Kopfkinofutter

Ein Mädchen, vielleicht Anfang 20, saß mit Schreibutensilien allein an einem Tisch in einer abgelegeneren Ecke des Restaurants. Keines der roten Tabletts stand vor ihr – vielleicht hatte sie schon gegessen und bereits abgeräumt und hatte Lust auf ein Dessert der anderen Art – jedenfalls stellte sie plötzlich eine Büchse Mildessa auf den Tisch, öffnete sie und aß in aller Seelenruhe das Sauerkraut direkt aus der Dose, während sie in ihrem Collegeblock schrieb.

Das war heute mein bei weitem skurrilstes Erlebnis jemals in einem McDonalds-Restaurant.

Nachdenklich
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Ökonomisere

In den Katakomben arbeite ich nicht, weil ich es dort so entzückend finde. Es mag Menschen geben, die ihre Arbeit lieben, aber viel lieber als Pillen zu schubsen und Pakete zu wuchten ließe ich meinen Bauch an einem beliebigen Strand unter südlicher Sonne bräunen, mit unendlichen Schirmchendrinks und Nackenmassage gesegnet und ansonsten die Göttin eine gute Frau sein lassend. Aber die Reisschüssel will betankt, Mieten bezahlt und Steuern abgeführt werden.
Mit meinen und unser aller Abgaben an Vater Staat werden bestimmt viele wichtige Dinge finanziert. Leider wird damit auch viel Unfug getrieben und ohne von BER oder Elbphilharmonie anzufangen sind es dieser Tage ganz besonders zwei Projekte, die meinen Hals von hier bis Hamburg schwellen lassen.

Zunächst wäre da die Geschichte mit dem BND. Der Bundesnachrichtendienst ist seit jeher in Bayern dahoam, auf 70 ha Gelände verteilen sich über 6000 Beamte und Angestellte, um unsere und alle anderen Mails zu checken, Luftbilder auszumalen auszuwerten, Kochbücher zu schreiben, Martinis zu schütteln – Pullach, sagenumwobene Heimstatt für deutsche Agenten und die es werden wollen, Nabel der deutschen 007-Welt. Wo andere ihre Siebensachen in einen Laster packen und von A nach B ziehen, ist es bei einem Unternehmen dieser Größenordnung natürlich etwas teurer. Aber unglaubliche 1,9 Milliarden EURO dafür auszugeben, eine an ihrem Ort alteingesessene Behörde nach Berlin zu verpflanzen, da muss ich mehr als kräftig schlucken.
Die Rechtfertigung auf der Website des BND für diesen Umzug mit Steigerung von Effektivität und Effizienz bei Zusammenführung von Arbeitseinheiten in einem Satz mit dem Wort „Bundesbehörde“ ist in etwa so überzeugend wie Graf Dracula als Markenbotschafter für Capri-Sonne. Und der Verweis auf die „Herausforderungen einer globalisierten Welt“ zieht auch nicht: Nichts, was nicht von überall auf der Erde aus geregelt, besprochen, ausgeheckt und verpatzt werden kann, immer vorausgesetzt natürlich, die Internet-Bandbreite passt! Anfänger!
Selbstverständlich wurde groß gebaut in Berlin-Mitte und auch in Pullach, weil Altkaiser Stoiber sich einst einen Verbleib von 1000 Personen Agentenfußvolk ausbedungen hat. 1.900.000.000 € für einen Umzug einer einzigen Behörde. Da muss der Steuerzahler lange für buckeln!

Man muss sich aber nicht auf Bundesebene begeben, auch wir Bayern können Steuergeld und Denkenergie verprassen, dass es keine Freude ist. Sonnenkönig z.A. Söder, Heimatminister, wollte auch einmal etwas bewegen und verlagert mehr als 50 Behörden und Ämter von einem alteingesessenen Standort zum anderen, strukturschwächeren Gebiet.
Von dieser Rochade ist auch das Staatsarchiv Würzburg betroffen, das mit spektakulären 17 Arbeitsplätzen ins nahe Kitzingen und dort wahrscheinlich in einen Neubau für geschätzte 30.000.000 € umziehen soll, weg von Würzburg, wo die Zusammenarbeit mit den anderen Archiven kommunaler, kirchlicher und universitärer Art bisher wegen kurzer Wege so wunderbar funktionierte.
Natürlich gibt es Widerstand aus allen Lagern, mit nachvollziehbaren Argumenten und von Stellen mit Sachkunde und Einblick in Abläufe. Ändern wird sich diese Entscheidung kaum mehr lassen – das Eingeständnis einer falschen Einschätzung käme einem Gesichtsverlust gleich, nichts mehr, was ein Politiker fürchtet, obwohl gerade das Zugeben von Fehlern ein Zeichen von Besonnenheit und Größe ist, Wesenszüge, die den verkleidefreudigen Thronfolger ein wenig sympathischer erscheinen ließen. Schon Brecht erkannte: „Wer A sagt, muss nicht B sagen. Er kann auch erkennen, dass A falsch war.“, aber derlei primitive Einsichten werden zeitgleich mit der Vereidigung offenbar aus Politikergehirnen getilgt.

Diese Gedanken wollte ich eigentlich schon gestern aufschreiben, morgens, als ich Zeitung las und Radio hörte. Nur hatte ich leider keine Zeit – ich musste in die Katakomben, Pillen schubsen und Pakete wuchten, um Kohle ranzuschaffen und Steuern zu generieren, damit die große Bundes- und Landespolitik weiter ihre viel zu oft unsinnigen, unfähigen und hirnrissig-absurden Suppen kochen kann, um sie dann über die Köpfe von uns niederen Untertanen auszukippen. Manchmal hab ich es wirklich satt.

