Mein Gewissen und ich

Eine Begebenheit von heute Vormittag lässt mich erneut darüber nachdenken, ob ich nicht doch zu nett für diese Welt bin. Folgende Situation:

Lolas Stall befindet sich draußen unter einem Vordach. Die Nachbarin, ebenfalls Kaninchenbesitzerin, hat den Stall ihres Tiers bereits mit Styropor gedämmt, was ich heute auch endlich machen wollte, nicht dass ich Lola eines Morgens als Tiefkühlware im Stroh finde. Die Nachbarin sagte heute früh, sie habe noch ein Stück Styropor übrig, das sie mir dafür überlassen könnte.
Ich fahre also zum Eichhörnchen, besorge Klebeband und so viel Styropor wie ich noch brauche und mache mich an die Arbeit. Sie kommt dazu und wir plaudern und ich erwähne beiläufig, dass ich beabsichtige, auch den Boden des Stalls von unten zu dämmen. „Ha“, sagt sie, „das ist eine gute Idee. Das mache ich auch. Jetzt kann ich dir aber das Stück Styropor nicht mehr geben, weil ich das dafür dann selbst brauche.“

Ich nahm das nickend zur Kenntnis und überlegte bei mir, wie ich gehandelt hätte, wenn die Situation andersherum gewesen wäre, ich ihr also zugesagt hätte sie könnte ein Stück Dämmung von mir haben und dann zwei Stunden später festgestellt hätte, dass ich es doch selbst brauche. Wahrscheinlich hätte ich ihr, wie zugesagt, die Styroporplatte überlassen und mir selbst eben ohne darüber ein Wort zu verlieren, noch ein neues Stück besorgt, weil mich das Geistwesen in meinem Kopf, gerne auch Gewissen genannt, dazu veranlasst hätte.

Es geht mir nicht um die Platte, so ein Ding kostet einsfuffzich, und es geht mir nicht mal darum, dass ich jetzt extra nochmal zum Eichhörnchen fahren muss, während sie gerade draußen die Platte an ihren Stallboden bastelt.
Möglicherweise ist es nicht ganz normal, dass ich mir über solche Sachen den Kopf zerbreche, während ich sehe, dass sich andere Leute über so etwas nicht einmal ansatzweise Gedanken machen.
Ich glaube beinahe, ich bin nicht nett. Ich bin einfach nur blöd.

Euch einen liebenswürdigen Tag wünscht
moggadodde

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Dieser Eintrag wurde in Daily Soap veröffentlicht.

11 commenti su “Mein Gewissen und ich

  1. biffo sagt:

    Ihr laßt eure Kaninchen bei der Kälte im Freien??? Ihr seit aber keine Tierfreunde, abgesehen von dem Hickhack mit dem Eichhörnchen Styropor und der Versprechennichteinhaltenden Neighbour, ich hab für meinen Samson einen schönen Platz im Keller zurecht gemacht, auch wenn ich ihn alle zwei Tage ausmisten muß, aber er friert wenigstens nicht.

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  2. wahrscheinlich gehts den tierchen im freien besser als vielen wohnungslangohren … ich kannte mal ein (nicht-zwerg-)karnickel, das in einem ca. 60 x 80 großem käfig sein dasein fristete und wenns ganz dicke kam, wurde auch die kleine katze dazugesetzt (das immerhin nur viertelstundenweise). das miez hat sich dann aber bald eine bessere behausung in der nschbarschaft gesucht – kluges tier. diese option hatte der karnickel nicht, der ist aus protest dann gestorben. armes vieh.
    mein nunmehr-single-kater findet draußensein im gehege derzeit auch suboptimal, er stellt sich aufs fensterbrett, wo sein catwalk befestigt ist, mustert das wetter und beschließt in 8 von 10 fällen, dass es viel mehr spaß macht, den zweibeinern drinnen vor den füßen langzurasen :o) und die schneekrümel sind ihm auch noch höchst suspekt. kennt er ja auch noch nicht, mit seinen 7 monaten.

