Schwarze Löcher

Mit Mühe und Not und unter Zuhilfenahme haarsträubender Eselsbrücken kann ich mir gerade mal den PIN von meinem Mobiltelefon merken und die Geheimzahlen der Kinderkonten (obwohl, wenn ich so darüber nachdenke, weiß ich die aus dem Stegreif auch gerade nicht).
Meine Scheckkarte ist nun schon ziemlich betagt und seit mehreren Jahren in Gebrauch und meistens kann ich mich auch hier an den vorgegebenen PIN erinnern. Manchmal allerdings, kann ich die verdammte Geheimnummer meinem Gehirn ums Verrecken nicht entlocken und als ich eben eine Tankstelle ansteuerte, merkte ich, dass sie mir mal wieder nicht einfallen wollte.
Ich drehte eine Runde um die Tanke und mir kamen verschiedene Kombinationen in den Sinn, sicher war ich aber nicht. Schließlich dachte ich, dass mir wie schon so oft, die Geheimzahl direkt vor dem Gerät stehend wieder einfallen würde, wozu bin ich schließlich Optimist? Aber auch als ich an der Kasse stand, blieb die Gehirn-Schublade mit der PIN diesmal wie eine Auster verschlossen und während ich nervös ein paar in Frage kommende Kombinationen eintippte wurde die Schlange hinter mir immer länger. Schließlich gab ich auf und zahlte mit den letzten 15,00 Öcken, die ich zum Glück noch cash in der Tasche hatte. Wie eine senile Greisin, die sich der Namen ihrer Enkel nicht mehr erinnert, brabbelte ich mit rotem Kopf was von „Scheiße“ und „Ich weiß meine PIN nicht mehr!“ und verließ mit errötetem Kopf das Kassenhäusle.

Es gibt sicher noch sehr viele Leute wie mich, die mit Zahlen im Allgemeinen und Bank-PINs im Besonderen auf Kriegsfuß stehen. Warum gibt es eigentlich neben PINs nicht auch PILs, mit Kennwörtern oder Buchstabenfolgen statt der verdammten Zahlen? Warum muss ich mich mit zusammenhanglosen Nummernreihen herumplagen, die wertvollen Speicherplatz in meinem Gehirn blockieren? „Ja“, werden manche sagen, „die Lesegeräte akzeptieren nunmal nur Zahlen“, aber ich sage Bullshit! Ich kann ja auch mit einem Telefon Textnachrichten verschicken, also, warum zur Hölle gibt es so etwas noch nicht?

Für eine Menschheit, die mit Teilchenbeschleunigern gefährliche Schwarze Löcher produzieren kann, muss es doch ein Klacks sein, ein schriftzeichenunterstütztes Zahlungssystem zu entwickeln, mit dem das Schwarze Loch in meinem Zahlengedächtnis umschifft werden kann, zumal ich mit Sicherheit kein Einzelfall bin, Himmelherrgott nochmal! Ich als Ziffernbehinderte fühle mich hier jedenfalls aufs Übelste ausgegrenzt und diskriminiert, jawoll!

Euch einen berechenbaren Tag wünscht
moggadodde

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Dieser Eintrag wurde in Daily Soap veröffentlicht.

14 commenti su “Schwarze Löcher

  1. Rööö sagt:

    Ging mir die Tage auch so.

    Beim Tanken zahle ich mit Kreditkarte, meine Unterschrift vergesse ich selten bis nie.

    Am Montag ein Novum. Im doppelten Sinn sogar:
    Bei Aldi an der Kasse mit Karte zahlen. Erstens war es Aldi und Zweitens mit EC-Karte. Aber der zweite Versuch war erfolgreich… 😉

    Aber vielleicht ist es bei dir auch das Alter…
    Nein, das sagt man nicht… 😀

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  2. Georg sagt:

    Haste aber völlig recht, wieso geht das nicht mit Buchstaben? Mir fällt da auch kein einziger plausibler Grund ein. In den Anfängen, das ist klar, selbst die alten Windows-DOS-Versionen konnten, ich glaube, nur 7 Buchstaben als Dateinamen erkennen, aber heute? Wen kompetentes könnte man denn da bloß fragen?

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  3. Emily sagt:

    Du bist wahrhaftig nicht die einzige, meine Kunden sind oft sehr froh wenn sie hören, dass sie hier nur eine Unterschrift brauchen und keine PIN.

    Eine PIN von einer EC-Karte kann ich mir merken. Als ich eine Weile zwei Karten hatte, war ich aber hoffnungslos überfordert.

    Ebenfalls zuviel sind für mich Wagennummer und Sitzplatznummer bei Zugreservierungen. Keine Ahnung warum, soviele Zahlen sind es ja gar nicht. Aber ich schaue immer wieder auf den Zettel.

