Quid pro quo

Gierig verdrücke ich zwischen Bäcker und Waschstraße im Auto schnell eine Salzstange. Eine zweite habe ich noch, aber in einem Anfall altruistischer Großherzigkeit frage ich den Waschstraßendude, ob er die niegelnagelneue und noch in der Tüte befindliche Salzstange vielleicht haben möchte? Er klagt, er habe heute so einen Stress gehabt und gar keine Zeit für irgendwas, weshalb das jetzt genau richtig käme. Unter vielen Bedankungen trägt er seinen Schatz ins traurigdunkle Carwashkabuff und hochdruckbestrahlt mein Auto besonders gründlich.

Um diese heroische Handlung richtig einzuordnen muss man wissen, dass es sich um eine Rösner-Salzstange handelte, die bekanntlich die beste in ganz Würzburg ist, mit üppigem Salzbestreu und der perfekten Balance zwischen gefälliger Knatschig- und goldener Knusprigkeit. Beim Kauen verirrt sich oft das ein oder andere grobe Salzkorn und bleibt sperrig zwischen Zähnen stecken. Daran kann ich dann wie eine Ziege lecken und just, wenn es aufhört, unangenehm zu sein, löst sich das jetzt kleingelutschte Kristall und kann endlich den Weg jeden Lebensmittels antreten.

Kürzlich las ich, dass der Körper eine Salzaufnahme mit Dopaminausschüttung belohnt und auf dem Heimweg denke ich, dass ich jetzt schon noch ziemlich Bock auf eine Salzstange gehabt hätte, dass sie aber auf den Hüften des Burschen bestimmt besser aufgehoben ist und mein Blutdruck wegen des Verzichts vielleicht gerade eine Dankesrede verfasst.

So habe ich mit einer guten Tat gleich zwei Fliegen geschlagen.

Einen mildtätigen Abend wünscht
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Frühling, Baby!

Auch wenn an diesem frühlingssonnigen Montag nach dem Einkauf Hackfleisch und Joghurt im Kofferraum liegen – Zeit für eine kleine Seelenruhedruckbetankung im Veitshöchheimer Hofgarten muss sein.

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Ich beobachte einen Opa beim Gänsefüttern mit einem etwa Zweijährigen und bin beeindruckt, wie ruhig der Mann agiert. Kein hektisches „Pass auf!“, kein warnendes „Nicht so nah!“, obwohl sich der Bub für mein Empfinden beängstigend dicht am Gewässer befindet. Er schnappt sich die Latzhosenträger des Jungen immer zielsicher, kurz bevor der ins Brackwasser plumpst und erzählt ihm von der Lebensweise der Kanadagänse. Der Kleine ist augenscheinlich viel mehr daran interessiert, dass er immer genug Brot für die Tiere in der Hand hat und ich hoffe für ihn, dass er von diesem tiefenentspannten Opa noch viel lernen kann.

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Ruhe umgibt mich, leise plätschern die Wasserspiele und der Kies knirscht unter meinen Schuhen. Ein paar Runden drehe ich durch den Park, das Licht ist so klar und hell, wie es nur im Frühling vorkommt, ändert sich pausenlos und immer wieder bleibt mein Blick an irgendeiner Schönheit hängen.

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Ich gehe zurück und bin dankbar, dass mein einziges Problem tatsächlich Hackfleisch und Joghurt sind, die im Kofferraum eines von der Frühlingssonne beschienenen Autos vielleicht nicht gerade besser werden.

Einen friedlichen Tag wünscht
moggadodde

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Bei Toppels unterm Sofa

Optische Täuschungen, Illusionen, Trugbilder – nicht erst seit meinem Besuch in Schwäbisch Hall bin ich ein Fan von gut gemachter Sinnesverarsche.
Klar, dass deshalb ein Besuch im neu eröffneten „Toppels Haus“ auf der Ausflugsliste stand. Prächtigerweise liegt Wertheim von hier aus nur ein paar Steinwürfe entfernt, da ist man am Sonntagmittag mal schnell hingerutscht.

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Zugegeben: Vierfuffzich für den Eintritt ist ein bisschen happig. Aber wann hat man schon einmal Gelegenheit, die ziemlich verrückte Erfahrung zu machen, dass die Welt auf dem Kopf steht?
Das gesamte Gebäude steht schief. Schon beim Betreten geht es bergauf und die Augen sehen alltägliche Dinge dort, wo sie nicht hingehören. Zusammen mit der Schrägneigung des Hauses reagierte mein Gehirn mit leichtem Schwindel. Nach ein paar Minuten Eingewöhnung ging es auf Exkursion durchs vollständig eingerichtete Haus, bei dem jedes Möbelstück an der Decke befestigt ist, was Gelegenheit für reichlich skurrile Schnappschüsse gibt.

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Gern hätte ich noch mehr Zeit gehabt, noch mehr ver-rückte Fotos geschossen, aber der MamS ist in solchen Dingen zuweilen etwas ungeduldig. Während ich noch nicht durch war, meine Phantasie geflasht angesichts der physikalischen Abnormitäten, tigerte er bereits nach draußen; er ist halt einfach der Realist von uns beiden.
Dixie habe ich bereits am Haken für einen nächsten Besuch und die ist in solchen Dingen ähnlich ausdauernd wie ihre Mutter.

Einen widersprüchlichen Abend wünscht
moggadodde

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