THINK!

Es ist erschütternd: Nach brandneuen Untersuchungen, die die Anstaltsleiterin ich hier an zwei Kindern Testgruppen durchführte, ist die Bedeutung selbst der gängigsten Sprichwortgassenhauer zum größten Teil unbekannt. Lediglich das geflügelte Wort vom vor der Apotheke kotzenden Pferd war dem kleinen Hank angeblich bereits einmal untergekommen, Dixie punktete hier und darüber hinaus beim Spatz und der Taube, was sicher ihrem höheren Alter geschuldet ist.
Vielleicht würde eine solche Erhebung, auf einem x-beliebigen Schulhof der Republik wiederholt, dieselben, enttäuschenden Ergebnisse zeitigen. Schon mal da könnte man zudem die Frage aufwerfen, ob es sich um ein Potenzmittel beim Aphorismus oder beim Aphrodisiakum handelt. Fiftyfifty. Eine faire Chance. Und Gesichter voller Fragezeichen …

Zugegeben: Der „sittliche Nährwert“, wie der MamS es nennen würde, ist bei der Mehrzahl der altbackenen Sprichwörter eher gering. Trotzdem sind sie nützlich als erzieherisches Instrument (z.B. als ich dem sehr kleinen Hank einst oberlehrerhaft beschied, dass der Teufel in der Not schließlich auch Fliegen fresse, und er jetzt Himmelnocheins mit dem angebotenen Lutscher zufrieden sein sollte, statt weiter nach der Palette Überraschungseier zu geiern) oder als Smalltalk-Füllsel sowie zur Auffrischung dräuender Gesprächswüsten. Ich persönlich finde ja, wir sollten viel mehr Sprichwörter in unseren tristen Alltag bringen!

Das heutige Rätsel nach langer Zeit (Totgesagte leben länger!) bleibt natürlich bei diesem Thema. Bei richtiger Deutung des Fotos aus meiner Küche

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ergibt sich ein geflügelter Sinnspruch. Zugegeben, es ist diesmal wirklich nicht einfach. Aber einige Sprichwörter sind es ja auch wert, nicht in Vergessenheit zu geraten.
Was als Preis winkt, weiß ich selbst noch nicht so genau. Aber dass Eure kleinen, vernachlässigten grauen Zellen trainiert werden, ist doch jede Anstrengung wert, oder?

Hautnei!

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Auszugsmarsch

Kurz vor Auszug und ich habe den Kopf voll mit Dingen, die geregelt werden wollen! Weil es Dixies erster Umzug ist, sind manch lästige Erforderlichkeiten noch nicht in ihren, in flatterhafter Glückseligkeit mäandernden Gehirnwindungen angekommen.

Mühsame Dinge wie der Vergleich von Assekuranzangeboten (Privathaftpflichtversicherung? Brauch‘ ich sowas?), das Ausgoogeln verbrauchsgünstiger Geräte (1000 Touren? Und was mach‘ ich, wenn die Waschmaschine die hinter sich hat?), das Organisieren von Transporter, willigen Möbelaufbauhelfern, funktionstüchtigem Werkzeug … etzeterapeepee. Aber ich will mich gar nicht beschweren: Ehe sie sich fragwürdigen Kram aufschwatzen lässt, geblendet von einem auch nur halbwegs ansprechend aussehenden und charmant parlierenden Weißwarenverkäufer, von dem sie sich lieber die Handynummer als den Stromverbrauch nennen lässt, bin ich besser behilflich. Zeige einem Baumarktmitarbeiter an seinem Computer, wie man das von uns bereits online ausgesuchte Stück aufruft oder überführe mittels penetranter Nachfrage gleich zwei Medienmarktmenschen, dass der auf der Website offerierte Herd eben doch Kochplatten und kein Kochfeld hat. Für Unerfahrenheit, Blauäugigkeit oder gar Flirtgeplänkel ist da kein Platz. Zugegeben: Irgendwie habe ich an der Sache ja auch meinen Spaß und nun, da sich das gemeinsame Zusammenleben allmählich dem Ende zuneigt, kommt trotz des töchterlichen Stolzes angesichts der künftigen, fantastischen Aussicht

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meinerseits massive etwas Wehmut auf.

