Spielkind

In sechzehndreiviertel Jahren Jungsleben hat der kleine Hank ja eine Fülle an Spielzeug verschlissen. Die Lego-Pflichteducation hat er ebenso durchlaufen wie die Playmobil Ritterburg-Marotte, den Yu-Gi-Oh-Kartenwahnsinn, das Pokèmonfieber und das Gameboy-Beschäftigungsprogramm. Wir hatten nie den Ehrgeiz, ihn mit den teuersten Produkten elektronischer Unterhaltung zu beglücken, die er sich selbstverständlich immer wünschte. Liebling, der er ist, freute er sich ehrlich immer über das, was wir statt dessen schenkten.
Standhaft verweigerten wir uns bisher der Konsolenplage, auch wenn schon vor Jahren seine Finger nicht reichten, die aufzählen sollten, welcher der Freunde über Hicksbocks oder Blähsteischn herrschten. Ein PC und ein paar Onlinespiele sorgten für ausreichend Zerstreuung und tatsächlich überlebte der kleine Hank seine entbehrungsreiche Jugend ohne eigenen Controller.
Trotzdem hat er den Konsolentraum nie aufgegeben und heute kontaktierte er mich per Whatsapp, dass er sich im Laden befände und im Begriff sei, eine Playstation zu kaufen. Er wollte nur noch mein „Okay“. Dank seines üppigen Salärs im November war der Kauf locker drin, aber ich versuchte trotzdem, ihm die Sache auszureden. Nun bin ich aber kein Gamer, Zocker oder Daddler, noch nicht mal Angry Birds konnte mich fesseln, ich bin von der Materie also weiter weg als der Frieden von der Erde. Andererseits haben Menschen die absonderlichsten Wünsche und Neigungen wie Modellbau oder fettfreies Kochen oder Base Jumping und bevor er sich von Häusern stürzt, sollte er mit seinem selbst verdienten Geld in Dreiteufelsnamen das edle Teil eben kaufen.
Der Händler kontaktierte mich noch telefonisch, um sich wegen des Taschengeldparagraphen zu vergewissern und eine halbe Stunde später stand der kleine Hank mit der Spielstation auf der Matte. Vor Anschluss rang ich ihm in mütterlicher Weisheit jedoch noch die Zusage ab, seine vermüllte indiskutable Behausung zu reinigen.

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Früher war es ja unser Privileg, seine Augen mit Geschenken zum Leuchten zu bringen. Heute kauft er sie sich selbst und das Leuchten in den Augen entsteht durch das Reflektieren des Monitors. Aber ich gönne ihm das Gefühl, sich selbst einen sehr lang gehegten Wunsch aus eigener Kraft erfüllen zu können.

Eine sentimentale Nacht wünscht
moggadodde

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Dieser Eintrag wurde in Daily Soap veröffentlicht.

8 commenti su “Spielkind

  1. hazamel sagt:

    Ganz normal oder?
    Das erste was ich mir damals von meinem Weihnachtsgeld bei der Bundeswehr gekauft habe, war auch eine XBox.
    Heute ist es die jährliche Verzweiflung wenn Freundin und Familie nach einem Wunschzettel fragen 😉

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    moggadodde antwortet am Dezember 6th, 2014 um 15:15:

    Der MamS hieß den Kauf natürlich nicht gut. Bis ich ihn erinnerte, dass er noch heute stolz erzählt, von seinem ersten Gehalt in der Theaterstraße einen Technics-Plattenspieler für 600 DM gekauft zu haben. Das Teil steht noch immer funktionstüchtig im Keller!
    Ja, schwer ist die Sache mit den Wünschen. Aber bei Dir macht man doch mit nerdigen Shirts immer einen guten Griff, oder 😀

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    hazamel antwortet am Dezember 9th, 2014 um 17:53:

    Das Problem ist eher die Verfügbarkeit der Mittel um sich Wünsche zu erfüllen. Ich halte es da mit meiner Mama und schreibe demnächst „Ruhe und Erholung“ auf meinen Wunschzettel 😉 T-Shirt-technisch reiße ich mich mittlerweile zusammen. Ein Monat ohne Waschen würde mittlerweile locker gehen

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    moggadodde antwortet am Dezember 15th, 2014 um 09:18:

    Ruhe und Erholung. Schöner Wunsch!

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  2. Yeow sagt:

    Wir hatten das Glück, das durch massive sportliche Betätigung und Trainerverbot für mobile Daddelkisten der Spielconsolenkelch bis Dato an uns vorbei gegangen ist.
    Und sie wissen, das wir es Ihnen nicht kaufen. Selbst ist das Kind.

    Allerdings ist die Sache mit der mobilen Daddelkiste warscheinlich nur wegen ausgesprochen leistungsfähigen Minicomputern (andere nenen sie Smartphones) an uns vorbei gestolpert.

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    moggadodde antwortet am Dezember 6th, 2014 um 15:21:

    Hier war ja in Hanks Zimmer bisher auch keine elektronische Diaspora … aber dieses Konsolenzeug kostet ja wirklich irre viel Geld – nur zum Zeitvertreib. Das teuerste, was wir ihm geschenkemäßig kauften, war die Playmo-Ritterburg und der Millenium Falcon. Beides sorgte allerdings auch lange für Beschäftigung – besonders die Burg, für die wir noch an Heiligabend bis in die frühen Morgenstunden Aufbauhilfe betreiben mussten.
    Du wirst noch sehen, was ich meine, wenn eines Deiner Kinder in das Alter kommt, in dem sie sich ihre Herzenswünsche selbst erfüllt. Andererseits bleibt so mehr im elterlichen Geldbeutel 😀

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  3. Windsprite sagt:

    Bei uns ist meine Mama immer total sauer, weil es unser Vater war, der selbst immer mit der Playstation und dem Nintendo DS aufkreuzte (den mein Bruder und ich uns nie gewünscht hatten, wir bekamen sie einfach so)
    Dadurch hat man aber auch irgendwie eine distanzierter Sicht auf die Spielkonsole, weil man dann schon mit dreizehn nicht mehr dieses habenwollen Gefühl hat. Man hatte ja schon mal eine.

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    moggadodde antwortet am Januar 5th, 2015 um 12:00:

    Das ist ja ungewöhnlich, aber natürlich auch eine Möglichkeit … Wünsche gar nicht erst aufkommen zu lassen, indem sie schon erfüllt werden, bevor der Wünschende selbst von seinem Wunsch weiß. Zum Glück waren wir uns hier ziemlich einig über unseren Weg. Wären wir so verschieden gewesen, hätte es hier öfter gekracht.

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