Love is in the air

Es hat endlich geregnet. Als ich gestern auf dem Heimweg von den Katakomben noch schnell eine Dönerspeisung klargefahren habe bei Izmir-Döner werden die Brötchen nicht nur mit den üblichen Zutaten, sondern auch noch mit Herz und Liebe gefüllt, was einfach entsprechend länger dauert), sah ich sorgenvoll zum Himmel. Tiefdunkelgrau-bläulich präsentierte sich die Wolkendecke und weil ich tüchtig Gummi gab, erreichte ich den heimischen Hangar gerade, als erste, mächtige Tropfen aufschlugen. Es regnete nur eine halbe Stunde, aber die Luft kühlte sich wunderbar ab, endlich einmal wieder durchatmen, gierig frische Luft einsaugen, bis in die hintersten Winkel der Verästelungen meiner malträtierten Lungen, Luft die nicht aus einem überhitzten Fön zu kommen scheint. Nachdem ich mich in den vergangenen Tagen mehrfach dabei ertappte, viel länger als unbedingt notwendig vor dem geöffneten Kühlschrank zu verharren unter der fadenscheinigen Ausrede, den Inhalt bezüglich der Verfalldaten zu kontrollieren, war für eine Abkühlung allerhöchste Zeit, wenn der Stromgott EON in der nächsten Abrechnung nicht seine glühende Keule auf uns niedersausen lassen soll.

Während in anderen Bundesländern die feriale Sommerperiode bereits zur Neige geht, fangen wir in Bayern ja erst an. So verzeichneten wir hier heute den letzten Schultag und Dixie und Hank brachten die erwarteten Zensuren nach Hause. Dixie brilliert in den sprachlichen Fächern und konnte sich im (natürlich) Problemfach Mathematik auf eine Vier retten. Die beiden Verweise, die sie in diesem Jahr erstmals kassierte wurden in dem Satz „Ihr Verhalten gab zu Beanstandungen Anlass“ für mein Empfinden recht defensiv verarbeitet.

Das abrupte Abbrechen der Liebesbeziehungen zum 125er hat Dixie schon weggesteckt. Neue Kandidaten sind im Pool, vorrangig ein gewisser „Deniz“. Das Foto, das Dixie mir heute präsentierte, zeigt einen schnuckeligen Cristiano Ronaldo-Verschnitt mit Ohrknopf. Meines Wissens ist er aber leider kein Mitglied der Steiff-Dynastie, obwohl, gerade, als ich dies hier schreibe, schießen gewisse Assoziationen durch meine Gyri – Was reimt sich auf Deniz? Na? na? Genau. Nein, diesen dreckigen Gedanken führe ich hier nicht weiter. Worauf ich eigentlich hinaus wollte ist, dass dieser Hübschling seine Base-Cap mit dem Schild über dem Ohr trägt und das kann ich ja überhaupt nicht leiden, genauso wie Kappenfreaks, die ihr Schild im Nacken tragen. Seitliche Schild-Träger verbinde ich zwangsläufig mit dem Wort „Gangsta“ und großgliedriger Goldkette. Bei Dixies bisher gezeigter Ausdauer in Liebesdingen bin ich mittlerweile aber zwangsläufig auf steten Wandel und immerwährende Surprisen eingestellt.

Das Fremdwort des Tages, expellieren,

bedeutet „verjagen“ oder auch „austreiben“. So würde ich den Kappen-Schräg-Träger schon im Vorfeld expellieren, aber das behalte ich wohl besser für mich.

Nun, genug geplaudert, wir machen uns jetzt auf zur Geburtstags-Sause (hoffentlich) unseres Sport-Studio-Besitzers. Braten und salatige Leckereien wurden vom Gastgeber bereits avisiert. Mich plagt ein rechtes Hüngerlein, ich muss den MamS unter der Dusche jetzt mal ein wenig auf die Sprünge helfen …

