Wir können auch anders!

Ein komisches Gefühl, das ich in diesem Maß schon lange nicht mehr hatte: Wir sind eine Familie. Nicht nur nach außen der statistische Durchschnitt mit vier Köpfen, eineinhalb Gehältern und einem verblichenen Haustier. Es gab kein böses Wort heute, die Stimmung war ungetrübt und heiter, wir konnten herzhaft und ehrlich miteinander lachen, ja sogar übereinander. Zuerst besuchten wir die Festung, wo wir schon seit Jahren nicht mehr waren, obwohl wir täglich daran vorbeifahren. Die Kinder amüsierten sich prächtig darüber, dass die Fürstbischöfe nur aus ihren Fenstern auf den Innenhof zu sehen brauchten, um eine nackte Frau zu sehen, die mir bei meinen vielen Besuchen gar nicht aufgefallen war.

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Der MamS verabscheut Menschenansammlungen, wie sie an einem dritten Advent auf einem Weihnachtsmarkt naturgemäß herrschen über alle Maßen, trotzdem schob er sich danach klaglos mit uns durch die Menge, damit Dixie ein Lebkuchenherz für Schatzi kaufen konnte. Die Feuerzangenbowle war so stark, dass sie mir beinahe die kalten Beine wegzog und ich konnte nicht glauben, dass Neurosen-Hank es tatsächlich über sich bringt, seine Schwester aus seinem Punschbecher trinken zu lassen, ohne danach angewidert einen neuen Pott zu verlangen,

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dass Dixie es tatsächlich einen Tag lang schafft, ihren Bruder nicht durch spitze Bemerkungen auf die Palme zu bringen, dass der MamS tatsächlich auch über sich selbst lachen kann, als wir ihn aufzogen, weil er sich aus Ekel vor vielleicht nicht ordentlich gespülten Bechern standhaft weigerte, Punsch oder Glühwein zu trinken.
Seltsam war dieses Gefühl, ohne Bauchschmerzen wegen zankender Kinder oder zickigem Gatten zu sein, vielmehr mit weitem Herzen und einem glühenden Becher mit Feuerzangenbowle in der Hand auf einem vollen Marktplatz zu stehen, auf drei Menschen zu schauen und zu wissen: Das ist meine Familie. Ich könnte sie oft, sehr oft auf den Mond schießen, allesamt, oder wahlweise ungespitzt in die Erde rammen, aber der heutige Tag hat mir aber wieder einmal gezeigt, dass „Familienleben“ nicht nur aus schlechten Nachrichten, immerwährenden Schlichtungsverhandlungen oder ständigen Sanktionsmaßnahmen bestehen muss, sondern auch unglaubliche Freude und tiefe Zufriedenheit angesichts des Erreichten vermittelt und das Gefühl, die wechselseitige Zuneigung aller Beteiligten untereinander heute spüren zu können, entschädigt wieder für alle Wirrnisse, Turbulenzen und Aufregungen der letzten Zeit. Es geht also doch.

Euch eine zufriedene Nacht wünscht
moggadodde

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Dieser Eintrag wurde in Daily Soap veröffentlicht.

15 commenti su “Wir können auch anders!

  1. babs sagt:

    Dem ist nichts hinzuzufügen… *mitfreu*

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  2. morgiane sagt:

    schließe mich an. hier war es auch ruhig. mal schauen, was die neue woche bringt.

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  3. bt sagt:

    Das klingt sehr schön 🙂

    Vor allem freut es mich, dass ihr endlich alles im Bild festhalten könnt. Mit der Kamera, kam die Wende in zweierlei Hinsicht. Ich bin mal so frei und schwelge im Optimismus.

    Bist du die Fotografin und Nachbearbeiterin?

