Hantastisch!?

Zwar hat das Wetter noch lange nicht den Stand erreicht, der mir und meinem Wärmebedürfnis auch nur annähernd gerecht wird. Aber immerhin war es angenehm genug, ein paar Stündchen beinahe reglos im Liegestuhl verbringen zu können. So leise und friedlich, wie es heute in Ermangelung jeglicher menschlicher Nachbarschaft war, schlummerte ich unter stetem Rascheln in der nahen Mauer immer mal wieder ein.
Meine Reglosigkeit schien die darin beheimatete Mäusefamilie darin zu bestärken, dass ich kein so schlechter Mensch sein könne, denn später konnte ich Aug in Auge mit Mutter oder Vater Maus verharren und sie sogar in aller Seelenruhe fotografieren. Ehrlich, so ein paar kleine Fieplinge

machen mir keine Angst! Zugegeben, natürlich muss ich das jetzt sagen, nachdem die weiße Katze abtrünnig wurde und offenbar ein einträglicheres Jagdrevier gefunden hat. Sie hat sich seit Tagen nicht blicken lassen.
Die Idylle hat aber zwei Seiten: Der MamS, der größte Pessimist, den zu beherbergen Mutti Erde je das Vergnügen hatte, fing dann auch gleich mit der Schwarzmalerei an. Ob ich denn etwa so ein Vieh angefasst hätte!? Und ob ich denn keine Zeitung läse!? Nichts Geringeres als das Hantavirus überträge sich durch dieses Ungezieferviehzeug! Fieber, Magen-Darm-Beschwerden, Blutungen der Schleimhäute und der Bindehaut, Nierenversagen – unbehandelt könnte dieses Virus sogar tödlich sein! Vor meinem geistigen Auge erschien sofort der luftdicht behelmte Dustin Hoffman, wie er in „Outbreak“ heldenhaft zur Herstellung eines Impfstoffs den Wirt des fiesen Ebola-Virus sucht, während ein finsterer General sicherheitshalber gleich das verseuchte Dorf und seine Bewohner von der Erde tilgen will. Dort bluteten die Menschen auch aus den Augen, bevor sie elendiglich verstarben und ich fand das schon damals mehr als reichlich unschön! Schon gut, schon gut, ich weiß. Ich sehe zu viel fern.

Aber tatsächlich wird im ungünstigen Fall das Hanta-Virus durch die Ausscheidungen der Rötelmäuse (und um so eine scheint es sich bei obiger zu handeln) übertragen, worin die Viren erstaunlich lange überleben können. Durch das Einatmen des so verseuchten Staubes gelangt das Hantavirus z.B. beim Kehren von Kellern oder Gartenhäuschen in den menschlichen Körper und macht dort das, was ein Virus vermutlich so zu tun pflegt: Krank. Und als der MamS mir davon erzählte fiel mir auf, dass da schon ab und an ein fremdartiger Geruch aus der Mauer strömt, den ich als Stadtkind vielleicht zu leichtfertig einfach als komisch riechende Landluft klassifizierte, der aber tatsächlich vielleicht kontaminiertes Mäusepipi ist.
Ganz so niedlich fand ich die Bande jetzt doch nicht mehr und ich erwog sogar kurz die Verteilung schlagkräftiger Argumente in der Trockenmauer. Aber die Aussicht, dauernd tote Tiere aus dem Gebüsch pflücken zu müssen, erschien mir auch nicht sehr verlockend und vielleicht haben meine Mäuse ja auch nicht die Spur eines Virus in sich und ich würde sie unfairerweise völlig gesund ins Nagernirvana befördern!
So habe ich mich entschlossen, gar nichts zu tun, den Mäusen ihr Leben zu lassen, möglichst nicht so viel Staub aufzuwirbeln und meine Nase nicht zu tief in anderer Mäuse Mauer zu stecken. Aber Letzteres kommt ja sowieso nicht so oft vor.

Euch einen bissfesten Abend wünscht
moggadodde

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Dieser Eintrag wurde in Daily Soap veröffentlicht.

4 commenti su “Hantastisch!?

  1. Georg sagt:

    Wenn sie denn dort in der Mauer blieben, tun sie aber nicht!

    Es ist wirklich ein zweischneidiges Schwert. Ich hatte sie 2005 hier mal in Ruhe gelassen, als ich sie hinter der Holzvertäflung raschelnd hörte und in den Zwischenböden tapsen vernahm – hätte ich direkt gehandelt, wäre es einfacher gewesen.

