Trau, schau, brems!

Seit ein paar Monaten hat der MamS ein neues Auto. Ach, was heißt „Auto“. Ein Auto ist schon lange nicht mehr nur Auto, sondern in Blech gehüllter Feuchttraum zahlloser Ingenieure, ITler, Elektroniker und Designer. Den ganz besonders pfiffigen unter ihnen verdankt der MamS einige besondere Annehmlichkeiten, lediglich Dauerwellenlegen und professionelle Zahnreinigung gehören noch nicht dazu.

Mit den meisten der vielen, bordeigenen Gimmicks hat sich der MamS als verantwortungsvoller Fahrzeugführer bereits vertraut gemacht, lediglich das Pre Collision System, kurz PCS, wurde bisher nicht ausprobiert, die Vorrichtung, die die beiden Münsteraner Tatortkommissare im Werbespot so nett zeigen und die einen Auffahrunfall oder den Aufprall auf ein Hindernis vermeiden soll.
Wir alle wissen, dass die Kluft zwischen Werbung und Wahrheit manchmal so tief ist wie Fallhöhe im Abgasskandal, weshalb wir heute eine Versuchsanordnung auf dem Supermarktparkplatz starteten.

Fleischliche Freiwillige fanden sich freilich nicht, auch schien uns die Verwendung einer tonnenschweren Baumaschine, wie im Werbeclip, einen Tick zu riskant – Kartons mussten deshalb als Hindernis dienen. Bei mehreren Durchgängen bremste der MamS selbst und zu früh, bis er sich nach viel gutem Zureden endlich überwand:

Das Ergebnis hat mit dem Werbeclip nicht viel zu tun. Es bremste letztlich nicht das Auto selbst, sondern der MamS stieg fest in die Eisen, um nicht über die doch recht stabilen Kartonagen zu brettern.
Das Bordbuch gibt zur Frage, wie Hindernisse beschaffen sein müssen, um als solche erkannt zu werden, nicht viel her. Woran liegt’s? Hat der Roboter geschlampt? Hindernis mit etwa einem Meter zu schmal? Falsche Farbe? Weil ich nicht so gut Gitarre spiele wie Liefers? Mal sehen, was das Autohaus zu der Problematik sagt.

Eine unfallfreie Nacht wünscht
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Quid pro quo

Sonntag, 5.35 Uhr. Der MamS betritt mein Schlafgemach und verkündet, dass der kleine Hank noch nicht daheim ist. Das ist für mich aber keine Neuigkeit: Ich teile den Fluch so vieler gepeinigter Mütter und schlafe schlecht, bis ich höre, dass die aushäusige Frucht meines Schoßes nach stattgehabter Party den Schlüssel ins Loch zu stochern sucht. Die Welt ist schließlich schlecht da draußen, und bei Nacht noch mehr.

Ich starte Whatsapp und sehe ihn online. Während ich ihn antippe, klingelt das Telefon. Ob jemand ihn noch abholen könne, fragt er. Die geplante Mitfahrgelegenheit sei nicht aufgekreuzt, aber jemand könne ihn fast bis Mädelhofen bringen. Die an der Bundesstraße liegende Bushaltestelle dort wird zum Treffpunkt erkoren, in einer halben Stunde. Er redet halbwegs unverwaschen, trotzdem erkennt mein geschultes Ohr, dass vorher eine nicht unerhebliche Befüllung mit umdrehungsreichen Getränken stattgefunden haben muss.
Natürlich passt es mir nicht. Wem passt es schon, am Sonntagfrüh ein alkoholisiertes Bürschlein aus der Pampa zu pflücken?
Ich will mich aus dem Bett schälen, als ein weiterer Anruf einläuft, der 10minütige Verspätung mitteilt. Halbwegs pünktlich fahre ich los und finde keinen Hank im Bushaus. Es ist noch immer stockdunkel und so neblig, dass ich kaum schneller als 40 fahren kann. Ich steuere den vermuteten Partyort an, in der Erwartung, ihn irgendwo am Straßenrand zu entdecken. Sein Handy ist inzwischen ausgeschaltet und allmählich bekomme ich Hals. Gleichzeitig irrlichtern Bilder im Kopf, in denen er angefahren im Straßengraben liegt, wo sich Raben bereits an seinen schmackhaften Augäpfeln laben. Besorgt fahre ich zurück.
Auf unserer Straße kommt mir ein Polizeiwagen entgegen und mit der Sicherheit des Wissens, dass es abends dunkel wird war mir klar, dass da ein Zusammenhang besteht. Tatsächlich findet sich der Bub unversehrt und mit beiden Augäpfeln bestückt in heiterem Gespräch mit dem MamS. Jetzt bin ich auf 180 und forderte Aufklärung „und zwar jetzt und es ist mir scheißegal, wie laut ich bin und wie spät es ist!

