Durchgefallen

In festen Abständen versammelt sich der Gemeinderat, um für den Ort wichtige Belange zu regeln. Es gilt, Staatszuschüsse für Dorferneuerungen abzugreifen, über die Einführung neuer Tempo-30-Ausbremszonen zu diskutieren oder über Anträge von Hausbesitzern zu beraten, die ihre Bude schreiend-schlumpfblau anstreichen wollen und dabei ungerührt massive Augenschäden der Anlieger in kauf nehmen.
All das sind ziemlich trockene Angelegenheiten. Deshalb setzen sich die Gemeinderatsmitglieder nach dem anstrengenden Teil ganz zwanglos zusammen und beraten über Tagesordnungspunkte, in denen sie abseits jeden strengen, gesetzlichen Korsetts endlich ihre Kreativität unter Beweis stellen können. Dabei geht es sicher auch gerne feuchtfröhlich zu.
Ziemlich stramm muss man allerdings in Höchberg gewesen sein, anders kann ich mir das anlässlich eines Spaziergangs entdeckte Schild

Eiserne Hose

nicht erklären. Am Unterhaltungswert einer simplen Pizzabestellung zweifle ich keinen Moment und auch nicht daran, dass der Pizzaboy beim Satz „Einmal Pizza Vongole in die Eiserne Hose, bitte!“ nicht an einen Telefonstreich denkt und entrüstet wieder auflegt.
Dieser Straßenname ist den Gemeinderäten hundertprozentig bei einem spritzigen Federweißenabend eingefallen. Daran, wie sie im Detail darauf gekommen sind, möchte ich aber eigentlich nicht näher denken.

Euch einen dichten Tag wünscht
moggadodde

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Wahlqual

Die Wahl zwischen Pest und Cholera ist ja nicht einfach.
Pest bedeutet im vorliegenden Fall für Dixie, dass sie für die Dauer der ersten Praktikumsphase hier bereits um kurz nach 5 aus den Federn muss, damit sie um halb 9 vor Ort ist.
Cholera heißt die Alternative in der PC-technischen Diaspora, wo sie ohne jegliche Internetverbindung und auch ohne die segensreiche Erfindung der Flatrate und eigenem Fernseher ums Überleben kämpfen muss. Dafür darf sie dort bis kurz vor 8 Uhr schlafen, weil sie in 5 Minuten zum Praktikumsplatz laufen kann und wird außerdem mit Zeuch bekocht, das sie aus Mutters Küche nur vom Hörensagen kennt plus frische Weggli zum Frühstück. Es spricht ja für sie, dass sie die für eine Jugendliche lebensfeindliche Umgebung bei ihrer Oma dem multimedialen Paradies des elterlichen Heims vorzieht, finde ich und dass Dixie vorhin gleich mit ihrem aktuellen Sweetheart bei ihrer bereits mit Kopfwuckerln verzierten und peinlich berührten Oma aufgekreuzt ist, belebt sicher auch deren Blutdruck und senkt den dortigen Lethargielevel. „Quid pro quo“, würde Herr Lector jetzt wohl sagen.

Dixies Praktikumsstelle ist übrigens ein Kindergarten mit angeschlossenem Schulhort. In den letzten Gesprächen die wir führten, versuchte ich klarzustellen, dass es eher kontraproduktiv sein dürfte, die dort zu betreuenden Kinder so zu behandeln, wie ihren eigenen, kleinen Bruder. Ansprachen wie „Raus hier, du Homofürst!“ oder „Schieb ab, du Flachzange!“ dürften in einem katholischen Kindergarten zu Irritationen führen und sind sicher tunlichst zu vermeiden. Andererseits ist es schon immer so gewesen, dass sie sich in der Fremde besser zu benehmen weiß, als in heimischen Gefilden. Insofern habe ich also keine Bedenken, dass sie die Herausforderung ganz annehmbar hinter sich bringen wird und verhehle aber nicht, dass ich ihr den aufreibenden Umgang mit Kindergarten- und Schulkindern auch ein bisschen gönne. Es ist immer gut, auch mal auf der anderen Seite des Zauns zu grasen, gell?

Nun steht mir also eine tochterfreie Probewoche bevor (mit Aussicht auf Haftverlängerung auf vier Wochen), die ich ordentlich zu genießen gedenke, obwohl sie in den letzten Tagen recht handzahm daherkam. Andererseits fehlt sie mir schon jetzt. Das hört sich paradox an? Ist es auch. Aber Mütter sind in dieser Beziehung sowieso eher gespaltene Persönlichkeiten.