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  4. Brüderchen sagt:

    Hey Schwesterchen, welche Glücksdrogen habt ihr genommen, dass das alles sooo friedlich war? Aber in das Bild des perfekten Wochenendes passt nun noch meine kleine Nachricht: hab am Samstag den Brief erhalten vor dem ich seit Wochen gezittert habe (nein, nicht die nächsthöhere Eskalationsstufe der GEZ): hab alle 4 Prüfungen BESTANDEN! Zwar beginnt das Notenspektrum kurz vorm Exodus, reicht aber dafür (für mich vollkommen unverständlich) bis hoch zu 90 v. 100 Punkten! 🙂 Und aufm W-Markt hab ich dann am Samstagabend gebührend geso… gefeiert!

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  5. moggadodde sagt:

    Ich bin auch der Meinung: So einen Tag haben wir uns alle mal wieder verdient! Danke, dass ihr euch so mit mir freut und ich nehme den von bt geäußerten, vorsichtigen Optimismus einfach mal auf …

    Gratulation an dieser Stelle, brüderchen! Dass ich bei dir mit allem rechnen darf, bin ich ja gewohnt 😉

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  6. barbara sagt:

    das Fest der Liebe. Da konntest du ja richtig durchtanken und hoffentlich hält der Zustand noch etwas an. Glückwunsch an Bruder Moggadodderle.

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  7. moggadodde sagt:

    Also, zumindest bis jetzt, 16.15 Uhr und ein paar zerquetschte MEZ, konnte ich das positive Grundgefühl aufrecht erhalten, liebe barbara. Ich bin guter Hoffnung (gottlob nur im übertragenen Sinn …)

    [Antwort]

  8. Gabi sagt:

    Dann wünsche ich dir und deiner Rasselbande eine eben so schöne Woche. Und wenn du sie mal wieder alle auf den Mond schiessen willst – erinnere dich !… oder sollen dir deine treuen Leser einfach einen Link zu diesem Beitrag schicken ? *schmunzel*
    Mein Glücksgefühl des Tages hat sich heute bei einem vorzüglichen Peppermint-Mocha eingestellt…

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  9. moggadodde sagt:

    Peppermint-Mocha!! Sag an, sofort, wie der geht, falls du nicht zu Scherzen aufgelegt warst und schnöden Pfefferminz-Tee meintest … Das mit dem Link ist eine schöne Idee! Behalt’s mal im Hinterkopf, falls wenn ich das nächste mal austicke 😉

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  10. Gabi sagt:

    Peppermint Mocha
    Rich, full bodied Starbucks® espresso combined with steamed milk, our proprietary mocha syrup and accented by a complex, refreshing peppermint syrup. Whipped cream (optional) adds richness and ruby-red sprinkles provide a festive crunch.

    …check it out 😉

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  11. moggadodde sagt:

    Starbucks ist im Frankenland schier unbekannt!
    Provinz … finsterste Provinz … Ich muss wohl doch mit meinem hausgemachten Espresso Coretto mit einem Hauch Kaluha vorlieb nehmen. Billiger ist der sicher allemal …

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  12. Gabi sagt:

    Naja – besorg dir Espresso, Milch und Pfeffeminzsirup *zwinker* dann klappt´s auch zu Hause!

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  13. azahar sagt:

    Möge die Ruhe die ganze Woche und über die Weihnachtsfeiertage hinweg anhalten! 😉
    LG
    azahar

    [Antwort]

  14. moggadodde sagt:

    Ja, das mache ich tatsächlich, Gabi!
    Und azahar: Stell dir vor, nicht einmal die 5 in der Physik-Schulaufgabe vermochte mich heute vom Stengel zu hauen. Ich bin cool geblieben, obercool. Ändern kann ich ohnehin nichts, ich kann nur versuchen, gegenzusteuern. Rudern allerdings muss meine Tochter selbst, ganz allein!

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  15. azahar sagt:

    DAS nenne ich wirklich Ruhe! Weiter so. Deinem Stresspegel tut es sicherlich gut! 😉

    [Antwort]

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