Morgääääähn!

Was für eine verfickt beschissene ziemlich unangenehme Nacht. Eingeschlafen gegen 2.00, wild geträumt, aufgestanden gegen 5.00 Uhr. Jawoll. Was uns nicht umbringt, macht uns, naja, blöder Spruch, ich weiß.

Allerdings habe ich bei Herrn Hoffa heute früh schon meine Morgenlektüre genossen und er hat eine Geschichte geschrieben, die mich ziemlich froh gestimmt hat. Das Wort zum Donnerstag sozusagen.
„Jammere hier nicht rum, irgendwann steigst du in einen Hubschrauber und machst dich vom Acker“ habe ich mir gesagt und dann ging es mir wieder besser.
Ich geh‘ in die Katakomben und hoffe, dass die Zeit zumindest wie im Flug vergeht, wenn ich selbst schon nicht fliegen kann …

Euch einen azurblauen Tag wünscht
moggadodde

CSI Lower Franconia

Ansich bin ich ja eine Frischluft-Fanatikerin. Sobald es die Witterung auch nur annähernd zulässt, sind die Terrassentüren im Wohn- und auch im Schlafzimmer bis zum Anschlag geöffnet. Dieses Verhalten werde ich überdenken müssen.
Vorgestern suchte mich eine Mitbewohnerin auf, die mit dem Vater ihrer Tochter in juristischem Clinch liegt. Sie erwirkte eine einstweilige Verfügung gegen ihn, wonach er sich ihr nicht mehr nähern darf, von Morddrohungen seinerseits war die Rede, und weil die Möglichkeit bestehe, dass er sich durch Läuten an anderen Wohnungen unter einem Vorwand Einlass ins Haus verschaffen wolle, bat sie, ihm keinesfalls zu öffnen. Natürlich sagte ich zu und auch die Kinder wurden instruiert. Heute nun hörte ich, er habe ihr vor ihrer Arbeitsstätte aufgelauert, weshalb sie die Polizei rief, die ihn schnappte und abtransportierte, damit sie unbeschadet nach Hause fahren konnte. Der Hauseigentümer hat eben einen Zettel im Flur angebracht, der jeden unterrichtet, dass Marko K. einem Hausverbot unterliegt und sich auch nicht auf dem ausgedehnten Grundstück bzw. in der Nähe davon aufhalten darf. Sobald er hier gesichtet wird, müsse die Polizei benachrichtigt werden.
Vorhin hörte ich nun, er wäre schon verschiedentlich ums Haus geschlichen und suche einen Zugang und – dummerweise – ist unsere Wohnung mit ausgedehnten Terrassenflächen ziemlich einladend für einen durchgeknallten Irren, der ein Schlupfloch in ein Haus sucht. Umliegend befindet sich eine riesige Wiese und dahinter der finstere Wald und das lebendigste Wesen dort draußen war bisher das eine oder andere Reh sowie das einsame Pferd auf der Koppel unseres Nachbarn.
Gerade genoss ich meine Abendzigarette, selbstredend draußen in stockdunkler Nacht, die Terrasse nur mäßig illuminiert von gedämpftem Licht und den fahlbleichen Sternen und ich ärgerte mich erneut, dass der Eigentümer es versäumt hat, den Terrassen einen Stromanschluss zu verpassen. Ein mulmiges Gefühl hatte ich schon und unsere riesige Mag-Lite hielt ich griffbereit unter meiner linken Achsel. Die einzigen Geräusche verursachten allerdings einige nachtaktive Mäuschen und der eine oder andere Marder, die sich gruselig kreischend durchs Gebüsch arbeitete.
Aber irgendwie macht Rauchen in dem Bewusstsein, dass gleich ein gewaltbereiter Psychopath um die Ecke biegen und mir eins auf die Zwölf geben könnte, keinen rechten Spaß.
Der auf den Schachteln aufgedruckte Warnhinweis „Rauchen gefährdet Ihre Gesundheit“ dürfte ab sofort zumindest für mich etwas weiter ausgelegt werden.

