Schwitzkasten

Ein klimatisierter Arbeitsplatz ist etwas, um das mich in diesen Tagen einige beneiden dürften. Selbst saunöse Temperaturen können mir in den Katakomben wenig anhaben, deshalb bin ich noch ziemlich entspannt, auch wenn ich weiß, dass ich später baden gehe – so wie es aussieht im eigenen Schweiß nämlich, und das ist ausnahmsweise nicht schlimm.
Ich bin nämlich in Sachen Incognito unterwegs, d.h. in Aschaffenburg beim Konzert im Colos-Saal . Wie? Ihr habt noch nie von Incognito gehört? Na, mir geht’s genauso, aber Funk, Jazz und Soul kann ja nicht so verkehrt sein, zumal die Truppe schon eine jahrzehntelange Karriere hinter sich haben soll, die allerdings vollkommen an mir vorbeigegangen ist.
Die große Hitze indes hat schon ein Opfer gefordert – der MamS wird uns nicht begleiten. Ihm ist das Schwitzbad von Tito & Tarantula noch in lebhafter Erinnerung und auch wenn es ihn schmerzt, er zieht einen lauen Abend auf der Terrasse einem Hitzschlagtod im Schwitzkasten Colos-Saal vor.

So, jetzt gleich Hank aus dem Freibad abholen, schnell nochmal duschen und dann geht’s ab auffie Autobahn.

I gfrei mi
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Edit 18.17 Uhr: Dass der MamS bei Temperaturen oberhalb von 15 °C rummädelt, bin ich ja gewohnt. Meine offensive dezente Bemerkung, dass mir nicht bewusst war, mit einem ganz alten Sack greisen Herrn verheiratet zu sein, scheint eine Sinneswandlung herbeigeführt zu haben. Er wird wohl doch in den Schwitzkasten mitkommen. Geht doch.

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Aufgemerkt!

Was es bedeutet, wenn jemand eine „Leichenbittermiene“ zur Schau stellt, ist allgemein bekannt. Aber was ist ein „Leichenbitter“ habe ich mich heute gefragt und meine erste Assoziation ging, wie sollte es anders sein, natürlich sofort in die alkoholische Richtung, Cynar z.B., Becherovka, Averna, Ratzeputz und Sechsämtertropfen, aber die gedankliche Verbindung zum Teilwort „Leiche“ verlief dann eher unappetitlich. Die Vorstellung, dass aus den entweichenden Körpersäften in Verwesung begriffener Lebewesen ein bitteres Getränk gebraut werden würde, schien mir zwar unwahrscheinlich aber nicht unmöglich. Schließlich waren die Leute früher hartgesottene Rauhbeine (da verschließe ich mich der neuen Rechtschreibung übrigens!) und sogar die Pest konnte die Menschheit zwar ein bisschen dezimieren aber nicht ausrotten. Das hat ja nicht mal der Lebertran geschafft.

Kein Schnaps, keine Ekligkeiten: Tatsächlich geht die Bezeichnung nämlich auf den Beruf des „Leichenbitters“ zurück, der die zum Begräbnis geladenen Personen zu informieren hatte. Manchmal war der Leichenbitter gleichzeitig der Hochzeitsbitter, den ich unter der Bezeichnung „Hochzeitslader“ noch heute kenne.

„Wird vor oder nach dem Leichenbegängnisse ein kleines Traitement gegeben, so übernimmt gewöhnlich, besonders bey Handwerksleuten, der Leichenbitter auch die Besorgung der Gäste, damit keiner zu kurz kommt, und zuletzt stattet er im Nahmen der Leidtragenden jedem vom Gastmahle weggehenden Leichenbegleiter den Dank ab. Eben dieser Leichenbitter bringt auch der Geistlichkeit die Gebühren ins Haus, und besorgt die Bezahlung des Geläutes, für welches alles er, je nachdem es an einem Orte gebräuchlich ist, entweder 16 Groschen, 1 Thaler oder auch noch mehr erhält.“

Und weil er betreten gucken musste, während er seiner unerfreulichen Arbeiten nachkam, musste er eben die „Leichenbittermiene“ aufsetzen. Klingt logisch, oder? Das wunderhübsche „Traitement“ wird ab sofort in den hiesigen Sprachschatz aufgenommen und ersetzt das staubige und sinngleiche „Umtrunk“, ohnehin ein spukhässliches Wort.

Mit der Oekonomischen Encyklopädie von Dr. Krünitz habe ich heute mehr als nur eine Menge Zeit verbracht und auch gleich herausgefunden, woher das Wörtchen „verplempern“ eigentlich kommt. Hach, für solche Sachen liebe ich das Internet.

Euch einen strahlenden Abend wünscht
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Glückskind

Während ich hier sitze und eine höllenheiße Sahara-Brise meine Schultern streichelt, bin ich zu dem Entschluss gekommen, dass jede aufschiebbare Arbeit in den hiesigen Hallen kurzfristig ausgesetzt wird.
Statt dessen freue ich mich arg auf den heutigen Kinoabend, für den ich beim Kitzinger Grandseigneur biffo die Eintrittskarten gewonnen habe.
„Elegy oder die Kunst zu lieben“ steht auf dem Programm, die Verfilmung des, so heißt es, freizügig formulierten Romans „Das sterbende Tier“ von Philip Roth. Ein „alternder“ (Hallo, der Typ ist 55, also bitte!) Professor verliebt sich nach zahllosen oberflächlichen Affären in eine exilkubanische Studentin, die ihn fortan fesselt und zu seiner Obsession wird.
Die erste Reaktion des MamS, als ich ihm von meinem Gewinn erzählte, war ein „Ach, mit Ben Kingsley, der ist doch gut“ während ich ein „Ach, mit Penélope Cruz, die ist doch geil!“ erwartet hätte, jedenfalls habe ich selbst so reagiert, weil ich sie für eine der schönsten, auf diesem Planeten wandelnden Weiblichkeiten halte. Danke, biffo!

