Ich habe einen neuen Stecher

Als bekennender Schmelzkäsefan hatte ich mich spontan bei den Lebensmittelliebhabern in der letzten Woche darüber mokiert, dass beim Öffnen der hauseigenen Käseecken der dazu eingeklebte Plastikfaden so deppert platziert ist, dass man am Ende doch das klebrige Zeug mit spitzen Fingern aus der Folie popeln muss und schonungslos darauf hingewiesen, dass die Konkurrenz das deutlich besser macht.
Heute finde ich als Reaktion auf meine „motivierende Rückmeldung“ und als „Dankeschön für die Anregung“ eine Überraschung im Briefkasten. Ein neuer Apfelstecher war hier wirklich schon lange überfällig, danke nach Hamburg! Wie ich damit die Käseecken leichter aufkriegen soll, weiß ich zwar noch nicht so richtig. Aber mit ein bisschen Übung wird das bestimmt!

Euch einen fruchtigen Tag wünscht
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Jackomania begins

Mit dem Tod von schrecklich berühmten Leuten ist das ja oft so eine Sache. Beißen sie in relativer Jugend ins Gras und haben bis dorthin schon wegen überwiegend positiver Leistungen von sich reden gemacht, werden sie eine Legende und in den Köpfen der Menschheit unsterblich. Hätte sich James Dean nicht schon mit Mitte Zwanzig in den Tod gerast, wäre er später vielleicht Ehrenmitglied beim KKK geworden oder Chrysler-Vorstand, beides nicht sehr angenehm. Wäre Marilyn Monroe nicht so bald gestorben, wäre sie heute vielleicht eine alkoholsüchtige Vettel, die allen mit ihren aufgewärmten Geschichten auf die Nerven fällt. Michael Jackson auf alle Fälle hat lange genug gelebt, um sein Denkmal schon zu Lebzeiten zu demontieren, ungeachtet der heutigen heuchlerischen, weltumspannenden Trauer. Hat nicht jeder zu Jackos Lebzeiten nicht irgendwann einen Witz über seine inzwischen groteske Erscheinung gerissen?

Dem King of Pop ist jetzt dem King of Rock auf den Olymp gefolgt. Wie Elvis war auch Jacko am Ende nur noch eine tragische Figur und ein Schatten seines früheren, göttergleichen Status. Dass es auf allen Stationen Sondersendungen hagelt und inzwischen alle Jackson-Scheiben in Deutschland ausverkauft sein sollen, halte ich für vollkommen angemessen. Der Mann hat schließlich Musikgeschichte geschrieben. Punktum.

Darüber geriet ich eben mit dem Nachbarn ein wenig in Streit. Er schimpfte über den Schwachkopf, der doch so hirnlos war und sich in jedem Jahr eine neue Nase anmontieren ließ. Danach zeterte er angesichts der globalen Trauer und mutmaßte, dass jemand, der mit Affen wohne, mit diesen sicher nicht nur unter Berücksichtigung von tierschutzrechtlichen Aspekten verkehre. Das sagte er natürlich nicht so charmant; er drückte sich ein wenig primitiver aus und zog in übler Manier über den Idioten her, der doch so bescheuert war und sein Baby im soundsovielten Stock über einem Balkongeländer baumeln ließ.
Ich fand sein Gewäsch ziemlich nervig und parierte im Affekt, dass er mal ein wenig aufpassen solle, wie er über Leute spreche, die noch nicht mal kalt sind. Dass jemand, der über 750 Millionen Platten verkauft hat, so untalentiert ja nicht sein könne und dass die von ihm favorisierte Schürzenjäger-Bierzelt-Combo das ja erstmal nachmachen solle. Dass er auch Hasen halte und ob deshalb jemand behaupten würde, dass er ein Sodomit sei? Und dass ich schon verstehen könne, dass er nur die schlechten Seiten von Jacko gekannt hat, weil er in dessen bester Zeit hinter seinem antiimperialistischen Schutzwall gesessen und den Puhdys zugejubelt hat, während mich in meiner Jugend ein Herr Jackson mit seiner grandiosen Popmusik begeisterte und ich quasi damit aufgewachsen bin. Er hätte nie die Puhdys gehört, behauptete er und merkte aber, dass ich wegen seiner Wortwahl ein wenig angepisst reagierte.
Klar hatte Jacko was an der Waffel, nichtsdestotrotz war er aber vor zwanzig Jahren ein genialer Musiker, der in der ganzen Welt respektiert, bewundert, angehimmelt und hofiert wurde und das musste dem Nachbarn schließlich auch mal gesagt werden, wenn er sich schon nur an Skandalgeschichten, Gesichtsoperationen und Sauerstoffzelte erinnern kann.

