Spärlauch

Hier, das

ist meine Bärlauchplantage.
Wenn das so tüchtig weiter wächst, kann ich den in etwa 100 Jahren auf dem Markt verkaufen. Nach drei Jahren naturbelassenen Wachstums hatte ich mir entre nous etwas mehr erwartet.

Mehr erwartet hatte sicher auch der schwäbische Freizeitimker, der sich seit Jahren mit dem Freistaat Bayern und der Genmonstersanto beharkt. Durch verschiedene Instanzen hindurch versuchte er für künftig zu erwartenden Testanbau zumindest Abstandsregelungen zu seinen Bienenhäusern zu erreichen, was der BayVGH heute abweisend entschieden hat. Immerhin hat der wackere Wabenrevoluzzer schon vor Jahren erreicht, dass Honig, der mit gentechnisch veränderten Pollen belastet ist, nicht mehr verkauft werden darf.
Seit ich vor Jahren die Dokumentation auf arte gesehen habe, würde ich diesen Aggronomen diesem Konzern ohnehin nur so weit trauen, wie ich einen Maiskolben werfen kann. Und ich bin ein lausiger Werfer.

Mit solchen Problemen hat meine „Plantage“ nicht zu kämpfen. Die einzige Verunreinigungsgefahr besteht hier durch die Hinterlassenschaften streunender Katzen, inkontinenten Federviehs oder marodierender Marder. Und auch wenn Gerüchten zufolge Dreck Speck zu pflegen macht, kann ich diesen immerhin abwaschen, wenn ich will.

Einen üppigen Tag wünscht
moggadodde

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Schnelldichein

Seufzend kündigte meine Mutter beim letzten Gespräch an, ihr Leben umkrempeln zu wollen. Ich erwiderte, dass sie doch erst im letzten Monat die Wohnzimmermöbel verstellt habe. Sie schaute pikiert, teilt sie meinen Sinn für Humor doch nur eingeschränkt.

Ich hörte und staunte: Nach den letzten Reinfällen bei der Kontaktanbahnung rang sie sich kürzlich doch wieder dazu durch, die dräuenden Frühlingsgefühle beim blauen Band zu packen. Weil Amor aber offensichtlich leider keine Hausbesuche macht und ihr einen Freizeitpartner dummerweise nicht auf dem Silbertablett vor die Tür stellt, hat sie mal wieder auf eine Annonce geantwortet.

In der Lokalpresse offerierte sich kürzlich ein Herr gehobenen Alters auf der Suche nach einer Dame für gemeinsame Unternehmungen. Mutter packte sich also ein Herz und traf sich mit ihm letzte Woche in einem Café in der City.
Auf den ersten Blick war Heinz meiner Mutter nicht unsympathisch, er hatte ein nicht hässliches Äußeres und ja, sie fand ihn sogar interessant, weil er sie mit seiner stattlichen Statur an meinen Vater erinnerte. Ein „Grüschperl“, wie sie es auf meefränggisch formuliert, braucht es bei ihr gar nicht erst zu versuchen. „Der könnte richtig sein“, dachte sie.

Man parlierte also über Kaffee und Kuchen hinweg und tauschte Nettigkeiten. Meine Mutter erzählte, dass sie nach mehreren Jahren Witwendaseins doch wieder mehr unter Leute gehen wollte, was er gut und verständlich fand. Er erklärte, pensionierter Beamter zu sein und nicht gewillt, nach zwei gescheiterten Beziehungen die Suche aufzugeben. Er duzte meine Mutter von Anfang an und obwohl er mit Komplimenten ihr Aussehen betreffend nicht sparte, ließ sie sich nicht blindlings einwickeln und blieb ihrerseits standhaft beim „Sie“.

