#udwue 2014 – Donnerstag

„7 Stunden! Was, zum Teufel, macht man denn 7 Stunden auf einem Festival?“, fragte der MamS schlaftrunken, als ich gestern nach Mitternacht mit etwas wehen Füßen und vernehmbar knirschenden Knochen das Zuhause enterte. Meine Antwort war einfach und kam prompt: „Es ist Umsonst & Draußen! Da wird Zeit außer Kraft gesetzt!“.

Tatsächlich rennt die Zeit auf dem Gelände und wenn man die ins Auge gefassten Auftritte auch alle erleben möchte, ist man in Ermangelung einer Segway-Spur auch reichlich auf den Beinen. Mehrere Kilometer werde ich beim Pendeln zwischen den Bühnen sicher abgespult haben, keine allzu große Herausforderung allerdings für mein durch Katakombenfron gestähltes Laufwerk.

Das schöne Gelände auf den Mainwiesen wird weitläufig gesäumt von vielen Fressständen, Flüssigtreibstoffstationen, Ausstellungen, Kunstaktionen und Händlern aller Couleur. Dazwischen tummeln sich ein paar Hobbygaukler, auf den Wiesen liegen Leute oder sie tanzen oder küssen oder tun sonst etwas Sinnvolles und es gibt pausenlos etwas zu sehen und zu hören. Man trifft diesen oder jene, ratscht ein Weilchen tauscht Neuigkeiten aus, bewundert schräge Vögel und die heuer zahlreich vertretenen Hotpants-Mädchen. Ist da ein Trend etwa völlig zu Recht an mir vorbeigegangen? Alle sind entspannt, fröhlich und „derbe gechillt“, wie der kleine Hank jetzt sagen würde. Da vergehen halt 7 Stunden mal eben wie im Flug!

Heiter bis Folkig eröffneten die Draußen-Bühne, über Conrads Kartell hatte ich ja 2012 schon berichtet und auch die flippig-agile Band Shady Glamour stammt aus hiesigen Gefilden.

Ebenso vielfältig wie die Menschen sind die dargebotenen Auftritte. Ich bin offen für vieles (außer sphärisches Experimentalgedengel) und gestern war mein Inneres zufälligerweise ein bisschen auf Krawall gebürstet. Da kamen Closedown und später The Bulletmonks und The New Black genau richtig.
Sich am Absperrgitter vor einer drei Meter hohen Boxenwand stehend Bässe und Drums durch die Eingeweide peitschen zu lassen – nicht die schlechteste Art der inneren Reinigung!
Später am Abend hörte ich noch kurz The Love Bülow, die nicht zuletzt durch die Bundesvision Song Contest-Teilnahme national bekannt sind und Füenf, eine spritzige a cappella-Band. Sehr unterhaltsam!

Meinen Musikabend beschlossen Go Go Berlin aus Dänemark mit Kunstnebel und mit ein bisschen Attitüde wie Status Quo auf Speed: Fantastisch, wie die total verrückten Dänen ihre Energie auf uns Zuhörerschaft übertragen!

GoGoBerlin

Dann noch ein letzter Absacker in leichtem Nieselregen vor dem Drinnen-Zelt, wo Lilly melancholisch-leicht meinen Weg zum Auto begleitete.

Der erste Tag des für mich schönsten Festivals in Würzburg wird für mich heuer leider gleich der vorletzte sein; lediglich am Sonntag werde ich am Nachmittag nochmals aufschlagen können. Ein Grund mehr, jede Minute auf den Mainwiesen zu genießen.

Wer kann, sollte hin. Und wer Eindrücke und wunderbare Fotos der Künstler anschauen möchte, klickt durch die Strecken hier und hier sowie auf den #udwue-tumblr.

Eine klangvolle Nacht wünscht
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Schon vorbei: Umsonst und Draußen 2012

Nach einem Tag Zwangspause ging es heute zum Finaltag nochmals aufs Würzburger Umsonst & Draußen-Festival. Wieder hatte mich das Programmheft mein Bauchgefühl ins richtige Zelt geführt. Das Rehan Syed Ensemble hat mich sofort gefangen.

Gypsy Jazz

Ohnehin mag ich Django Reinhardt und seinen Gypsy Jazz. Rehan Syed und seine Kollegen Thomas Buffy, Alex Bomba und Simon Ort beherrschen ihre Instrumente mit einer Virtuosität, dass einem beim Zuschauen beinahe schwindelt. Wieselflinke Finger und Plektren zupfen in aberwitziger Geschwindigkeit über die Saiten, der Bogen flitzt über die Violine und dabei sehen die Jungs so ruhig und entspannt aus, als säßen sie gerade im Bus oder flirteten im Supermarkt mit der Kassiererin. Das Rehan Syed Ensemble war ein absolut hochwertiges Hörvergnügen am Sonntagnachmittag und ich konnte beobachten, dass die angebotene CD völlig verdient recht oft verkauft werden konnte.

