Gucken!

Bei arte gab es gestern „Workingman’s Death“ zu sehen, einen absolut sehenswerten Dokumentarfilm in sechs verschiedenen Kapiteln über Menschen und die von ihnen verrichtete Arbeit.
Berichtet wird über Minenarbeiter in der Ukraine, die in 60 cm niedrigen Flözen liegenderweise Kohle hauen, über Schwefelabbau in Java, wo zierliche Männer zentnerschwere, geflochtene Körbe voll stinkenden Schwefels meilenweit zur Wiegestelle bringen und nigerianische Schlachter, die mit Flipflops in blutigen Seen waten bis zu pakistanischen Shipbreakern, die einzig mit Schweißbrennern ausgediente Frachtschiffe zerlegen, die so groß wie Hochhäuser sind.
Bei vielen Szenen wurde mir mulmig zumute angesichts der Bedingungen, unter denen diese Menschen arbeiten, nicht um es zu Wohlstand oder gar Reichtum zu bringen, sondern schlicht und ergreifend um zu überleben. Beeindruckt hat mich, mit welcher Gelassenheit, ja manchmal sogar Heiterkeit diese Männer trotz aller Gefahr und unmenschlicher Belastung ihrer Arbeit nachgehen.
Die Aufnahmen, die oft wie Gemälde in einer scheinbar apokalyptischen Umgebung anmuten, kommen ohne jegliche, störende Kommentare aus dem Off aus und sind lediglich mit Untertiteln versehen.

Nach diesem Film wird jeder seine möglicherweise ungeliebte, anstrengende, unterbezahlte eigene Arbeit mit anderen Augen sehen und wie ich selbst eine Mischung aus Erleichterung und Scham verspüren, hier und nicht in einem anderen Zipfel der Welt auf diesen Planeten geworfen worden zu sein.
„Workingman’s Death“ wird morgen, am „Tag der Arbeit“ um 9.50 Uhr auf arte wiederholt.

Euch einen nachdenklichen Tag wünscht
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Luftnummer

Aus Gründen nachbarschaftlicher Rücksichtnahme habe ich beim Kauf meines neuen Föns auf den entstehenden Lärmpegel geachtet und stehe jetzt bei Durchlesen des Beipackzettels vor einem anderen Problem:

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Wo bitte, fönt sich Ottilie Normalverbraucher denn sonst, wenn nicht im Bad? Die Angst der Konzerne vor Schadenersatzforderungen von depperten Verbrauchern bringt in Amerika schon lange wasserdicht formulierte Betriebsanleitungen hervor und findige Advokaten reiben sich die gierigen Finger, wenn der Geschädigte, jeglichen gesunden Menschenverstand außer Acht lassend, seine Pediküre mit der Kettensäge erledigt hat, weil in der betreffenden Produktbeschreibung dummerweise nicht ausdrücklich davon abgeraten wurde. Das führt zu allerlei grotesken Warnhinweisen und die Beklopptesten werden jährlich bei wackywarnings gekürt.
Ich bin zwar ehrlich beeindruckt, wie sich die Fönfirma um mein Wohlergehen sorgt, fürchte aber der MamS wird nicht davon begeistert sein, dass ich an meinen Arbeitstagen ab sofort aus Sicherheitsgründen um halb 6 Uhr früh im Schlafzimmer meine Haare trocknen muss, während er noch eine Mütze voll Schlaf kriegen könnte.

Da fällt mir gerade ein, dass bei der Betriebsanleitung meines mp3-Players die explizite Warnung fehlt, dass es bei rektaler Applikation zu ernsthaften Verletzungen der dort beheimateten Schleimhaut kommen kann. Weil ich blöderweise in Deutschland wohne und mir einen Prozess im Ausland nicht leisten kann, hat es wohl keinen Sinn, dass ich es ausprobiere und dann einen Anwalt anrufe.
Diese Idee ist wohl deshalb, genau wie der Warnhinweis für meine neuen Fön, ziemlich fürn Arsch, genau genommen.

Euch einen trockenen Tag wünscht
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Yin und Yang

Zwei ziemlich unterschiedliche Schätze haben wir heute aus der Stadt mitgebracht. Der MamS hat sich für die schon ältere Scheibe von Stefan Gwildis erwärmt, mit ausgesprochen gelungenen Adaptionen von z.B. „Dancing in the Street“, das bei ihm zu „Tanzen übern Kiez“ wird und dem Beweis, dass Gwildis den Soul hat: „Amelie“. Klasse Stimme, klasse Mugge, klasse Mann.