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  4. Rööö sagt:

    @Georg: Bei DOS waren es 8+3 Zeichen. *klugscheiß* 😉
    Und stimmt, eigentlich wäre es viel praktischer ein Passwort statt 4 Ziffern als Sicherheitsmaßnahme…
    Aber auch Passwörter vergisst man! 🙂

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  5. moggadodde sagt:

    @ Rööö: „Ging mir die Tage auch so“ – und was schließen wir daraus? Ich tippe auf frühzeitige Vergreisung 😉
    Schon, auch Passwörter können vergessen werden, aber (von mir) eben nicht so leicht. Man könnte ja auch wählen dürfen, ob Zahl oder Wort. Aber bloß keine Kombi aus beidem – das würde mich noch mehr verwirren 😀

    @ Georg: Tja, wen fragen? Jemand Vertrauensvolles müsste es sein, also nicht die Banken. Jemand Kompetentes wäre bestimmt im computer engineering zu finden – vielleicht gibt es sowas ja sogar schon und wir kriegen es bloß nicht? Wie heißen denn die Firmen, die die Dinger immer herstellen?

    @ Emily: Weil du das sagst … stimmt: Selbst im Kino muss ich ein paarmal aufs Ticket schauen, bis ich da sitze, wo ich hingehöre.
    Das mit der Unterschrift ist zwar praktisch (und kommt mir entgegen, hehe), aber ja auch nicht so sicher … Ganz oft wird der Kontrollblick nur pro forma auf die Rückseite der Karte geworfen. Da könnte man sehr oft auch mit „Santa Claus“ unterzeichnen und kein Mensch würde das merken.
    Am besten ist ja eh Bargeld, ich weiß *stöhn* …

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  6. Staffan sagt:

    Jaa, Zahlen merken, das ist so eine Sache. Aber da gibt es einige nützliche Methoden, mit denen man seine PINs nie wieder bzw. ne lange zeit nicht mehr vergisst. Und zwar in dem du die zahlen visualisierst. d.h. du schreibst jeder ziffer ein sysmbol zu und baust aus der ziffernkombi eine kleine geschichte, klingt simpel isses auch und es ist sehr effektiv. könnt ihr ja mal ausprobieren. lg

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  7. Smiley sagt:

    Ich hatte auch schon öfter die Situation, dass ich Geld abheben wollte und vor dem Automaten wie blöd stand, weil mir die Zahlenkombi nicht einfiel. Bist also nicht allein 😉

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  8. Georg sagt:

    @ Rööö: Hast recht, man was waqren das für Zeiten! 🙂

    @ Staffan: Wieso Zahlen visualisieren, wenn Visualisierungen als Namen doch technisch möglich sind? 🙂

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  9. moggadodde sagt:

    @ Steffan: Ha! Natürlich habe ich darüber schon gelesen, aber ich glaube, du überschätzt mich …
    Sagen wir mal, die Zahl wäre die 4691. Wie läuft das mit dem Visualisieren denn nun? Merke ich mir beispielsweise zur 4 eine Kirche, zur 6 eine Autofelge, zur 9 eine Banane und zur 1 einen Liter Milch? Und wie kann ich mir einprägen, dass die 1 nicht die Kirche und die 6 nicht die Banane ist? Auweia … Wenn das so laufen soll, wird das nichts mit mir und den Zahlen … 😀
    Ich bekomme mit Worten Eselsbrücken zu den absurdesten Themen hin, aber sobald Zahlen ins Spiel kommen, bin ich raus 🙁
    Obwohl warte … eine Geschichte, da bin ich ja wieder gut: Vor einer Kirche mit 4 Türmen liegen 6 Autofelgen, 9 Bananen und 1 Liter Milch. Hm. Und jetzt? Bananenmilch mit Metallgeschmack?!
    Nee, ich hab’s schon wieder vergessen 🙂

    @ Smiley: Du auch!? Psst … soll ich dir was verraten? Mir ist der PIN immer noch nicht eingefallen und je länger ich drüber nachdenke, desto weiter entfernt sich die Zahl … und ich weiß nichtmal, ob ich die Unterlagen noch habe. Naja, ich schlaf mal drüber, vielleicht fällt sie mir im Traum wieder ein 😉

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  10. Emily sagt:

    @moggadodde: Sobald Du aufgibst und nicht mehr darüber nachdenkst, wird sie Dir wieder einfallen.

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  11. markus sagt:

    zahlenkombinationen? ich liebe zahlenkombinationen. nee, ehrlich, hab noch pins von früheren karten im kopf. weiß auch nicht, woran das liegt. in der firma ist zum beispiel das telefonbuch meines telefons fast leer.

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  12. moggadodde sagt:

    @ Emily: Bis jetzt: nada. Es ist wie verhext …

    @ markus: Telefonnummern kann ich mir auch ganz gut merken … Ich weiß sogar noch meine erste Mobilnummer – und die sind ja nicht gerade kurz … Aber bei lumpigen 4 Zahlen funktioniert das nicht. Ich versteh’s nicht 🙁

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  13. Emily sagt:

    @moggadodde: Du denkst ja auch noch daran. Denk nicht an rosa Elefanten. ;o)

    Das Telefonnummern Phänomen kann ich bestätigen, auf der Arbeit kann ich alle häufiger gebrauchten Nummern auswendig. Vielleicht sind vier Stellen zu kurz? Die rutschen durch das Siebhirn einfach durch. *g*

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  14. moggadodde sagt:

    @ Emily: Möglich … wenn mir die Zahl wieder einfällt, hänge ich einfach zwei Nullen dran. Dann klappt’s vielleicht besser mit merken 😉

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