Für Verwirrung meinerseits sorgte allerdings die eben gelesene Formulierung auf der privaten Homepage eines (so geschätzten) Mittdreißigers:

„Seit ich meine Freundin kennengelernt habe, interessiere ich mich auch für Tiere.“

Ich hoffe nur für die Tiere, es bedeutet nicht das, was ich bei diesem Satz denke, aber ich weiß, dass er mir den ganzen Tag nicht mehr aus dem Kopf gehen wird.

Euch einen tierischen Tag wünscht
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Nachtrag: Das ist doch mal wieder typisch! Der MamS hat eine Geburtstagseinladung vergessen … So habe ich jetzt innerhalb einer Stunde ein Gruppengeschenk klargefahren, was verpackt, was gereimt, was gebrannt und Ersatz für den MamS organisiert. So kommt eben mein allzeit bereites und wie immer spontanes Brüderchen in den Genuss, Penélope auf dem Kanapee zu sehen …

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Feiernde Feuchtgebiete

Bis 22.00 Uhr liefen die Geschäfte eigentlich gar nicht schlecht. Als dann aber ein selten in diesem Ausmaß gesehener Gewitterregen niederging versuchte jeder, an ein halbwegs trockenes Plätzchen zu flüchten. Von unserem relativ trockenen Unterstand aus glichen die großen Sonnenschirme, unter denen trotzdem aufgeweichte Menschentrauben Schutz suchten, überfüllten Rettungsbooten im tosenden Atlantik. Der Sturm blies orkanverdächtig, der Strom fiel teilweise aus, nur wir Cocktaildamen und -jungs waren mit unserer Hütte mit Licht versorgt, während die Tonleute verzweifelt versuchten, ihr Equipment zu schützen und die riesigen Boxen in noch riesigere Folien zu wickeln. Nach etwa einer Stunde, das Schlimmste war vorbei, setzte die Musik wieder ein und wie zum Trotz war die Stimmung besser als vorher, wenn auch die Nachfrage nach innerer Befeuchtung zunächst etwas nachgelassen hatte, weil die meisten Leute ja sowieso völlig durchnässt waren.
So schoben wir erst wieder eine relativ ruhige Kugel und mischten uns unters Volk, die verbliebenen etwa 700 Leute bekamen zum Dank für ihr Durchhalten eine halbe Happy Hour und tanzten barfuß oder in Strümpfen durch sandige Pfützen und grölten lauthals mit, als sie von der Bühne von den Klängen über ein gewisses rotes Pferd und irgendein geiles Luder namens Joana eingepeitscht wurden.
Die Jungs schubsten sich gegenseitig johlend in das aufgestellte Planschbecken, dessen Inhalt jetzt nicht mehr vertrauenerweckend aussah, abwechselnd mit den Mädels, die mit bis zu den Knien nassen Klamotten in der Brühe schwoften. Danach hatten sie Hunger und mit gefüllten Bäuchen konnten sie auch erneut flüssige Nahrung aufnehmen, weshalb der Getränkeabsatz wieder Fahrt aufnahm.

In den letzten Jahren konnte ich meinen Alkoholika-Erfahrungsschatz bereits um einige Kuriositäten wie Schlüpferstürmer und Krabbeldiewandnuff bereichern. Gestern habe ich Bekanntschaft mit dem „R(h)einspritzer“ gemacht, einem Fünfzehnprozenter aus der Kategorie „Jugend forscht“. Diese etwas andere Medizin ist wahlweise mit Himbeer- oder Waldmeisteraroma im Wodka erhältlich, wird vom bedürftigen Alkonauten aus der Spritze direttemang oral verklappt, was zwar gar nicht so übel schmeckt, aber trotzdem ziemlich dämlich aussieht.

Es gab keinerlei Prügeleien, keine Saufleichen, keine Pfützen, weil jemand den teuren Sprit extern verdauen wollte. Die Stimmung war ausgelassen, fröhlich, wohl angetrunken aber nicht ausfällig – da fällt die Zusage, anlässlich der nächsten Beachparty wieder zu helfen, nicht schwer.

Wenn vorher die Lust arg zu wünschen übrig lässt, wird es meist ganz nett. Das war auch gestern wieder so.

Euch einen trockenen Abend wünscht
moggadodde

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Limettenluder

Die Sonne knallt, ein heftiger Wind bläst: Perfektes Wetter für die heutige „Operation Sandsturm“ des örtlichen Sportvereins. Wie in den vergangenen Jahren werde ich wohl für die Produktion des Caipirinha zuständig sein, aber einen „Sex on the beach“ werde ich mir jedenfalls genehmigen, um dem Sandkoller vorzubeugen.
Meine Lust hält sich zwar in Grenzen, zumal ich wohl meine dann schmerzenden Glieder erst in den schon hell werdenden Morgenstunden ins Bett werde hieven können (nicht umsonst trägt „Strand“ im Französischen den bezeichnenden Namen „Plage“), aber aus Erfahrung weiß ich, dass solche Nächte umso besser werden, je weniger Böcke man vorher darauf hat.

Hasta la vista
moggadodde

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