Sorry seems to be the hardest word

Wenn die ambitionierte Mutti nur lange genug daran arbeitet, lernt auch das verstockteste Kind mit einem „Danke“ zu antworten und anzuerkennen, dass es keine Selbstverständlichkeit ist, wenn die freundliche Wurstfachverkäuferin ihm einen halben Wiener über die Theke schiebt. Ein Schubser, ein tadelnder Blick, eine Aufforderung – irgendwann bleibt’s hängen, sollte man meinen. Mit etwas Glück bleibt diese Fähigkeit, sich zu bedanken, erhalten. Ich kenne nicht nur einige Kinder, sondern sogar einige Erwachsene, die dieses Wörtchen ums Verrecken nicht über die Lippen bringen. Diese NichtDankeSagen-Könner kassieren das Geschenk oder die gute Tat, quittieren ihr Wohlwollen meist noch durch ein Kopfnicken und das war’s dann auch. Ich finde das ziemlich traurig und schade, fühle mich ausgenutzt und nehme mir vor, bei nächster Gelegenheit nicht einen Finger mehr zu rühren. Nicht mal den Kleinen! Und kein Geschenk gibt’s mehr! Pah! Nicht mit mir! Klar, dass ich beim nächsten Geburtstag doch wieder mit irgendwas auf der Matte stehe, blöd wie ich bin.

Die höhere Schule der ethischen Erziehung hat die Steigerung, der gemeine SichNichtEntschuldigen-Könner aber geschwänzt. Noch ärgerlicher als die noch immer nicht ausgerotteten, penetranten NichtDankeSagen-Könner sind die SichNichtEntschuldigen-Könner, oftmals in öffentlich relevanten oder medial exponierten Bereichen angesiedelt und sehr häufig auch in Sport oder Politik zu finden.
Egal, welche Karre in den Dreck gefahren wird, der geeichte SichNichtEntschuldigen-Könner weist erst einmal alle Anschuldigung von sich. Vehement. Entrüstet. Nachdrücklich. Energisch. Oder alles zusammen. Wenigstens das beherrscht er par excellance.
Die Stoibers, Nasers, Acker- und Möllemänner, Lambsdörffer und Barschels, die Daums, Johnsons und Pantanis: Nicht allen ist eine zweifelsfreie Schuld nachweisbar, wobei die Sportler, das darf man zu ihrer Ehrenrettung schon sagen, wenigstens nur sich und ihrem Sport geschadet haben.
Für die Politiker und Vorstandstäter gilt das nicht. Trotz allen Windens und advocater Raffinesse, wenn nicht Haupt- so haben viele eine Mitschuld nach dem Mitgehangen-Mitgefangen-Prinzip, das wir schon bei unseren Kindern anwenden. Nur leider haben die Folgen dieser Schuld in der Regel nicht geringe Auswirkungen auf unseren Geldbeutel.
Aber das sind wir ja gewöhnt: Die Haute Volée baut Scheiße und das Volk putzt die Kloschüssel mit der Zahnbürste. Ärgerlich aber nicht zu ändern, denn nicht selten haben wir das kümmerliche Gekröse vorher selbst irgendwann in diesen Status gewählt erhoben.

Nie übernimmt jemand Verantwortung! Nie hat jemand Schuld! Ja, wenn niemand Schuld hat, wieso steckt die Karre dann jetzt im Dreck?! Ist es aber da nicht das Mindeste, dass sich jemand, der Millionen hart abgezwackter Steuergelder in den Orkus der Machtgeilheit, sei es aus Unbedacht-, Unbedarft- oder schlichter Blödheit versenkt hat hinstellt und den magischen Satz sagt: „Ich bitte um Entschuldigung!“? Ist das nicht eine Sache des puren, nackten Anstands? Ich meine, ich versuche, meinen Kindern beizubringen, Verantwortung zu übernehmen, für die kaputte, (zum Glück versicherte) Fensterscheibe oder die (wegen Beinstellens) kaputte Strumpfhose der Mitschülerin. „Kinder brauchen Ideale und Vorbilder!“, wird unablässig gejammert. Na bitteschön, sollen sie sich denn wirklich an solchen drückebergerischen, sich peinlich windenden Kneifkönigen orientieren? Ehrlich gesagt, bevor sich der kleine Hank zu so einem rückgratlosen Gummitier entwickelt, wäre mir sogar sowas wie ein Bushido als Vorbild noch lieber.

„Entschuldige dich!“ – Das hat nichts mit Unterwerfen zu tun, sondern ist der schlichte Versuch, beim Geschädigten Nachsicht und Verständnis zu erbitten, Verständnis für die menschliche Königsdisziplin: Die des Fehlermachens.
Wieso zum Teufel kann sich heute niemand mehr entschuldigen? Es tut nicht weh und es besänftigt den Geschädigten! Es kostet nichts und zeigt menschliche Größe! Sind es nicht die viel gerühmten Soft Skills, die allerorten eingefordert werden? Und wieso haben unsere Führungskräfte davon keinen blassen Schimmer? Weicheier, Drückeberger, Schattenparker, Turnbeutelvergesser traurige, allesamt!

Und jetzt mal alle zusammen, an alle Stoibers, Nasers und Konsorten: „Ich bitte um Entschuldigung!“. Das geht aber sicher noch besser! Nochmal: „Ich bitte um Entschuldigung!“. Ich würde auch ein „Es tut mir leid!“ gelten lassen. Ach, auch nicht?
Naja. Zur Not geht Dieter Bohlen als Vorbild ja auch.

