Sternenschauer

Erstaunlich ruhig und mit zivilisierten Mitkunden konnten wir heute unsere Weihnachtseinkäufe in trockene Tücher bringen. Weder sich um die letzten Parkplätze prügelnde Menschen noch lange Schlangen gab es im frisch renovierten Supermarkt unseres Vertrauens. Sehr dezente, eigentlich kaum wahrnehmbare Weihnachtsmusik erklang, auch diesbezüglich hatte ich mit dem Schlimmsten gerechnet, denn meist verfallen die betriebswirtschaftlichen Verkaufsstrategen dem Trugschluss: „Je lauter das Gedudel desto lauter die klingenden Kassen“ und vertreiben mich so aus dem Laden. Auch ist der neue Supermarkt prima ausgeleuchtet, nicht zu grell. Ich mag es nämlich nicht, wenn die anderen Kunden und ich aussehen wie gerade der Gruft entstiegene Zombies. So macht einkaufen (leider) Spaß. Bei den tropischen Früchten hielt ich mich heute sehr lange auf und bewunderte die fremdländische Auslage. Granatäpfel, Passionsfrüchte, eine Baby-Ananas, eine chinesische Pomelo und eine Pitahaya oder Drachenfrucht werden unseren Heilig-Abend-Nachtisch bilden. Eine junge Frau sprach mich an und fragte, ob ich denn irgendwo Sternanis sehen würde. „Ja“, antwortete ich grinsend, „bestimmt, wenn wir uns jetzt in der Gewürzabteilung befänden“. Die Arme lief ganz rot an und jetzt lachten wir beide laut los. Sie suchte tatsächlich Sternanis, ihr Gehirn führte sie aber zu den Sternfrüchten und ich sagte, sie solle sich keine Sorgen machen. Jetzt, wo auch noch dieser verflixte Bethlehem-Stern ins Spiel käme, könnte so ein Gehirn schon mal durcheinander kommen und ob sie vielleicht auch noch einen Mercedes fahre oder in letzter Zeit sternhagelvoll gewesen sei …

Sterne habe ich heute auch schon gesehen, allerdings eher unfreiwillig und nicht so wie beabsichtigt. Welcher minderbemittelte Doppeldepp hat das Märchen in die Welt gesetzt, dass der Vollzug des Beischlafs, ehelich oder nicht, unter den prasselnden Strahlen der handelsüblichen Massageduschköpfe die erwartungsfrohen Teilnehmer adäquat befriedigen könnte? Unsere Standard-Badewanne (mit aufzuklappender Spritzschutzwand!) jedenfalls ist für derlei Aktivitäten zuallererst einmal viel zu eng und obendrein rutschig wie eine Autobahn bei überfrierender Nässe. Ohne zu sehr ins Detail gehen zu wollen: Auch nach mehrmaligen, zeitversetzten Versuchen bringt diese viel gepriesene Variante zumindest für mich nicht die erhoffte Wirkung. Hektisches Hangeln nach spärlichen Haltemöglichkeiten, permanente Rutschgefahr und die scheinbar immer näher rückenden Wände lassen den Aufwand-Nutzen-Effekt unverhältnismäßig erscheinen und sind so in den betreffenden Szenen diverser Zelluloid-Produkte auch nicht gezeigt. Das Risiko einer schweren Kopfverletzung angesichts der hohen Dichte der umgebenden Kacheln und der massiven Badewanne ist letztlich einfach zu groß und wir werden uns hier Alternativen eröffnen müssen, um das Schiff in Schwung Schoner und Rebecca in Fahrt zu bekommen. Vielleicht war die Verwendung eines Mangobutter-Peelings hier kontraproduktiv, vielleicht hat Hoover-Boy aber auch die Wanne nur zu gründlich geputzt …

Euch einen sauberen Abend wünscht
moggadodde

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Dieser Eintrag wurde in Daily Soap veröffentlicht.

