Zwischen Buntwäsche und Juristerei

Unspektakulär war der Sonntag, um nicht zu sagen stinkfaul waren wir gestern. Die höchste Anstrengung die mir abverlangt wurde, beschränkte sich auf das Ansehen des deutschen Handballspiels und das Einschieben des sonntäglichen Spießbratens in den vorgeheizten Backofen. Damit ist es heute vorbei. Der Bügelberg wächst sich zum familiären Katastrophenfall aus und ein Einsatz meinerseits ist heute nicht mehr aufzuschieben. Außerdem hat Dixie mal wieder Post von ihrem Bonner Mahnanwalt erhalten, bei dessen Mandanten sie sich im letzten August, angelockt durch Werbung auf einer Seite mit Songtexten, zur Anforderung eines Tests zur „Lebenserwartung“ hinreißen ließ. Ich weiß weder, wie hoch ihr IQ laut dem letzten Test im Juli ausgefallen ist, noch wie sich ihre Lebenserwartung gestaltet. Aber besonders letztere dürfte im Wiederholungsfall nicht allzu hoch ausfallen. Dixie beteuerte allerdings, dies sei die letzte, derartige Aktion gewesen.
Jetzt werde ich dem Abmahnfuzzi also schnell das noch gespeicherte Briefchen vom letzten Jahr zukommen lassen und dann, dann werde ich mich ans Eisen schwingen und bin, wenn ich mir den Berg so ansehe, vor heute Abend nicht mehr ansprechbar, fürchte ich …
Jetzt aber erstmal diesen hier,

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damit auch mein Koffeinhaushalt in Ordnung kommt.

Euch einen glatten Tag wünscht
moggadodde

Bye bye, Balboa!

Eine Ära geht blutend zu Ende: Der italienische Hengst geht zum letzten Mal auf die Schlachtbank in den Boxring und wir haben als Teil des Vorpremierenpublikums „Rocky Balboa“ knapp eine Woche vor offiziellem Filmstart genossen gesehen. Aus Angst vor heimlichen Mitschnitten wurden wir vor Einlass strengstens kontrolliert. Meine (immer) mitgeführte Kamera sowie meine Funkgurke musste ich einschließen lassen und während der gesamten Vorstellung standen mehrere, finster aussehende Securityschränke im Saal verteilt und beobachteten das Publikum (das sich zumeist in einem Alter befand, dass es beim Start von „Rocky III“ noch mit der Trompete um den Christbaum gekugelt ist), damit auch sicher niemand ein hineingeschmuggeltes Aufnahmegerät benutzte.
Ausgestattet mit Plastikarmbändern,

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die uns als wahlberechtigt auswiesen, mussten wir vor Beginn des Filmes allerdings noch ein „Nummerngirl“ küren. Mehrere Damen hatten sich beim örtlichen Radiosender beworben, und nun stelzten 6 hübsche Mädchen durch den Saal, leicht bekleidet und mit Nummerntafeln in der Hand und mussten sich den idiotischen Fragen genau des Moderators stellen, den ich in diesem Beruf als Gottes Strafe für absolute Fehlbesetzung ansehe. Gewonnen hat übrigens die Bewerberin erste Reihe rechts, ziemlich maulfaul zwar, aber darauf kommt es beim Gewinn (Fahrt zum bundesweiten Ausscheid und im dortigen Gewinnfall Fotoshooting mit irgendeinem Käseblatt) ja auch nicht an. „Dankeschön für alle, die mich gewählt haben“, so ihr formvollendetes Schlusswort. Meine Favoritin, 2. Reihe rechts, landete auf dem 3. Platz.