Selbst der sonst so kopfgesteuerte MamS bekennt, dass ihm die morgendliche Unterhaltung mit ihr fehlen wird und manche Gewohnheiten, Marotten aber auch Ärgernisse gehören bald der Vergangenheit an. Das gemeinsame Samstagsfrühstück wird es nicht mehr geben. Haargewölle im mal wieder verstopften Abfluss allerdings auch nicht oder lautstarke Geschwisterkabbeleien um die letzte Scheibe Gelbwurst sowie Spülmaschinenausräumpflichten (Ich mach oben und du unten!). Und der hier gern mal „vergessene“ Müllsack wird im eigenen Heim sicher nicht erst dann entsorgt, wenn er Beine bekommt. Nach der ersten, höchstselbst zu löhnenden Nebenkostenabrechnung wird möglicherweise sogar auch nicht mehr jeder Fummel nach zweistündigem Tragen sorglos in die Wäsche gepfeffert.

Ein Problem habe aber selbst ich trotz meiner perfektionistischen Ader bisher übersehen: Für rechtzeitigen Nachschub von Nagellackentferner, Bodylotion, Abschminktüchern, Wimperntusche, Tampons, Haarspray und sonstigem Weiberklimbim muss ich nun selbst sorgen und kann mich nicht mehr aushilfsweise bei Tochtern bedienen. Ich werde nicht mehr wissen, wieso, mit wem und wie lange sie wo ist. Ich werde mir nicht mehr eben ein Abendkippchen borgen oder Dixie damit beauftragen können, ihren Bruder vom Fußballtraining/Kumpel/Shopping zu holen, ein Kilo Espressobohnen aus der Stadt mitzubringen oder ihre angeschickerte Gebärmami vom Stammtisch in die dörfliche Heimstatt zu kutschieren, um nur einige Beispiele zu nennen.

Wir werden es nicht leicht haben. Nabelschnüre werden im Leben wohl zweimal mehrmals abgeschnitten.

Seufzend
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Meublemondieu!

Nur eine von so vielen, so verzwickten, so enervierenden und so zeitraubenden Entscheidungen:

Farbgefühle

Ein halbes Wochenende haben wir in Möbelhäusern und Baumärkten verbracht und immerhin mal die pressantesten Möbel ausgesucht: Couch, Bett, Schrank und TV-Tisch.
Meine blödsinnige Idee, die rote und noch nicht mal bezahlte Lieblingsjacke zum gut gefüllten und tropisch temperierten Pressspanschweden mitzunehmen, sorgte für zusätzlichen Zeitverlust: Zweimal hetzte ich durchs halbe Haus, weil ich sie irgendwo vergessen hatte. In der Kassenzone würde sich ein Schuster mit angeschlossener Fußambulanz ganz sicher rentieren, bei den Strecken, die der Kunde dort auf den Tacho kriegt.
Langsam tasten wir uns nun an die Küche heran.

