Der geneigte Leser weiß: Ich bin keine 20 mehr. Ich bin nicht mal mehr 30, ja ich bin leider auch nicht mehr, ähhm, sagen wir 35. Ich betone das aber nicht, um hier Komplimente zu fischen; fadenscheinige Beteuerungen über meinen gut erhaltenen Zustand seien Euch also hier gerne erlassen.
Obwohl ich aber frech behaupte, geistig rege und auch sonst nicht zu sehr auf den Kopf gefallen zu sein, gibt es Sachen, an die ich mich im laufe meines mittellangen Lebens nicht mehr werde gewöhnen können: Dass durch die Umtriebe einer Frau Lewinsky z.B. das hübsche Wörtchen „Praktikantin“ für immer einen anstößigen Beigeschmack haben wird. Dass Steffi Graf mir Andre Agassi vor der Nase weggeschnappt hat. Dass es eine neue Art gibt, schriftlich zu subtrahieren. Dass Raider zu Twix und dann wieder zu Raider wurde.
2002 haben sich böse Mächte daran gemacht, mich meiner wohl vertrauten Währung zu berauben und foltern das kleine moggadodde-Hirn statt dessen mit dem vermaledeiten Euro. Ich kenne viele Menschen, die wie ich noch immer in die gute alte D-Mark umrechnen und ertappe mich auch nach so vielen Jahren dabei, dass ich einen Pullover für 80 Euro ziemlich reizend finde, ihn nach der Umrechnungsphase allerdings mit 160 DM für hoffnungslos überteuert halte und seufzend zurück ins Regal lege. Für mich ist die gute, alte Mark wenn schon nicht allgegenwärtig, so zumindest noch immer im Hinterkopf, wo ich sie für immer bewahren und, das weiß ich genau, dank der leichten Umrechnungsformel auch benutzen werde.
Mit dem 01.01.2010 bahnt sich eine neue Tragödie an: Kalorien haben mich nicht nur groß und breit stark werden lassen, sondern ähnlich kräftig geprägt wie die D-Mark. Die Zahl der während meines Lebens gezählten Kalorien bewegt sich wegen zahlreicher, stattgehabter und leidlich erfolgreicher Diäten inzwischen sicher im mehrstelligen Milliardenbereich. Ich habe Kalorien gezählt wie Dagobert Duck die Taler in seinem Geldspeicher, wie der Astronom die Sterne, wie Rolf Eden seine Gespielinnen. Seit heute nun hat die Kalorie aber ausgedient und wird von den Verpackungen verschwinden. Endgültig wird sie durch das, mit Verlaub, reichlich alberne „Joule“ ersetzt, wobei 1 kcal ziemlich genau 4,19 kJ entspricht. Um meine Kalorienzufuhr wie bisher also halbwegs im Griff haben zu können, nötigt mich die meschuggene EU-Bagage zu kopfzerbrechender Divisionsarbeit! Ab sofort muss ich erst 2112 kJ durch 4,19 teilen, um ernüchtert festzustellen, dass ich die zum Niederknien leckeren 509 kcal in Aldis Mousse au Chocolat zur Verstoffwechselung lieber an den spargeligen Hank abtrete, statt sie selbst zu futtern. Und das ist nur ein Beispiel von vielen.
Wer nun weiß, dass ich eine der schlechtesten Kopfrechnerinnen auf diesem Planeten bin, kann sich leicht vorstellen, dass ich hinkünftig ohne explizite Kalorienangabe beim Einkaufen vor ernst zu nehmenden Schwierigkeiten stehen werde, will ich nicht explodieren wie ein gottverdammter Hefeknödel.
Von der mathematischen Problematik einmal ganz abgesehen: Kann sich irgend jemand vorstellen, in Zukunft von „Joulebomben“ zu sprechen? Oder von „joulebewusster Ernährung“? Das Wortkonstrukt „joulereduziert“ lässt sich im übrigen nicht nur schwierig sprechen, sondern sieht auch noch scheiße aus.
Das Jahr 2010 wird mich also auch an dieser Front vor sprichwörtlich schwierige Aufgaben stellen: Entweder ich sehe am Ende dieses Jahres aus wie ein fleischgewordener Todesstern oder aber ich bin endlich fit im Kopfrechnen.
Euch eine berechnende Nacht wünscht
moggadodde