Ach, der Film, ja, naja, was soll ich sagen. Herr Stallone sah aus, wie man mit 60 Jahren mit extrem viel Muskelmasse halt nun einmal aussieht und ich rechne ihm hoch an, dass er nichts geschönt hat. Weder die unansehnlichen, hervorquellenden Blutgefäße noch die Unebenheiten am Musculus pectoralis major (ich wusste bisher nicht, dass es Orangenhaut auch auf den männlichen Brustmuskeln gibt) wurden retuschiert. Sehr dialoglastig verliefen die ersten beiden Drittel, aber ich fand Rocky recht sympathisch dargestellt, natürlich mit der erwarteten Extraportion Schmalz und rockyesken Geographieverirrungen („Jamaica, hm, das liegt in Europa“). Aber Stallone verkörpert einen Rocky, der immer noch das Herz auf der Zunge und auch sonst am rechten Fleck hat, inkl. der Entdeckung der zweiten Liebe nach der dahingeschiedenen Adriane. Das letzte Drittel des Films wird von dem unsäglich harten Training (natürlich auch in Paulies Schlachterei!) sowie vom finalen Kampf selbst dominiert und hier trat im Kino dann die juvenile Fraktion auf den Plan, die die vollkommen überzogenen und unrealistischen Übungseinheiten mit Zwischenapplaus bedachte! Als Rocky tatsächlich gegen den desillusionierten, mehrmaligen Weltmeister-Jungspund im Ring steht, wird er selbstredend ziemlich verprügelt, aber er hält die Distanz über 12 Runden, weil sich sein Kontrahent an Rockys Hüfte die Hand bricht und weil er zwischendrin an Adrian und Apollo Creed und an seinen Sohn denkt und so verliert er nur knapp nach Punkten.

Im Grunde war er ganz nett, der Abgesang auf Rocky Balboa. Er komplettiert die Geschichte und lässt die Zuseher im Bewusstsein zurück, dass Rocky im Frieden mit sich selbst und seinem Sohn dereinst in die kalte Gruft neben Adriane zum Liegen kommt. Aber das ist auch schon alles, was an Positivem zum letzten Auftritt vom „Italian Stallion“ zu sagen ist.

Euch eine haferstechende Nacht wünscht
moggadodde

Groggy, Roggy?

Für eine Strecke, für die ich sonst einfach 45 Minuten brauche, habe ich ohne Schnee oder Sturm, lediglich wegen eines Staus auf der gottverdammten A 3 fast 2 Stunden gebraucht! Dixie verbringt nämlich dieses Wochenende bei der SchwieMu und besucht morgen mit Omi und ihrem Cousin das Deutsche Museum in München. Zurückerwartet wird sie erst im Lauf des Sonntags. Ihr wisst, was das bedeutet: Zero Streit und wunderbare Ruhe. Naja. Ruhe ist ja auch relativ. Hank hat nämlich Nirvana entdeckt, während Dixie inzwischen bei Abba und Bruce Springsteen angekommen ist.
Apropos alt: Der MamS hat heute zwei Kinokarten gewonnen und deshalb werden wir morgen Abend Herrn Stallone im finalen Teil seiner Boxersaga anschauen. In einem Trailer habe ich ihn heute erstmals selbst sprechen hören können und muss gestehen, seine Stimme klingt rattenscharf ziemlich sexy. Gut, er nuschelt im Original genauso verwaschen wie mit der deutschen Synchronstimme und ist ziemlich schlecht verständlich, aber hey, lasst ihr euch mal über die Dauer von fast 30 Jahren immer wieder die Futterluke polieren, da ist die prononcierten Artikulation aber so was von gegessen! Außerdem ist die Aussage des Films auch ohne Worte klar: Alte Menschen sollen sich nicht abschreiben. Der Wille ist das einzige Instrument des Erfolgs! Mit kompetenter und schlagkräftiger Unterstützung gelingt es sogar einem abgehalfterten, verwitweten Faustkämpfer (ja, Adriane, „die Tugend herself“ ist inzwischen dem Krebs erlegen) wie dem fast 120jährigen Rocky Balboa, sich aus dem Ohrensessel in den Boxring zurückzuschlagen, wo er auf den zwei Generationen jüngeren, amtierenden Weltmeister trifft. Dummerweise habe ich, Frau Neugier, gelesen, wie „Rocky Balboa“ ausgeht. Aber ich habe in den Trailern auch den immer noch recht ansehnlichen Modellkörper von Herrn Stallone gesehen und diesen muss ich aus Recherchezwecken doch einer genaueren Okularinspektion unterziehen. Ich hoffe für Herrn Stallone aber nicht, dass er bei den deutlich ausgeformten Sixpacks operativ nachhelfen lassen musste. Ich habe schon manch grausige Fotos aus tschechischen Kliniken gesehen, wo man den Herren sechs unförmige Silikonbriketts in die Bäuche pflanzt, um ein perfekt modelliertes Abdomen zu simulieren. Außerdem finde ich diese unrealistischen Underdog-Stories manchmal wirklich unterhaltsam, voll von tranigem Pathos und verwegener Passion und am Ende ist es vollkommen schnuppe, ob Rocky durchhält oder nicht. Er ist immer der Held, der Gewinner, selbst wenn der Gewinn sich auf Erfahrung, Augenbrauencuts und aufgeplatzte Lippen beschränkt. Hoffentlich hat er im sechsten Teil endlich, endlich gelernt, wie man eine Deckung hält! Trotzdem freue ich mich auf morgen, schließlich hat mich Herr Balboa seit meiner Jugend begleitet …„It ain’t over until it’s over“, sagt Rocky. Diesem allumfassenden universellen nichts sagenden Gemeinplatz höchst philosophischen Extrakt ist wohl nichts hinzuzufügen.

