Flüssige Beweisführung

Ich hielt unsere Bekannte ja im Stillen immer für eine Simulantin, wenn sie erzählte, dass ihr beim Autofahren leicht übel wird. Ich hielt diese Aussage für einen durchsichtigen Versuch, Aufmerksamkeit zu erhalten, sich wichtig zu machen. Wem wird denn bitte beim Autofahren schon schlecht? Pah! Ammenmärchen!
Die Heimfahrt von einer Party heute Nacht hat mir allerdings gezeigt, dass sie nicht gelogen hat. Nur den notgedrungen halsbrecherischen Fahrkünsten des MamS ist es zu verdanken, dass C. die vorher genossenen Alkoholika neben eine Laterne am Rastplatz verklappte, statt in den Fußraum unseres Autos. Nie wieder nenne ich jemanden einen Simulanten, ehrlich.

Euch einen trockenen Tag wünscht
moggadodde

Namenloses Grauen

Gestern beim Zappen hat mich auf Pro7 unvermutet der kugelrunde Bauch von Jana Ina angesprungen. Der unter dem Thema „Lifestyle“ geführte Zwitter aus Fremdschäm-TV und Verhütungsmittel mit dem Titel „Wir sind schwanger“ gibt den beiden lesser celebrities eine Plattform, auf der sie ihre Schwangerschaft präsentieren dürfen, inkl. aller Komplikationen, die eine ziemlich lange Zeit von 40 Wochen hormonellem Ausnahmezustand zu bieten hat. So kurios ich dieses Format auch finden mag, Jana Ina selbst ist mir ziemlich sympathisch. Zwar befindet sie sich erst ungefähr in der Mitte der nötigen Brutzeit, droht aber schon jetzt beinahe zu platzen. Noch ein paar Wochen und sie wird sich kaum mehr rühren können. Ich weiß, wovon ich spreche, bei mir verhielt es sich nämlich ganz ähnlich.

Mit dem Urheber des „pregnanten“ Zustandes von Jana Ina, dem singenden Herrn Giovanni Zarrella gibt es schwerwiegende Meinungsverschiedenheiten hinsichtlich der Namensfindung. So, wie ich es in der kurzen Zeit verstanden habe, wird es sich um ein männliches Baby handeln und die Mutter hat sich für den Namen „Gabriel“ entschieden, der doch gar nicht übel klingt und in Kombination mit „Zarrella“ sogar noch besser klänge, wenn der in Italien gebräuchliche männliche Vorname „Gabriele“ daraus würde, finde ich.
Der Kindsvater aber ist mit solch einem No-Name für sein Produkt aber gar nicht einverstanden. Ihm schwebt das Beckham- oder Pooth-Modell vor, in dem die armen Kinder nach Städten oder tragischen Shakespeare-Figuren benannt sind. Mit glänzenden Augen schwärmte Giovanni von seinen eigenen Kreationen „Montreal“ oder „Rock“, aber auch von „Romeo“ oder „Brooklyn“ („Das klingt nach was!“), den Vornamen zweier Spice-Sprösslinge und fand offenbar sogar „San Diego“ hübsch, so heißt der Sohn von Frau Pooth, den diese nach dem Locus Operandi benannt hat. Der dritte kleine Spice, das will ich hier nicht unterschlagen, heißt übrigens „Cruz“ was übersetzt ja „Kreuz“ heißt, nach meiner Meinung allenfalls als Spitzname für einen gedopten Schwimmer durchginge und wohl unter das Krankheitsbild „Fortgeschrittener Kevinismus“ fällt.

Jedenfalls scheinen Frau Ina und ihr Gemahl in dieser Frage heftigst zu dissonieren und Frau Ina erzählte mit verzweifeltem Lächeln, dass ihr Giovanni schon länger Landkarten und Ortsverzeichnisse durchforstet, um einen besonders ausgefallenen, quasi einzigartigen Vornamen für die Frucht seiner Lenden zu finden.

