Salz oder Leben! – Eins –

1.

Jeden einzelnen meiner verdammten Knochen spüre ich nach den letzten 13 Stunden in der Holzklasse dieser Low-Budget-Airline. Das ist ganz besonders dann kein Zuckerschlecken, wenn man in der Mittelreihe eingequetscht zwischen einem dicken Dauertranspiranten mit Käsefüßen auf der einen und einem zwar nicht schlecht riechenden aber dafür permanent quatschenden Hessen auf der anderen Seite sitzt wie eine Presswurst im Naturdarm. Ziemlich benebelt von den infernalischen Ausdünstungen des Stinktiers zur Linken kann ich erst mit einem festen Stampfen meiner angeschwollenen Beine zusammen mit einem vernichtenden Blick und einem wenig nonchalanten „Fresse jetzt, sonst raucht’s!“ das verbale Trommelfeuer des Hessen zum Schweigen bringen. Nur kurz herrscht Ruhe, dann ist eine Mittdreißigerin über dem Gang so unvorsichtig, seinen Blick zu erwidern und nun hat er seinen Laber-Fokus in ihre Richtung verlagert. Noch nie in meinem ganzen Leben haben sich 13 mickrige Stunden so verdammt lange gedehnt.

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Newsbreak

Berlin

Neueste Informationen aus Regierungskreisen untermauern die Gerüchte, wonach in Berlin die Erweiterung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes auf die deutschen Privathaushalte schon beschlossene Sache ist. Was für die Industrie im Rahmen der Klimaschutzbemühungen bereits jahrelang praktiziert wird, soll bereits zum nächsten Quartal in kraft treten.

Auslöser für die umstrittene Ausweitung des Gesetzes ist, wie ein Informant dieser Zeitung berichtet, eine Familie aus dem westlichen Unterfranken. Der in Insiderkreisen „Casa Mogga“ genannte 4-Personen-Haushalt weist nach geheimen Messungen vor dem geöffneten elterlichen Schlafzimmerfenster einen nächtlichen CO2-Ausstoß auf, der an die Spitzenwerte der täglichen Emissionen von Garzweiler II heranreichen soll.
Die von Frau Bundeskanzlerin Kelmer persönlich unterstützte Gesetzesvorlage fand parteiübergreifend einhellige Zustimmung. Kelmer wörtlich: „Auch die privaten, deutschen Emissionsherde müssen ihren Beitrag zum Klimaschutz leisten. Dass deren Beteiligung bisher versäumt wurde, stinkt zum Himmel!“
Berechnungsgrundlage für die im Volksmund bereits „Analabgabe“ getaufte Stinkesteuer ist der CO2-Fußabdruck der beispielhaften Familie M., der mit jährlichen Schadstoffemissionen von etwa 9 t zwar unter dem bundesdeutschen Durchschnitt von ca. 13,27 t liegt; allerdings wurden bei diesem von der Deutschen BP initiierten Test die Ernährungsgewohnheiten der Musterfamilie nicht berücksichtigt. Durch den opulenten Genuss karminativer Nahrungsmittel sei die Flatulenzfrequenz häufig in erheblichem Umfang erhöht.

Der Emissionsrechtehandel wird nach dem Beispiel der Industrie auf die Privathaushalte übertragen. An der Börse kostet das Recht auf eine Tonne CO2-Emission etwa 22,00 €. Ein zusätzlicher Schadstoffausstoß von geschätzten 3 t jährlich ergibt den angesetzten Betrag von 66,00 € für die Pupssteuer, was einer Mehrbelastung von täglich 18 ct für einen 4-Personen-Haushalt entspricht.
Nachdem Emissionsrechte auch privat versteigert werden können, dürften sich die Internetauktionshäuser in Deutschland demnächst auf eine heiße Phase einstellen.

Vizekanzler Meierstein lobte unterdessen das Gesetz, das durch die Initiative einer anonymen Person, die möglicherweise sogar dem „Casa Mogga“-Kreis zuzurechnen sein dürfte, erst verwirklicht werden konnte. Zwar verabscheue er jegliches Denunziantentum, aber wenn dem Klima und damit uns allen geholfen werden kann, müsse man auch mal Viere ungerade sein lassen, betonte er. Er äußerte bereits weitergehende Überlegungen, wonach auch bald mit Lärmemissionsrechten gehandelt werden könnte, wovon vorrangig Eltern mit mehr als 2 geräuschintensiven Kindern unter 15 Jahren betroffen sein dürften.

