Hormonster

Gesundheitlich bin ich ja eigentlich eher der robuste Typ. Gut, es zwickt mal hier und da, letzten Monat zum Beispiel hatte ich ja urplötzlich dauernd diese ziehenden Schmerzen in der linken Kniekehle und letzte Woche diese Nackensteife mit Ausstrahlung in die, ähhm, ach lassen wir das.

Mein Gesundheitskonzept ist trotzdem schneller erzählt, als ich „Schnullerbacke Rösler“ sagen kann:

Stadium 1: Erstmal Abwarten
Stadium 2: Noch ein bisschen Abwarten
Stadium 3: Selbstmedikation
Stadium 4: Doch nochmal Abwarten
Stadium 5: Na gut, geh ich halt doch mal zum Arzt.

Solange ich nichts spüre, bin ich gesund und habe folglich auch mitnichten einen Grund, mich mit nervigen Sachen wie Pillen den glorreichen Errungenschaften der pharmazeutischen Forschung zu befassen. Damit habe ich in den Katakomben schließlich genug am Hals.

In ein paar Wochen jährt sich meine letzte OP – die Schilddrüsengeschichte, die Langzeitleser unter Euch werden sich erinnern. Die Halsnarbe sieht nur, wer mich genauer unter die Lupe nimmt, die Schluckbeschwerden sind weg, überhaupt ist jetzt alles recht geschmeidig in der Gurgel.
Blöd ist nur, dass da eben nun nichts mehr ist, was die wohl so wichtigen Hormone produziert und ich nun bis zum Hinabfahren ins kühle Grab kleine Tabletten schlucken muss und zwar morgens, nach dem Aufstehen und eine halbe Stunde vor dem Frühstück. Das hört sich für Euch leichter an, als es für mich ist.

Während dem MamS die Einnahme seiner Pillenportion nach Tagesanbruch bereits in Fleisch und Blut übergegangen ist, vergesse ich meine kleinen Hormontablettchen mit stetem Regelmaß oder, wenn ich Glück habe, nehme ich sie viel zu spät. Ich spüre ja nichts, also denke ich nicht dran. Dumm ist auch, dass ich mir unter der drohenden Konsequenz eines „entgleisenden Stoffwechsels“ genauso viel vorstellen kann wie der MamS unter einem wp-Plugin. Das einzige was ich darüber weiß ist, dass es wohl nichts mit Klamotten zu tun hat.

Schilddrüsenhormone sind wohl ziemlich wichtig. Das hat der von mir sehr geschätzte Funny van Dannen (der übrigens auch Bücher schreibt, allerdings mit derart abgedrehten Geschichten, dass sie trotz Kopfschüttelkrampf schon wieder als gut durchgehen) recht amüsant in Liedform gefasst.

Mittlerweile ist es ja schon so weit gekommen, dass mir der MamS oft die Tablette mit einem Glas Wasser direkt ans Bett bringt, so wie der Zivi seiner dementen Greisin. Tja, kann er schon mal ein bisschen üben.

Eine blühende Nacht wünscht
moggadodde

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Legolas und die Musketiere

Orlando is in town! Jawohl, im vergleichsweise eher trantütig fast beschaulich zu nennenden Würzburg weht ein wahrlich hollywoodesker Hauch! Seit im Herzen der Stadt Stars wie Herr Bloom, Frau Jovovich und Herr Waltz ihrer Arbeit nachgehen und an den schönsten Orten der Stadt die zweiunddrölfzigste Ausführung von „Die Drei Musketiere“ entsteht (in 3D, immerhin!), herrscht Hochbetrieb: Die allererste Garde Hollywoods kommt schließlich nicht alle Tage! Noch nicht mal jedes Jahr! Und auch nicht jedes Jahrzehnt! Entsprechend groß ist das Interesse der Bevölkerung, viele stehen sich rund um die Schauplätze die Beine in den Bauch, um einen Blick auf die Akteure zu erhaschen oder ein Foto für zahlungswillige Zeitungen zu schießen.

Täglich werden die Würzburger und die Umländler in der Lokalpresse vom Fortgang der Arbeiten unterrichtet, auch die Zaungäste werden befragt und hier las ich heute von einer Dame aus dem Landkreis, deren großer Wunsch es wäre, ein Autogramm von Mr. Orlando Bloom zu kriegen, der mit seiner Darstellung im Welterfolg „Der Herr der Ringe“ der Auslöser dafür war, dass die Frau ihren nun dreieinhalbjährigen Sohn mit dem Namen „Legolas“ versah. Ich spuckte beinahe den Kaffee wieder aus und las nochmals: Wirklich, der arme Bub heißt wie der Elb aus dem Film und mittlerweile erfuhr ich, dass er mit zweitem Namen „Marvin“ heißt, was die Sache nicht wirklich besser macht, zumal der exotischen Namenskomposition ein typisch wödsboicherisch-meespessarter Nachname das süßsauersahnige Häubchen gibt.

Was vielleicht einer Sektlaune oder einer verlorenen Wette entsprang, muss der kleine Legolas Marvin jetzt ausbaden. „Legolas, komm zum Essen!“ – „Nö, ich will Leberwurst und kein blödes Lembasbrot!“. Himmel, der Junge kann ja nur froh sein, dass seine Mutter nicht mit Sméagol oder Gimli sympathisierte!