    aber deine überlegung mit dem styro und der nachbarin ist für mich nachvollziehbar, ich hätte mich auch an die absprache gehalten oder wenigstens angeboten, mich um die versprochene platte zu kümmern, meinerseits – aber nunja, das sehen andere leute anscheinend anders … “ wärst – ohne leute wie dich wäre diese welt ein ganzes stück trauriger! so, nu weißte’s! fühl dich gedrückt vom hü.
    btw: ich finde nicht, dass du „zu blöd“

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  3. moggadodde sagt:

    @ biffo: Mit ein bisschen Wärmedämmung und viel Stroh würde das Samson auch nichts ausmachen. Der Stall steht trocken unter dem Vordach und Lola darf bei Hank im Zimmer jeden Tag eine Stunde flitzen gehen. Für den Freilauf ist es jetzt zu nass.
    Sie geht auf ihr Karnickel-Klo, deshalb muss nur das saubergemacht werden. Dauerhaft würde ich sie nicht in der Wohnung haben wollen und in unserem Keller oder in der Garage ist es zu dunkel. Da würde sie ja noch depressiv!

    @ hühnerschreck: Danke … *schnief* … Eine clevere Katze habt ihr, wenn sie sich bei dem Wetter nicht vor die Türe wagt. Eure Gesellschaft ist ihr wohl lieber als die anderen Tiere in der großen, bösen Welt!

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  4. markus sagt:

    wenn du blöd bist, dann bin ich es auch. denke genauso…

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  5. Al Gore sagt:

    Manche Leute sind echt schmerzfrei, wenn es um ein bisschen Gespür geht. Ich bin auch blöd!

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  6. Ekke sagt:

    So viele blöde Leute … ! 😉
    Da ich das absolut nachvollziehen kann und sicher ebenfalls noch einmal losgefahren wäre, geselle ich mich einfach mal dazu.

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  7. Anne sagt:

    Auch ich muß mich da wohl zu den Blöden gesellen. Ich würde lieber 50 KM für ein Einsfuffzig-Teil fahren, als es mir zurückzufordern.

    Aber da wir im Prinzip ja alle zu den Blöden gehören, kann doch was nicht stimmen. Vielleicht sind am Ende ja wir die normalen … *nachdenk*

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  8. barbara sagt:

    *geschenkt ist geschenkt – wiederholen ist gestohlen*.

    Du bist schon ganz normal (nicht immer und das ist gut so), aber in diesem Fall…

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  9. moggadodde sagt:

    @ Al Gore, Ekke, Anne und barbara: Ich bin ja froh, dass ich mit meiner Blödheit nicht allein bin 😉

    Ich hoffe, dass das Styroporplatte der Nachbarin nicht hält. Dass sie abfällt und sie das Ding nicht gescheit befestigen kann. Ich bin nicht nur blöd sondern auch böse. Herrje. Ich bin wohl auch noch schlecht, das ist mir aber egal.

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  10. azahar sagt:

    ich zähle mich hiermit auch zu den „Blöden“, das wäre mir viel zu peinlich gewesen die Styroporplatte wieder zurückzufordern, ich meine, wenn man mal was verschenk hat, ist es verschenkt, und Punkt.

    Im ersten Jahr als meine Eltern ihre ersten Zierenten (was für ein blödes Wort) hatten, haben sie sie im Winter jeden Abend eingefangen und runter in die Garage gebracht, damit die armen Tierchen nicht erfrieren. Das war jedes mal ein Act, ich sag euch, so mit Lassoschwingen und allem drum und dran … 😉

    Im zweiten Winter haben sie das frostsichere Verstauen am Anfang vollkommen vergessen und oh Wunder, die Entchen haben die Kälte prächtig überlebt und blieben von dem Zeitpunkt an Winter wie Sommer draussen.
    Ich denke Tiere halten schon so einiges mehr aus als wir Menschen, sind es ja auch gewohnt.

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  11. moggadodde sagt:

    @ azahar: Der Wilde Westen in Bayern! Eure Nachbarn haben sich bestimmt köstlich amüsiert über deine Eltern. Mit Lasso … *lach*

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