Ich hätte da ja schon einige Vorschläge im Angebot. Ganz in der Nähe liegt z.B. das schöne Örtchen Rimpar, kurz, prägnant und als Vorname bestimmt noch nicht verwendet. „Rimpar Zarrella“ – ist das nicht pure Musik? Oder, wenn es eine literarische Figur sein soll, wie wäre es mit dem einzigartigen „Zäpfel Kern“, dem deutschen Pendant zu Pinocchio? Ich meine „Zäpfel Zarrella“, das klingt zwar bescheuert, ist aber garantiert noch nicht vergeben. Aus einem Kind mit diesem Namen MUSS doch etwas werden, schlimmstenfalls ein Außenseiter, aber immerhin!

Liebe Frau Ina, bleiben Sie standhaft, soweit das in Ihrem kugelrunden Zustand noch möglich ist, und entlassen Sie nicht noch ein Kind mit einem absolut dämlichen Namen in diese Welt! Setzen Sie ihr charmantes Lächeln und unschlagbare Argumente ein, beharren Sie auf Ihrem Gabriel und vor allem: Nehmen Sie Ihrem Mann bloß die Landkarten weg!

Euch eine sprachlose Nacht wünscht
moggadodde

Verliebt – Verrückt – Verhaftet

Für Aufsehen hat in der letzten Woche das Erlebnis einer Frau aus einem der Nachbardörfer gesorgt, die im Schlaf von einem Vermummten überfallen, mit einer Stofftasche über dem Kopf bedacht und gefesselt wurde. Der Täter ließ die Frau im Schlafzimmer zurück und soll nach Zeitungsberichten erst einmal anständig gevespert haben, ehe er von einem zufällig vorbeikommenden Arbeitskollegen der Überfallenen gestört wurde und das Weite gesucht hatte.
Schon letzte Woche fand ich die Geschichte seltsam. Ich jedenfalls bin noch nie von Kollegen oder Bekannten spontan um 6.30 Uhr besucht worden (um um diese Zeit ungestraft bei mir aufkreuzen zu dürfen, müsste der Besucher auch schon einen triftigen Grund haben!) – da musste doch irgend etwas anderes dahinter stecken.
Heute nun kam heraus, dass Täter und Retter ein und dieselbe Person sind. Ein 36jähriger Kollege des 30jährigen Opfers war über sein bisheriges, erfolgloses Liebeswerben so verzweifelt, dass er sich diese Räuberpistole einfallen ließ, damit seine Angebetete ihn, den vermeintlichen Retter, endlich erhört.

Dass dieses Ansinnen gründlich in die Hose gegangen ist, versteht sich von selbst und ich nehme einmal an, dass die bedauernswerte Frau die Erinnerung an diese Nacht ihr Leben lang nicht los wird. Aber stellt euch nur mal vor, die Frau wäre bei dem Überfall vor Schreck einem Herzschlag erlegen? Dann wäre der liebeskranke Idiot auch am Tod seines Herzblattes Schuld gewesen!
Ein gerüttelt Maß an Phantasie ist in Liebesdingen bestimmt ein hilfreiches Instrument, aber dieser Erotomane hat wohl zu viele zu schlechte Filme gesehen.

Besser, als unschuldige Frauen fast zu Tode zu erschrecken, hätte er seiner Verzweiflung auch anders Luft machen können, singend zum Beispiel und wenn sich das nur halb so ulkig angehört hätte wie die schaurig-schöne Intonation von Hank Williams hätte das bestimmt mehr Eindruck gemacht als diese jämmerliche, buchstäblich kriminell schlechte Anmache.

Euch einen sicheren Abend wünscht
moggadodde

No risk – no fun!?

