„Sich einbringen“ …

… ist auch so ein grauenvolles Produkt der Kategorie peinliches Bildungsbürgertum.
Es heißt nicht mehr: „Hallo, Frau moggadodde, wir brauchen noch einen Kuchen fürs Schulfest. Können Sie einen mitbringen?“. Heutzutage ist es hip, die Sentenz „Es wäre schön, wenn sie sich hier einbringen könnten“, in den Äther zu pusten. Für meine Ohren impliziert dieser Satz schon den versteckten Vorwurf, als soziologisch unbrauchbar zu gelten, verwehrt frau dem Elternbeirat das Vergnügen einer Donauwelle oder Bienenstichs. Vielleicht habe ich einfach keinen Bock. Oder keine Zeit. Oder ich bin im Kuchenbacken eine Null. Aber nein, ich wollte mich dann „nicht einbringen“ , verweigere mich der frohlockenden Gemeinschaft der schürzenbewehrten, rotbäckigen Muttis, die mit stolzgeschwelltem Busen und Mehlstaub im Haar den letzten Schrei in Sachen Patisserie in der neuesten Tupper-Box zum Schulgebäude transportieren.

Wenn Dixie sich im Haushalt „nicht einbringt“, dann ist sie einfach eine faule Nuss. Wenn Hank sich in der Schule „nicht einbringt“, ist er einfach schüchtern. Wenn ich mich „nicht einbringe“, bin ich frigide. Wenn der MamS sich zuhause „einbringt“, dann saust er vorzugsweise mit dem Hoover durch die Wohnung. Nennt doch einfach die Dinge beim Namen und zieht euch nicht auf das überhebliche, durchsichtige Bollwerk gekünstelter Phrasen zurück, verdammt!

moggadodde

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3 commenti su “„Sich einbringen“ …

  1. bt sagt:

    Na was ich da alles mit etwas Fantasie herauslesen kann 😉

    Wenn ich vorschlagen darf: Häng mal die Ansprüche an dich selbst etwas niedriger. Das entspannt und bringt mehr Genuß ins Leben.

    Das Wort ‚einbringen‘ soll vielleicht sprachlich den Umgang untereinander harmonischer gestalten. Das nutzen dann leider diejenigen aus, den man verbal regelmäßig etwas kräftiger in den Arsch treten muss. Die brauchen das sozusagen.

    [Antwort]

  2. moggadodde sagt:

    Nein, bt, die Vokabel „einbringen“ in diesem Zusammenhang ist für mich gleichbedeutend mit „unter Druck setzen“. Und das mag ich nicht. Findest du, dass ich die Ansprüche an mich selbst zu hoch geschraubt habe? Hmm, überleg …

    [Antwort]

  3. Azahar sagt:

    Also moggadodde, da muss ich Dir Recht geben, wenn mich einer ermahnt ich sollte mich einbringen, dann fühle ich mich gerügt, dass ich zu wenig für die Gemeinschaft / Gruppe tue und dass ich das doch bitte ändern sollte, denn ALLE ANDEREN sind ja viel aktiver als ich. (ehrlich gesagt, ich hasse Gruppenarbeit)
    Ganz abgesehen davon ist nicht jeder ein begeisterter (und begnadeter) Kuchenbäcker.

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