gunsten der Dame plädiert und angenommen, daß sie des Englischen nicht mächtig ist. 😉
    Allerdings gibt Dein Beitrag im großen und ganzen dem Träger eines T-Shirts Recht, den ich unlängst mit folgendem Text durch die Gegend laufen sah:
    „Denken hilft!“

    [Antwort]

  7. moggadodde sagt:

    @ Ekke: Genau! Wo gibt es denn Shirts mit einer Aussage, die den Träger nicht als Einzeller outet? „Denken hilft“ ist jedenfalls schon mal ein Anfang … 😉

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  8. *grins* „Denken hilft“, wie wahr. Grundsätzlich kann ich nicht mal die Entschuldigung gelten lassen, die Trägerin hätte womöglich in Ermangelung ausreichender Englisch-Kenntnisse nicht gewusst, welches Statement sie verbreitet. Wer nicht weiß, was für Botschaften er verbreitet, sollte sich jedwede Botschaften schlicht verkneifen. Ich befürchte jedoch, dass diese Person genau wusste, was da ihren Busen ziert und sich, wiederum in Ermangelung ausreichender Hirnzellen, in dem Irrglauben befand, damit ungeheuerlich trendy rüberzukommen. Personen dieses Intellekts entbehren meist jeglichen Respekts vor anderen Menschen, also gewiss auch vor der eigenen Mutter und empfinden diese Respektlosigkeit auch noch als ihr gutes Recht als jugendlicher Rebell (sofern sie zu so weitgreifenden Überlegungen denn überhaupt willens und in der Lage sind).

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  9. ruwen sagt:

    Das Gute an der Sache ist, diese Leute tragen ihren intellektuellen Istzustand deutlich sichtbar vor sich her. Einer Kontaktaufnahme kann somit aus sicherer Entfernung aus dem Weg gegangen werden.

    Und noch was: Wie taufrisch eine Dame deines Alters ist, hängt ganz von ihr selber ab. Und überhaupt… was soll denn ich erst sagen 🙁

    [Antwort]

  10. moggadodde sagt:

    @ Karin: Aufmerksamkeit heischen um jeden Preis, weil man sich nicht interessant genug fühlt. Darauf wird es wohl hinauslaufen. Weniger eine Message als ein „Beachtet mich gefälligst!“ Ein T-Shirt als Selbstbewusstseins-Prothese …

    @ ruwen: „Visuelle Selektion“ der anderen Art 🙂
    Das „taufrisch“ bezog sich ausschließlich auf die Zahl der Jahre, und die liegt nun mal unbestritten bald im mittleren, zweistelligen Bereich.
    Das Kopfalter, das gefühlte Alter, ist doch wichtiger als das Körperalter. Fühlst du dich so alt, wie du bist? Nee, gell? Siehste! Ich auch nur manchmal … 🙂

    [Antwort]

  11. […] ist, das ist der bittere Wahrheit, um mit Bruce zu sprechen! Wenn mir nicht schon letzte Woche so etwas untergekommen wäre … “Heiliges Kanonenrohr, was hast du denn da für ein Shirt an!” sagte ich […]

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