Blümerant

Nicht unerhebliches Gewicht bei der derzeit pressanten Suche nach einem passenden Ausbildungsplatz legt der kleine Hank auf den pekuniären Aspekt. Dank des gnadenlosen Brutto-Netto-Rechners wird manch kindliche Freude aber recht schnell ein wenig getrübt. Von Abzugsbeträgen wie Kranken- und Rentenversicherung sowie anderen, unvermeidlichen Pöstchen hat er in der Schule ja bisher nur am Rande gehört. „Nicht für die Schule, für das Leben lernen wir“. Meine Güte!
Eben entspann sich also dieses Gespräch:

Er so: „Ah ja. Und der Betrag für die Rente wird dann für mich auf ein Konto eingezahlt.“
Ich so: „Nee. Damit zahlst Du die Rente für die heutigen Rentner.“
Er so: „What? Was soll das denn? Ich kenn‘ die doch alle gar nicht!“

Dann werde ich dem kleinen Hank nun mal die Sache mit Blüms „sicherer Rente“ und dem Generationenvertrag erklären; er wird behaupten, nie was unterschrieben zu haben. Und in diesem Fall glaube ich ihm sogar.

Eine gewinnbringende Nacht wünscht
moggadodde

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Nachwehen

Wie gut, dass ich keine Furcht vor Spritzen, Kanülen, Venenkathetern und sonstigen, die Haut perforierenden Utensilien hege. Davon hatte ich zuletzt nämlich reichlich. Weniger reichlich war die Verpflegung im Krankenhaus. Zwei, zugegeben überragend gute Brotscheiben, eine Tomate, je eine Scheibe Wurst und Käse: Ich meine, ich hatte eine OP am Fuß und keine Magenverleinerung! Dass Dixie mir auf meinen Hilferuf am Abend ein Leberkäsbrödle und eine Tafel Schokolade brachte, rettete mich vor dem Hungertod.

Es ist alles gut verlaufen, wurde mir erklärt. Der Fuß beliebt noch zu pochen und zu stechen und damit ich halbwegs rund gehen kann, trage ich einen Verbandschuh, einen klobigen Orthopädentraum, der recht kommod mit selbstgestrickten, groben Wollsocken zu kombinieren, aber ansonsten nicht ganz als letzter Schrei zu verbuchen ist.

Es war zu erwarten, dass sich der Spott des MamS wie ein Eimer Desinfektionsmittel über mich ergießt, hatte ich ihn nach seiner Schulteroperation im Frühjahr auch oft veräppelt, als er auf einer, im Schlafzimmer placierten und einem elektrischen Stuhl ähnelnden Mobilitätsmaschine seine marode Schulter therapierte und dabei eine chinesische Winkekatze im Tranquilizer-Modus imitierte.
„Käpt’n Ahab“ nennt er mich, während ich durch die hiesigen Hallen humple und zitiert dabei Sequenzen aus „Moby Dick“, oder „Frau Frankenstein“, aber das alles lässt mich kalt, solange der Treter nur schnell heilt und ich bald wieder in die Katakomben oder hinters Steuer kann. Dank des MamS’schen Automatikgetriebes werde ich letzteres Unterfangen in der nächsten Woche in Angriff nehmen.

Wenn ich mir die Wunde so ansehe,

Autsch

glaube ich aber nicht, dass ich an Weihnachten mit schicken Pumps das Buffet entern werde. Sicher werde ich froh sein, wenn ich überhaupt mit irgendeinem Schuhwerk, das nicht Klumpfußdimensionen hat, durch den Advent werde wandern können. Der Profimetzger mag das anders beurteilen, aber mit meinem Laienauge betrachtet sieht mein Fuß aus, als habe ihn John Rambo im vietnamesischen Dschungel in einer wackligen Baumkrone sitzend mit den Haaren eines Wasserbüffels genäht. Betrunken und mit links, wohlgemerkt. Jaja, ich weiß, das ist erst ein paar Tage her, aber auch ja: Geduld ist meine Sache nicht. Erst jetzt erschließt sich mir auch der Zusammenhang des Wortes „Patient“ mit dem englischen „patience“. Und so halte ich es notgedrungen mit Miguel de Cervantes, der behauptet, Geduld sei ein Pflaster für alle Wunden. Der hat gut reden. Dem waren schicke Schuhe sicher herzlich egal.

Einen keimfreien Abend wünscht
Haydee Klum-Pfuß

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Mängellehre

Das kulturelle Topereignis stellt im hiesigen Dörflein das sogenannte „Backhäuslesfest“ dar, ein sich über drei oder vier Tage hinziehendes, heiteres Spektakel, das allein durch Mitglieder der örtlichen Vereine gestemmt wird, was in Zeiten schwindenden Gemeinsinns als sehr beachtlich angesehen werden darf. Eine reichhaltige Speisekarte, allerhand liquide Leckereien und ein beheiztes Zelt gibt es, in dem Eingeborene und „Neigschmeggde“ miteinander tratschen, trinken, spachteln und dann ein paar Meter straflos nach Hause schwanken können: Ein Pflichttermin für die unterzeichnende Exil-Connaisseuse, die ja üblicherweise für jeden, aushäusigen Pupsschoppen das Auto bewegen muss.

