Warpaper

Lange genug bin ich mit ihm zusammen, als dass ich mit Fug und Recht behaupten kann, dass jeglicher Renovierungsarbeit mit dem MamS ein gewisses Konfliktpotenzial inne wohnt. Meine Tapezierkünste, behaupte ich kühn, sind aus der Kategorie „kann man lassen“, was in Franken, der Lobdiaspora Deutschlands, ja so etwas ist wie der Ritterschlag der Heimwerker.
Wo ich schon mit einem Bier in der Hand die fertig getane Arbeit bewundere, werkelt der MamS noch an der dritten Bahn, was daran liegt, dass sich sein Qualitätsanspruch von meinem so eklatant unterscheidet. Hier fehlt ein My an Tapete am Steckdosenausschnitt? Ich sage „Das passt doch so!“, er sagt „Nix da. Nochmal runter mit dem Pfusch“.
Und weil ich weiß, dass die Bearbeitung gleich zweier zu renovierender Räume eine Schlägerei ernsthafte Krise heraufbeschwören könnte, entschlossen wir uns für den Luxus eines professionellen Handwerkers. Zur Kostenminimierung wollten wir die Tapeten selbst ablösen und während die Vliestapete im Flur in einer Stunde entfernt war, schwante mir Böses für die Küche. Ich sollte nicht enttäuscht werden.

20 Jahre (und damit ungefähr 150 in Tapeziererjahren) hatte das Papierkleid dort auf dem Buckel. Ich liebte diese Tapete. Gedeckt kackbraun schimmernd, glänzend und jeden Tomaten-, Spinat oder Ölfleck barmherzig abweisend, abschrubbar und unverwüstlich. Mein Vater, mein großes Vorbild in Sachen „passt schon“, half bei Einzug in Casa Mogga und alles war gut, bis der MamS einen neuen Wandbezug anmahnte. Er quengelte lang, ich gab schließlich nach und ahnte bereits, was kommen musste.

Von Anfang an befanden wir uns im Papierkrieg. Allem Wässern, jedem brutalen Perforationsversuch mit der gemeingefährlich anmutenden Nagelwalze, jedem gnadenlosen Schnitt mit dem Cuttermesser trotzte die bis dahin treue Gefährtin und hing fester an der Wand als die Queen an ihrem Thron.
Papa hatte es gut gemeint mit dem Leim oder was er da immer in den Eimer gemischt hatte. Vielleicht ganz catweazlesk gemahlene Kröten oder Spinnenbeine oder Eichhörnchenblut; das Wandkleid war jedenfalls schier untrennbar mit der Wand verschweißt.
Schwitzend arbeiteten wir uns durch die Wand. Die Spachtel glühten um die Wette mit unseren Leibern, die schleimigen Schlacken immer wieder von den Geräten kratzend, bahnten wir uns den Weg durch den Raum. Es war zwar grauenvoll, aber immerhin waren wir vereint im Elend, der MamS und ich, und wir wetterten. Sehr. Übelst. Verdammte Axt. ALTER!

Irgendwann hatten wir es geschafft und stellten uns vor, wie mein Vater gerade auf einer schattigen Wolke sitzt. Er hält lässig ein Würzburger Hofbräu in der Hand, guckt uns kopfschüttelnd zu und sagt sowas wie „Die war doch noch gliedgut, die Tapete!“. Und wo er Recht hat, hat er Recht.

Einen gemalten Tag wünscht
moggadodde

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