Abgefüllt in Sommerhausen

In Sommerhausen begänne Italien, so heißt es vollmundig und dennoch: Die Führung durch die beschauliche Weinhochburg

mussten wir regenbeschirmt absolvieren. Ausgangspunkt war das Torturmtheater, das weithin bekannte, kleinste Theater Deutschlands. Just als der Guide uns in die bewegte Gemeindegeschichte einführte, fuhr Veit Relin vor, der Prinzipal des genannten Hauses. Sicher spukte ihm schon der Entwurf eines neuen Aquarells im Kopf herum oder ein neues Stück oder was sonst einen Künstler so umtreibt, denn er entschwand, ohne uns wissbegierige Würmer eines Blickes zu würdigen.

Dass in Sommerhausen aber sonst mitnichten humoristische Diaspora herrscht zeigt der Umstand, dass auf dem dortigen Friedhof die steinerne Figur der Glücksgöttin Fortuna zwischen dunklen Grabsteinen residiert. Weil die Gemeinde im Rahmen von Erneuerungsarbeiten für die halbnackte Holde keine Verwendung mehr hatte, wurde die lebensgroße Schönheit einfach zwischen die Epitaphen geparkt. Zwar spielt bei der Frage „Tod oder Leben“ Frau Fortuna bekanntlich eine nicht unerhebliche Rolle, trotzdem war ich kurz hin- und her gerissen, ob ich das pietätlos finden soll. Letztlich komme ich aber zu der Meinung, dass auf einem „Gottesacker“ schließlich alle Aufnahme finden und deshalb nichts dagegen spricht, auch eine Göttin dort endzulagern.

Weiter ging es durch kopfsteingepflasterte Gässchen auch zum Marktplatz Sommerhauses, wo das Geburtshaus von Franz Daniel Pastorius steht, dem Begründer der ersten, deutschen Ansiedlung Germantown im heutigen Philadelphia, der schon 1683 als erster Deutscher auswanderte. Den Abschluss bildete der Besuch im historischen Rathaus, wo uns der Altbürgermeister-Stadtführer Herr Oehler noch ein inoffizielles Frankenlied-Ständchen darbrachte, bevor er uns zum feuchtfröhlichen Teil des Abends entließ.

Mittlerweile war es stockfinster geworden, aber es hatte aufgehört zu regnen. Wir stiegen ungefähr eineinhalb beschwerliche Kilometer in die steilen Weinberge auf, immerhin eine clevere Teilnehmerin aus der Gruppe hatte an eine Taschenlampe gedacht und erhellte den Weg. Reichlich erhitzt kamen wir am Weingut Steinmann an, wo wir für eine Weinprobe angemeldet waren.
Nun hatte auch ich als gebürtige Fränkin bisher erst eine solche Degustation erlebt. Damals wurden vergnügliche Anekdoten rund um den Rebensaft vorgetragen, über Sorten, Testverfahren und Geschmacksfragen referiert, während man sich in Sommerhausen nicht sehr lange mit solchen Förmlichkeiten aufhielt. Zu Mostsuppe, leckerer Brotzeit und Dessert wurde jede Menge vorzüglicher Weine auf den Tisch gebracht, Eckdaten zu Produktion und Lage genannt und ansonsten eher defensiv moderiert, was den Anwesenden genug Gelegenheit gab, von den unablässig aufgefahrenen, flüssigen Preziosen zu probieren, was alle ausgiebigst taten und dank Flatrate-ähnlicher Bedingungen am Ende des Abends tüchtigst einen in der Krone hatten.
Mir persönlich verpassten die beiden Roten am Ende und hier ganz besonders die deliziöse Domina die letzten Gaumenkitzler des Abends. Durch den aufziehenden Nebel einsetzender Trunkenheit Nach dem vergnüglichen Abend brachte uns der tapfer-trockene Schwager Manni sicher heim, wo ich, kaum in der Horizontalen angekommen, in Morpheus‘ weit geöffnete Arme sank: Und dank Steinmann schlief ich wirklich wie ein Stein, Mann.

Euch eine launige Nacht wünscht
moggadodde

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Dieser Eintrag wurde in Daily Soap veröffentlicht.

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