Spocht-Podcast

Mit Ralf vom Würzblog durfte ich gestern das zweite Heimspiel im EuroCup der s.Oliver Baskets in Würzburg besuchen, wo wir einen Podcast aus der liebevoll und auch aus guten Gründen „Turnhölle“ genannten s.Oliver-Arena machen wollten.
Vergangene Woche trafen die Würzburger auf die Valencia Baskets, von denen sie im Hinspiel im sonnigen Spanien mehr als deutlich mit 97:64 auf den Heimweg geschickt wurden. Auch in der BBL selbst waren die letzten Spiele eher verkorkst denn fantastisch: Keinen Pfifferling, Cent, Rappen oder Penny hätte irgendjemand auf einen Sieg im gestrigen Spiel gesetzt.
Ralf und ich hatten den Plan (sofern jemand wie Ralf das Wort „Plan“ überhaupt im Wortschatz hat), den Hauptteil des Podcasts in die erste Halbzeit zu legen, um bei einem größeren Rückstand nicht mit einer möglicherweise gedrückten Stimmung in der Halle umgehen zu müssen.
Dass es dann ganz anders kam, dass aus einer Stunde Podcast dann doch zwei wurden, dass wir uns vor lauter Spannung doch eher wirren Kommentaren statt wirren Gesprächen hingaben, ist dem fantastischen und fast schon historischen Sieg der s.Oliver-Baskets geschuldet. Sie gewannen gegen die so sehr favorisierten Valencier/Valencianer/Valencianos (wie nennen sie sich denn nun eigentlich?) nach einem packenden und nervenaufreibenden Spiel mit 89:82.

Ich bin sicher, der blaue Fleck, den meine vor Spannung fest dort verhakten Kneifzangenkrallen auf Ralfs Oberschenkel hinterlassen hat, klingt bald ab. Wir mussten wegen des Höllenspektakels, das die 3000 Fans in der Halle veranstalten, während der Aufnahme so nah zusammen sitzen, dass wir in manchen Ländern der Welt jetzt als verheiratet gälten und genauso brüllten wir uns auch an.

Wer einen Teil des Spiels sehen möchte, kann dies hier mit dem wunderbaren, spanischen Kommentar tun. Ich verstehe zwar kein Wort, aber die Bilder sprechen für sich.

Das war ein sagenhafter Abend, der den s.Oliver Baskets hoffentlich auch den nötigen Schub für den Ligabetrieb mitgibt!

Sportliche Grüße
moggadodde

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Gelaufen.

Manchmal gibt der MamS einfach keine Ruhe. Dann muss ich, zur Wahrung des ehelichen Friedens, sonntags mit ihm „an die frische Luft“. Igitt.
Rilke hat es vorgemacht. Goethe auch. Schiller, Renoir, Stifter, Eichendorff, sogar Kafka haben es getan und darüber sinniert, gemalt, poetet. Sie spazierten.

Ich selbst bin kein großer Freund des Spazierens auf glitschigen, morastigen Pfaden durch derzeit ödbraune Wälder mit mangelhaftem und nicht streichelbarem Tierbesatz, zumal der MamS und ich extrem unterschiedliche Tempi an den Tag legen: Mit meinem Stechschritt kann sein gemächlicher Trab aus dem Gestüt Schlendrian nur schwer mithalten. Ich presche meist 200 m mit unstetem Blick auf der Suche nach einem lohnenden Motiv voraus, während er, die Hände locker in den Jackentaschen, hinter mir versonnen lustwandelt. Wir müssen ein Bild wie aus einem modernen Spitzweg abgeben. Oder aus einem Loriot-Sketch.

Tatsächlich ist das Spazierengehen nicht einfach schnödes Rentnervergnügen, sondern inzwischen sogar eine Wissenschaft. Die Promenadologie beschäftigt sich mit „Erfassung und gedanklichen Einordnung“ der Umwelt. Zugegeben: Meine Erfassung und Einordnung der Umwelt beschränkt sich tatsächlich meist auf Fortschrittsbegutachtung an städtischen Verkehrs- und Hochbaustellen sowie der Erkenntnis, dass in der Fußgängerzone schon wieder ein Billigbäcker aufgemacht hat. Schöne Ansichten sind im Alltag eher spärlich gesät.

Highlight der heutigen Exkursion war übrigens die Schafweide am Ortsrand.