Der Rummel um „Casa Mogga“, der in den letzten Wochen sogar im Einsatz von Minikameras in der Toilettenschüssel gipfelte, entzweite die Familie inzwischen. Nach Angaben von Angehörigen soll die Frau aus der Wohnung ausgezogen und in den Luftkurort Davos verreist sein, wo sie sich von den Strapazen der letzten Jahre erholen will.

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Drucksache

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Beeindruckend
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Bumm!
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Stille

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Prince Pumpkin

„Hohoho!“ rief Santa Claus, „das ist ja mal eine Sahneschnitte!“ und schlug mit der flachen Hand auf den birnenförmigen Hintern der Guten Fee. „Lass das!“ fauchte die Fee und klopfte dem Santa mit ihrem bonbonfarbenen Zauberstab auf die manikürten Finger. „Denk‘ ja nicht, dass du hier was Besseres bist, nur weil du aus Hollywood kommst!“ Der Santa kicherte dämlich und nippte am seinem Mannacocktail. „Hey, Garçon, lass‘ mal die Luft aus dem Glas. Und ein bisschen mehr Jacky, wenn ich bitten darf“.

„Der ist so peinlich!“ sagte der Nikolaus zu seinem Kollegen und besten Kumpel Ruprecht. „Ich weiß nicht, warum der Vorstand das Großmaul nicht schon längst zum Teufel gejagt hat!“ Ruprecht schaute auf seinen Grog und nickte. „Und dabei bin ich sicher, die Geschäftsleitung weiß, dass der Santa dauernd bekifft ist. Ich kapier’s auch nicht!“.
„Was, der Santa hat ein Drogenproblem?“ sagte der Sensenmann einen Tick zu laut. „Wieso weiß ich davon nichts?“ „Pschscht! Spinnst du? Brüll‘ hier nicht so rum, du Depp!“ Giftig schauten Niko und Ruprecht über die Gläser hinweg Sam, dem neuen Sensenmann, ins knochige Gesicht.
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Zero points

Mein September-Beitrag in der Schreibwerkstatt ist zwar einstimmig (d.h. mit 0 Stimmen) auf den letzten Platz gewählt worden hat nicht sehr gut abgeschnitten, trotzdem will ich ihn hier vorstellen. Das ist so wie mit den missratenen Kindern, die aber trotzdem untrennbar zu einem gehören …

DéSirée

Zögernd holte er tief Luft und nahm den massiven Griff in seine schwielige Hand. Das kühle Metall fest umklammernd machte er die Tür nur einen Spalt weit auf.
Wie immer, wenn er unter höchster Anspannung stand, sprach er mit sich selbst und so wisperte er jetzt vor sich hin: „Meine Schönste, endlich komme ich wieder zu dir.“
Er war zutiefst beunruhigt. Lange, viel zu lange war er nicht hier gewesen. Auch wenn es ihm ganz und gar nicht passte – während seiner Abwesenheit hatte sie bestimmt einige Besucher gehabt, die sie mit ihren gierigen, schmutzigen Fingern überall begrabscht hatten. Er war sich nicht ganz sicher, aber er hegte den Verdacht, dass sogar sein eigener, verkommener Sohn darunter war. Eine wie sie blieb nicht lange allein. Seine Liebste gefiel nämlich allen, jeder drehte sich mit lüsternem Blick nach ihr um, wenn sie unterwegs waren und jeder wollte sie besitzen, doch sie gehörte ihm allein, davon war er überzeugt.
Mit einem beherzten Schwung öffnete er den Türflügel nun ganz und betrat den nüchternen, weiß gekalkten Raum. Da stand sie schon in all ihrer Schönheit vor ihm. Er sah sie an und wusste, dass sie allein auf ihn gewartet hatte. Zittrig und weich waren seine Knie, als er zärtlich über ihre glatte Haut strich, ihre perfekten Rundungen liebkoste, sanft ihr Hinterteil tätschelte und er glaubte, sie wohlig stöhnen zu hören. Gleich, in wenigen Momenten, würde er in ihr sein, darauf hatte er die ganze Zeit gewartet, allein die Aussicht auf diesen Augenblick hatte ihn bis jetzt überleben lassen. „Meine Göttin“, flüsterte er heiser, „jetzt werden wir endlich wieder eins …“
Hinter sich hörte er plötzlich ein leises Knacken. Mit einem Ruck drehte er sich um und sah verlegen seiner Frau ins Gesicht. „Herrschaftszeiten, Helmut!“, stöhnte sie genervt, „Ich weiß ja, dass du deiner Göttin verfallen bist. Aber kannst du nicht nur ein einziges Mal den Citröen aus der verdammten Garage holen wie jeder andere Mensch auch?“

Euch einen erfolgreichen Tag wünscht
moggadodde

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