7 commenti su “Sternenschauer

  1. morgiane sagt:

    ich sags ja immer…ab einem bestimmten alter ist man für derlei abenteuer einfach nicht mehr geschaffen, da möchte man sehr bequem und sicher…

    ach, übrigens, kennst du den?

    unterhalten sich drei frauen über ihre ehemänner. gefragt nach deren qualitäten orientieren sie sich an automarken.
    sagt die erste: mein mann ist wie ein mercedes: komfortabel und sicher ans ziel bringend…
    die zweite: meiner mehr wie ein porsche: schnell und schnittig
    die dritte: ach, habt ihrs gut, meiner ist wie ein trabbi…vorne hängt die stoßstange und hinten stinkts…

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  2. Anne sagt:

    *lach*
    Da hat morgiane Recht. Es sei denn man hat so ne schöne Riesendusche mit Glaskacheln rundum und nem rutschfesten Boden. *flöt*

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  3. bt sagt:

    Glückwunsch, wir hatten erst heute Morgen gegen 10 Uhr alles beisammen. Die diversen Lebensmittel sind bei uns immer der Grund für den späten Konsumabschluss. Wobei ich, ehrlich gesagt, auf die optimale Ausleuchtung meines Outfits im Supermarkt noch nie geachtet habe. Tja, immer wieder erstaunlich, was wir rüden Kerle vom weiblichen Geschlecht alles lernen können 🙂

    Duschen mit sportlichem Ansinnen: Genau… deckt sich mit unserer Erfahrung. Der Nassbereich eignet sich nach meinem Dafürhalten nur als Appetizer. Hier erhalten die ausgepackten Geschenke in gegenseitiger Zuwendung den letzten Schliff, bevor der Hauptgang auf körperfreundlicher Bettung begonnen wird. Manchmal dient er noch dazu, auf die Schnelle das zu Ende zu bringen, was beim Herrn in feuchter Umgebung unverklemmter von der Hand geht und ihr die orale Konfrontation mit widrigen Körperflüssigkeiten erleichtert. In diesem Fall kann der Abschluss des Bodyevents mit dem vorrangig weiblichen Bedürfnis der ‚Hygiene danach‘ in Einklang gebracht werden.

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  4. 40something sagt:

    Ich finde, die handelsübliche Wanne taugt maximal zum Vorspiel – weil einfach zu eng. Allerdings ist das hervorragend dafür geeignet, lustvoll erforderliche Rasurarbeiten vorzunehmen und die damit zu integrieren…

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  5. socki sagt:

    Ja, das kann böse Beulen geben und von der Überschwemmung red ich garnicht erst. Da heißts hinterher putzen statt kuscheln.

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  6. moggadodde sagt:

    @ morgiane: Neee, den kannte ich noch nicht. Aber gegen einen Porsche hätte ich manchmal nichts einzuwenden, wenn ich ehrlich bin. Ideal wäre natürlich ein Wendewagen, je nach Bedürfnis. Mal Porsche, mal Mercedes – auf Knopfdruck 😉

    @ anne: Ich glaube, auch die Jugend hätte da so ihre Probleme, wenngleich sie (vielleicht) beweglicher ist als wir Fossilien. Aber so eine Anti-Rutsch-Matte, hässlich und Hort von Millionen von Kleinstlebewesen, käme mir nicht in die Wanne!

    @ bt: Es geht weniger ums Outfit, mehr ums Gesicht … 😉 Ach, Appetizer … Bis man dann wieder trocken genug ist, um sich in die Bettstatt zurückziehen zu können, ohne danach auch noch neu beziehen zu müssen, da ist doch die beste Erektion dahin. Manche Sachen müssen m.E. einfach getrennt werden. Ich lasse mir während des Essens ja auch nicht die Amalgamfüllungen wechseln …

    @ 40something: Oh, heikles Thema! Wenn ich ehrlich bin, mache ich das mit der Epilation in derart verletzlichen Regionen lieber selbst. Vielleicht habe ich zuviele Schlitzerfilme gesehen …

    @ socki: Man/Frau muss ja nicht jeden blöden Modetrend nachmachen, selbst wenn die GKV die Behandlungskosten bei Gehirnerschütterung in diesem Fall (noch) übernimmt 😉 Putzen tue ich übrigens eher weniger, insofern tangiert mich dieses Thema eher am Rande 😉

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  7. socki sagt:

    Ach, als krönenden Abschluß auch noch einen Nacktputzer? Du hast es gut………..

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