Behaltet euch wohl und bon appetit wünscht
moggadodde

Die Trendforscherin

Die immensen Temperaturen erfordern ungewöhnliche Schritte. Man kann auch so sagen: Not macht erfinderisch. Seit Wochen durchströmt mich eine große Unlust, auch was die Nahrungszubereitung, insbesondere die in jeglicher erwärmter Form, angeht. Mich und meine Mischpoche gelüstet nach allerlei Spezialitäten, wenn ich mir meine Person allerdings schwitzenderweise in der Kochzone vor Augen halte, verebbt der Appetit, zumindest bei mir, gen Null. In Ermangelung kochtechnischer Kenntnisse bleibt meinen Lieben nur der Gang zur Kühlzelle, wo sie sich mit Quarkspeisen, Joghurt jeglicher Geschmacksrichtungen und Hausmacher Woscht vor dem Hungertod retten. Ich selbst habe aber just heute einen unbändigen Geier nach in Olivenöl gebratenen Zucchini, mit gehäckseltem Knofi, Zitronensaft und einem Hauch von Balsamico. An Rohstoffen mangelt es nicht. An Lust schon. Nicht umsonst reimt sich Lust auf Frust.

Um mir selbst heute aufs Pferd zu helfen, rufe ich hiermit einen neuen Trend aus: „nude cooking“. Bei 29 Grädern indoor werde ich selbst zur Vorreiterin dieser revolutionären Idee, die Schwung und Spaß in deutsche Küchen und die allumfassende Kochunlust in die wahre Wunder wirkende Wolllust wandeln wird. Um schmerzhaften Verletzungen durch spritzendes Öl vorzubeugen, empfehle ich dennoch das Tragen einer locker gebundenen Schürze. Wir wollen ja nicht mit Verbrennungen in die Notaufnahme, gell? Wohlan, ihr transpirierenden Kombatanten (es gibt leider keine Kombaonkels, aber die Herren sind hiermit auch aufgerufen), kramt eure Schürze aus der Kommode und kocht mit Vollmond!

Die Ära des 125ers hat gestern ein abruptes Ende gefunden. Per SMS unterrichtete er Dixie, dass es „keinen Sinn mehr“ habe, er sie „nicht mehr liebe“ und sie „nicht verarschen“ wolle. Zu seiner Ehrenrettung sei gesagt, dass er sich heute hier nochmals einfinden will, um das jähe Ende dieser ohnehin recht seltsamen Amour fou privat zu proklamieren. Gestern herrschte selbstredend Aufruhr. Bevor Dixie aber vorhin ins Freibad entfleucht ist, sagte sie mir, dass sie für DEN Kandidaten ja heute gar keinen Nerv habe und drückte mir eine Nota in die schweißfeuchten Hände, die ich ihm im Falle eines Auftauchens übergeben soll: „Hey! Bin leider im Schwimmbad und komme erst ca. um 20.30 Uhr wieder. Wenn du Zeit hast, kannst du morgen abend mal kommen. HDGSMDL Kathie“ Das hört sich ja nicht nach nassgeweinten Kopfkissen und vor Gram abgebissenen Fingernägeln an, finde ich. Gutes Mädchen! Das ging ja schnell … Puh!

Das Fremdwort des Tages, Amuse-Gueule (amüs göll)

ist die Antwort auf die Frage eurer/s Liebsten, was denn heute essenstechnisch so auf der Agenda steht, falls ihr dem neuen Trend des „nude cooking“ folgen wollt. Man kann es mit „Kleines Appetithäppchen“ übersetzen. Der Rest bleibt eurer Phantasie überlassen …Ich fang schon mal an!

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pulvis et umbra sumus

Die herrschende Höchstwetterlage scheint bei uns allen, wenn auch schleichend, Gehirnzellen zu vernichten. Das dachte ich mir, als ich heute morgen der Presse eine Nachricht entnehmen musste, wonach eine Mutter in Lauda in einen Zug Richtung Würzburg stieg und ihr auf halber Strecke einfiel, dass sie ihren zweijährigen Sohn am Bahnhof im Auto vergessen hatte. Der Zug wurde „unbürokratisch“ angehalten (wie hält man einen Zug bürokratisch an?), das Hasenhirn von einer Mutter wurde zum Ausgangspunkt chauffiert und Söhnchen pennte noch immer im Auto. Also, ich meine, HALLO? War die Frau bekifft oder was? Ich meine, wer vergisst sein Kind im Auto? Dass es idiotische Tiefflieger gibt, die ihren Nachwuchs bei 45 Grädern im Auto zurücklassen, während sie in klimatisierten Malls zum shoppen gehen, ist ja bekannt und das tun sie ja in voller Absicht. Aber einfach vergessen? Das ist, finde ich, der Gipfel der Blödheit. Wenn sich die Frauen unbedingt ihrer Kinder entledigen wollen, dann sollen sie sie doch gleich an der A 3 an einen Baum binden, so wie Tausende Haustiere in der beginnenden Urlaubssaison derart entsorgt werden. Unglaublich ist das!