    Nachdem die niedlichen Nager am Ende eine Kackspur durch die Küche hinterließen und ganz zum Schuss sogar mir in der Wohnung Aug in Aug ohne jeden Fluchtreflex gegenüberstanden, baute ich (natürlich human wie ich bin) Lebendfallen auf. Innerhalb zweier Wochen fing ich eine zweistellige Zahl. Manchmal waren in einer Falle, in der nur eine normale Maus hineinpasst, zwei und einmal sogar drei (!) drin. Ich frage mich bis heute, wie sie das fertiggebracht hatten.

    Nichts half wirklich, bis dass dann letztlich nur die Chemie zum Erfolg führte. Tut mir wirklich noch heute in der Seele weh, doch nur so wurden wir der Mäuseplage Herr. Dass es von Zeit zu Zeit in dieser Phase im Haus deutlich nach Verwesung roch, erinnert mich daran, wie viele Mäuseskelette wohl noch immer hinter der Holzvertäflung zu finden sind …

    [Antwort]

    moggadodde antwortet am Mai 24th, 2010 um 14:15:

    Gruselige Geschichte, Georg! Sie im Haus zu haben, ist natürlich nochmal ein anderes Kaliber, da würde ich sofort tätig, auch wenn sie „nur“ in den Zwischendecken wären. So weit geht die Tierliebe dann doch nicht.
    Hm. Weil du das sagst: Ich habe mich schon immer gefragt, wie Verwesungsgeruch ist. „Süßlich“ schreiben die Romane, und „durchdringend“. Aber ich würde mir gern selbst ein Bild machen, auch wenn sich das jetzt völlig idiotisch anhört. Dir kann ich sowas ja erzählen 😉

    [Antwort]

    Georg antwortet am Mai 25th, 2010 um 00:47:

    Du bist gerne eingeladen – ABER ES STINKT JETZT HIER NICHT MEHR 😉

    Als „Herr Müller“ (45-Kilo Hund) auf seinem Sofa „eingeschläfert“ worden war (in Anführungsstrichen, da er nicht schlafend, sondern schreiend elendig krepierte – der Tierarzt hatte das Gift nach der Narkose erheblich zu niedrig dosiert), trug ich ihn hinunter in die Garage und legte ihn dort in einen Korb.
    Nach ein paar Stunden wollte ich ihn noch mal sehen, öffnete die Garage und ein Schwall stechendsüßen Geruchs kam mir entgegen. Der Geruch war mir nicht unbekannt, manchmal kommt man auf dem Waldweg für ein paar Meter an solch einer „Geruchszelle“ vorbei (dann liegt da wohl irgendwo ein verendetes oder gerissenes Tier).

    Ich glaube, der Geruch wird nur deshalb als unangenehm empfunden, da man 1. weiß, woher er stammt und er 2. so in einer massiven Intensität auftritt.
    Jetzt lag der Hund nur knapp drei Stunden in der geschlossenen und kühlen Garage, dann wurde er begraben, da ist der Geruch sicher unterschiedlich zu dem, der nach meinetwegen 24 Stunden in demselben Raum aufgetreten wäre, wenn Maden, Würmer und Insekten bereits bei ihrem Festschmaus sind – vielleicht riechen die in ihrer millionenfachen Anzahl ja auch?

    Wenn der Tod zum Leben gehört wie die Geburt und alles andere auch, dann erleben wir in unserer Gesellschaft sicher viel zu wenig bewusst und mit allen Sinnen den Tod. Wenn ich aber an das grausame letzte Jahrhundert unserer Eltern, Groß- und Urgroßeltern denke, in dem der Tod schrecklich überproportioniert war, dann gleicht sich das wohl wieder aus. Zumindest kann ich verstehen, dass unsere Ahnen die Schnauze voll vom allgegenwärtigen Tod hatten und eine Gesellschaft gründeten, in der der Tod außen vorgelassen wird.

    [Antwort]

    moggadodde antwortet am Mai 30th, 2010 um 20:04:

    Wenn ich jemals in deine Gegend komme, werde ich dich selbstverständlich besuchen! Bin nicht so oft im Wald, deshalb habe ich diesen Geruch, zumindest bewusst, noch nie wahrgenommen.

    [Antwort]

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