„Legolas, dekliniere die Lateinvokabeln!“ – Was im gestrengen Ton schon reichlich überkandidelt klingt, dürfte sich bei Kuscheleinheiten als unpassend herausstellen, weshalb Eltern für solche Momente oft Kosenamen oder Abkürzungen verwenden. Wie darf ich mir das hier vorstellen? „Komm kuscheln, Lego!“ – Wer einmal mit Legosteinen im Bett lag weiß, dass das Vergnügen eher kurz und schmerzhaft ist. „Lasso“, „Lassi“, mir fällt auch mit viel gutem Willen kein auch nur halbwegs erträglicher Diminutiv ein und später, in der Schule, könnte „Legolas dein Haar herunter!“ zum Running Gag bei der Begrüßung avancieren.
Mal ehrlich, wie kann man das einem unschuldigen Jungen nur antun?

Vor die Wahl gestellt, würde ich mir ja übrigens sowieso nicht Herrn Bloom als Gesprächspartner aussuchen, sondern Herrn Waltz, dessen Charisma mir um einiges verlockender erscheint. Auch eher so äußerlich wäre er eher der Typ, der mir das Frühstück ans Bett bringen dürfte. Und wäre „Christoph“ nicht auch ein schöner Vorname gewesen?

Ich bin jedenfalls gespannt, wie die zweiundrölfzigste Ausgabe von „Die drei Musketiere“ schließlich aussehen wird. Dass ich mir dieses Spektakel ansehen werde, steht außer Frage, denn immerhin stand ich wegen der Dreharbeiten schon das eine oder andere mal im Stau. Aber, hach, es weht doch ein Hauch von Hollywood über der Stadt!

Einen denkwürdigen Abend wünscht
moggadodde

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Tiefenrausch

Ehrlich gesagt ist mir dieser Trend zum 3D-Fernsehen ein bisschen suspekt und darum erschließt sich mir der Hype darum auch nicht wirklich. Ich bin ja schon froh, dass ich im täglichen Leben ordentlich geradeaus gucken kann, wobei ich ganz viele Sachen ja auch gern gar nicht erst sehen würde.
Mit der Anschaffung eines sündig teuren Geräts allein ist es aber nicht getan: Zum erfolgreichen Betrachten dreidimensionaler Televisionstechnik ist bekanntlich eine Brille vonnöten, die man allerdings bei Fielmann vergeblich sucht: Eine Shutterbrille, ein mächtiges Trumm, das so aussieht, wie sich der Name schon anhört. Die sonntägliche Sofalümmelei kann man damit jedenfalls getrost vergessen.
Serienmäßig ist pro Gerät wohl bereits eine Brille inklusive. Aber wie ist das, wenn Partner, die Familie oder der Besuch mitgucken wollen? Lassen wir dann die Brille rumgehen? Knobeln wir darum? Und die Verlierer gucken bis zum nächsten Durchgang mit dem Ofenrohr ins Gebirge? Eine zusätzliche 3D-Sehhilfe schlägt schließlich mit mindestens 80 € zu Buche, da kauft man zum Fernseher nicht mal eben noch ein paar Brillen mehr.
Wir haben hier noch monströses Röhrengerät, das geschätzte 2 Tonnen wiegt und im Umzugsfall nur von 3 kräftigen Männern transportiert werden könnte. Aber es hat ein scharfes Bild, empfängt alle Farben und lässt sich vom Sofa aus bedienen. Mehr erwarte ich von einem Fernseher jedenfalls nicht.

Dreidimensional ist auch der Sport, über den ich heute gestolpert bin: Unterwasserrugby. Schon 1961 (!) in Duisburg (!) erfunden, ist das eine knallharte Angelegenheit, die reichlich Kraft und Lungenvolumen erfordert. Ausschließlich unter Wasser darf der salzwassergefüllte Ball gespielt und ins gegnerische, papierkorbgroße Tor befördert werden, laut Regelwerk ist Beißen, Schlagen, Kratzen, Würgen und Treten verboten, auch eine „übermäßige“ Verdrehung der Gliedmaßen gilt als Foul, was ich beruhigend finde.

Das Filmchen, das ich dazu gefunden habe, zeigt, wie quirlig es im Becken zugeht und dass die Spieler unglaublich lange Luft anhalten können, obwohl sie unter Wasser akrobatische Höchstleistungen vollbringen.
So wie der Spieler bei 3:34, der einen Frontalangriff auf das linke Tor startet und glücklicherweise genug Puste hat, um den Ball in den Korb zu bringen.


Wirklich irre, diese Leute! Aber schön anzusehen. Erinnert mich an den schwimmhautbewachsenen Patrick Duffy in der, zugegeben, ziemlich eindimensional gestrickten Serie „Der Mann aus Atlantis“, wenn sich noch jemand daran erinnert. So einen Unterwasserfilm würde ich mir ja dann doch schon gerne mal in 3D-Technik anschauen. Aber wozu gibt es schließlich Kino?

Einen überdimensionalen Tag wünscht
moggadodde

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