Euch eine vollendete Nacht wünscht
moggadodde

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Wahlwerbeschrott

So kurz vor der Wahl ist der gemeine Politiker für Propaganda aller Art sicher dankbar. Ob das Steini-Girl damit erfolgreich ist, dass sie für den von ihr so verehrten Frank-Walter unter Auferbietung all der Juwelen wirbt, mit denen der Schöpfer ihren Körper ausgestattet hat, wird sich am Sonntag zeigen.

Kurz war er da, an genau diesem Ort. Hier war ein Clip, jetzt isser fort.

Wenn das hübsche Steini-Girl durch diese Aktion dann vielleicht berühmt werden sollte und ihre Enkel fragen, wie das angefangen hat mit ihrer Sanges-/Model-/pole-dance- oder Politikkarriere, kann sie ihre Geschichte zumindest ehrlicherweise mit „I did it Steinway“ beginnen.

Euch einen wahlwitzigen Tag wünscht
moggadodde

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THINK!

Es ist ja nicht so, dass es nichts zu berichten gäbe. Da wäre zum einen der kleine Hank, der immer mehr zur pubertären Stinkmorchel mutiert und lieber seinem Spieltrieb nachgeht, statt seinen reifenden Körper zu pflegen. Als ich ihn in der letzten Woche zu einem Arzttermin von der Schule abholte, müffelte mein Auto sehr schnell sehr penetrant, so, als führte ich einen übergangenen Käse im Handschuhfach spazieren und ich sorgte mich um die körperliche Unversehrtheit des behandelnden Arztes, ganz zu schweigen von der Unversehrtheit meines Rufes als Mutter, die einen Harzer Roller in die Sprechstunde bringt. Hank fackelte nicht lange und hielt Socken und Schuhe zum Lüften aus dem Beifahrer-Fenster, wo die milde Herbstluft den ärgsten Gestank vertrieb. Seinen Achseln des Bösen machte er mit den Erfrischungstüchern aus meiner Handtasche den Garaus, so dass er schließlich wie eine etwas angeranzte Zitrone roch. Immerhin.

Dixie ist mit der Wahl des sozialen Zweigs auf der Fachoberschule nicht ganz glücklich und erkennt wohl langsam, dass mein Gequatsche während der letzten beiden Jahre nicht dazu gedacht war, sie zu ärgern. Im verpflichtenden Pflegehelferkurs beim Roten Kreuz lernt sie gerade, dass mangelnde Dekubitusprophylaxe zur Nekrose führt und das ist ja auch nicht verkehrt; ihre Eltern werden schließlich auch nicht jünger und immerhin hat sie dann theoretisches Wissen darüber, dass man Vattern (oder Muttern) mehrmals täglich wenden muss, damit er nicht wundliegt. „Nicht für die Schule, für das Leben lernen wir“ in Reinkultur sozusagen und gar nicht so verkehrt.

Meine eigene Mutter hadert endlich nicht mehr ununterbrochen mit ihrem Witwendasein, sondern schaut nach vorne. Eine von uns Kindern initiierte Kontaktanzeige hatte immerhin heute ein erstes Date zur Folge, im Rahmen dessen sie von einem Galan alter Schule im dicken Benz mit Massagesitzen stundenlang durch die fränkische Landschaft geschaukelt wurde. Zwar wird die Sache scheitern, weil der Mann meinem Vater auf der einen Seite zu ähnlich und auf der anderen Seite zu unähnlich ist, aber der erste Schritt in einen neuen Lebensabschnitt ist getan. Auch an dieser Front steht uns also eine aufregende Zeit bevor.

Um wieder etwas Schwung in den zuletzt ein wenig brach liegenden Blog zu bringen, habe ich eine ziemlich dicke Kopfnuss im Gepäck. Ich suche nur ein einziges Wort, das sich aus diesem Bild

THINK!

ergibt und das für euch sturmerprobte Ratefüchse sicher gar kein Problem darstellen dürfte, oder?

Sachdienliche Lösungshinweise können übrigens ab

Montag Dienstag, 20.00 Uhr

eingereicht werden.
Inzwischen bin ich bei twitter zu finden, wo ich tatsächlich meine zweite dritte Heimat gefunden habe und das ich euch wirklich ans Herzchen legen möchte. Bei twitter habe ich gelernt, dass es wirklich nicht auf die Länge ankommt …

Hautnei!
moggadodde

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