Seufz.
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Deine Mudda-Tag

Eigentlich haben wir hier in Casa Mogga die Losung ausgegeben, Beutelschneiderspektakel wie Mutter- und Vatertag geflissentlich zu ignorieren.
Selbstredend freute ich mich einst über krakelige Gemälde mit windschiefen Blumen, Baumkrüppeln und Menschenabbildungen, die Familienaufstellungen ähnelten und begutachtende Psychotherapeuten in den Suizid getrieben hätten. Ebenso war ich entzückt über getonte Schälchen Aschenbecher, Dinosaurier und gewebtes Flickwerk, das schon bei Erhalt die Frage aufwarf, wie es alsbald und unauffällig den Weg in Keller oder Müll finden könnte. Aber das war in Kindergartenjahren und kostete nichts außer Zeit, die die Kleinen dort ohnehin im Überfluss hatten.
Gekaufte Geschenke zu diesen Anlässen braucht kein Mensch. Besser, man pflegt auch unterm Jahr ein herzliches, liebevolles und vernünftiges Miteinander, trotz aller Streits und Differenzen, die das Salz in der Sippschaftssuppe sind, als sich einmal im Jahr mit einem Geschenk freizukaufen und für die Restzeit wie ein verdammter Arsch mit Ohren zu gebärden.
Trotzdem lassen es sich meine Schoßfrüchte nicht nehmen, an den Stichtagen mit einer Kleinigkeit aufzutauchen. Ob eine Toblerone im Warentrennerformat oder Tankstellenblumen in Knisterplastik: Natürlich freue ich mich trotzdem, wäre aber absolut nicht enttäuscht, wenn das alberne Muttertagsgewünsche ausbliebe. Ich weiß selbst, dass ich Mutter bin und brauche niemanden, der mich daran erinnert.

Besonders der kleine Hank ist allerdings ein hartnäckiger Muttertagshypeverweigerer-Veweigerer. Und als ich vorhin in seinem Zimmer die geleerten Wasser- und Saftflaschen aus dem offenbar zu großen Bett pflückte, hielt ich plötzlich eine Flasche feinsten Schaumbads in Händen. „Oh!“, entfuhr es mir und kaum hatte ich’s gesprochen, verfluchte ich meine schnelle Auffassungsgabe. Im Bruchteil von Sekunden wusste ich, was und für wen das Fundstück war, zum unbemerkten Zurücklegen war es zu spät. „Na, klasse, Mudda!“, nölte das Kind und „Du bist so blöd, ey!“, eine Verbalinjurie, die unter normalen Umständen zu angemessener Reaktion, angesichts des Geschehenen aber mitnichten zum Verdruss meinerseits führte. Ich rechtfertigte mich, dass ich immerhin so gütig war, dort tagelang gehortete Pfandflaschen aus seiner verramschten Schlafstatt zu entfernen, wusste aber um die Dimension des Angerichteten. „Oh Mann, tut mir leid!“, beteuerte ich, aber er war noch ein bisschen eingeschnappt. Dann beschied ich, dass wir ganz einfach heute den eben erfundenen „Deine Mudda-Tag“ begehen. Am Sonntag feiern könnte schließlich jeder.

Mit einem Gläschen Sprizz betrat ich das Zimmer erneut und ließ mir feierlich das Limetten-Minze-Schaumbad überreichen, bedankte mich und ließ mir mangels Lesebrille die Ingredenzien vorlesen. Er sprudelte heraus, dass sein Kumpel das Gleiche für dessen Mutter gekauft habe und dass er eigentlich das mit der Bezeichnung „Jungbrunnen“ nehmen wollte, was ihm aber dann blöd vorgekommen sei weil es bedeute, dass er mich für alt halte und das wollte er nicht und deshalb das Produkt mit dem Namen „Lebensfreude“ gewählt habe. Das Schaumbad reiche für 8 Vollbäder, referierte er aus dem Stegreif, und sei auf Hautverträglichkeit untersucht. Außerdem passe es auch optisch zu den Duschbädern, die ich im Bad auf dem Fensterbrett horte. Meine Güte. Macht dieses Kind sich einen Kopf!

Nun passierte es nicht zum ersten mal, dass mir in seinem Zimmer aus völlig unverfänglichen Absichten Geheimobjekte in die Finger fallen, zuletzt, als ich beim Einräumen von Bettwäsche in seinem Schrank auf eine Flasche Vodka mitsamt Jägermeisterbegleitung stieß. Auch wenn ich froh war, dass mir diese verbotenen Promillefrüchte so schnell in die Hände fielen (es fehlten nur zwei Fingerbreit, angeblich gruppenverkostet bei einer Faschingsparty im Nachbardorf), braucht es schon eine gehörige Portion Naivität, um solch absolute Heimlichware an so offen zugänglichen Orten zu deponieren.

