Weck!Mich!Nicht!So!

Der Ausruf „Hey Sexy Lady!“ allein ist ja schon grenzwertig. Morgens um kurz nach 5 Uhr und überdies nicht von dem Herrn auf der anderen Seite des Bettes ausgesprochen, sondern von einem stammelnden, sprechsingenden Typ aus dem Radiowecker in die noch lahmarschige Ohrmuschel geplärrt, weckt diese Sentenz bei mir die pure, nackte, archaische Mordlust.
Kann ich Herrn Shaggy und das, was er Stimme nennt, zu allen anderen Tageszeiten nicht ertragen, schon wegen der steten Angst, an einem rasant wuchernden Gehörgangskarzinom zu erkranken, so ist das Senden eines solchen, akustischen Attentats noch vor dem eigentlichen Morgengrauen dem Tatbestand der versuchten Körperverletzung gleichzusetzen. Auch dass „to shag“ im Slang dem deutschen Verb „poppen“ entspricht, macht die Sache nicht besser (immerhin kann ich mir jetzt aber einen Reim darauf machen, warum unser Teppich „Shaggy“ genannt wird, wenn ich auch froh bin, dass der nicht auch noch singt).

Nicht nur Shaggy macht mich aggressiv. Genauso reagiert mein zentrales Nervensystem auf Jona Lewie und sein gerade zur Weihnachtszeit omnipräsentes „Stop The Cavalry“. Nein! Lass die Kavallerie endlich rein und dieses Verbrechen niedertrampeln, auf dass es die subversiven Objekte in den Radiostationen nie mehr über den Äther blasen können! Diesem niederträchtigen Versuch der Perforierung einstmals gesunder Hirnmasse entkommt man in diesen Tagen genauso wenig wie Wham und ihrem unvermeidlich-unsäglichen „Last Christmas“. Von wegen gnadenreiche Weihnachtszeit. Pustekuchen! Das ist ein lupenreiner Frontalangriff auf die psychische Volksgesundheit oder was davon übrig ist!

Meinen Radiowecker werde ich wieder auf Hundertfünfkommairgendwas justieren, einem reinen Nachrichtensender, wo mir zwar gleich nach dem Aufwachen im Viertelstundentakt alles Schlechte dieser Welt um die Ohren gehauen wird, aber morgens um 5 ist alles Schlechte dieser Welt noch um Längen besser als der schaurig-bräsige Shaggy.

Euch eine lärmfreie Nacht wünscht
moggadodde

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Dieser Eintrag wurde in Daily Soap veröffentlicht.

17 commenti su “Weck!Mich!Nicht!So!

  1. socki sagt:

    *lautlach* Shaggy ist doch klasse! Mr. LoverLover! Nicht? Dann zieh Dir mal Roger Wittaker am frühen Morgen rein. Dann weißt Du, was Schmerzen sind.
    Das mit dem Teppich paßt doch! Das gibt nur so häßliche Branntblasen an den Knien….
    Und was hast Du gegen „Last Chrismas“? Wenn das läuft, weiß ich, wieso seit zwei Monaten schon Lebkuchen verkauft werden.
    *duckundweg*

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  2. Rööö sagt:

    105,7 -> B5 aktuell
    Aber bis 6 Uhr kommt da noch MDR-Info. Nanü niascha. 😉

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  3. moggadodde sagt:

    @ socki: Also wirklich! Dann lieber den Roger, der hat wenigstens etwas, was man mit Recht „Stimme“ nennen kann (hmmm, schön basslastig sogar)und bitte: Last Christmas! Socki! Ich bin ehrlich entsetzt!
    Zur Vermeidung von Verbrennungen empfiehlt Frau Dr. mogga übrigens einen Positionswechsel, damit wenigstens du ohne Blessuren bleibst 🙂

    @ Rööö: Genau! Aber sagmal: Was ist „Nanü niascha“?
    B5 aktuell ist genial. Du schaltest ein und bist im Bild. Antenne ist dagegen die Krätze schlechthin, gleich nach Gong, finde ich.

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  4. socki sagt:

    *ggg* „Ween es Disch noch giebt……..“ Dann lieber Shaggy und Wham! Seis drum.
    Jedem Tierchen sein Pläsierchen.
    Und obste die Brandblasem am Hintern oder an den Knien hast, ist eigentlich egal, oder?

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  5. prey sagt:

    Es gibt gute Gründe, warum ich einen piepsenden Wecker mit Nervfaktor (der wird immer schneller, wenn man nicht aufstehen will und nciht schafft, im Dunkel den richtigen Knopf zu finden) dem Radiowecker vorziehe. Ich bin tagsüber echt unanfällig für die meisten schlechten Songs, aber wenn ich erwache, darf sowas auf keinen Fall das erste sein, was ich höre, sonst ist der Tag hin. Also herzliches Beileid für so eine Zumutung am frühen Morgen. ;o)

    Und der Shaggy Teppich sah mir im Netz so aus, als wenn der gar keine Blasen machen kann, so weich??