Hank ist ja ziemlich etepetete, was die Verfallsdaten von Lebensmitteln angeht. Durch seine Futterluke wandert wissentlich kein Joghurt, der auch nur einen Tag über dem aufgedruckten Datum liegt und penibel wird jede Milchtüte, jede Käsepackung, jeder Schokopudding inspiziert. Natürlich ist er schon dann und wann mit der einen oder anderen Kühlschrankleiche konfrontiert worden, so etwas gibt es schließlich in jedem Haushalt; diese Erlebnisse haben ihn offenbar geprägt.
Wenn ich ihn ärgern will, genügt ein beiläufiges „Schau mal nach, ob das noch gut ist. Das steht schon eine Weile!“, um ihn sogar bei seinem Hauptnahrungsmittel Nutella aufhorchen zu lassen. Dann sucht er sofort auf dem Glas hektisch nach dem Datum, das natürlich noch lange nicht ansteht, weil Nutella bei uns nie alt wird, aber sein Misstrauen ist jedesmal größer.
Ich sehe das ja nicht so eng und habe auch schon mal Joghurts gegessen, die zwei oder drei Monate abgelaufen waren. Mein Geruchssinn spielt die Hauptrolle beim Frische-Check und so gilt: Alles, was noch nicht geöffnet war und einer eingehenden Inaugenscheinnahme standhält ist erst einmal genießbar, bis mir meine Nase oder Zunge etwas anderes sagen. Wenn sich jemand aus der Familie tatsächlich einmal den Magen verdorben hat, war Verursacher stets die aushäusige Küche eines Restaurants. Die Erinnerung an die „Frutti di Mare“-Pizza irgendwo bei Ingolstadt verursacht mir noch heute übelste Bauchkrämpfe.

Meine Kollegin Mati ist da schon ein anderes Kaliber. Sie lässt gerne mal Fünfe gerade sein und vertraut in jeder Lebenslage eisern auf den lieben Gott. Trotzdem ist es ein Ding der Unmöglichkeit, Mati mit einem einen dreckigen Witz zu erheitern – sie kennt nämlich alle schon. Müßig zu erwähnen, dass Mati zu meinen Lieblingskolleginnen gehört. Sparfüchsin die sie ist, durchstreift sie auch gerne mal bewaldete Gefilde und sammelt Pilze, die sie dann für sich und ihren Gemahl zubereitet, so auch in der letzten Woche. Mati erzählte, dass sie sich bei einem Fundstück nicht ganz sicher war, allerdings stellte der Pilz, den sie mit ihren rudimentären Kenntnissen als prächtigen Bovisten identifizierte, den Hauptteil der Sammlung dar und nach dem Motto „Vertrauen ist gut – Kontrolle hält nur auf“, mischte sie das dubiose Objekt unter die übrigen Schwammerl und servierte sich und ihrem Mann das fragwürdige Mahl zur Nacht. Der Gute wusste natürlich nicht, dass seine Gattin gewisse Bedenken hegte, selbst aber tapfer mit schmauste. Der liebe Gott … ihr wisst schon.
Auch wenn ich selbst in der eigenen Küche kein Verfechter allzu erbsenzählerisch-hysterischer Lebensmittelkontrolle bin, war ich ehrlich entsetzt. Wie Mati das denn tun konnte!? Und ob denn niemandem wenigstens ein bisschen übel geworden wäre?! Und überhaupt: Ob sie denn noch ganz dicht sei?!
Sie erwiderte meine Tirade mit einem Lächeln und berichtete, dass sie sich sicherheitshalber einen Wecker gestellt (!) und in der Nacht dann die Vitalfunktionen ihres Gemahls geprüft habe. Weil er noch am Leben und ihr nicht schlecht war, konnte sie beruhigt wieder einschlafen, erzählte sie worauf ich ihr versicherte, dass ich niemals in ihrem Haushalt jemals auch nur einen Bissen werde essen können, was sie gar nicht recht verstehen konnte.

