Tiefenrausch

Ehrlich gesagt ist mir dieser Trend zum 3D-Fernsehen ein bisschen suspekt und darum erschließt sich mir der Hype darum auch nicht wirklich. Ich bin ja schon froh, dass ich im täglichen Leben ordentlich geradeaus gucken kann, wobei ich ganz viele Sachen ja auch gern gar nicht erst sehen würde.
Mit der Anschaffung eines sündig teuren Geräts allein ist es aber nicht getan: Zum erfolgreichen Betrachten dreidimensionaler Televisionstechnik ist bekanntlich eine Brille vonnöten, die man allerdings bei Fielmann vergeblich sucht: Eine Shutterbrille, ein mächtiges Trumm, das so aussieht, wie sich der Name schon anhört. Die sonntägliche Sofalümmelei kann man damit jedenfalls getrost vergessen.
Serienmäßig ist pro Gerät wohl bereits eine Brille inklusive. Aber wie ist das, wenn Partner, die Familie oder der Besuch mitgucken wollen? Lassen wir dann die Brille rumgehen? Knobeln wir darum? Und die Verlierer gucken bis zum nächsten Durchgang mit dem Ofenrohr ins Gebirge? Eine zusätzliche 3D-Sehhilfe schlägt schließlich mit mindestens 80 € zu Buche, da kauft man zum Fernseher nicht mal eben noch ein paar Brillen mehr.
Wir haben hier noch monströses Röhrengerät, das geschätzte 2 Tonnen wiegt und im Umzugsfall nur von 3 kräftigen Männern transportiert werden könnte. Aber es hat ein scharfes Bild, empfängt alle Farben und lässt sich vom Sofa aus bedienen. Mehr erwarte ich von einem Fernseher jedenfalls nicht.

Dreidimensional ist auch der Sport, über den ich heute gestolpert bin: Unterwasserrugby. Schon 1961 (!) in Duisburg (!) erfunden, ist das eine knallharte Angelegenheit, die reichlich Kraft und Lungenvolumen erfordert. Ausschließlich unter Wasser darf der salzwassergefüllte Ball gespielt und ins gegnerische, papierkorbgroße Tor befördert werden, laut Regelwerk ist Beißen, Schlagen, Kratzen, Würgen und Treten verboten, auch eine „übermäßige“ Verdrehung der Gliedmaßen gilt als Foul, was ich beruhigend finde.

Das Filmchen, das ich dazu gefunden habe, zeigt, wie quirlig es im Becken zugeht und dass die Spieler unglaublich lange Luft anhalten können, obwohl sie unter Wasser akrobatische Höchstleistungen vollbringen.
So wie der Spieler bei 3:34, der einen Frontalangriff auf das linke Tor startet und glücklicherweise genug Puste hat, um den Ball in den Korb zu bringen.


Wirklich irre, diese Leute! Aber schön anzusehen. Erinnert mich an den schwimmhautbewachsenen Patrick Duffy in der, zugegeben, ziemlich eindimensional gestrickten Serie „Der Mann aus Atlantis“, wenn sich noch jemand daran erinnert. So einen Unterwasserfilm würde ich mir ja dann doch schon gerne mal in 3D-Technik anschauen. Aber wozu gibt es schließlich Kino?

Einen überdimensionalen Tag wünscht
moggadodde

Eiertanz

Meine Kinder sind ja nun aus dem Gröbsten raus, wie man so schön sagt. Sie sind also in der Lage, sich selbst einen BigMac zu bestellen, in hungriger Spiegeleierbraterei während unserer Abwesenheit die Raumluft zu verpesten und wieder nach Hause zu finden, falls ich sie im Wald aussetzen würde, wozu ich, unter uns gesagt, in manchen Zeiten nicht geringe Lust verspürte.
Das ist aber jetzt vorbei. Dixies erster Tag in Lohn und Brot jährt sich bald und seit sie selbst arbeitet und gemerkt hat, dass die Vorstellung eines Lebens in wohliger Wattepusterei nur im Schüler-VZ existiert, verstehen wir uns exzellent richtig gut.
Der kleine Hank kommt ja erst noch in die heiße Phase. Während seine Schwester in seinem Alter schon den Spielplatz zur Datingzone umfunktioniert hatte, ist er glücklich, wenn man ihn am Computer parkt und Essensportionen vorsetzt, von der eine zwölfköpfige Elefantenherde für eine Woche satt würde.