Glöckchen bimmelten mit lieblichem Klang beinahe alpenländischer Provenienz, Dolly und ihre Gefährtinnen mäanderten und schmausten zu dieser Mittagsstunde gleichmütig, ausdauernd und für den Betrachter fast kontemplativ wirkend vor sich hin. Kein Billigbäcker weit und breit. Und keine Baustelle. Goethe hätte seine Freude gehabt.
Ich allerdings dachte daran, dass ich schon sehr lange kein Lamm mehr auf dem Teller hatte und bekam Appetit. Das war sicher dieses „Erfassung und gedankliche Einordnung“. It works!

Eine bewegte Nacht wünscht
moggadodde

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Ichlebnochkuchen!

Im Drive-In einer lokalen Bäckerei. Dem dauerhungrigen, kleinen Teenagerhank neben mir gelüstet nach Futter. Wie immer. Zu jeder Tages- und Nachtzeit. Bei der mittzwanzigjährigen Backwarenverkaufskraft, die vor Freude an ihrer Arbeit nicht eben übersprudelt, bestelle ich zwei Schokocroissant, zwei Quarktaschen und eine Brezel, damit mein Sohn die nächste Stunde überlebt. Ich reiche ihr Geld und meine Kundenkarte ins Kabuff.

Sie so: „Da sind jetzt 65 Punkte drauf. Wissen Sie, was das bedeutet?“
Ich so: „Nö.“
Sie so: „Bei 50 Punkten gibt’s einen Kaffee, bei 100 Punkten ein Brot und bei 300 Punkten ein Frühstück.“
Ich so: „Ach. Na, dann sammle ich noch weiter.“
Sie so: „Sie können auch auf unserer Website im Internet nachschauen“, jetzt zeigt sie auf den kleinen Hank neben mir. „Ihr Sohn kennt sich mit Computern bestimmt aus und kann Ihnen das zeigen.“

Ich schlucke. Hart. Sehr hart. Ich meine, ich bin knapp über 40, habe meine Haare gewaschen, trage Jeansjacke und sehe auch ansonsten nicht aus, als hätte ich in den letzten 20 Jahren in einer vermoosten Klause im Spessart von Höhlenchampignons und Schmelzwasser gelebt. Und dann glaubt diese jungsche Trulla, ich wüsste nicht, wie man ein Internet bedient?

Ich so: „Na, jetzt aber! Glauben Sie, ich könnte das nicht selbst?“
Sie so: „Meine Mutter könnte das nicht!“
Ich so: „Ja, Ihre Mutter! Ich glaub‘, ich spinne!“

Ich rege mich noch ein bisschen auf, während ich die Tüten ins Auto angle, fasle was von einem geharnischten Blogpost und bin sicher, dass sie keine Ahnung hat, wovon ich überhaupt spreche, weil sie von „Blogging“, „Twitter“ und „WordPress“ eher rudimentäre bis gar keine Kenntnisse hat, Android für ein neues Kaffeeprodukt der Zirbelkatze und Stylesheet für eine besondere Sexstellung hält. Wahrscheinlich hält sie mich für eine überspannte Alte auf der Vorstufe zum Siechtum, die ein Problem mit ihrem fortschreitenden Verfall hat und schonmal Rollator und Bettpfanne bestellen sollte. Ach, wirklich?

Der arme, kleine Hank muss sich auf dem Heimweg noch einen lautstarken Sermon über voreingenommene und halbblinde Bäckereiverkäuferinnen anhören, beteuert kleinlaut, dass er mich für eine coole Mutter hält und ich realisiere zuhause beim Ausräumen des Kofferraums: Heute wurde ich erstmals altersdiskriminiert. Ich back‘ es nicht.

Einen knackigen Abend wünscht
moggadodde

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Sekret Service

Wir haben unseren Kindern anlässlich der Rüsselseuche dereinst ja noch händisch per Unterdruckpömpel den Schnodder aus den kleinen Nasen geholt und im Notfall auch mit einer tüchtigen kleinen Prise Pfeffer nachgeholfen. Der technische Fortschritt kennt aber offenbar auch in der Babypflege weder Rast noch Ruhe.
Das allerdings

erscheint selbst mir einen Hauch zu ambitioniert. Ob die derart entsaugten Kinder jemals im Leben einen Staubsauger ohne Panikattacke werden anfassen können?

Einen schmerzfreien Abend wünscht
moggadodde

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