Blut für die Welt

Es gibt viele Leute, die von einer Idee so besessen sind, dass andere nur den Kopf schütteln. Talentfreie Teenager, die sich freudig bei DSDS verhöhnen lassen oder unter Permanentmeteorismus leidende Männer, die sich „Mr. Methan“ nennen und glauben, durch die Neuerfindung von Ekelfernsehen zum Supertalent 2009 zu werden. Über solche Leute wundert man sich kurz und hat sie im nächsten Moment wieder vergessen und das vollkommen zu Recht. Ich weiß ja nicht, wie lange sich Mr. Methan mit seinem Dreck schon durch die Sender pupst, aber sicherlich nicht schon seit 24 Jahren.

So lange hat der Chemnitzer Dieter Gerschler an seiner Bibel gearbeitet, deren episches Ausmaß und das Gewicht von 500 kg nicht das einzig Monströse an diesem Projekt sind. Richtig gruselig ist nämlich die Tatsache, dass diese Bibel mit Blut geschrieben wurde. Sehr schnell ging dem Künstler wohl auf, dass sein eigener Lebenssaft für 365 Seiten à 2 x 1,5 m nicht reichen würde, weshalb er sich bald auf die Verwendung von Tierblut, abgelaufenen Blutkonserven und, man höre, Menstruationsblut besann. Wie er zu letzterem gekommen ist, entzieht sich gottlob meiner Kenntnis.

Der Künstler bezeichnet Blut als „kosmisches Rauschmittel“ und als „sichtbares Symbol für das Leben“ und streng genommen wäre das eigentlich auch der Milchsaft vom Löwenzahn. Aber eine z.B. mit Ochsengalle geschriebene Bibel hätte sicher niemanden derart fasziniert.
Auch wenn ich denke, dass im Namen der Bibel schon genug Blut über diese Welt gekippt wurde bin ich der Meinung, dass in seiner Freizeit jeder machen kann, wonach ihm behagt. Manche bloggen, manche swingen, manche sammeln abgeschnittene Fingernägel und Nabelfusseln und manche schreiben eben Bibeln mit Blut, deshalb ist mir das auch relativ schnuppe.

Nicht schnuppe ist mir allerdings die Aussage des Künstlers, dass Menstruationsblut das einzige Blut sei, das dem Körper nicht unter Schmerzen entzogen würde. Jessesmariaundjosef! Auch nach den Erkenntnissen von Johnson und Johnson ist die Geschichte der Menstruation offenbar immer noch eine Geschichte voller Missverständnisse!

Es gibt nämlich wohl kaum eine Frau, die nie mit einer Wärmflasche ihre krampfende Gebärmutter zu beschwichtigen suchte, wohingegen einige während ihrer Regelblutung sogar arbeitsunfähig sind und diese von Mutti Natur ersonnene Geißel der gebärfähigen Frau aus tiefstem Herzen verfluchen! So etwas Dummes kann wirklich nur ein Mann sagen!

Auch wenn 500 l Blut durch ihre Hände geflossen sind, geehrter Herr Gerschler, mit Verlaub: Ein Mann, der sich zweimal mit der Rasierklinge in die Brust ritzt und dann über die Schmerz- oder Nichtschmerzhaftigkeit von Menstruationsvorgängen urteilen möchte, tut dies mit derselben Qualifikation wie ein Veganer, der über den Geschmack eines Mondkalbsteaks referiert.
So. Das musste auch mal gesagt werden.

Euch einen schmerzfreien Tag wünscht
moggadodde

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Dieser Eintrag wurde in Daily Soap veröffentlicht.

5 commenti su “Blut für die Welt

  1. Billie sagt:

    Liebe Mogga,

    dem ist nichts hinzuzufügen. Seit meiner OP im Januar bin ich auch endlich schmerzfrei. Vorher kam bei mir auch die Wärmflasche bzw. sogar Schmerzmittel zum Einsatz. So blöd kann wirklich nur ein Mann daherlabern. Schmerzfrei… wenn die Männer die Kinder kriegen müßten, gebe es die Menschheit bald nicht mehr… So viel zum Thema von mir.

    Lieben Gruß und weiterhin gute Besserung
    Billie

    [Antwort]

    moggadodde antwortet am Oktober 21st, 2009 um 16:02:

    So ist es, Billie … Wer nie sein Brot mit Tränen aß, wer nie die kummervollen Nächte auf seinem Bett alleine saß, der kennt euch nicht, ihr himmlischen Mächte …
    Mit fremdem Blut ist eben viel besser schreiben 😉

    [Antwort]

  2. […] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von gezeena, haydee mogga-dodde erwähnt. haydee mogga-dodde sagte: Weil 140 Zeichen manchmal doch nicht reichen: Blut für die Welt http://bit.ly/1RygsK […]

  3. liebe leserinnen,
    liebe leser,
    liebe torten-fans.
    es freut mich, ihre gedanken zu vernehmen.
    es gilt hier eines in aller sachlichkeit klarzustellen:
    im kurzinterview mit dem journalisten wurde über blut und verletzung zusammenhängend gesprochen!
    und in diesem zusammenhang sagte ich, dass die einzige darstellung von blut, das sich nicht durch gewaltanwendung zeigt, menstruationsblut ist, welches selbstverständlich auch von mir in die kunst mit einfloss!!

    ansonsten darf ein wenig tortentiefer getaucht und gedacht werden.
    wohl bekomms!

    es grüßt sie alle herzlichst dieter gerschler,
    der vater von drei kindern…

    [Antwort]

  4. moggadodde sagt:

    Lieber Herr Gerschler!
    Dies ist nicht das erste mal, dass Äußerungen eines Künstlers von Journalisten aus dem Zusammenhang gerissen bzw. sinnentstellend gekürzt werden und beim Leser so ein zumindest teilweise verfälschter Eindruck entsteht, der nahe legt, der Künstler negiere die trotz aller Natürlichkeit oftmals gewalttätig anmutende, weibliche Monatsblutung und unterscheide nicht zwischen natürlichem und gewaltsam stattfindendem Blutfluss – seien Sie deshalb bedankt für Ihre Klarstellung.
    Für die Ausstellung und Ihr weiteres künstlerisches Schaffen, das, so wünsche ich mir, nicht unbedingt Blut als Ausdrucksmittel benötigt, wünsche ich Ihnen herzlich alles Gute!

    moggadodde
    Mutter von zwei Kindern und deshalb mit Blut jedweder Herkunft leider bestens vertraut

    [Antwort]

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