Ich will heim, schnief …

Mein letztes Posting begann ich damit, dass Urlaub nicht immer schoen ist. Wenn ich gestern gewusst haette, wie Recht ich damit habe, waeren wir gar nicht erst losgefahren.
Begonnen hat alles wunderbar. Null Stau, die Strassen ruhig wie ein Friedhof, wir dachten, das wird der Start in einen unvergesslichen Urlaub. Wenn wir weiter gewusst haetten, WIE unvergesslich dieser Urlaub wird, waren wir daheim geblieben …

Wir bezogen unser Domizil und waeren am liebsten rueckwaerts wieder raus. Sporen und Schmutz, von dem ich nicht wissen will, was es mal gewesen ist auf den Essbestecken, monatelang muss dort nicht mehr geputzt worden sein. Das Mobiliar hatte schon vor dreissig Jahren seine beste Zeit hinter sich und war einst offenbar auf dem Flohmarkt gekauft worden, wackelig, dreckig wie die Lichtschalter, die nur mit einem Stueck Papier auf den Fingern getestet wurden um dann festzustellen, dass das Licht, was Wunder, gar nicht funktionierte. Eine schlimme Nacht liegt hinter uns und wir machten in der Agentur heute frueh gleich ein wenig einen Tanz und wurden umquartiert. Dass der Neffe eine Kakerlake (lebend, ca 3 cm) in seinem Bett beherbergte, setzte der Widerlichkeit nur noch die Spitze auf. Dass unsere neuen Wohnungen nun viel weiter vom Strand liegen, ist nicht weiter schlimm. Das Wetter laesst uns sowieso nur mit Jacke und Socken an die Luft gehen.
Ich sitze hier in einem Internet-Cafe mit komischer Tastatur und ihr koennt von Glueck reden, dass ich hier keine Bilder hochladen kann. Natuerlich habe ich alles fotografiert und dass der Veranstalter noch einen gesalzenen Brief kriegt, ist eh klar.

Haetten wir nur gestern schon das gewusst, was wir heute wissen. Das groesste Glueck ist allerdings, dass wir am Samstag schon wieder heimfahren koennen. Ich bin so angepisst wie ich noch in keinem Urlaub angepisst war und wenn ich ehrlich bin, wuerde ich am liebsten meinen Krempel packen und nach Hause fahren. Aber das Geld ist futsch und die 70 € Energiekosten fuer eine Woche werde ich denen hier ganz bestimmt nicht schenken und wenn ich fuenfmal am Tag duschen muss.

Herzliche Gruesse aus der Hoelle
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Arrivederci Amici!

Urlaub ist blöd. Der Tag davor, zumindest. Hanks Kinderausweis war schon seit eineinhalb Jahren abgelaufen, was ich erst heute (gottlob noch heute) gemerkt habe. Ein vorläufiger Personalausweis konnte noch beschafft werden und mit Dixie musste ich noch schnell beim Arzt vorbei, weil sie sich zwei Zecken nicht so richtig aus dem Bein gepult hat. Nicht zu fassen. Da geht das Mädel das erste mal seit Jahren in den Wald und fängt sich gleich die Spinnenviecher. Wegen der Borreliosegefahr und weil wir morgen die Alpen passieren, muss sie prophylaktisch eine Woche Antibiotika schlucken. Nicht dass sie fiebrig am Pool herumliegt und ich in Italien mit ihr zum Arzt muss. Ich weiß nämlich nichtmal, was Zecke auf italienisch heißt.

Außerdem habe ich Premiere. Also nicht das nette Fußballguck-Premiere, sondern schauderhafte Netzabstinenz-Premiere. Eine komplette Woche ohne die segensreiche Erfindung des worldwideweb! Wie und ob ich das hinkriege, weiß ich noch nicht so genau. Auch wenn der MamS meckert, mein Freund Larry Laptop kommt mit, vielleicht finde ich ja was zum surfen und damit meine ich nicht die Adria. Als Ausrede und fand ich die Begründung, dass die Fotos von der viel zu kleinen Speicherkarte schließlich täglich überspielt werden müssten, sehr genial.
Auf alle Fälle werde ich Tagebuch führen und die Berichterstattung nachreichen. Gehabt euch wohl und lasst es euch mindestens so gut gehen, wie ich mir das für mich selbst vorgenommen habe.