Zugegeben, mir ist dem MamS gegenüber heute auch eine Bemerkung entschlüpft, als ich sagte, dass mit Jackos Abgang das Wort „verblichen“ einen einmaligen, zweideutigen Sinn erhielte. Aber ich darf das sagen, schließlich war mal Jackson-Fan, irgendwann vor fünfundzwanzig Jahren, und habe auch seine musikalisch guten Zeiten erlebt und weil ich weiß, dass er irgendwann mal nicht nur die tragische Figur war, die er zuletzt abgegeben hat.

Haunei Jacko!
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TV-Tipp: Volver

Spät, hoffentlich nicht zu spät hier noch schnell ein TV-Tipp: Heute um 22.45 Uhr sendet die ARD in einer TV-Premiere die entzückende Tragikkomödiengeistergeschichte „Volver“ von Herrn Almodóvar mit der auch in diesem Meisterstück wieder überirdisch schönen Penélope Cruz in einer der Hauptrollen.
„Volver“ ist ein Film mit Kochen, Singen, einer Leiche in der Gefriertruhe und eine Wohltat fürs Herz, ohne dabei jemals kitschig oder rührselig zu werden.
Ich selbst muss allerdings nicht so lange aufbleiben, um diese Perle des spanischen Films zu sehen. Als DVD habe ich ihn nämlich schon lange in meiner Sammlung.

Guggen!
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Feurio!

Das knisternde, unter Funkenregen zerberstende Holz, die gewaltige Hitze, die den Körper doch nur von vorne zu wärmen vermag, während die Rückseite allmählich zu frösteln beginnt, das unwiderstehliche Spiel der Flammen, die in immer neuen Formen in den Himmel züngeln, die Augen bezaubern und innere Ruhe einkehren lassen: Nirgends ist es behaglicher als am offenen Feuer.

Auch wenn es im Vergleich zu anderen ein bisschen mickrig erscheint, da

Das Feuer und sein Kind

hätte ich vorhin noch ein Weilchen ein bisschen länger die ganze Nacht sitzen mögen. Für Sonnwendfeuer bin ich echt leicht entflammbar.

Euch eine heiße Nacht wünscht
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Papierkram(pf)

Erst nach Androhung roher, körperlicher Gewalt durch den MamS bin ich bereit, die Schublade aufzuräumen. Rechnungen, Röntgenbilder, Quittungen, Schülerwertmarken, mein Gallenstein von 2005, Postkarten, Versicherungskrempel, Kontoauszüge, Restaurantflyer, Briefmarkenbriefchen – das alles wird solange in meiner Schublade gehortet, bis sich das Ding nicht mehr schließen lässt oder das Zeug eine Etage tiefer in den unteren Teil des Schrankes fällt.

IMGP7236

Gewissenhafte Menschen behaupten, man könnte sich einen Haufen Arbeit sparen, wenn der Papierkram sofort nach Erhalt gelocht, bearbeitet und in die dafür durchaus vorhandenen Aktenordner sortiert würde. Ach, echt?
Schön ist alle Theorie, grau ist doch die Praxis. Theoretisch weiß ich ja auch über die Herstellung eines lockeren Hefeteigs Bescheid, praktisch allerdings liegt da immer ein ungelungener Klumpen in der Schüssel, der eher an Fensterkitt denn an Pizza gemahnt.

Ordnung ist das halbe Leben, heißt es. Jetzt, da der Haufen so auf dem Tisch liegt, kommt es mir so vor, als bestünde mein halbes Leben aus Unordnung.
Logisch betrachtet ist das aber die bessere Wahl: Denn hätte ich jedes Papierstück gleich an seinen Platz gebracht, würde ich bei der Unmenge von Zeugs jeweils ziemlich viel Zeit verplempert haben, während ich jetzt gleich einiges davon in die Tonne hauen kann, weil es schon seit einem Vierteljahr in der Schublade rumdümpelt und sowieso nicht mehr gebraucht wird. Zugegeben, das ist meine Logik, aber irgendwie muss ich mir meine papiernerne Verwahrlosung doch schönreden.
Noch einen Espresso, dann fang‘ ich an. Oder zwei.

Euch einen disziplinierten Tag wünscht
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