Auch und gerade weil hier alles gerade recht gut läuft: Ich möchte keine neuen Kinder mehr. Wirklich nicht. Ganz und gar überhaupt nicht und nicht im Entferntesten. Aber ich könnte, wenn ich wollte. Jawohl. Schließlich tanzen bei mir die Eier im unteren Stock noch Samba! Zwar sehe ich den D-Zug des Klimakteriums noch nicht wirklich auf mich zurollen, aber ich bilde mir ein, in weiterer Ferne schon ein paar schwache Lichter erkennen zu können. Und es besteht tatsächlich ein großer psychologischer Unterschied zwischen Wollen und Nichtwollen und Können und Nichtkönnen.
Während sich Männer bekanntlich bis ins greiseste Alter rein biologisch reproduzieren können, ist uns Weibchen ja nun ein gebärtechnisches Verfalldatum eingepflanzt. Es heißt sicher nicht umsonst „Mutter“ Natur und sicher wollte sie als Frau ihren Geschlechtsgenossinen aus Mitleid eine Mutterschaft im Rollator ersparen, was im Grunde eine recht gute Idee ist.

Frisch geschlüpfte Babys sind aber immer süß und ich freute mich richtig darauf, gestern mal wieder eines in Form des 9wöchigen Luke aus der ferneren Verwandtschaft in den Armen halten zu dürfen.

Falls er zu sehr schrie oder die Hosen voll hätte, könnte ich ihn ja einfach wieder seiner Mutter in die Hand drücken, die für solche Dinge originär zuständig ist. Ich hielt ihn und schaukelte ihn und drückte ihn an meinen Busen, ja es war eine Wonne, mal wieder ein kleines Menschenkind zu halten, das noch keine Diskussionen führt und dessen Dasein nur aus Essen, Schlafen, Schauen und Spucken besteht. Und Windeln füllen, natürlich.

Als ich da so saß mit dem Säugling im Arm, fiel mir auf, dass ein Satz noch von keinem der Anwesenden gesagt wurde. Tatsächlich, dachte ich, noch niemand hat ihn gesagt, den Satz der Sätze, ein paar hingeworfene Worte, die sonst bei solchen Anlässen reihum zu hören waren, den ausgesprochenen Beweis, dass ich in den Augen anderer noch nicht zu alt wäre, um selbst frischen Nachwuchs zu werfen. Ich saß und saß und wartete nachdenklich, bis endlich die Kindsmutter selbst das Wort an mich richtete und ihn aussprach, diesen Satz der Sätze: „Das steht dir richtig gut. Willst du nicht doch nochmal?“.

Sofort warf ich den einen freien Arm in die Luft und winkte theatralisch ab. Durchwachte, sorgenvolle Nächte, ganze Nachmittage in keimkontaminierten, brüllend lauten Kinderarzt-Wartezimmern oder Nervenkrieg, weil Babys liebstes Beruhigungsschnuffeltuch zur Schlafenszeit noch immer in der Waschmaschine steckt, nein, das täte ich mir nun wirklich nicht mehr freiwillig an. Ich meinte das ganz genau so, wie ich es sagte. Aber ich war beruhigt, dass sie den Satz gesagt hatte. Denn ich könnte ja, wenn ich nur wollte!

Das alles hört sich ziemlich abgedreht an, gell? Tja. Das finde ich leider auch. Vielleicht werde ich doch schon etwas wunderlich. Aber sagt nicht der Volksmund ganz treffend: „Die Mutter der Dummen ist immer schwanger.“
Na also. Passt doch.

Eine fruchtbare Nacht wünscht
moggadodde

Aupril, Aupril, der macht, was er will!

Regenbögen fand ich ja schon immer total faszinierend. Und doppelt umso mehr, auch wenn der MamS nur unverständig den Kopf schüttelte, als ich vor lauter Verzückung fast aus dem Fenster fiel. Romantik-Ignorant, der!

Zwar wird es sinnlos sein, im halben Dorf nach einem Schatz zu graben. Aber ich bin schon dafür, den laufenden Monat in Aupril umzubenennen.

Einen reichen Abend wünscht
moggadodde

Demolition Hank

Schön ist, wenn man einen fleißigen Hank hat, der einem gegen den lächerlichen Betrag von 2 € mal das Auto saugt.

Unschön ist, wenn der Sohn bei seiner dienstbeflissenen Saugerei versehentlich auskuppelt und die Karre ein paar Zentimenter nach hinten rollt.