Nach einer halben Stunde schon meinte der gute Heinz, dass der Worte doch genug gewechselt seien. Er würde jetzt gerne sein Auto aus der Tiefgarage holen und mit ihr in seine Wohnung fahren. Bei meiner Mutter fiel sofort der Vorhang. Nachdem sie sich kurz gesammelt hatte, beschied sie ihm, für diese Art von Unternehmung nicht zur Verfügung zu stehen. Sie wollte ihren Kaffee und Kuchen bezahlen, was er sich vehement verbat. Selbstverständlich sei sie eingeladen. Meine Mutter stand auf und wartete draußen auf die Straßenbahn, wo er sie, was sie aus dem Augenwinkel wahrnahm, noch immer beobachtete. Am liebsten, so erzählte sie mir, hätte sie schon in der Straba ordentlich geheult. Aber sie riss sich zusammen und wartete, bis sie zuhause war, wo sie auch sofort seine Telefonnummer in die Tonne schmiss.

Der gute Heinz war also mal wieder ein Griff ins berühmte Datingklo. Selbst wenn der Faktor Zeit in beider, fortgeschrittenem Alter eine nicht allzu üppig gegebene Größe sein mag, der Versuch, einer Frau beim ersten Treffen schon nach einer halben Stunde an die Wäsche zu wollen, zeugt eher von brachialer Blödheit denn von Intelligenz. Lustgreisalarm? Notstandsdruck? Oder ist „Wohnung“ in diesem Fall etwa nicht mit „Briefmarkensammlung“, „Edelsteinsortiment“ oder „Dildokollektion“ gleichzusetzen? Und sollte Mutter sich vielleicht noch geehrt fühlen, dass Heinz nicht gleich ein Zimmer im Hotel um die Ecke gebucht hat? Männer wie Heinz können sich wohl schwer vorstellen, dass für Frauen dieses „unter Leute gehen“ u.a. auch bedeuten kann, einfach nur vorsichtig auslotend die Aufmerksamkeit und Gesellschaft eines Herrn zu genießen, ohne dass ihr Gegenüber sofort die Fleischpeitsche schwingt.

Entschuldigung, ich werde unsachlich. Aber diese Episode macht es wieder schwerer, meine Mutter davon zu überzeugen, dass hinter diesen Kontaktanzeigen zwar viele aber nicht nur tückische Heiratsschwindler, notgeile Zuchtbullen oder sonstige, geistige Grasnarbenschnüffler stecken. Auf zum nächsten Versuch. Es kann ja nur besser werden.

Einen liebevollen Tag wünscht
moggadodde

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Nofretête-à-tête

Der im letzten Posting gezeigte Vogel verbrachte uns also nach Berlin. Beim letzten Besuch hatte es mit dem Reichtstagsgebäude ja nicht geklappt. Umso größer war die Freude, als wir diesmal dort ankamen und unsere erwartungsfrohen Äuglein ungläubig auch nicht die winzigste Spur einer Menschenschlange vor dem Einlasscontainer erblicken konnten! Yeah! Treffer! Glück gehabt!

Wir freuten uns allerdings zu früh. Zwar betraten wir den Kontrollkabuff völlig allein, einzig ein paar versprengte Menschlein vor uns wurden eben in die Verhaltensmaßregeln der hochheiligen Hallen eingewiesen, aber der zuständige Bundestagspforten- überprüfungsstudent bedauerte sehr: Zugang sei nur nach mindestens drei Tage alter Anmeldung per Brief, Fax oder Internet möglich. Unser Einwand, dass besuchertechnisch ja offensichtlich nicht gerade der Bär steppe und man uns doch eventuell irgendwo einschieben könnte (ich versicherte sogar Stubenreinheit unsererseits und Unterlassung jeglicher, das Parlament störender Zwischenrufe) wurde negativ beschieden. Flexibilität ist aber des Deutschen Tugend nicht und so zogen wir eben ohne Kuppelgucken von dannen und besuchten lieber die gleich hinter dem Brandenburger Tor im Haus der Akademie der Künste befindliche Ausstellung eines anderen Schauspielers, Mario Adorf nämlich, den ich für meinen Teil sehr verehre. Die räumliche Nähe traf sich gut: Es pfiff ein eisiger Wind und die angesagten 20 Grad waren weiß der Teufel wo, nur nicht in Berlin, genauso wie meine warme Jacke, verdammtnocheins.

