Need a new image? Change your job title!

Die globalisierte wirtschaftliche Verflechtung der Konzerne untereinander hat schon länger eine fast umfassende Veränderung der Berufsbezeichnungen mit sich gebracht. Die großspurige Bezeichnung eines Hausmeisters als Facility Manager ist schon sehr lange ein alter Hut, kein Sales Manager der up to date sein will nennt sich nur mehr schnöde-altbacken „Verkäufer“, eine Friseurin wird hastenichtgesehen zur Hairstylistin.
In den neuesten Stellenanzeigen entdeckte ich eine Annonce, mit der eine Autobahnraststätte einen „Mitarbeiter free flow“ sucht. Ist das jetzt möglicherweise der Ersatz für die gute, alte Klofrau oder gar die bereits vorhandene englische Bezeichnung „toilet attendant“? Bevor man sich bewirbt, würde man doch schon gerne wissen, ob man an Koch- oder Kloschüsseln Dienst schieben muss, finde ich!

Das ganze Durcheinander halte ich für sehr verwirrend. Warum werden denn nicht endlich durchgängig englische Bezeichnungen für althergebrachte Berufe verwendet?
Der Imker würde zum „Bee Supervisor“, wobei es den Bienenbändiger als Ausbildungsberuf gar nicht gibt, sondern dieser mit unter der Berufsbezeichnung „Tierwirt“ fällt. Ich bitte euch! Tierwirt! Natürlich macht ein Romeo am Samstagabend von der örtlichen Disco-Queen an der Bar nach seinem Beruf befragt, ganz sicher keinen Stich, wenn er wahrheitsgemäß mit „Tierwirt“ antwortet. Dann ist die Schöne nämlich ganz schnell mit dem „Underwriter“ (welcher bei Versicherungen tatsächlich für die Risikoprüfung zuständig ist) zu ihrer anderen Seite auf dem Parkplatz verschwunden. Hätte Romeo statt „Tierwirt“ vielleicht „Veterinal Administrator“ gesagt, hätte die Schöne sich doch ohne Zweifel gleich auf einen Drink einladen lassen! Die Disco-Queen ihrerseits tut möglicherweise gut daran, vom Underwriter auf dem Rücksitz seines BMW vor der zweiten Runde nach ihrer Profession befragt ihre wahre Tätigkeit als Textilreinigungsfachkraft mit „Chemical Cleaning Assistant“ nachhaltig aufzuwerten.

Das sind nur zwei teilweise fiktive Beispiele von vielen. So könnte die Kindergärtnerin zukünftig „Education Agent“ heißen, der Kanalbauer riefe sich dann „Channel Specialist“, die Arzthelferin würde zur „Healthhunter Assistance“, der Postbote hieße vielleicht „News and bills-Messanger“, der Regalauffüller mutierte evtl. zum „Hardware Refiller“.

Dixie meint, ich hätte ziemlich was versäumt, weil ich noch nie bei Subway eingekehrt bin, dort äße man nämlich echt, ähh, endgeil, war ihr Urteil. Die Beleg-Schaft ist nach ihrer Ausbildung in der Lage, je nach Variante mit einem einzigen, gezielten, virtuosen Handgriff ganz exakt z.B. 42 g Salat oder 36 g Käse zwischen die Semmeldeckel zu packen und von daher wäre die schnöde Berufsbezeichnung „Schrippenchef“ auch ziemlich tiefgestapelt.
Sofern die dortigen Brötchenbeleger allerdings nicht jonglieren oder die Semmeln frei von der Decke baumelnd dekorieren, finde ich die tatsächlich verwendete Bezeichnung „Sandwich Artist“ indes ein bisschen dick aufgetragen.

Euch einen reichhaltigen Abend wünscht
moggadodde

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Dieser Eintrag wurde in Daily Soap veröffentlicht.

14 commenti su “Need a new image? Change your job title!

  1. prey sagt:

    Super Idee! Ich will dann statt Dauerstudent bitte auch Never-ending-fill-your-head-with-something-new-you-will-never-need- in-what-follows-manager werden, wenns denn geht, bittesehr.