Noch unschöner ist, wenn der eifrige Saubersohn diesen lächerlichen Zentimeterchen keine Bedeutung beimisst und das Garagentor nach getanem Werk mit Schmackes nach unten zieht, wo dieses von der dummerweise jetzt im Weg stehenden Heckstoßstange gebremst wird, was wiederum die Werkstatt schön findet, weil sie sich ganz schrecklich freut, für rund 350 Mücken den Schaden beheben zu dürfen.

Für 350 € hätte ich dem MamS das Auto ja mundgesaugt, auf Wunsch sogar nackig. Tja, so etwas passiert halt, wenn man sich mit Billigpersonal einlässt.

Einen schadensfreien Abend wünscht
moggadodde

Alles Gute kommt nicht von oben

Da laufe ich doch heute nichts Böses ahnend durch die Haugerpfarrgasse, am äußersten Rand der Gehsteigkante, als ich plötzlich einen Schuss höre. Nicht, dass ich in meinem Leben schon einen echten Schuss aus nächster Nähe gehört hätte, meine Schusserlebnisse beschränken sich auf Actionfilme und das Geballer des Jägers aus dem nahen Wald, aber genauso müsste sich das anhören. Instinktiv drücke ich mein Kinn nach unten, klatsche mir die Hände auf die Ohren und ducke mich. Schon spüre ich, wie mir etwas auf den Kopf rieselt und als ich mich schüttle, fallen mir Splitter aus dem Haar. Kurz fühle ich mich wie die Hauptdarstellerin in einem Katastrophenfilm. Passanten bleiben auf der anderen Straßenseite entsetzt stehen, halten erschreckt die Hände vor den Mund und starren abwechselnd auf mich und in die Luft.

Nach der ersten Schrecksekunde schaue ich auch nach oben. Das gläserne Vordach schräg über mir hat tatsächlich so etwas wie ein Einschussloch. Überall sind Scherben und Splitter.
Schon strecken zwei Männer ihre Köpfe aus einem Fenster im ersten Stock. Sie hätten einen Knall gehört und wollen sehen, was passiert ist. Soweit ich sehe, sind die Fenster darüber jetzt geschlossen.
Eine größere Scherbe, schwer wie der Boden eines Whiskyglases und sicher 10 cm groß, liegt auf der Straße. Irgendwo aus den oberen Stockwerken muss jemandem dieses Monstrum aus dem Fenster gefallen (vielleicht wurde es auch geworfen), auf das Vordach geknallt und explosionsartig dort in tausend Teile zersprungen sein, die sich gerade teilweise in meinen Haaren befinden.
Aus der Apotheke kommen die Frauen gerannt. Ich gebe ihnen die größte der Scherben, direkt vor meinen Füßen liegend, sage, dass es mir gut geht und dass sie sie als Beweisstück für die Versicherung aufbewahren sollen. Ich schüttle mir die letzten Scherben aus den Haaren und gehe ungerührt weiter, zum Treffen mit dem Schwager im thailändischen Restaurant. Offenbar bin ich zu geschockt, um ein Foto zu machen, denn sonst fotografiere ich ja auch alles.

Erst jetzt, nach diesem auch sonst eher desaströsen suboptimalen Tag (Montage entwickeln sich übrigens gerade zu meinen persönlichen Feinden und ja, ICH NEHME DAS PERSÖNLICH!), geht mir auf, was ich für ein Glück hatte. Dass ich gerade, unbebrillt wie ich bin, nach oben zum blauen Himmel hätte schauen und die Splitter meine Netzhaut hätten perforieren können. Dass ich ohne das gläserne Vordach jetzt mit einem schönen Krater im Oberstübchen im Kranken- oder Leichenhaus liegen könnte. Und das alles nur, weil irgend so ein gottverblödeter Vollpfosten massive Gläser aus dem Fenster auf die Köpfe anderer Leute schmeißt, statt an Wände, wo wütend geworfenes Glas besser aufgehoben ist.

„Glück und Glas, wie leicht bricht das“, heißt ein reichlich erzwungen-verunglückter aber gar nicht so verkehrter Volksmund-Vers. Ein anderer sagt aber auch, dass Scherben angeblich Glück bringen. Nach den vielen Hiobsbotschaften der letzten Zeit müsste dann ja jetzt eine total und vollkommen rosige Zeit vor mir liegen! Los, du Schlampe Schicksal, jetzt zeig doch mal, dass du auch was anderes als Nackenschläge austeilen kannst! Hopp jetzt!

Einen glücklichen Abend wünscht
moggadodde