Um neben Basketballsport, Konsum, Völlerei, Kaffeeabusus und Pflasterlahmheit noch mehr Abwechslung zu erleben, enterten wir an einem anderen Tag die Museumsinsel. Das Neue Museum ist dorthin umgezogen und in diesem absolut beeindruckenden Gebäude sind bekanntlich Exponate von Weltruhm ausgestellt.

Besonders aber Frau Nofretete, bekannt aus Film, Funk, Fernsehen und vielen Abbildungen wollte ich gerne mal vis-a-vis gegenüber stehen.

Wir besichtigten Sarkophage, Hieroglyphenschnipsel, Faustkeile, Neandertalerschädel sowie Totenkronen und bereits beim Durchstreifen der ersten, nur spärlich besuchten Säle fiel mir die erhöhte Aufsichtspersonendichte auf, die die ohnehin zumeist nur hinter Glas befindlichen Stücke mit Argusaugen bewacht.

Es gibt sicher viele, nicht besonders ausfüllende Tätigkeiten. Aber gegen den Beruf des Museumswärters erscheint mir sogar die Arbeit am Gelbe-Säcke-Plastiksortierband hochspannend. Stunde um Stunde, tagaus, tagein stehen diese Herren herum und wachen darüber, dass kein Kind mit Schokofingern Glasscheiben besudelt oder ein allzu dokumentierfreudiger Tourist die kunstvoll kreierte Atmosphäre mit Blitzlicht kontaminiert. Selbst tiefer gehendes Fachwissen ist nicht mehr vonnöten: Zu erteilende Auskünfte erschöpfen sich in Wegbeschreibungen zu den nächsten Toilettenräumen oder Anwendungstipps für die inzwischen obligatorischen Audioguides.
Es erschien mir also nur verständlich, dass einer der wackeren Wächter in einer Art Wutausbruch einer unaufmerksam quakenden Schülerschar (8 – 10jährig) tüchtig die Leviten lies, die fortan still und ehrfürchtig lauschend den Ausführungen ihrer offensichtlich überforderten Pädagogin folgte.

Im imposanten, ja geradezu kathedralesken Nordkuppelsaal des Hauses ist nun eben in einem gläsernen Kasten der Kopf von Frau Nofretete zu sehen. Während in den anderen Räumen das Fotografieren ohne Einsatz von Blitzlicht gestattet ist, wachen hier gleich drei Aufpasser darüber, dass keiner der Besucher irgendeine Aufnahme ihrer königlichen Hoheit knipst. Jedem, dessen Hand auch nur in Richtung Handykamera oder Fotoapparat zuckt, werfen die Nofretete-Wächter grimmige Blicke zu, so, als wäre diese Ägyptenische die Jungfräulichkeit ihrer Töchter, die auch ja kein billiger Pentaxblitz beschmutzen dürfe. Natürlich wollte ich nun schon wissen, wieso im ganzen Haus Fotos erlaubt seien und nur hier dieses strenge Verbot gelte und ich schnappte mir einen der Büstenwächter zur Befragung. In einer für Berliner Verhältnisse möglicherweise nett zu nennenden Art erläuterte er sinngemäß, dass die erhabene Andacht der Besucher bei der Betrachtung der Hoheit nicht durch primitive Knipsgeräusche gestört werden dürfe und kaum, dass er ausgesprochen hatte, hechtete er schon mit erhobenen Händen in Richtung eines Italieners, der seine eben gezückte Kamera sofort verschüchtert wieder verschwinden ließ.