Mein Gott, wenn ich überlege, dass dieses jämmerliche, aus Zeitgründen verdammt einfallslose und mitnichten interessante Posting mein letztes sein könnte, weil wir möglicherweise im Tauerntunnel in Flammen aufgehen oder von einer Riesenkrake in die adriatischen Tiefen gezerrt werden, bin ich entsetzt. Für die, die zum ersten Mal hier lesen: Ich konnte das wirklich einmal besser. Bei Interesse bitte nach unten scrollen.

Euch eine sichere Zeit wünscht
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Lernfähig

Zu meiner Ehrenrettung betreffs des letzten Blamage-Postings reicht es zwei Tage, ein kleines Bier und ein bisschen Übung später dazu:

Allgemeinbildung testen

Geht doch.

Euch einen denkwürdigen Abend wünscht
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Mutter Blamage

Bettina will ihre Freundin Gudrun besuchen, die 4800 m von ihr entfernt wohnt. Zur selben Zeit macht sich Gudrun auf, um Bettina zu besuchen, beide bewegen sich mit 70, bzw. 80 m in der Minute. Mal abgesehen davon, dass Bettina auf ihrem Weg wahrscheinlich Karin, Petra und Andrea trifft und mit dem neuen Nachbarn flirtet und Gudrun nach 300 m nochmal umdreht um nachzuschauen, ob sie das Bügeleisen ausgemacht hat und sich so eine genaue Berechnung sowieso nicht anstellen lässt: Wieso zur Hölle muss man wissen, wann und wo sich die Damen begegnen? Sollten die Kinder im Mathematikunterricht nicht lernen, wie man den günstigsten Handy-, Strom- oder Krankenkassentarif findet? Das ist doch elementar heutzutage und nicht die Frage, auf welcher Höhe zwei unterschiedlich schnelle Züge auf einer Strecke zwischen Augsburg und Nürnberg aneinander vorbeifahren! Das ist doch vollkommen schnuppe, verdammt!

Natürlich meine ich das nicht ganz ernst. Natürlich versuche ich mit diesen Sätzen nur, mein trauriges Dasein als vollkommene, mathematische Doppelnull zu verstecken. Ich gebe nämlich nur ungern zu, dass ich Hank nur nach allerlei Herumprobieren helfen konnte; erklären indes konnte ich es ihm nicht.

Dass mir der geistige Zugang für solche Fragen fehlt und immer schon gefehlt hat, wurmt mich kolossal und dass ich Hank als einzigen Rat mitgeben kann, so eine Aufgabe am Schluss der Schulaufgabe anzugehen, sehe ich als mein persönliches, didaktisches Armutszeugnis. Merde!

Nicht nur mit Zahlen stehe ich offenbar auf Kriegsfuß. Dieses Werk

Werkstück

hat Hank im Werkunterricht verbrochen gefertigt. „Sieht scheiße aus, gell?“, kommentierte er sein Werkstück und ich antwortete ehrlich, dass ich das momentan nicht beurteilen könne, weil ich gar nicht wisse, was das darstellen soll. Ich konnte es auch nach einigen Minuten angestrengter Betrachtung nicht erkennen. Als er es mir dann erklärte, fand ich es aber gar nicht so ungelungen.
Offenbar bin ich nicht nur blöd, sondern auch blind.

Euch einen durchsichtigen Abend wünscht
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Wählerisch

Stolze 31 politische Parteien oder Gruppierungen stellen sich der Europawahl und natürlich informiere ich mich über die Liste. Der Wahlschein liegt mir schon vor und da ist wirklich einiges geboten! Nur drei Aspiranten konnte ich heute ein bisschen näher betrachten:

Ganz besonders amüsiert hat mich z.B. die Feministische Partei „Die Frauen“, die ihren Bundesverband nicht Bundesverband sondern Bundesmitfrauenverband nennt und auf der Startseite ihres Internetauftritts keinen Besucherzähler, sondern eine Zählerin installiert hat, was ich schon mehr als überspannt finde und an der Grenze zur Selbstgerechtigkeit ansiedeln würde.