Zum handfesten Schnitzel wünschte ich mir einen Rotling aus heimischer Lage und ich zahlte beim jungschen Ausschenker an der Selbstbedienungstheke 4,50 €, 2 € Pfand fürs Gläschen inklusive. Schon bald aber enthielt das Glas zuviel Luft und ich erbat flugs Nachschub beim Mundschenk. „Das macht Vierfuffzich!“, beschied er mir und ich antwortete mit einem Zeig aufs Preisschild, dass das Tröpfchen aber nur Zweifuffzich koste. „Hatten Sie denn ein Glas zurückgegeben?“, fragte er nun und ich hielt ihm mein trauriges Krüglein vors Gesicht. „Ich habe für dieses eben hier schon bezahlt!“, entgegnete ich. „Ja, aber zurückgegeben haben Sie’s nicht. Dann kriege ich Vierfuffzich“, beharrte er.
Ich meine, ich bin nicht der größte Logiker unter der Sonne, aber das war ein Sachverhalt, der mir selbst mit einer ganzen Flasche feinsten Rotlings im Kopf nicht in denselben hätte gehen wollen. Wir begannen, zu diskutieren. Ein etwa gleichaltriger Hilfsmundschenk, wohl auch kein von Adam Riese geküsster Jüngling, pflichtete dem Kollegen bei. Ein Wortgefecht entspann sich und allmählich wurde ich ungeduldig. Zu lange schon darbte mein Krüglein bar jeden Tröpfchens.

Mittlerweile hatte sich ein weiterer Bruder im Durste an den Tresen gesellt. Unschüchtern erklärte ich ihm die Gemengelage und er bestätigte meine Sicht der Dinge. Wacker beharrte der Mundschenk auf seiner Position aber jetzt war ich sattsam bedient (sic!). Bockig drohte ich mit Abwanderung zum Bierstand, sollte er mir nicht sofort den verdammten Rotling für Zweifuffzich kredenzen. Widerwillig füllte er das Glas und um die Wogen zu glätten, versprach ich, diese höhere Problemathematik mit meinen Begleitern am Tisch gleich ausdiskutieren zu wollen.
„Wieso hast Du ihm das Glas nicht einfach zurückgeben und danach neu bestellt?“, fragte meine Tischnachbarin. Ähm. Ja. Das hätte ich natürlich tun können. Aber offenbar ist mein Starrsinn besser ausgeprägt als mein Denkvermögen.

Einen lehrreichen Abend wünscht
moggadodde

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Lauf don’t come easy

Saisonauftakt bei den s. Oliver Baskets ist immer ein letztes Zeichen, dass der Sommer endgültig hinter uns liegt. Gestern also fand das erste Heimspiel gegen Phoenix Hagen statt, das im ersten Viertel für Würzburger reichlich hübsch anzusehen war, im zweiten Viertel enger wurde und nach der Halbzeit eher Haarraufcharakter hatte. Auf dem Parkett lief außer viel buntem Schuhwerk nicht mehr viel nach Wunsch und auch auf den Rängen vermisste ich größtenteils die frenetische Unterstützung, die noch in der letzten Saison eine schwächelnde Mannschaft wieder auf Kurs bringen und für ein Spiel, das zu kippen droht, in einer kuschelig-kleinen Halle wie der s.Oliver-„Arena“ das Zünglein an der Waage sein kann. Betuliches Klatschpappenklatschen, kaum „Defense“-Unterstützungsrufe, ein Hallenschreier, der Spielernamen durcheinanderwirft oder gar gleich falsch ausspricht, Parkettwischpersonal im Winterschlaf und matte Spieler, die offenbar allesamt mit dem falschen Fuß in den Feiertag gestartet waren: Die einst berüchtigte „Turnhölle“ war gestern nicht mehr als das Vorzimmer zum Fegefeuer. Höchstens.

Das wird beim nächsten Heimspiel am nächsten Mittwoch ganz sicher anders ablaufen. Nur werde ich das leider nicht sehen, weil ich an diesem Tag auch mit einem falschen, weil frisch operierten Fuß aufgestanden sein werde.

Seit Jahren plagt mich ein wild wuchernder Knochen am linken Großen Onkel,

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den der MamS schon lange bequengelt und den er nicht sehr liebevoll „Teufelshörnchen“ nennt. Hiesige Temperaturen und ein diesbezüglich wenig toleranter Kulturkreis erfordern das Tragen von Fußbekleidung, was mich regelmäßig vor Probleme stellt und zum aufrichtigen Schuhkaufhasser werden ließ. Die meisten Modelle, die nicht orthopädischen Schuhzurichtungen ähneln, drücken genau an dieser Stelle und mir steht stets ein schmerzhafter Prozess bevor, ehe sich der Knochen seinen Raum erobert hat. Deshalb kann ich die Zahl meiner Schuhe auch an eineinhalb Händen abzählen. Habe ich endlich ein Paar eingelaufen, trage ich es, bis es sprichwörtlich auseinanderfällt. Langes Stehen, wie ich es in den Katakomben leisten muss, bereitet zunehmend Probleme und so lasse ich mir mein Teufelshörnchen also am Dienstag endlich abfräsen entfernen, Vollnarkose inklusive, was mich nicht bange macht, bin ich doch ein ziemlicher Vollnarkose-Fan. Dieser Moment, kurz vorm Blackout und dann das allmähliche Wiederauftauchen aus der dämmrigen Nebelsuppe, wenn Stimmen immer deutlicher werden, während ich spüre, wie ich zu frieren beginne und also immerhin nicht in der Hölle gelandet sein kann, das ist ein bisschen wie Fliegen, nur, dass ich die ganze, schöne Reise verschlafe.

So werde ich also hoffentlich höchstwahrscheinlich mit einem hübsch geformten, neuen Fuß schmerzfrei in den Restherbst gehen und dann, ich sag’s Euch, werde ich Schuhe kaufen. Schöne Schuhe. Viele Schuhe. Jawoll.

Schuhbidu
moggadodde

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