Der aus Altersgründen inzwischen nur noch einäugige Blick von Frau Nofretete fällt im übrigen direttemang auf den reizenden und zeitgeschichtlich viel jüngeren, unter der in gerader Linie über mehrere Säle entfernten Südkuppel stehenden Sonnengott Helios, der nun wieder fast uneingeschränkt geknipst werden darf, nicht in einer Vitrine steht und aufsichtspersonentechnisch zumindest bei meinem Besuch völlig ohne Bodyguard auskommen muss.

Obwohl die Herren Museumswächter sich ansonsten stets dezent im Hintergrund hielten, fühlte ich mich ständig beobachtet und wurde es sicher auch, was mir ein gewisses Unbehagen bereitete. Wahrscheinlich muss das so sein, aber nur, weil ein paar hirnvernebelte Idioten ohne Aufsicht nichts Besseres zu tun haben, als Bronzebüsten und Steinstatuen abzufummeln oder als Souvenir einen Brocken aus einem Sarkophag zu feilen.

Den Besuch im Neuen Museum fand ich trotz der allgegenwärtigen Kontrolle auch wegen des atemberaubenden Gebäudes umwerfend, auch wenn ich bei weitem nicht alles sehen, geschweige denn aufnehmen konnte. Irgendwann hat mich der Hunger dann doch hinaus getrieben in das anonyme Getümmel der Großstadt, wo ich in einer nahen Pizzeria völlig unbeobachtet einen so heißen Kaffee trank, der sicher sogar dem alten Helios die Brandblasen auf die Zunge getrieben hätte.

Einen wachsamen Tag wünscht
moggadodde

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Airgasmus

Dieses brüllende, immer lauter werdende Motorengeräusch! Die ganze Maschine zittert und drückt die maximale Leistung in die röhrenden Triebwerke, eine unwiderstehliche Kraft drückt mich in den Sitz, dann wird es schneller, schneller und noch schneller, Gänsehaut setzt ein und die Erwartung, dass dieses tonnenschwere Monster gleich entgegen jeder menschlichen meiner Logik in der Luft sein wird, macht ein kribbeliges Gefühl in der Magengegend und südlich davon. Dann der unvergleichlich leichte Moment des Abhebens, die Geräusche werden leiser, die Häuser kleiner, das leise „Pling“ das signalisiert, dass die Gurte jetzt gelöst werden können und der Start viel zu schnell schon vorbei ist …

Von oben und unter dicken Wolken liegend sieht die Erde aus, als läge sie unter einer horizontweiten, blendend weißen Schimmelpilzhaube.
Fliegen. Es gibt fast nichts Schöneres.

Einen luftigen Abend
moggadodde

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Balladen statt Burger!

Kinder und Jugendliche verbringen heutzutage ja oft viel zu viel Zeit vor Computern oder in Fastfood-Schuppen, statt hinter Büchern oder Instrumenten, wobei sich besonders Letzteres ja bekanntlich positiv auf Leistungsfähigkeit und Denkvermögen auswirkt. Natürlich kann die Fertigkeit an einem Instrument aber auch der Förderung sozialer Kontakte dienlich sein. So hat der Schauspieler Axel Prahl kürzlich eingeräumt, dass er nur deshalb Gitarre zu spielen gelernt hat, um den Mädchen zu imponieren. Zwar hätten diese am Lagerfeuer dann stets anderweitig geknutscht, ihn aber immer gebeten, doch „noch einen“ zu spielen.

Ich kenne die Intention dieser beiden Jungs nicht, wahrscheinlich ist es aber einfach der bloße Spaß an der Musik. Sie intonieren hier einen Song des britischen Newcomers Ed Sheeran und das sehr schön, wie ich finde.

Den rechten der beiden jungen Herren kenne ich persönlich und hege hier die Hoffnung, dass er demnächst seine Gitarre auch mit auf Reisen nimmt! Selbst wenn es ohne Knutschen und Lagerfeuer gehen muss: Eine kleine Live-Serenade für unsere alten Ohren an den steinigen Gestaden des Gardasees wäre wirklich fabelhaft!

Einen klingenden Tag wünscht
moggadodde

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