Heute nun gab es hier aus Zeitgründen als schnelles Abendessen ein Bami Goreng und ein paar tiefgekühlte Frühlingsrollen als Starter. Ich stöberte in den hintersten Tiefen der Vorratsregale, ob sich dort nicht etwas zur Verfeinerung des frugalen Mahls finden ließe und tatsächlich stieß ich auf ein Glas Miso-Paste und eine Flasche Pflaumensoße, original verschlossen. Beide Produkte bestanden sowohl die olfaktorische als auch okulare Inspektion und besonders die delikate Pflaumensoße kippte der kleine Hank in rauher Menge über seine Röllchen. Natürlich verschwieg ich ihm, dass diese offenbar bereits in der Ming-Epoche hergestellt und schon im November 2005 abgelaufen war.
Auf der Miso-Paste prangte sogar das MHD Mai 2004. Ihr wurde seinerzeit zur Gärung der Koji-Schimmelpilz zugesetzt und das fand ich nach der langen Zeit dann doch ziemlich widerlich.
Ich hätte es natürlich auch der lieben Mati mitbringen können, die stellt sich bei Pilzen aller Art ja nicht so kleinkariert an, aber ich warf das Glas dann doch lieber in den Abfall. Der liebe Gott kann ja schließlich nicht überall sein.

Euch einen schmackhaften Abend wünscht
moggadodde

Pleiten, Pech und Pannen

Die ersten Tage nach dem Urlaub haben meine Beine ganz gut durchgehalten. Zwar lag ich am Abend flach wie ein erschossener Hase, aber es hat ja auch niemand behauptet, dass Arbeit ein Zuckerschlecken ist.
Die Behandlung beginnt zu wirken, wenn auch der Begriff „Krankengymnastik“ äußerst irre führend ist. Bisher unbeleckt von derartigen Heilmethoden stellte ich mir eine Mischung aus Seniorenmobilisierung und rhythmischem Ringelpietz vor. Tatsächlich ist es allerdings noch viel weniger. Die Behandlung besteht in erster Linie aus Kneten, Ziehen und Drücken der betroffenen Regionen, sämtliche im Liegen ausgeführt und teilweise auch ein wenig schmerzhaft. Unterstützend könnte wirken, dass mein Physiotherapeut die bei weitem stechendsten Augen hat, derer ich bisher ansichtig werden durfte. So blau wie polierter Stahl und so durchdringend wie Röntgenstrahlen und sogar ein klein wenig unangenehm ist sein Blick, fast ein bisschen hypnotisch, so dass ich froh bin, mein Gesicht meist zur Decke wenden zu können, während er am anderen Ende herumdrückt. Allerdings scheinen seine Akupunktur-Augen auch das Muskelgewebe in meinem Bein zu beeindrucken, auf ebenem Geläuf kann ich jetzt nämlich schon fast wieder ohne Humpelei gehen. Bei Nachfragen des Unfallhergangs erzähle ich jetzt übrigens immer etwas von einer Sportverletzung, weil „Ich bin die Treppe heruntergefallen“ sich doch ein bisschen nach extremer Blödheit anhört.

Apropos Blödheit: Fast schon ein alter Hut ist der peinlich-teure Faux-Pas der Berliner Bandengruppe „Kompetenzzentrum für Weichbirnen“, kurz „KfW“, die mal eben per automatischer Überweisung 350.000.000 fremde € verschürt, weil ein paar unfähige Grützbirnen Montagfrüh anscheinend lieber noch eine Nummer schieben ihren Hintern nicht aus dem Bett kriegen. In Franken kommentiert man so etwas mit dem kernigen aber zutreffenden „Die sind zu blöd zum Scheißen“, was den Vorfall ziemlich treffend umschreibt, finde ich.

Ach, und weil ich gerade beim Stoffwechsel bin: Ungemein amüsiert hat mich heute die Aktion eines hiesigen Bäckerbetriebs, der für seine neueste Création eine Namensfindungsaktion ausgerufen hat. Neben so einfallsreichen Ideen wie „Dicke Lippe“, „Morgenfreund“ und „Glückszapfen“ hat nun das fürchterliche Wort „Meisterzipf“ das Rennen gemacht, was als Bezeichnung für ein handgeknetetes Brötchen möglicherweise ein wenig zweideutig sein dürfte. Ich jedenfalls werde den Teufel tun und beim Müllerbäck mit rotem Kopf einen „Meisterzipf“ bestellen, weil das in etwa so ist, als würde ich mich im Kaufhof über drei Regalreihen hinweg bei der Verkäuferin lautstark über den Lagerort des neuesten Vibrators erkundigen. Also bitte!

Euch einen merkwürdigen Tag wünscht
moggadodde