Gut gelaunt und mit Geldscheinen wedelnd kam Dixie vorhin von der Stadt. „Ihr glaubt nicht, was mir heute passiert ist!“ erklärte sie und erzählte von einer seltsamen Begegnung am Nachmittag.
Vom Busbahnhof aus ging sie in den nahen Ringpark, wo sie verabredet war. Dort setzte sie sich auf eine Bank und wartete, als ihr ein heruntergekommener Mittdreißiger auffiel, der sie offenbar beobachtete und der sich nach einigen Minuten schließlich zu ihr setzte. Er erklärte ihr, dass ihm ihre Ballerinas gefallen würden und ob er denn ihre Füße fotografieren dürfte. Dixie fühlte sich jetzt leicht unwohl, aber als er im nächsten Satz sagte, dass er ihre Feinstrümpfe für 30,00 kaufen wollte, leuchteten bei meiner ewig klammen Tochter statt der Warnlampen die Euro-Zeichen und sie war sofort einverstanden, bestand aber auf Vorkasse.
Der Typ machte zwei Handy-Fotos von ihren beschuhten Füßen, erkundigte sich nach der Tragdauer und machte sich dann mit den Kniestrümpfen davon.
Natürlich war ich im ersten Moment entsetzt. Ich meine, wie krank ist das denn, wenn man sich an getragenen Strümpfen, die vorher auch noch in olfaktorisch bedenklich einzustufenden Synthetikballerinas steckten, aufgeilen kann? Und der Gedanke, dass Dixies Füsse nun als Stimulationsvorlage für gewisse Handlungen an der Reproduktionseinheit des Fotografen dienen, gefällt mir eigentlich ganz und gar nicht.
Auf meine Vorhaltungen warf sie ein, dass es noch heller Tag war und auch viele Leute da gewesen wären. Trotzdem ermahnte ich sie dringend, sich künftig nicht mehr allein in den Ringpark zu setzen, bin aber nicht sicher, ob sie sich daran hält, denn dieses mal ist sie ja so ganz schnell an Kohle gekommen, ohne dass etwas passiert ist.
Und wenn sie wieder mit überschüssigem Geld heimkommt und erzählt, das habe sie auf der Bank bekommen, werde ich erstmal nachfragen müssen, ob sie die Volksbank oder die Parkbank meint.
Euch einen aromatischen Abend wünscht
moggadodde