    Vielen Dank.

    Aber die Sandwiches von der Untergrundbahnkette sind trotz und dem sehr schmackhaft, auch wenn das jetzt keine künstlerische oder akrobatische Höchstleistung ist. :o)

    Und schön, dass Du wieder da bist. *freuhüpfundjubel*

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  2. moggadodde sagt:

    @ prey: Ich bin halt nicht totzukriegen 😉
    Ein bisschen lang, deine Bezeichnung, oder? Hmmm, warte … Long-time-student, kurz LTS oder, ha, das isses: Eternitist! Was hältst du davon?
    Also, ihr habt mich überzeugt. Ich probier‘ bei Gelegenheit mal ein Untergrund-Brötchen. Und wegen der Stellenanzeige: DAS ist eine free flow-Anlage… kein Klohäusle 😀

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  3. Nordlicht sagt:

    Hachja, diese Job-Bezeichnungen lassen mich auch immer wieder schmuzeln, was sich Werbestrategen so einfallen lassen. Dennoch ist es auch amüsant, zu hören, wenn man sich im Bekanntenkreis unterhält, und nach dem Beruf fragt, es dann Antowrten hagelt, die dann nur Stirnenrunzeln verursachen.

    Manch einer fühlt sich eben zu höherem berufen, nur weil er glaube, ein Trainee sei was besseren als ein Praktikant. Ein Key-Account-Manager ist nicht die Rechte Hand der Vorzimmer-Löwin, wie er glaubt, sondern eben auch nur ein kleiner pobliger Angestellter, meine aber er sei der Manager…. Erlebnisse wie sie nur in der Verwandschaft vorkommen können (…)

    … was für Fiete dazu sagen? Dat geit mie am Moors vorbie… Ick bin Fischer und bliev dat ogg.

    In diesen Sinne… sollte ich mal über meine Berufsbezeichnung nachdenken… *feix*

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  4. olli sagt:

    Subway? Endgeil? Ich habe einmal versucht, dort etwas zu essen, weil ich Hunger hatte. Richtigen, dringenden Hunger. Ich wäre fast verzweifelt, weil ich mehr Fragen beantworten musste, als ich später (viel später) zu essen bekam. Ok. Ich war nicht vorbereitet und dachte naiver Weise, ich würde mir einfach(!) ein Sandwich kaufen. Der SaArt überforderte mich schon eingangs mit der Frage, ob ich ein ganzes oder ein halbes Sandwich wolle. Wobei er nicht nach ganz oder halb frug, sondern irgendwelche ominösen Inchangaben nannte, die ich gerne in meinem Taschenrechner umgerechnet hätte, um eine entfernte Vorstellung davon zu bekommen, wie viel Weißbrot 7inch sind … Außerdem mag ich wenn ich hungrig bin, kein Englisch sprechen. Und da alle Zutaten in ausländisch benannt wurden, war ich kurz nach den onions und der Auswahl zwischen sour-salsa-salad-sauce, deep-dished-drop-greecy-cheesee und simple-natural-yoghurt-dipper-sauce nur ganz knapp davor, den Idioten mit seinem Scheiss-Sandwich einfach stehen zu lösen und mir nebenan einen Döner zu holen!

    Aber ich wäre auch damit zufrieden, mich Ministerial-Dirigent nennen zu dürfen.

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  5. :o) schön, dassde wieder unter uns weilst! *freu*

    und ja, die bezeichnungen sind _der_ renner – ich hatte neulich was mit einem autoverkäufer zu tun, dessen jobbezeichnung auf der visitenkarte unter seinem namen zwei zeilen brauchte! und ich dachte immer, in der kürze liegt die würze … ist wohl so wie ich, der spruch: kommt in die jahre …

    btw: eternitist als jobbezeichnung find ich klasse! das streb ich jetzt mal an – für den neuen job, mein ich, der alte hat ja nicht so ewig gehalten, nur etwa 2 jahre … *grins*

    euch allen einen schönen tag mit viel sonne!