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  6. moggadodde sagt:

    @ socki: Hmmm. Wenn ich jetzt mal überlege, wie lange es dauert, bis man Brandblasen durch die Reibung auf einem Shaggy davonträgt, komme ich zu dem Schluss, dass die Anschaffung eines Kunstfaserteppichs mit der Absicht dortselbst auch zu shaggen, eher in der turboschnellen S-Klasse erwogen werden sollte … 😉

    @ prey: Richtig! Tagsüber auf der Arbeit oder beim Einkaufen, lässt sich das ausblenden (außer das mit der Cavalry, sei es auch noch so leise, da erhöht sich mein Puls sofort und mein Blut kommt in böse Wallung!). Aber wenn das erste, was morgens ins Gehirn gerät einer Folter gleichkommt, ist der Tag gelaufen 😀

    Weich ist der Teppich wirklich, aber wegen der Reibungshitze bei bestimmten Handlungen musst du shaggy socki fragen 😀
    Ich hab‘ das, ehrlich gesagt, noch nicht probiert. Bei uns blockiert nämlich zum Großteil der unverrückbare Marmortisch den Shaggy!

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  7. hihi, Mogga, ich wette, du würdest, so wie ich, lieber öfters „fairytaile of New York“ hören, das weihnachtslied der Pogues, in dem sich die Duettpartner so herrlich derb beschimpfen und verwünschen, dass die Radiostationen sich kaum trauen, es zu spielen und stattdessen tausendfach wham dudeln lassen…
    Stimmts?

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  8. moggadodde sagt:

    @ frater aloisius: Ich musste ehrlicherweise erstmal tuben, weil ich das gar nicht kannte, aber du hast Recht, der song ist witzig und originell und hätte es ungleich mehr verdient, gespielt zu werden als die ewig gleiche bräsige Mucke zu spielen!

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  9. markus sagt:

    da lieb ich mir doch slade mit ‚merry xmas everbody‘. so richitg schön realistisch…

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  10. Ekke sagt:

    Jawoll Markus, jawoll! Volle Zustimmung!

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  11. moggadodde sagt:

    @ markus und Ekke: Oooohhh, schon ewig nicht mehr gehört und das ist auch ganz schön schräg!
    Eartha Kitt hebt mit ihrem „Santa Baby“ herrlich augenzwinkernd die pekuniäre Seite des Festes hervor:
    „Think of all the fun I’ve missed
    Think of all the fellas that I haven’t kissed
    Next year I could be as good
    If you check off my Christmas list

    Santa Honey, one little thing I really do need: the deed
    To a platinum mine, Santa Honey
    So hurry down the chimney tonight“

    Auch schön!

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  12. markus sagt:

    @ ekke: nicht wahr?
    @frater aloisius: kannte ich auch nicht, aber ist herrlich schräg!
    @mogga: wenn ich dieses ‚last christmas‘ höre, stellen sich mir die nackenhaare hoch!
    echt ätzend!! ’santa baby‘ geht so, finde ich. es gibt bestimmt noch mehr christmassongs, die dieses alljährliche dingens auf die schippe nehmen. ich hasse weihnachten!

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  13. barbara sagt:

    dann lieber gar keinen Wecker 😉

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  14. moggadodde sagt:

    @ markus: Die Tubenversion ist nicht sehr gut. Ich habe hier eine wesentlich bessere Aufnahme von Frau Kitt.

    @ barbara: Ohne wäre ich verloren und von allein würde ich niemals vor halb 9 aufwachen. Das kriegt mein Gehirn nicht hin … vom Körper ganz zu schweigen 😉

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  15. kann mich dem wham-bashing nur anschließen – vor kurzem bin ich aber drauf gekommen, womit man mir in nullkommanix außerdem noch den brechreiz ins ohr (oder so ;o) ) treibt: es sind diese uuuuunglaublich amerikanischen „one-horse-open-sleigh“-synthieschlittenbimmeln. da muss ich gleich würgen, nur von der vorstellung. blöderweise wird ja jetzt fast jeder dösige gangstarap damit „weihnachtlich“ unterlegt, sodass bei mir grade absolutes radioverbot gilt.

    beim wecken brauch ich eh nur sweetest – und der innere wecker ist auch zuverlässig genug gestellt, zum glück. für andere weckzeiten stell ich mir mein handy, da kann ich mir den klingelton auch aussuchen *erleichtertesaufatmen*

    aaaaaber: es is ja nich so, dass ich weinachtliches geräusch generell nicht mag: zu meinen lieblingen gehört die hier drunterliegende musik vom transsiberian orchestra. und das video gehört, obwohl auch schon eine fantastillion mal gesehen, immer noch zu meinen lieblingen – das nimmt dem ganzen weihnachtsschrecken die spitze, den wer könnte sowas schon toppen? :o) und wen’s interessiert: bei der tube nach „christmas house“ suchen und jede menge abgefahren-flackerndes sehen, bis die netzhaut sich pellt *grins* und „trans-siberian orchestra“ / TSO für passende musik.

    euch allen eine schöne und möglichst stress- und ohrenkrebsfreie endspurtwoche wünscht

    frau hühnerschreck

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  16. mogga, markus, freut mich, dass ich auf was kultiges aufmerksam machen konnte 🙂

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  17. moggadodde sagt:

    @ Frau Hühnerschreck: Uiuiui! Das ist ja was ganz anderes auf die Ohren – jedenfalls eine Alternative, die ich mir richtig laut ganz gut vorstellen kann. Aber das Geblinke ist wirklich eher für hardcore-Weihnachtsfreaks! Das macht einen ja ganz wirr in der Birne!

    @ frater aloisius: Hab‘ ja eh‘ schon mitgekriegt, dass du den eher ungewohnten Musikgeschmack pflegst (für mich jedenfalls …) Es tut gut, dass du und Frau Hühnerschreck hier echte Auswege aus dem verwhammten Gewimmer aufzeigt!

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