Einen vergebenden Abend wünscht
moggadodde

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Dieser Eintrag wurde in Daily Soap veröffentlicht.

9 commenti su “Sorry seems to be the hardest word

  1. Billie sagt:

    … und wieder mal ziehe ich mein nicht vorhanden Hut! Wie wahr, wie wahr. Die Liste ließe sich noch um Mappus, Gönner, Rech, Stumpf, Grube etc. fortführen. Vielleicht hat dieses SichNichtEntschuldigen-Können ja erst was mit dem Beruf zu tun. Wenn man eine gewisse Position innerhalb der Partei/dem Beruf erlangt hat, bekommt man eingebleut, daß man sich auf gar keinen Fall für irgendetwas entschuldigen darf, denn sonst würde man ja auch zugeben, daß man etwas falsch gemacht hat. Und das geht ja mal gar nicht. Ich könnte jeden Morgen kotzen, wenn ich das hiesige Blättle aufschlage und das neueste über S21 lese. Es widert mich an, zu sehen, wie sich die oben genannten winden wie ein Aal um ja nichts rauszulassen. Und bis heute gab es keine Entschuldigung gegenüber den Verletzten des 30.9. O-Ton Mappus: „Wenn man sich entschuldigt, gibt man zu, daß einem etwas leid tut, weil man etwas falsch gemacht hat. Haben wir aber nicht“. Ich kann gar nicht so viel essen wie ich kotzen möchte… Nichts für ungut, aber das mußte raus. Du hast mir so aus dem Herzen gesprochen. Du kannst aber besser schreiben als ich 😉

    [Antwort]

    moggadodde antwortet am Oktober 14th, 2010 um 22:33:

    Ach, Billie, ich weiß, dass S21 für große Empörung sorgt, deshalb ist völlig in Ordnung, was du geschrieben hast. Morgen sollen wohl Schlichtungsgespräche beginnen? Ob das die harten Fronten aufweichen kann? Ich hoffe es sehr!
    Alles Lamentieren wird aber nicht helfen: Um um Entschuldigung bitten zu können, ist ja eine gewisse Einsicht vonnöten – und da bräuchten manche halt dringend eine neue Brille.
    „Alle Fehler die man hat, sind verzeihlicher als die Mittel, die man anwendet, um sie zu verbergen“, hat irgendein Franzose mal gesagt. War wohl ein schlauer Mann!
    Liebe Grüße nach Stuttgart!

    [Antwort]

  2. Georg sagt:

    Manchmal zeugt eine Entschuldigung oder ein Zurückrudern sogar von Größe – das dickköpfige „Basta“ hingegen wird zukünftig hoffentlich bestraft werden. Mappus politisches Kariereende steht unmittelbar bevor (freu).

    Ich glaube, wir erleben eine Zeit des Wandels in unserem Land, einen Wandel hin zu mehr Demokratie und einer neuen politischen Moral. Dazu gehört mehr Ehrlichkeit und auch die Fähigkeit, sich zu entschuldigen. Das sehe ich schon seit einem Jahr so.

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    moggadodde antwortet am Oktober 18th, 2010 um 22:14:

    Du kannst eine Besserung erkennen? Ich hoffe nur, dass du Recht hast!
    Und dass Dixie inzwischen mehr politische Diskussionen verfolgt als ich, gibt auch Anlass zur Hoffnung, dass der Zug der Politikverdrossenheit oder Desinteresse unter Jugendlichen noch nicht abgefahren ist.

    [Antwort]

  3. Mirko sagt:

    Hi Mogga,
    da hast Du mal wieder den Nagel aufn Kopp getroffen. Du schreibst mir aus dem Herzen und mir gehts genauso wie Billie. Vielleicht müßte man das noch erweitern um die meist noch recht jungen NichtGutenMorgenSagen-Könner oder, was besonders auf so manchen Vorgesetzten zutrifft, die NichtDasHabenSieGutGemachtSagen-Könner, meist in Personalunion mit den o.g. SichNichtEntschuldigen-Könnern/Könnerinnen.
    LG Mirko

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    moggadodde antwortet am Oktober 18th, 2010 um 22:17:

    Ohohoho! Das ist ja auch mal ein Thema für sich. Über die „NichtGutenMorgenSagenKönner“ oder „Überhauptgrüßenwirinderfirmanicht“-Leute gehen mir auch gewaltig auf den Senkel und verdienen alsbald einen eigenen Blogbeitrag.

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    Billie antwortet am Oktober 19th, 2010 um 21:11:

    Im Schwabenländle heißt des ja: „Net gschimpft isch globt gnug“. Auf Hochdeutsch: Wenn keine verbale Kritik geäußert wird, war das schon gut. Zum Glück habe ich zwei Chefs, die nicht dieser Fraktion angehören sondern ihr Gefallen auch verbal kundtun. Und auf den Post zu den NichtGutenMorgenSagen-Könner bin ich ja auch schon gespannt 😉

    [Antwort]

    Mirko antwortet am Oktober 19th, 2010 um 21:15:

    Bingo! Genau DEN Spruch kenn ich 1:1
    😉

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    moggadodde antwortet am Oktober 23rd, 2010 um 03:08:

    Kommt bald, der Post. Muss aber noch ein paar Feldversuche in der Kantine und den Firmengängen durchführen … 😉

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