Langsam wurde es dunkler am Himmel. Ein Hüngerchen trieb mich zum Catering des Backstage-Bereichs, wo ich eine ziemlich lausige Lasagne aß. Mag sein, dass ich lasagnetechnisch verwöhnt bin. Aber das war leider ein Schuss in den forno.

Ich beeilte mich, denn im Kinderkulturzelt wollte ich mir auch Conrads Kartell nicht entgehen lassen.

Der Oberkartellist Hannes hat sich witzige und auch hintersinnige Texte ersonnen und niemand merkte, dass das heute erst der zweite, öffentliche Auftritt der im Herbst 2011 gegründeten Gruppe war. Die Einflüsse von Rio Reiser und Tom Waits sind jedenfalls unüberhörbar. Es wäre fantastisch, wenn Conrads Kartell noch viele weitere Gelegenheiten bekämen, ihre Songs zu Gehör zu bringen. Sie sind nämlich wirklich schön.

Mittlerweile regnete es heftig, es war windig und kalt. Zwar hatte ich noch einiges auf der to-hear-Liste, aber leider auch keine richtige Lust mehr. An einer Bude hatte ich mir schlauerweise ein 50 ct-Regencape besorgt und es brachte mich auch halbwegs trocken zum Auto. Dort legte ich erst einmal die Rehan Syed-Scheibe ein und zu „Bei mir bist du schön“ schaukelte ich fröhlich nach Hause.

Apropos schön: Schön war es auch heuer, das U&D. Friedlich, fröhlich und Eierkuchen gab’s hundertprozentig auch irgendwo. Es war gut besucht, wieder perfekt organisiert, mit vielfältigem Angebot auch für noch so unterschiedlich geartete Ohren.

Für mich als Landkreisei ist die Parksituation von nicht unerheblicher Bedeutung. 6 Euro Parkgebühr für komplette 4 Tage in unmittelbarer Nachbarschaft zur Veranstaltung bezeichne ich da als ungeheuer günstig. Für einen Einkauf in der Innenstadt zahle ich in jedem Parkhaus mehr, und zwar noch bevor ich die zweite Hose anprobiert habe. Also auch hier ein dickes „Danke“ an die Veranstalter!

Bis zum nächsten Jahr, U&D!
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Polka, Ball und Prosa

Der zweite Tag auf dem U&D war gestern gefühlt zu kurz. Den Anfang des Abends bewegten die 2/4-Takter von Vladiwoodstok. Vom Prinzip der Polka im Zweivierteltakt hörte ich vor Jahren erstmals bei Squalus, der mich mit Humppa, dem finnischen Foxtrott und Eläkeläiset bekannt machte. Vladiwoodstok pflegen einen ähnlichen Stil und es ist wirklich beinahe nicht möglich, hier die Glieder unter Kontrolle zu halten. Beine zappeln, Arme wippen, Köpfe nicken: Guter Stoff für ein erstklassiges und mitreißendes Extremitätenworkout für die ganze Familie!

Aber Musik in allen Ehren: Das Spiel der Jogiboys gegen die Granitgriechen konnte ich mir als aktiver Passivsportlerin ja nur schlecht entgehen lassen. Zum Glück hatten die Festivalverantwortlichen ein Einsehen, parkten eine imposante Leinwand an günstiger Stelle und bescherten uns so einen skurrilen Klangteppich aus semiphilosophischen Béla Réthy-Sportkommentaren und wummernden Bässen der „I Heart Sharks“ von der nahen Drinnen-Bühne. Verlockend, was ich dort hörte, aber ich hatte dank @Onkel_Heiko, @huldine und @radulfrumpel einen großartigen Sitzplatz, den ich nicht im Traum aufzugeben gedachte.

Nach dem Spiel und diversen Kaltgetränken musste wollte ich dringend die ebenfalls benachbarten Dixis aufsuchen. Die etwa 10 am Ende des Geländes platzierten Örtchen waren mitnichten still, was aber nicht das Problem war. Die Plastikpipiboxen wurden vielmehr durch einen ungeschickt exponiert platzierten Scheinwerfer von weiter hinten derart ungünstig und durchdringend illuminiert, dass die Wartenden vor den Häuschen sämtliche Vorgänge darin sehr deutlich wahrnehmen konnten. Ich für meinen Teil verspürte wenig Lust auf Scherenschnitt-Voyeuristen, kniff das Bläschen nochmal fest zusammen und marschierte zur Draußen-Bühne, wo weitere Dixis, nun allerdings in völliger Finsternis liegend, warteten. Von Klopapier-Fummeleien und Stolperaktionen auf 0,3 qm hielt ich angesichts eines schwächelnden Handyakkus (Licht, mehr Licht!) allerdings ebenfalls nichts und gönnte mir nach einem weiteren, kleinen Marsch an den Anfang des Geländes endlich einen Besuch im blickdichten, hellen, sauberen und mit genügend Klopapier versehenen Toilettenwagen.