Allerdings muss ich zur Ehrenrettung der missratenen Monstermütter hier bemerken, dass es einem die Kurzen manchmal auch recht schwer machen, sie nicht ungespitzt in die fränkische Heimaterde zu rammen. So hat Hank nach seiner Zeltübernachtung, von der er mir voller Stolz erzählte, dass er und seine Sportskumpanen nicht eine Minute geschlafen hätten, gestern den Eindruck gemacht, bis unter die Halskrause mit Speed versorgt worden zu sein. Aufgedreht, unfähig, zur Ruhe zu finden, und am Abend immer noch unter Strom stehend, hätte ich ihn gerne gegeißelt. Schließlich fiel er irgendwann um wie ein gefällter Baum und schnarchte wie weiland Opa Walton. Nachdem ich ihn seit einer Woche mit einer stinkenden Tinktur behandelte, hat er sich seine zwei Warzen am Ellbogen auf die harte Tour bei einem Sturz selbst abrasiert. Aber: hard, harder, Hank!

Dixie hat mit dem 125er am Samstag auf einem Stoppelfeld genächtigt, hat sie mir erzählt. Ich hoffe hier mal primär, dass ihn dort nicht der Hafer gestochen hat … Als es in der Nacht zu kalt wurde, überließ er ihr generös sein Zimmer, während er in der Garage sein Lager aufschlug. Nach Dixies Erzählungen hatte er Dissonanzen mit seiner Mutti wegen des nächtlichen Vomierens in die Blumenrabatten zu befürchten und wollte nicht noch weitere Angriffsfläche bieten. Cleverle!

Heute Nachmittag werden wir zum Badesee fahren, ich bin jedoch ohne Hoffnung, noch einen Schattenplatz zu ergattern. Für mich behalten werde ich allerdings, dass in just jenem See vergangenen Freitag ein Mann verunglückte, der zwar noch reanimiert werden konnte, im Krankenhaus allerdings dann verstarb. Es gab jede Menge Gaffer, habe ich gelesen, die dann sogar schwimmenderweise bis auf wenige Meter an die im See befindlichen Rettungskräfte herankamen. Ist das der Kick, sagen zu können „Hey ich war hautnah dabei, als jemand krepiert ist“ Mein Gott, ist das krank! Verfluchte Gaffer!

Das Fremdwort des Tages muss aus Zeitgründen leider entfallen.

moggadodde

Gib mir mein Magnum!

Samstagmittag. Es weht ein Saharawind, heiß wie die Hölle, aber immerhin bewegt sich die Luft. Ich sehne mich nach Regen, wünsche mir das monotone Plätschern und. Stop. Es ist Sommer. Das muss so sein. Immerhin herrschten Ende Mai noch Tagestemperaturen unter 10 Grad und ganz Deutschland hat genauso laut gejammert, wie es das jetzt tut, nur andersherum.

Es verspricht ein grandioses Wochenende zu werden. Hank, der sich gerade bei einem Fußballturnier (!) die Seele aus dem dünnen Leib läuft (er pfeift aufs Ozonloch), darf heute Abend auf dem Sportplatz mit seinen Sportskumpanen zelten gehen und Dixie nächtigt beim 125er, ja, sie vertragen sich wieder. Sturmfreier Schuppen heute also. Der Martini steht schon kalt, der Ramazotti wird sowieso einer Dauerkühlung unterzogen. Zum Essen kommen heute allerhöchstens Nudeln in die Tüte, ich kann Gegrilltes so langsam nicht mehr sehen, wobei richtiger Hunger ja eh nicht aufkommt … Mmmh, aber auf so gegrillte Zucchini hätte ich schon Gelüste. Ich geh jetzt erstmal die Viktualien fürs WE klarfahren. Vielleicht gibt’s auch einfach nur Antipasti und Vino.

Das Fremdwort des Tages, dissolvieren

bedeutet „auflösen“, „schmelzen“. Falls ich mich nicht mehr melde, wendet euch mal an die Feuerwehr oder den BND. Ich bin dann klammheimlich dissolviert. Stellt sich nur die Frage, ob es irgendeinen überhaupt interessieren würde …

Schöntachnoch

moggadodde