Auf Platz 24 steht die EDE, die Europa-Demokratie-Esperanto mit dem Nobelpreisträger Prof. Dr. Selten an der Spitze. Sie will dem vielsprachigen Kauderwelsch im Europaparlament ein Ende bereiten und setzt sich u.a. für die Einführung der Kunstsprache Esperanto im Parlament ein, damit endlich offener Dialog entsteht und die kostenträchtige Übersetzung maßgeblicher Unterlagen, die meist nur in Französisch oder Englisch und manchmal in Deutsch gehalten sind, entfällt. Schon 2007 kosteten schätzungsweise drei Millionen übersetzte Seiten das sagenhafte Sümmchen von 511 Millionen Euro und durch die pausenlose EU-Osterweiterung ist das mit der Übersetzerei ein Fass ohne Boden.
Zwar halte ich die kaum bekannte Plansprache Esperanto schon für eine sehr extravagante Art der Kommunikation und dennoch die Intention der Gruppierung für nachvollziehbar. Aber denkt bei EDE jemand ernsthaft, die Parlamentarier würden freiwillig ein Schulbuch in die Hand nehmen, um fortan in Esperanto zu parlieren, wo manche doch ihre eigene Muttersprache nicht richtig beherrschen? Von den Heerscharen plötzlich arbeitsloser Übersetzer ganz zu schweigen. Feine Idee, das, aber nicht realisierbar, will man das Projekt Europa nicht neniigi, äh, vernichten.

Die Violetten z.B. propagieren die „Spirituelle Politik“, was für mich schon ein Widerspruch in sich ist. Die Lila-Glücksbärchis streben eine Gesellschaftsordnung an, in der „Selbsterkenntnis durch die individuelle spirituelle Entwicklung, Mitgefühl, Hilfsbereitschaft, Kreativität, offene Kommunikation, ökologisches Denken, Gewaltfreiheit, Freiheit im Geistesleben, Menschlichkeit im Wirtschaftsleben, Gleichberechtigung und Gleichwertigkeit von Frau und Mann und Toleranz obenan stehen“.
Was für ein hehres Ziel, vielleicht sogar etwas zu hoch gesteckt? Ich persönlich glaube ja, die Politik ist nur für Träumer der richtige Platz für Spiritualität; Spirituosen, ja, das schon eher. Sollten Gesetze in Hinkunft ausgependelt werden? Sollen mit einer doppelten Meditationseinheit Entscheidungen über die Abschaffung der Gurkenkrümmung gefällt werden? Wird mir nach einer stattgehabten Transmutation Frau Hohlmeier endlich sympathisch?

Wenn ich Sätze lese wie zum Thema Gesundheit („Aus spiritueller Sicht hat eine Erkrankung immer einen emotionalen oder geistigen Bezug, sie ist ein Zeichen oder ein Reinigungsprozess und dient der Entwicklung des Menschen … über den Weg der Erkenntnis kann Krankheit geheilt oder sogar vermieden werden, denn jeder Mensch hat das Potential, vollkommen gesund zu sein“) oder Rechtswesen („… Der »Strafvollzug« ist in erster Linie als Aufklärung der »Straftäter« über ihre Tat und die Bedeutung der Gemeinschaft für den Einzelnen anzusehen. Es werden z. B. Meditationsübungen und Seminare zur Bewusstseinsentwicklung angeboten …“), dann stehen meine Nackenhaare sofort zwischen „unwählbar“ und „Bullshit“.

Um ein wenig Klarheit zu erlangen, werde ich den wahl-o-mat befragen müssen, eine Art Glücksrad der Demokratie. Viel verspreche ich mir davon nicht; wer die Game-Shows aus den 80ern kennt weiß, dass am Ende meistens der Zonk steht. Und das ist in der Politik nicht viel anders.

Euch einen ausgewählten Abend wünscht
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