Wahlqual

Die Wahl zwischen Pest und Cholera ist ja nicht einfach.
Pest bedeutet im vorliegenden Fall für Dixie, dass sie für die Dauer der ersten Praktikumsphase hier bereits um kurz nach 5 aus den Federn muss, damit sie um halb 9 vor Ort ist.
Cholera heißt die Alternative in der PC-technischen Diaspora, wo sie ohne jegliche Internetverbindung und auch ohne die segensreiche Erfindung der Flatrate und eigenem Fernseher ums Überleben kämpfen muss. Dafür darf sie dort bis kurz vor 8 Uhr schlafen, weil sie in 5 Minuten zum Praktikumsplatz laufen kann und wird außerdem mit Zeuch bekocht, das sie aus Mutters Küche nur vom Hörensagen kennt plus frische Weggli zum Frühstück. Es spricht ja für sie, dass sie die für eine Jugendliche lebensfeindliche Umgebung bei ihrer Oma dem multimedialen Paradies des elterlichen Heims vorzieht, finde ich und dass Dixie vorhin gleich mit ihrem aktuellen Sweetheart bei ihrer bereits mit Kopfwuckerln verzierten und peinlich berührten Oma aufgekreuzt ist, belebt sicher auch deren Blutdruck und senkt den dortigen Lethargielevel. „Quid pro quo“, würde Herr Lector jetzt wohl sagen.

Dixies Praktikumsstelle ist übrigens ein Kindergarten mit angeschlossenem Schulhort. In den letzten Gesprächen die wir führten, versuchte ich klarzustellen, dass es eher kontraproduktiv sein dürfte, die dort zu betreuenden Kinder so zu behandeln, wie ihren eigenen, kleinen Bruder. Ansprachen wie „Raus hier, du Homofürst!“ oder „Schieb ab, du Flachzange!“ dürften in einem katholischen Kindergarten zu Irritationen führen und sind sicher tunlichst zu vermeiden. Andererseits ist es schon immer so gewesen, dass sie sich in der Fremde besser zu benehmen weiß, als in heimischen Gefilden. Insofern habe ich also keine Bedenken, dass sie die Herausforderung ganz annehmbar hinter sich bringen wird und verhehle aber nicht, dass ich ihr den aufreibenden Umgang mit Kindergarten- und Schulkindern auch ein bisschen gönne. Es ist immer gut, auch mal auf der anderen Seite des Zauns zu grasen, gell?

Nun steht mir also eine tochterfreie Probewoche bevor (mit Aussicht auf Haftverlängerung auf vier Wochen), die ich ordentlich zu genießen gedenke, obwohl sie in den letzten Tagen recht handzahm daherkam. Andererseits fehlt sie mir schon jetzt. Das hört sich paradox an? Ist es auch. Aber Mütter sind in dieser Beziehung sowieso eher gespaltene Persönlichkeiten.

Euch eine vollendete Nacht wünscht
moggadodde

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Dieser Eintrag wurde in Daily Soap veröffentlicht.

2 commenti su “Wahlqual

  1. su. sagt:

    dixie will make it! – as anytime….du waschlappen!

    schwä su. (vorsitzende des mutter-waschlappen-clubs)

    [Antwort]

    moggadodde antwortet am September 28th, 2009 um 15:07:

    Ich bin ziemlich gespannt, wie es ihr am ersten Tag ergangen ist.
    Steht in deiner Mutter-Waschlappen-Satzung auch ein Gesetzchen über genussvolles Zappelnlassen? Sowas müsste ich noch lernen, ohne dass mich mein schlechtes Gewissen im Beckenboden kitzelt.

    [Antwort]

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