Gucken!

Bei arte gab es gestern „Workingman’s Death“ zu sehen, einen absolut sehenswerten Dokumentarfilm in sechs verschiedenen Kapiteln über Menschen und die von ihnen verrichtete Arbeit.
Berichtet wird über Minenarbeiter in der Ukraine, die in 60 cm niedrigen Flözen liegenderweise Kohle hauen, über Schwefelabbau in Java, wo zierliche Männer zentnerschwere, geflochtene Körbe voll stinkenden Schwefels meilenweit zur Wiegestelle bringen und nigerianische Schlachter, die mit Flipflops in blutigen Seen waten bis zu pakistanischen Shipbreakern, die einzig mit Schweißbrennern ausgediente Frachtschiffe zerlegen, die so groß wie Hochhäuser sind.
Bei vielen Szenen wurde mir mulmig zumute angesichts der Bedingungen, unter denen diese Menschen arbeiten, nicht um es zu Wohlstand oder gar Reichtum zu bringen, sondern schlicht und ergreifend um zu überleben. Beeindruckt hat mich, mit welcher Gelassenheit, ja manchmal sogar Heiterkeit diese Männer trotz aller Gefahr und unmenschlicher Belastung ihrer Arbeit nachgehen.
Die Aufnahmen, die oft wie Gemälde in einer scheinbar apokalyptischen Umgebung anmuten, kommen ohne jegliche, störende Kommentare aus dem Off aus und sind lediglich mit Untertiteln versehen.

Nach diesem Film wird jeder seine möglicherweise ungeliebte, anstrengende, unterbezahlte eigene Arbeit mit anderen Augen sehen und wie ich selbst eine Mischung aus Erleichterung und Scham verspüren, hier und nicht in einem anderen Zipfel der Welt auf diesen Planeten geworfen worden zu sein.
„Workingman’s Death“ wird morgen, am „Tag der Arbeit“ um 9.50 Uhr auf arte wiederholt.

Euch einen nachdenklichen Tag wünscht
moggadodde

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Dieser Eintrag wurde in Daily Soap veröffentlicht.

11 commenti su “Gucken!

  1. biffo sagt:

    Danke für den Hinweis, das muß ich mir aufnehmen

    [Antwort]

  2. socki sagt:

    Es ist bedrückend zu sehen, wie mansche Menschen leben und daß wir davon auch noch profitieren. Hier in Deutschland wird auf sehr hohem Niveau gejammert.

    [Antwort]

  3. markus sagt:

    @ socki: nicht nur in deutschland. in allen reichen staaten dieser welt.

    @ mogga: es ist erschreckend, wie „satt“ wir geworden sind. wir jammern und lamentieren, sehen in den nachrichten wie schlecht es anderen geht. hören was von hungersnöten, spenden bei katastrophen. interessieren tut es uns nicht. uns interessieren nur steigende energie- und lebensmittelkosten. wenn wir uns nicht 2 x im jahr urlaub leisten können, schimpfen wir.

    ich schäme mich dafür…

    [Antwort]

  4. Squalus sagt:

    Wenn ihr euch für Dokumentarfilme dieser Art interessiert, möchte ich euch an dieser Stelle unbedingt noch „Darwins Alptraum“ ans Herz legen (arte, Mo. 05.05.2008, 01.00 – 02.45 Uhr). Dieser Film hat mich vor etwa zwei Jahren ziemlich ins Grübeln gebracht und einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen.

    [Antwort]

  5. moggadodde sagt:

    @ biffo: Mach‘ das! Es lohnt sich!

    @ socki: Die Leute schinden sich und haben trotzdem die unerschütterliche Hoffnung, dass es für sie oder mindestens ihre Kinder einmal besser sein wird. Und hier regt man sich auf, wenn in der Kantine das vegetarische Essen aus ist.

    @ markus: Ich würde nicht sagen, dass es uns nicht interessiert aber ich wünschte, mehr Menschen würden über den Tellerrand schauen, damit sie ihre Lebenssituation wieder schätzen lernen. Dazu eignet sich dieser zweistündige Film ganz hervorragend.

    @ Squalus: Mist, das ist ja mitten in der Nacht, aber interessieren würde mich das schon. Schon blöd, dass so interessante Sachen meist nur auf Spartensendern zu sehen sind und außerdem zu solchen Zeiten.
    Ich versuch’s mal mit dem Erinnerungsservice bei arte, weil ich nichts aufnehmen kann. Vielleicht frag‘ ich aber auch einen Nachbarn, ja, der hat einen Recorder …

    [Antwort]

  6. SCH sagt:

    Ihr habt ja schon recht, es ist so, dass wir auf hohem Niveau lamentieren. Werde “Darwins Alptraum” mal aufnehmen, hoffentlich ist er auch noch auf der festplatte, wenn ich ihn dann anschauen will.

    [Antwort]

  7. moggadodde sagt:

    @ SCH: Und schalt‘ deinen Recorder auch morgen früh ein, wenn du „Workingman’s Death“ noch nicht kennst! Kannst du den Festplatteninhalt nicht auf DVD bannen? Dann wird garantiert nix gelöscht …

    [Antwort]

  8. Squalus sagt:

    Ich habe mir gestern meine Aufzeichnung von „Workingman’s Death“ angeschaut und bin schwer beeindruckt. Die Bilder kamen mir stellenweise völlig surreal vor und trotzdem musste ich mir immer wieder vor Augen führen, dass diese (und auch andere) Dinge überall auf der Erde Tag für Tag zur bitteren Realität gehören. Vor allen Dingen der nigerianische Schlachthof erschien mir wie die Hölle auf Erden – Das Blut, der Dreck, der Qualm, das ganze Chaos… Wir wissen wirklich nicht, wie gut es uns eigentlich geht.

    Den Epilog fand ich übrigens relativ schwach und „gewollt“. Daher nur 9 von 10 Punkten.

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  9. moggadodde sagt:

    @ Squalus: Mir ging’s mit dem Epilog genauso. Einen Zusammenhang mit den Grausamkeiten vorher konnte ich nicht erkennen.

    [Antwort]

  10. SCH sagt:

    habe es endlich geschafft und habe Workingman’s Death angeschaut. Ich war erschüttert. Squalus hat schon den Nagel auf den Kopf getroffen mit seinem Kommentar.

    [Antwort]

  11. moggadodde sagt:

    @ SCH: Freut mich, dass du es anschauen konntest. Viel mehr Menschen sollten das sehen, finde ich.

    [Antwort]

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