Schon öfter habe ich bei Hank einen gewissen Überhang in der Wertung der Geschlechter in Richtung des männlichen Chauvinismus entdeckt. So ist er z.B. der unumstößlichen Überzeugung, dass der Damenfußball nur als Belustigung für die vermeintlichen Kronen der Schöpfung erfunden wurde, gibt aber unumwunden zu, dass die Weibchen besser im Geschenkeeinpacken seien.
Gestern, als ich mich aufmachte, den zwei Wochen hohen Bügelberg zu erklimmen, fragte er allen Ernstes, warum Frauen denn besser Wäsche falten könnten und mutmaßte, dass das bestimmt etwas mit dem Mutterinstinkt zu tun habe. Ich antwortete, dass ich einige Männer kenne, die diese Hexerei ebenfalls beherrschten und davon nicht alle Väter seien, was beweise, dass auch kinderlose Männchen für diese Arbeit abgerichtet werden können. Ich vermute allerdings, er wollte nur schon mal vorbauen, damit ich ihm seine Sportklamotten und Stinkesocken noch wasche, wenn er schon ausgezogen ist, wobei er die Rechnung ohne die Wirtin gemacht hat.
Da erfreut es meine schwarze Seele schon ein bisschen, dass ich ihm, dem Spargelhasser, später beim Abendessen einen kleinen Streich spielen konnte. In die Lachs-Sahne-Soße mischte ich klein geschnittenen Spargel aus dem Glas und wusste, dass ich mir etwas einfallen lassen musste, wollte ich nicht zusehen, wie er später angewidert die Stückchen aus dem Essen seziert. Prompt fragte er, was denn das „weiße Zeuch“ in der Soße sei. Ich erklärte ehrlich, es handele sich um ein leckeres Gemüse namens „Asparagus“ und freute mich diebisch, als er seinen Teller ratzekahl leerte was beweist, dass Frauen vielleicht nicht so gut Moorhühner abknallen können (Hank und sein Vater liefern sich erbitterte Ranglistenkämpfe, während ich nicht mal in die Wertung komme), aber in der Disziplin „List und Tücke“ nicht zu unterschätzen sind und genau das ist es ja, worauf es im Leben oft ankommt.
Nicht umsonst trägt das schöne Wort „Manipulation“ den weiblichen Artikel. Männer denken viel zu direkt und zielgerichtet („Sage ich das, reagiert sie soundso“), während die sensuelle Struktur der Frauen sehr viel subtiler ist („Sage ich das SO, wird er dasunddas sagen, worauf ich dasunddas erwidere und er nur noch das machen kann“). Sie legen sich bereits im Vorfeld hoch komplizierte, strategische Pläne zurecht um ans Ziel zu kommen und haben meist noch irgendwo ein Ass im Ärmel für den unwahrscheinlichen Fall, dass sie sich mit ihrem Willen nicht sofort durchsetzen können.
Auch wenn Männer, ob jung oder alt, im Grunde genauso leicht zu durchschauen sind wie ein Organzavorhang, auf sie verzichten aber wollen und können wir ja doch nicht. Wer wird sich schon seiner treuesten Anhänger entledigen wollen? Und wer trägt sonst die Getränkekisten in den vierten Stock?
Euch einen muskulösen Tag wünscht
moggadodde