Siedend
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Imbiss zum letzten Wagen!

Hysterische Offertenopfer, die sich bei Aldi morgens um 8 Uhr um einen Kochpott prügeln, das war ja meine Nachricht der Woche. Weder das Original für über 1000 noch der Thermomixklon von Aldi-Süd für 200 Euro kämen mir in den Küche – für einen Schnellkochtopf mit Touchscreen ziemlich viel Geld, das ich lieber in anständige Messer und gute Zutaten investiere, die ich dann in Topf oder Pfanne gebe und wie die Altvorderen rühre, brate und koche, schmore, backe und röste. Gibt es außer es zu essen etwas Schöneres, als ein leckeres Gericht entstehen zu sehen? Abzuschmecken, abzurunden, zu probieren? Ich möchte nach eigenem Gusto kochen, ohne vorgestanztes Rezeptgut, nervige Signaltöne und Anleitungen für weitere Gerichte, die dazugekauft werden wollen. Ich will niemandes Sklave sein und schon gar nicht der eines Kochtopfs. Viel Lärm um Thermonix!

Zugucken war heute auch die Devise: Schön war es nämlich auf dem Streetfood-Festival in Giebelstadt, wenn ich auch schon wieder zu mäkeln habe. „Streetfood-Truck“ ist ja nur die anglisierte Bezeichnung für einen Imbisswagen und warum zum Teufel muss man pausenlos irgendwelche hippen Begriffe erfinden für Dinge, die es schon seit Jahrzehnten gibt?
Solche kleinlichen Bedenken halten eine Gourmandessa wie mich natürlich nicht von einem Besuch ab, beim Barte des Lukull! Ungefähr 60 Streetfood-Trucks Imbisswagen und Stände reihten sich vor den Hangars des alten Flugplatzes locker aneinander.

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Nirgends lange Schlangen, sonniges Wetter und eine quer über den Erdenball reichende, kulinarische Auswahl: Amerika, Japan, Elsass, Italien, Portugal, Israel, die Waterkant, Mexiko und Schweiz: Niemand, der hier nicht fündig werden konnte. Ich entschied mich für einen Burger mit Pulled Pork, eine Art amerikanischer Döner, wie ich finde und zum Dessert für Gebäck aus Portugal sowie einen türkischen Mokka zum Abschluss. Viele der auf vintage alt getrimmten Trucks waren aufwendig dekoriert, es gab viel zu sehen

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und zu kosten, aber leider, irgendwann ist auch der gefräßigste Bauch gefüllt. Schöne Veranstaltung, gerne wieder, nächstes Jahr!

Eine satte Nacht wünscht
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Photofinish 2

In drei Tagen jährt sich der Eintrag, in dem ich von der Reaktivierung des Analogfossils berichtete. Die letzten und überwiegenden Aufnahmen wurden am Gardasee geknipst, jedes einzelne mit Bedacht und wohl überlegt. Voller Vorfreude holte ich heute die Wundertüte mit 36 Fotos und einer CD ab, zum Spottpreis von rund 9 €.

Vielleicht bin ich mittlerweile ja etwas pixelverwöhnt, aber ich erinnere mich, dass es Analogfotos früher auch in scharf gab. Die Enttäuschung war dementsprechend groß: Die Farben sind halbwegs in Ordnung für einen Versuchsballon-Billigfilm, aber alle Bilder sind so, als fehlten dem Betrachter ein paar Dioptrien

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Mit ähnlichem Zärtliche Cousinen-Filter sind sämtliche Fotos versehen. Das finde ich sehr rücksichtsvoll, war aber so nicht geplant.

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Die Ursachensuche gestaltet sich schwierig.

A)
Der überwiegende Aufenthalt im Auto, auch während des Sommers, um ja kein perfektes Motiv zu verpassen, scheidet aus, weil auch die im Frühjahrs-Fotos betroffen sind.

B)
Hinter dem Sucher dürfte der Fehler auch nicht zu finden sein: Ohne tiefere Erfahrung fotografierte ich, soweit ich weiß, ausschließlich im Automatikbetrieb.

C)
Das Labor hat gepfuscht? Eher unwahrscheinlich. Die machen das nicht seit gestern und werden wohl einen Kleinbildfilm entwickeln können.

D)
Bleibt noch die Möglichkeit, dass die Innereien der Kamera während des fast 12jährigen Dornröschenschlafs eine trotzige Patina entwickelten. Wegen des Dauerarrests in einer Polstertasche steht aber auch diese Theorie auf wackligen Beinen.

Ich persönlich tendiere ja, objektiv betrachtet, zu Theorie B. Ich kaufte heute einen neuen Film und kramte die Betriebsanleitung ganz unten aus der Schublade. Vielleicht habe ich ja doch ein Rädchen nicht richtig eingestellt, einen wichtigen Knopf nicht gedrückt, einen Zauberspruch an der richtigen Stelle nicht gesagt. Bestimmt ist es mit dem Analogen wie mit dem Digitalen: Die größte Fehlerquelle sitzt meist vor dem Bildschirm, resp. hinter dem Sucher.

Auf zu Film 2!

Eine scharfe Nacht wünscht
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