Die Erziehungsstrategie hinsichtlich Mutter- und Vatertag hat nicht funktioniert. Aber es gibt ja noch genug didaktische Felder zu bestellen. Die nächste Übungseinheit wird sein, wie man erfolgreich Dinge vor seiner Mutter versteckt: Unterm Bett. In einer Ecke des unverschlossenen und chaotischen Kellers. Im Abfalleimer des Zimmers. In den Winterjackentaschen. Zwischen Schulkrempel. In einer der 20 vorhandenen Muffelsporttaschen. Das alles sind Orte, die ich aus Gründen auch aus Versehen nicht frequentieren würde. In seinem Alter hatte ich todsichere Verstecke für alle Arten von Geheimware, die meine Mutter nicht mal mit gezielter Suche und einem Detektor hätte ausfindig machen können! Himmelnocheins! Muss man der Jugend von heute denn alles beibringen? Die brauchen doch nicht nur Geheimnisse, sondern auch Tricks, wie sie im späteren Leben Geschenke vor dem vorzeitigen Zugriff ihrer Lieben schützen!

Eine lehrreiche Nacht wünscht
moggadodde

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Do not discount on me!

Heute musste ich nochmal schnell bei Lidl, wie der Ruhrpottler sagt. Basilikum, Zahnpasta und Kräuterbutter, letzteres für die morgige Grillpremiere, waren meine Beute. Am Kassenband angekommen, waren da ein Pärchen sowie davor eine Dame mit üppig gefülltem Wagen. Die beiden fragten die Dame, ob sie sich denn eben vor sie einreihen könnten und sie bejahte. Während das Pärchen aufs Abkassieren des Kunden vor ihm wartete, fragte ich die Dame mit einem freundlichen Lächeln im Gesicht und mit abgezähltem Geld in der Hand, ob ich mit meinen drei Winzwaren vielleicht nicht auch … „Nein“, beschied mir die Dame. Sie habe die beiden nur vorgelassen, weil sie ihre (gefühlt Legionen) Artikel noch aufs Band räumen musste, was sie noch immer tat, während sie mit mir sprach.
„Aha“, antwortete ich und legte artig meinen Einkauf hinter den inzwischen placierten Warentrenner (Trennholz, Kassiererschranke, Dingsiseparierer) und dachte nach. Zeit genug hatte ich ja nun.

Ich übergrübelte meine Gepflogenheiten bei ähnlicher Gemengelage. Räume ich den Inhalt meines Wochenendeinkaufswagens aufs Band und sehe, dass der Nachfolgekunde einigen, wenigen Kleinkram in Händen hält, lasse ich ihm den Vortritt, sogar ohne, dass er danach fragt. Auch der Danachkunde kann mit meinem Wohlwollen rechnen, sofern ich nicht bereits final auflud und er nicht gerade überdimensionalem Shoppingverhalten frönte. Und wenn jemand nett fragt, winke ich ihn sowieso meistens durch, wenn nicht gerade jemand mit laufendem Motor, ernsten Zeitproblemen oder einem Harndruckdilemma im Auto auf mich wartet.

Bin ich etwa ein dummes Schaf, das sich von cleveren Kaltschnäuzig-Kunden ausnutzen lässt? Eine Idiotin, übers Ohr gehauen von frechen Zeitfressern? Bin ich dumm wie ein Strauch Bohnenstroh?

Noch hinter der dummen Tussi Dame mit meinen drei kümmerlichen Artikeln geduldig wartend zog ich ein Resümee: Ich werde mir sicher kein Beispiel nehmen an der hochnäsigen und selbstgerechten Art dieser Person. Weiterhin werde ich Kundenkollegen mit ein paar kümmerlichen Gütern den Vortritt lassen. Und, aufgemerkt, vielleicht sogar ungefragt. Weil ich einfach freundlich bin. Und mitfühlend. Und ein Mensch, der nicht nur an sich, sondern auch an andere denkt. Hört sich komisch an? Ist aber so.

Eine geduldige Nacht wünscht
moggadodde

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