Luft und Liebe

Ein Fön ist ein Fön ist ein Fön? Von wegen! Für den MamS z.B. ist ein Fön ein Gegenstand, der warme Luft zum Zwecke des Trocknens von Haaren ausstößt. Aus von der Natur vorgegebenen Gründen kennt er selbst einen solchen Gegenstand ja auch eher aus der Theorie: Sein Fön ist nämlich ein Handtuch.

Für viele Frauen gestaltet sich die Auswahl des richtigen Haarföns etwas komplizierter, weshalb ein 10 m langes Regal bestens dazu geeignet ist, mich für längere Zeit zu fesseln. Nicht nur der Preis spielt eine Rolle, sondern auch Handling, Gewicht, Wattzahl und das Vorhandensein kleiner Gummilippen, die das Abrutschen auf schrägen Flächen verhindern, will ebenfalls geprüft werden.
Da gibt es knickbare Reiseföns, klein wie Kinderspielzeug zwar, aber im Alltag schwachbrüstig wie ein asthmakrankes Eichhörnchen sowie riesige, durchzugsstarke Profiföns, die mit Knöpfli, Schiebern oder Drehschaltern bedient und auf Benutzerfreundlichkeit getestet werden müssen. Die schweren Exemplare sind eher zum Fremdfönen geeignet, weil sie ob ihres Gewichts bei längerer Überkopfarbeit leicht den Fönarm überstrapazieren was zu Schulterschmerzen oder dem „mir fault gleich der Arm ab-Syndrom“ führen kann.

Der dernier cri sind Ionen-Haartrockner, die die Blaseluft mit negativ geladenen Teilchen anreichern, die die Wassertropfen im Haar in Moleküle spalten und so noch schneller trocknen sollen. Schlecht gelaunt bin ich der Regel aber frühmorgens auch ohne Zutun eines Föns, weshalb ich es mir verkneifen kann, noch zusätzlich negativ angereicherte Luft auf meine nasse Rübe zu feuern.

Manche Geräte verfügen über zwei Heizstufen, manche über drei aber eine Kaltstufe haben nicht alle, sie ist aber unverzichtbar um die Frisur zu fixieren und das erhitzte Haupt zwischendurch zu kühlen. Den Zweck eines Diffusors habe ich selbst noch nicht richtig verstanden, aber es wird ihn wohl geben und er soll irgendwas mit Locken zu tun haben, für die mein Kopfgarten allerdings nie die richtige Länge aufweisen wird.
Sehr wichtig ist aber die Geräuschentwicklung des Geräts, hier reichen die Klangfarben von vornehm gedrosselter Salonqualität bis zu schriller Plastikquietsche, bei der die Nachbarn morgens um 5 senkrecht im Bett stehen dürften.

Es dauert also, bis ca. 25 Exemplare auf Herz und Nieren geprüft sind und da ist das ungeduldige „Nimm halt irgendeinen!“ des MamS eher kontraproduktiv. Ich habe ja damals im gefühlten Mesozoikum auch nicht einfach irgendeinen, sondern ihn genommen; wenn man den Vorsatz hegt, dauerhaft gut miteinander auszukommen, muss man sich für Entscheidungen einfach Zeit nehmen, was leider allein kein Erfolgsgarant ist. Das ist bei der Partnerwahl nicht anders als bei einem Fön. Immerhin sind die meisten Elektrogeräte immerhin VDE-geprüft und etwas Ähnliches wäre auch in anderen Lebensbereichen vorstellbar:

Männer ab 25 könnten sich einer Art Beziehungs-TÜV unterziehen, bei der u.a. Pünktlichkeit, Duldsamkeit vor Umkleidekabinen, Kontoauszüge der letzten drei Jahre, sittlicher Reifegrad, körperliche Besonderheiten (Silikon gibt Abzüge!) und soziale Kompetenz geprüft werden. Hätte eine Singlebörse z.B. ausschließlich BÜV-geprüfte Kundschaft in der Kartei, könnte sie sich vor Zulauf nicht retten. Wer ein solches Zertifikat vorweisen kann, bleibt nicht länger der Ladenhüter im Evolutionsregal, sondern geht weg wie geschnitten Brot. Zur Ausarbeitung näherer Prüfungskriterien wäre die Unterzeichnerin übrigens gegen eine angemessene Apanage selbstverständlich bereit.
Klar ist aber, dass der Anspruch auf Perfektion weder bei Föns noch bei Männern gegeben sein kann. Montagsexemplare gibt es hier wie dort. Und das macht die Sache ja dann auch wieder spannend, oder?

Euch eine stürmische Nacht wünscht
moggadodde

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Dieser Eintrag wurde in Daily Soap veröffentlicht.

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