Derart erleichtert konnte ich anschließend dem bereits viel gelobten Max Prosa auf der Draußenbühne lauschen. Vielleicht hat er mich auf dem falschen Fuß erwischt, vielleicht war er zur falschen Zeit am falschen Ort, vielleicht ist es einfach nur nicht mein Geschmack: Trotz perfekt arrangierter Melodien hat Max Prosa mich persönlich nicht sonderlich berührt, viele andere aber waren hingerissen und begeistert. Man kann es einfach mögen oder nicht, man kann es aber ausprobieren und sich mit offenen Ohren auf Neues einlassen: Auch das ist das Schöne an einem Festival wie dem U&D Würzburg.

Einen stimmigen Abend wünscht
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Auf die Ohren, Würzburg! – Umsonst & Draußen 2012

Das beste Festival überhaupt hat seit gestern wieder seine Pforten geöffnet und feiert heuer sogar Silberhochzeit: 25 Jahre Umsonst & Draußen in Würzburg!
Schon im letzten Jahr hatte ich ein paarmal darüber berichtet und natürlich streifte ich auch gestern mit vielen Bloggern, Twitteristi und einer dank des prachtvollen Festivalwetters erfreulich großen Menge anderer Besucher über das wunderbar gelegene Gelände auf den Mainwiesen.

Musik satt aus allen möglichen und unmöglichen Genres erwartete uns. Es ist natürlich ein Ding der Unmöglichkeit, alle angebotenen Acts von Anfang bis Ende zu verfolgen.
Mein persönliches Programm startete gestern mit der leidenschaftlichen Darbietung einiger Rotzlöffel auf der Drinnen-Bühne. Für den MamS als altem Westcoast- und Bluesboy wären die „Scallwags“ wohl nichts gewesen, aber mir gefiel der Mix aus Rock ’n‘ Roll und Punk schon gut, wie ich überhaupt der Meinung bin, dass dieser Welt manchmal eine Spur mehr Punk schon gut zu Gesicht stünde!

Punkrock 'n' Roll

Dass der gemeine Franke nicht nur Sturheit, sondern auch mehr als eine Prise Blues und Soul im Blut hat, zeigten Leslie & Clyde

Auch der Franke hat Soul und Blues!

danach auf der Draußen-Bühne, aber vollends überraschte das Bamberger „Kellerkommando“.
Meine Ohren wurden ja schon mit allerlei schrägen Kombinationen bekannt gemacht, aber die Vereinigung von alten Volksweisen und Kerweliedern mit robustem HipHop und Rap ist außergewöhnlich und liest sich nicht nicht nur verrückt. Es bleibt auch beim Hören schräg, ist aber unglaublich eingängig, weil man viele Lieder schon lange kennt und die mitreißende Vorführung schließt ein Stillstehen vollkommen aus.

Kerwe meets HipHop

Die teils recht deftigen Texte machen schmunzeln, trachterne Blechbläser auf einer Bühne mit sonnenbebrilltem Rapper sind auch fürs Auge ungewöhnlich und sorgten für ausgelassene Stimmung.

Auf die cubanischen Buena-Vista-Rhythmen war ich am meisten gespannt. Kaum hatten Soneros de Verdad Karibikflair an den Main gebracht, fielen wie zum Trotz die ersten Tropfen aus dem fränkischen Nachthimmel. In der Ferne sah ich schon Blitze zucken. Sofort funkte ich Dixie an und mahnte zum Aufbruch. Wir saßen kaum im Auto, als ein stattliches Unwetter niederging. Ein solches Gewitter auf einem mit Elektronik beladenen Geläuf, das am Wasser und unter Bäumen liegt: Es ist nur nachvollziehbar, dass das Gelände aus Sicherheitsgründen geräumt werden musste.

Viel schönere, als die mit meiner Kinderknipse aufgenommenen Bilder könnt Ihr übrigens im stets aktuell gepflegten U&D-Blog sehen. Es stehen noch drei Festivaltage aus. Zeit genug! Also kommt, seht, hört und vergnügt Euch!

Offene Ohren wünscht
moggadodde

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