„Sich einbringen“ …

… ist auch so ein grauenvolles Produkt der Kategorie peinliches Bildungsbürgertum.
Es heißt nicht mehr: „Hallo, Frau moggadodde, wir brauchen noch einen Kuchen fürs Schulfest. Können Sie einen mitbringen?“. Heutzutage ist es hip, die Sentenz „Es wäre schön, wenn sie sich hier einbringen könnten“, in den Äther zu pusten. Für meine Ohren impliziert dieser Satz schon den versteckten Vorwurf, als soziologisch unbrauchbar zu gelten, verwehrt frau dem Elternbeirat das Vergnügen einer Donauwelle oder Bienenstichs. Vielleicht habe ich einfach keinen Bock. Oder keine Zeit. Oder ich bin im Kuchenbacken eine Null. Aber nein, ich wollte mich dann „nicht einbringen“ , verweigere mich der frohlockenden Gemeinschaft der schürzenbewehrten, rotbäckigen Muttis, die mit stolzgeschwelltem Busen und Mehlstaub im Haar den letzten Schrei in Sachen Patisserie in der neuesten Tupper-Box zum Schulgebäude transportieren.

Wenn Dixie sich im Haushalt „nicht einbringt“, dann ist sie einfach eine faule Nuss. Wenn Hank sich in der Schule „nicht einbringt“, ist er einfach schüchtern. Wenn ich mich „nicht einbringe“, bin ich frigide. Wenn der MamS sich zuhause „einbringt“, dann saust er vorzugsweise mit dem Hoover durch die Wohnung. Nennt doch einfach die Dinge beim Namen und zieht euch nicht auf das überhebliche, durchsichtige Bollwerk gekünstelter Phrasen zurück, verdammt!

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Treffer – versenkt

Mit meiner ganz persönlichen „Bestenliste“ der schwachsinnigsten und enervierendsten Phrasen und Vokabeln eröffne ich heute eine neue Rubrik. In loser Serie werde ich hier Ergänzungen vornehmen und beginne mit meinem heutigen Favoriten:

„DAS MACHT MICH BETROFFEN“

In erster Linie wird diese unsägliche Phrase verwendet in der Halbwelt der Politik sowie bei den Quotenprostituierten nicht nur der privaten TV-Stationen. Es scheint einen zweifelhaften Wettbewerb zu geben, wer worüber wie weit und warum überhaupt betroffen ist und ich habe gelesen, Frau Christiansen sei sogar die Betroffenheit in Person. Zu differenzieren ist hier zwischen „Ich bin betroffen“ (von Fußpilz, Tourette, Steuererhöhung oder galoppierender Diarrhoe) i.S. von „Das geht mich direkt an. Ich weiß, wovon hier die Rede ist, weil es mich unmittelbar betrifft“. Hier angeprangert wird das andere, nur lidschäftig unter dem Mäntelchen des heuchlerischen Voyeurs verborgene und mit beinahe feuchten Augen und zitternden Lippen vorgetragene „Das macht mich betroffen“. Ich sehe es dem Verbrecher förmlich an, als ob sich auf seiner Stirn ein Fenster öffnen würde und der gehirneigene Teleprompter zeigt den restlichen Text, den der Sprecherverbrecher wohlweislich ausgespart hat: „Im Grunde geht es mir aber am Arsch vorbei und gottseidank betrifft es mich nicht“. Ich hasse diesen Satz und wünsche mir hier mal wieder das interaktive TV. Dann würde der Sprecher nämlich wirklich betroffen sein, d.h. nicht be-, sondern eher ge-troffen, von meiner 38er nämlich.

Ich bin genervt

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