Es stellt sich heraus, dass ihn seine Mitfahrgelegenheit etwa drei Kilometer vom Treffpunkt abgeladen hat und er von da aus gelaufen ist. Trotzdem sein Telefon eben noch 32 % Akku gezeigt hatte, ging es aus und ließ sich auch nicht mehr starten (aus gewissen Meldungen weiß ich, dass das bei den sündteuren Hypephones tatsächlich passieren kann – Danke, Applestümper!). Wie er nun so netzlos auf der Bundesstraße umhertrabte, las ihn ein Streifenwagen auf, dessen Besatzung ihm einen Anruf verwehrte, aber einer Leibesvisitation und einem Alco-Test unterzog, ein wenig ausfragte und sodann freundlicherweise bis vor die Haustür chauffierte. Besten Dank von hier aus!

Wieder im Bett erinnerte ich mich an einen Tweet, den ich vor kurzem las

und es stimmt. Solange das Kind die Füße unter deinen Tisch streckt, ist das Zusammenleben ein Geben und Nehmen und auch danach ist es keine Frage des Alters, weil Kind bleibt Kind, und diesmal bestand mein Geben eben aus Sonntagsfrühdienst. Im Gegenzug werde ich ihn in hoffentlich ferner Zukunft vielleicht das eine oder andere Mal ins Altersheim bestellen, wo er mir dann das Frühstück in die dann zahnlose Futterluke schiebt. Quid pro quo.

Sonntag, 7.15 Uhr. Ich habe zu tun: Ich muss noch ein paar Reste Nabelschnur abkratzen.

Eine gelöste Nacht wünscht
moggadodde

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Mutterschutz

Vorgestern beim Griechen: Den MamS plagt nach dem Essen ein Fleischfetzchen, das sich in seinem Kaugebälk verfangen hat und ich erinnere mich dunkel, in den Untiefen meiner zweizimmerwohnunggroßen Handtasche ein paar Zahnstocher gebunkert zu haben. Nach ein bisschen Gekrame fördere ich ein Briefchen zutage, das sich allerdings als Kondom entpuppt. „Oh Mudda“, seufzt der kleine Hank, „wozu hast DU denn sowas?“ und ich erkläre ein bisschen beleidigt, dass ich mitnichten fürs quicke Abenteuer gerüstet sein möchte, sondern das Fundstück in der vergangenen Basketballsaison als Werbeartikel der Arbeiterwohlfahrt auf meiner Sitzschale entdeckte und in der selten genutzten Tasche vergaß.

„Na, hier, das brauchste ja vielleicht!“, frotzle ich jetzt frech und werfe dem kleinen Hank das Brieflein entgegen. Er fährt am nächsten Tag nach Prag, Berufsschulabschlussfahrt. Fest rechne ich mit entrüsteter Abweisung der mütterlichen Liebesgabe, aber er enttäuscht mich und packt es einfach in die Hosentasche, als ob es ein paar Mentos wären. Er steckt es einfach weg! Wortlos!

Still überschlage ich das Geschlechterverhältnis der Abschlussklasse sowie das Haltbarkeitsdatum des Prä-, ähm, sents und bin ob seiner offensichtlichen Selbstverständlichkeit sofort in totaler Habachtstellung gefangen, aber nunja, verflixt, zugenäht und hallelujah, ich muss meine Klappe halten, er ist ja nun wirklich alt genug! Natürlich kann ich kann ihm keinen meiner Gedanken offenbaren, ohne mich als komplett hysterisches Müttermonster zu outen, aber trotzdem schreit mein Innerstes verängstigt: Kind, denk daran, egal ob Paderborn, Prag oder Paris, Hauptsache Verhütung!

Ein ganz anderes Problem steht dem kleinen Hank bei seiner Rückkehr bevor. Ohne zu fragen hat er nämlich, trotz eigenen, vollen Kleiderschranks, des MamS liebste Jacke aus dem Schrank stibitzt und mit auf Reisen genommen. Ganz erwachsen ist er also doch noch nicht. Gegen das MamS’sche Donnerwetter, das ihn am Samstag erwartet, gibt es keinen Schutz. So eine große Handtasche habe nämlich nicht einmal ich.

Eine behütete Nachte wünscht
moggadodde

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