Euch einen verletzungsfreien Abend wünscht
moggadodde

Stegreifstock

Die gute barbara hat ausgeholt und einen Ast von Spanien bis hierher geschmissen. Ich hab‘ zwar den Sinn nicht ganz durchblickt, muss ich zugeben, soweit ich es verstanden habe, soll ich ein Wort erklären. Relativ trainiert im Umgang mit fremdem Vokabular schüttle ich, wie gefordert, meine unbestritten zutreffende Erklärung aus dem Stegreif aus dem Ärmel:

Unter Inkubationszeit versteht man in der bacchanalischen Wissenschaft die Zeitspanne, die der durchschnittlich geübte Trinker benötigt,
um ohne Unterbrechung und ohne sich zu erbrechen,
zehn 0,4 l-Gläser Cuba Libre zu leeren.

Ich werfe grundsätzlich nicht mit Zweigen, Stöcken und Ästen. Deshalb bleibt das Ding hier.

Euch einen sicheren Abend wünscht
moggadodde

Bis das Blut gefriert …

Zugegeben, nervös war ich schon, beim ersten Aderlass als sogenannter „Vollblutspender“. Angesichts meiner eher unsichtbaren Venen strich der anwesende Student sofort die Segel und schickte den diensthabenden Arzt, der tatsächlich einen Treffer landete, allerdings dauerte es ca. 5 Minuten, bis zwei kleine Proberöhrchen mit meinem roten Saft gefüllt waren. Ich pumpte wie verrückt und rang meinem Arm den letzten Tropfen ab. Dem Dottore schlug ich vor, mich doch auch noch an der anderen Armbeuge und an den Waden anzuzapfen, damit ich bis Mitternacht hier raus wäre. Er winkte ab und meinte, dass er so etwas selten gesehen hätte. Mit dem Spenden würde das heute nichts und tatsächlich blieb der Blutbeutel ungefüllt. Der Dottore schuldigte angesichts dieser Viskosität des Körpersaftes eine mangelnde Flüssigkeitsaufnahme meinerseits an, ich verdächtige eher die Raumtemperatur, die allerhöchstens 15 Grad betrug. Einen dicken, festen Verband verpasste mir der konsternierte BRK-Mitarbeiter und betonte, ich wäre ja guten Willens gewesen und dürfte mir meine Wiener Würstchen trotzdem abholen. In die Spenderdatei wäre ich jetzt jedenfalls aufgenommen und erhielte zum nächsten Termin automatisch eine Einladung. Vielleicht würde ja dann was laufen.

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kann ich ja jetzt noch nicht mit reinem Gewissen behaupten.

Auf der Heimfahrt dachte ich auch über den gestrigen Abend nach und mir fiel ein, dass ich den Zapfmeister nach dem Zusammenhang opulenter Aufnahme von Eierlikör und den möglichen Auswirkungen auf die Liquidität meines Blutes hätte fragen müssen. Vielleicht ist mein Blut ja von zuviel „Advocaat“ auch nur geronnen und ist jetzt ähnlich dick wie Mayonnaise …
Na, jemand Lust auf Pommes rot-weiß?

Euch einen bunten Abend wünscht
moggadodde