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  6. moggadodde sagt:

    @ Nordlicht: „Klappern gehört zum Handwerk“, sagt man doch, aber die Hochstapelei bei den Berufsbezeichnungen finde ich auch albern.
    Sagt der Fiete wirklich: „am Moors“ vorbei? Das irritiert mich, hier heißt es nämlich „am Arsch“ vorbei. Oder meint Fiete mit „Moors“ dasselbe?

    @ olli: Klingt ziemlich lustig, war es aber sicher nicht … mit Grummelbauch kryptische Fremdsprachentests absolvieren zu müssen, ist bestimmt kein Spaß. Wir als beginnende Best Agers dürfen aber keinesfalls den Anschluss verlieren! Stell‘ dir vor wie es ist, wenn wir mal 85 sind, on the road ganz dringend was zu kauen brauchen und wir wissen nicht, was es dort überhaupt gibt! Ich sehe nur eine Lösung: Satt zum SaArt gehen, in Ruhe aussuchen und damit die nächste Mahlzeit besetzen. Das, mit wechselnden Toppings ein paarmal gemacht und du kannst auch nahe der Hungerohnmacht bei Subby bestellen 😉
    Ministerial-Dirigent klingt übrigens genauso nebulös wie Geheimrat.

    @ Hühnerschreck: SONNE? Hier nicht 🙁 Aber das macht nichts, ich war eh bei meinem Job als Pharmaceutical dewrapper and controlling managerin (auf Deutsch: Depp vom Dienst).

    Alles Gute im neuen Job! Wie nennt er sich denn?

    [Antwort]

  7. Nordlicht sagt:

    @moggadodde

    er meint das selbe, es ist ein plattdeutscher ausdruck….

    Kiek Mal wedder in!

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  8. morgiane sagt:

    so gehe ich gleich als „Termindame“ vorstellen…meint Telefonistin, die Termine für die Mitarbeiter koordiniert…
    schaun wir mal…

    [Antwort]

  9. moggadodde sagt:

    @ Nordlicht: Mach ich!

    @ morgiane: Das nennt sich doch nicht Termindame! Hallo? Das ist viel zu viel old school und heißt jetzt „Appointment Coordinator“ 😀 *daumendrück*

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  10. noch hat der job keinen namen – ich hab also noch freie hand beim ausdenken – „missing link“ wär bestimmt hübsch, denn ich bin das (derzeit noch fehlende) verbindungsglied zwischen dem techie (sweetest) und dem finanzer (seiner mutter) :o)

    sieht bestimmt cool aus auf der visitenkarte. *griiiiins*

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  11. moggadodde sagt:

    @ Hühnerschreck: Hört sich kompliziert an, besonders wenn das Wörtchen „Schwiegermutter“ hervorblitzt … Viel Glück!

    [Antwort]

  12. prey sagt:

    @mogga: Danke! Dafür braucht man eben dochdie Wortakrobaten-Fraktion. Eternitist nehme ich jetzt mal gleich. :o) Und wenn ich mich dermaleinst bewerben muss, dann schreibe ich das auch hin. Sollen die mal suchen.

    Das mit dem Trainee habe ich nicht gewusst, wieder was gelernt.

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  13. @ mogga: ach, die schwiemu ist klasse – mit der komm ich besser aus als mit manchen blutsverwandten mitgliedern meiner eigenen familie *grins* insofern ist der job nicht fieser als meine patent-übersetzerei.

    n schönen tag wünsch ich dir und den deinen – isses bei euch auch so schön sonnig?

    [Antwort]

  14. moggadodde sagt:

    @ prey: Das mach mal. Ich schenke meiner Wortschöpfung hiermit feierlich die Freiheit 😀

    @ Hühnerschreck: Da hast du Glück. Ich habe meine SchwieMu am Tag der Trauung das erste mal geduzt (nach fast 10 Jahren vorher). Inzwischen klappt es aber besser …
    Ich war den ganzen Tag in den Katakomben, da ist das Wetter wurscht. Aber zwischendurch hat es ziemlich geschüttet und sogar gewittert!

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