Meine Wahl war die brandneue „Back into the darkness“ von Tito & Tarantula. Wer davon noch nie gehört haben will täuscht sich, zumindest diejenigen, die „From Dusk till Dawn“ kennen, wo Tito und seine Mannen die mit der Schlange tanzende Salma Hayek in der Titty Twister Bar musikalisch begleiten. „Back into the darkness“ ist nicht albern, wie manche meinen, sondern hart, schmutzig und mal mit Mariachi durchsetzt und auch mal mit Punk. Mir gefällt sie, auch wenn der MamS nach den ersten Titeln den Kopf schüttelte und mich für nicht ganz dicht erklärte. Nach ein paar Stücken hat sie ihm aber dann auch ein bisschen gefallen.
Das Allerbeste ist, dass Tito & Tarantula im Juli im akw! auftreten, das habe ich ihrer Website entnommen und der MamS hat spontan und vollkommen freiwillig seine Begleitung angeboten, was mich mächtig ein bisschen überrascht hat. Ganz tief in seinem von pathologischem üppigem Ordnungsfanatismus dominierten Herzen ist er vielleicht doch ein klitzekleiner Rocker.

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Bevor ihr jetzt anfangt, wild über euren Bildschirm zu wischen: Nicht euer Monitor ist schrecklich staubig sondern meiner. Genauso staubig-trocken wie der Highway zwischen San Diego und Tijuana. Oder eben wie Tito & Tarantula.

Euch eine saubere Nacht wünscht
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Eighties reloaded

Zwar tut der MamS immer so, als ginge ihm sein Geburtstag am Allerwertesten vorbei. Nun kenne ich ihn schon lange genug um zu wissen, dass er sich selbst zwar auch an diesem Tag nicht besonders wichtig nimmt, aber trotzdem freut wie ein Schnitzel, wenn er bedacht wird. Ich finde, ein Geburtstag ist nie ein ganz normaler Tag und wenn schon Bäume, Bücher und Biere an „ihrem“ Tag mit einer Zeitungsmeldung oder mehr oder weniger wichtigen Aktionen bedacht werden, hat ein Mensch es besonders verdient, an „seinem“ Tag gefeiert zu werden. Nicht alle, aber die meisten und da eben auch der MamS.

Für ihn und euch deshalb hier eines seiner (und auch meiner) Lieblingsstücke. Auch wenn es den Metal- oder Hardcorefans unter euch bei diesem Canzone die Tränen in die Augen treiben dürfte, die Sehhilfe des Sängers ist sowas von eighties, dass sie heutzutage schon wieder … Nein. Sowas kommt hoffentlich nie wieder in Mode. Das schrille, rosafarbene Hemd des einen Typen auf der rechten Seite finde ich übrigens überaus scharf.

Ich geh‘ jetzt mal besser wieder in die Küche. Irgendwie hab‘ ich nämlich das Gefühl, dass später ein paar hungrige Leute auf der Schwelle stehen …

Euch einen ruhigen Tag wünscht
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THINK!

Hank liest „Emil und die Detektive“. Er tut das leider auch am Tag des Buches nicht freiwillig, aber mit einer halben Stunde Lesen erkauft er sich eine Stunde „Age of Empire“. Er nennt es Erpressung, ich nenne es mehr als fair. Dabei entwickelte sich eben folgender Dialog:

Er so: „Mama, was ist ‚Fiedel‘?“
Ich so: „Das ist eine alte Bezeichnung für eine Geige.“
Er so: „Häää? Das verstehe ich jetzt aber nicht.“
Ich so: „Wieso? Sag‘ mal den Satz!“
Er so: „Da steht: ‚In der Konditorei waren die Jungen sehr Fiedel.'“
Ich so: „Die Jungs waren nicht ‚Fiedel‘ sondern ‚fidel‘. Schau mal genau hin!“
Er so: „Ah ja. Und was ist jetzt dieses ‚fidel‘?“

Natürlich erklärte ich es ihm sofort und erkannte, dass dieses Wörtchen außer in der Verbindung mit „bums“ vollkommen aus dem Sprachgebrauch verschwunden ist. Hank ist zwar jetzt um einen schönen, alten Ausdruck reicher; ob er ihn je benutzen wird, steht in den Sternen, aber immerhin hat er ihn schon einmal gehört und könnte ihn verwenden, wenn er wollte.

Es gibt ja unglaublich viele Worte, die vom Aussterben bedroht sind und das ist ja mal eine arschtittengeile feine Überleitung zur heutigen Kopfnuss. Ich suche einen Begriff, der sich mit einem Satz umschreiben lässt:

Wie nennt man es, wenn ein Hoden zwischen einem Rennauto und einem Kadaver eingeklemmt ist?

Damit möglichst viele Nussknacker mitmachen können, bitte ich von der Einsendung von Lösungsvorschlägen vor

morgen, 20.00 Uhr

abzusehen.

Hautnei!
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