Erhöhte Talentdichte am Sonntag!

Bekannter- und bedauerlicherweise bin ich so musikalisch wie eine 19-Zoll-Stahlfelge.
Obwohl ich eigentlich väterlicherseits einer musikalischen Familie entstamme, meine Mutter sich aber mit ihrer Schwägerin, der damaligen Talentinhaberin nicht recht grün war, erfuhr ich in meiner Kindheit, abgesehen vom konventionellen Schulmusikunterricht, keinerlei Unterweisung und selbst diese bestand zum Großteil aus der Fertigung von Referaten über damals angesagte Lieblingsbands und -musik. Mit Grauen erinnere ich mich daran, einmal einen Vortrag über Diana Ross‘ unglaublich schlimmes „Upside down“ verzapft und eine umfangreiche Abhandlung über Angelo Branduardi verfasst zu haben. Wenn man anhand dieser Beispiele mein damaliges Musikspektrum betrachtet, ist es wohl besser, dass ich nie gelernt habe, ein Instrument zu spielen. Eine Kreuzung zwischen Diana Ross und Angelo Branduardi wäre wohl ein musikalisches Armageddon geworden.
Mit meinem Unvermögen habe ich mich inzwischen abgefunden, umso mehr grenzt aber meine Bewunderung für Menschen, die Stimmbändern, jedweden Instrumenten oder auch nur einem Kamm eine organisierte Form von Schallereignissen entlocken können, an infantile Ehrfurcht.

Bei der geballten Ladung musikalischen Talents kam ich heute aus dem Staunen nicht mehr heraus. Was eigentlich als Geburtstagsfeier geplant war, entwickelte sich dank der zufällig anwesenden Steckenpferd-Musiker zu einem richtig schönen, spontanen Privatkonzert.
Zwischen Komposthaufen und Wäschespinne zeigten SchwäSu. und ihr namhafter Lehrer Joachim Enck unplugged an den Gitarren ihr virtuoses Können,

Su und Joachim

was dann auch Eva dazu ermunterte, die Klarinette auszupacken

Eva klarinettiert

und ein paar Stücke darzubieten. Aufgelockert von einigen, spontanen Gesangseinlagen anderer Gäste entwickelte sich diese Feier, die eigentlich nur als gourmöses Ereignis geplant war (Petra, danke für die sensationellen Spare-Ribs), zu einem ganz feinen, musikalischen Nachmittag, der Schlag 20.00 Uhr durch das unbarmherzige und anhaltende Geläut der benachbarten Kirche ein abruptes und zu frühes Ende nahm, aber es ist ja nicht das erste Mal, dass einem die Katholiken den Spaß verderben.

Das neu gegründete „Joachim-Enck-Trio“ kann übrigens gebucht werden, mit Schwerpunkt auf Gypsy-Jazz und Anleihen vom legendären Django Reinhardt ganz sicher ein Ohrenschmaus für die beschwingte Unterhaltung!

Bei Licht betrachtet bin ich sogar ganz froh, genauso musikalisch zu sein wie die eingangs erwähnte 19-Zoll-Stahlfelge. So kann ich mich nämlich gepflegt zurücklehnen und ganz entspannt nur dem blanken Genuss anheimgeben!

Euch eine taktvolle Nacht wünscht
moggadodde

Flattr this!

Dieser Eintrag wurde in Daily Soap veröffentlicht.

8 commenti su “Erhöhte Talentdichte am Sonntag!

  1. barbara sagt:

    das kenne ich noch von ganz früher, so eine ‚Jamsession‘ beim Grillen, bspw.zu der Klampfe Hannes Wader-Lieder singen *g*
    Den Branduardi könnte ich heute nicht mehr hören, früher fand ich den toll; war ja auch angesagt 😉

    [Antwort]

    moggadodde antwortet am Juli 13th, 2009 um 10:47:

    Der A.B. haspelt sich ja immer noch durch die Lande, vor kurzem war sogar hier in der Gegend. Ich hab mir dann ein paar alte Sachen angehört und mich voller Grauen abgewendet. Alles hat wohl seine Zeit und für mich ist die A.B.Ära schon lange vorbei.
    Ich kann nicht mal gerade singen 🙁

    [Antwort]

  2. Mephisto sagt:

    So gesehen hat der Stahlfelgen-Status tatsächlich seinen Vorteil. Ich geniesse die Musik am liebsten auch zuhörend. Bierchen in der Hand, oder so 🙂

    [Antwort]

    moggadodde antwortet am Juli 13th, 2009 um 17:20:

    Genau: Open-Air bei gutem Wetter UND ein Kaltgetränk. Das ist der Himmel von uns Noten-Nerds.

    [Antwort]

  3. SchwäSu. sagt:

    LieTanHei!

    ich muss dich korrekterweise korrigieren: die, die diesmal gestört haben, waren die Evangelen!…Ausnahmsweise waren die Katholiken die Guten…nur um 6Uhr morgens, wenn durch brachiales Geläut (also, ich meine die Glocken…hm, macht´s auch nicht besser…)die gesamte Bevölkerung unseres beschaulichen Örtchens von sündigem, eventuell zuuu langem Schlafen abgehalten werden sollen, da sind´s die Katholen….naja, und dann haben wir noch die Patt-Situation am Sonntag….wie bei Pubertierenden, die sich – sei´s auch nur verbal – beweisen müssen, wer den längsten hat, versuchen hier die einen noch lauter zu sein, wie die anderen…wohlgemerkt schön zeitversetzt, damit auch ja keiner verpasst, in die leeren Kirchen zu rennen….in der immer spärlicheren Besetzung ihrer Kirchenbänke gleichen sie sich dann allerdings wieder….Glocke hin oder her!

    ansonsten:
    schön, dass es dir gefallen hat!

    [Antwort]

    moggadodde antwortet am Juli 14th, 2009 um 16:57:

    Evangelen, Katholen, streng genommen ist das ja Kutte wie Kragen …
    Tatsächlich kann ich das Geläut nach so vielen Jahren immer noch nicht unterscheiden und nervtötend ist es ja sowohl um 6 Uhr früh als um 8 Uhr abends. Wenn wir eure Gesellschaft nicht so sehr genössen …
    Viel zeitgemäßer wäre es doch, wenn die Kirche(n) ihre Schäfchen per SMS zum Besuch zusammenholen würden, anstatt auch müde Leute aus dem Bett zu holen oder den Musikgenuss zu interrupten. Naja, darin sind sie ja auch nicht übel 😉

    [Antwort]

    chrisslibär antwortet am Juli 16th, 2009 um 21:34:

    Hallo du supergute Schreiberin
    War wirklich toll am Sonntag. Ich habs genauso genossen wie du. Übrigens gehen wir am Donnerstag, 23.Juli auf die Festung zu „No Restriction“ ab 19 Uhr. Soul und Funk vom allerfeinsten. Wollt ihr da nit auch hin. Let`s groove auf der Festung. Wir sind, falls nicht irgendwas außergewöhnliches dazwischen kommt, auf jeden Fall da. Bis dahin Gruß Chris

    [Antwort]

    moggadodde antwortet am Juli 16th, 2009 um 21:41:

    Hey chrissli! Das würde vielleicht sogar funktionieren, wenn ich meinen Gatten von der Couch kriege. Notfalls käme ich vielleicht allein … Werde mich nochmal kurzschließen, ähhh, also euch informieren, ob oder nicht. Ich fänd’s jedenfalls ganz fein!

    [Antwort]

Kommentar verfassen