Auf dem Kopf-Sache

Überstunden abbauen, wie herrlich! Um die gewonnene Zeit nicht allzu sinnlos zu verplempern, zwischen Ausstechen in der Firma und dem Heraussuchen von Unterlagen für den Hausbesuch des Altersvorsorgeprofis (Alter, wie ich es hasse!) bog ich ab von der Straße. Durchatmen am „Süßen Brünnle“.
Oft jammere ich über die Knochenfron in den Katakomben. Über Fuß-, Schulter- und Sonstwasweh. Über alles mögliche vermag ich virtuos zu jammern und sei es selbst über die eigene Unfähigkeit, endlich den Arsch zu heben und den Keller zu räumen. Dabei geht es mir doch blendend! Ich weiß noch nicht von irgendeiner ernsten Krankheit, meinen Kindern geht es prima, ich sitze warm beim Tippen, kann nebenbei einen guten, Thüngersheimer Tropfen picheln und lege mich gleich in ein warmes Bett. Es gibt nichts, womit ich unzufrieden sein könnte. Wieso fällt es nur immer wieder so schwer, das Gute in meinem Leben zu sehen und zu schätzen? Ich habe es doch wirklich ziemlich schick!

Manchmal muss man einfach den Blickwinkel zu ändern, um klar zu sehen.

Euch eine zufriedene Nacht wünscht
moggadodde

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Dieser Eintrag wurde in Daily Soap veröffentlicht.

2 commenti su “Auf dem Kopf-Sache

  1. Ja, der Blickwinkel für die elementaren und wichtigen Dinge des Lebens. Klar. Diese von dir angedeutete Unzufriedenheit – ich würde sie eher als eine unbestimmte Sehnsucht bezeichnen wollen – hättest du wahrscheinlich unter allen Umständen, sogar wenn du Milliardärin wärst oder Chefin der gesamten Welt. Genetisch veranlagt? Beinahe tendiere ich zu dieser Annahme. Nur bin ich noch nicht dahintergekommen, welchen Zweck die Natur damit in grauer Vorzeit wohl Rechnung getragen hat und ob sie, wie der Blinddarm, einfach ein heute unnützes Relikt der Evolution ist. Jedenfalls kenne ich dein Gefühl auch sehr gut. Und kann genauso wenig wirklich etwas dazu sagen. Ich versuch’s einfach im Griff zu behalten, kann aber gut Menschen verstehen, die von diesem Gefühl zeitweise oder auch dauerhaft aus der Bahn geworfen werden. Ich glaube nicht, dass es ein Mittel oder eine Therapie dagegen gibt außer Betäubungsmittel jedweder Art natürlich. Und es hat nichts mit einer Depression zu tun. Es gibt aber ein wunderbares deutsches Wort dafür: Weltschmerz.

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  2. moggadodde sagt:

    Das ist genau das Wort, das mir nicht einfallen wollte, Georg: Weltschmerz. Schon sehr lange hörte ich das nicht mehr, trifft aber genau. Schau ich mir diese Welt in diesen Zeiten so an, ist es allerdings schon kein Schmerz mehr, sondern eher eine sich vergrößernde Qual, zuschauen zu müssen, wie sich Mächte verschieben, wie mehr oder weniger gut funktionierende Ordnungen auf dunkle Seiten abzudriften drohen. Weltschmerz ist ja einfach der wehmütige Wunsch des Menschen nach einem für sich selbst und alle anderen ersehnten, zufriedenstellenden Zustand, der nie war und nie sein wird.
    Immer wieder den Blick neu justieren, die Linse putzen. Immer wieder das, was gut läuft über das, was nicht läuft, stellen. Nicht zuviel nachdenken, sich ablenken und sei es mit einem Buch, Bier oder schön viel Arbeit, da pflichte ich Dir bei, bis der Kopf die Erdung wieder hergestellt hat. Anstrengend und vielleicht auch ignorant, aber für mich ein guter Weg, mit diesem immer bekloppter werdenden Planeten halbwegs klar zu kommen.
    Nicht mehr so weltgeschmerzte Grüße schicke ich Dir!

    [Antwort]

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