Euch einen gewaltfreien Abend wünscht
moggadodde

Outbreak

Nun ist es endlich soweit: Irgendwo musste der psychische Ausnahmezustand ja seine Auswirkungen zeigen. Nachdem ich die Beschwerden im Nacken durch regelmäßige Schmerzmittelgabe einigermaßen im Griff habe bis ich einen Termin in der Massagepraxis bekomme, bin ich aufgeblüht. Normalerweise sind Blüten im Frühling ja etwas Schönes, nur leider habe ich meine Blüten auf den Lippen im Gesicht. Den pochenden, brennenden Herpes simplex labialis kenne ich schon seit vielen Jahren, vornehmlich während Schnupfen- oder sonstigen Perioden, die meinem Immunsystem einen schmerzhaften Tritt in den Hintern versetzen, aber dieses mal verzeichne ich gleich drei (!) Bläschenherde, die kurz vor der Explosion stehen. Jetzt sehe ich aus, als sei nicht Herr Austin sondern meine Wenigkeit mit Herrn Klitschko im Ring gestanden, dick aufgequollen sind meine Lippen und ähneln inzwischen den Fahrradschläuchen von Frau Ohoven. Dass ich in diesem desolaten Zustand überdies auf meinen geliebten Lippenstift, Jade Nr. 410, Chocolat, verzichten muss, versteht sich von selbst und dass ich ohne diesen sowieso nur ein halber Mensch bin, wisst ihr ja.
Wegen des massiven Befalls hat mir der Dottore heute eine Kur verschrieben, 7 Tage im schönen Aciclovir, oral und dreimal täglich. Dass ich in diesem Zustand in höchstem Maße ansteckend bin, musste er mir nicht sagen. Für kleine Kinder und alte Menschen bin ich jetzt eine Gefahr, sagt er.
Es ist also nicht empfehlenswert, sich dieser Tage mit mir anzulegen, denn wenn ich meine virulenten Küsse verteile, bin ich beinahe ebenso gefährlich wie ein Briefkuvert mit Milzbrandsporen.
Im Grunde bin ich also jetzt ein personifizierter, biologischer Kampfstoff. Vielleicht sollte ich sicherheitshalber vernichtet werden.

Euch einen sicheren Tag wünscht
moggadodde

Lateinisch für Laien

Passend zu seinem heutigen, neunten Geburtstag hat Hank seinen neunten Milchzahn an ein Nutellabrötchen verloren, weshalb er das erste mal seit längerem wieder kraftvoll und schmerzfrei zubeißen konnte.
Er war ein bisschen enttäuscht, weil die Gratulanten nur recht spärlich angerufen haben, aber ich versuchte ihn damit zu trösten, dass er zum Abschluss der Feierlichkeiten am Abend seinen allerbesten Busenfreund und beinahe siamesischen Zwilling Lasse zu seinem Lieblings-Italiener mitnehmen durfte.

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Beim Frühstück heute überraschte mich Hank allerdings mit der Frage: „Mama, was ist ein ‚Uterus maximus’?“
Ich antwortete, schon etwas perplex: „Hm, also ‚Uterus’ ist die lateinische Bezeichnung der Gebärmutter, so nennt man das Organ im Bauch einer Frau, in dem die Babies wachsen. Und ‚Maximus’ ist auch lateinisch und heißt „der Größte“. Wo hast du das denn überhaupt her? Hast du das wieder von Adrian?“
Adrian ist in Hanks Klasse und bringt ihm so lustige Pausenspiele wie „Nippeldreher“ bei oder die Frage, bevorzugt an Mitschülerinnen gerichtet: „Schimmeln deine Schamhaare?“ Ich dachte mir, Adrian habe vielleicht die Sprache gewechselt und es hätte mich schon interessiert, was er für einen entzückenden Spruch im Zusammenhang von „Uterus maximus“ abgeliefert hätte.

„Nee“, sagt er „das habe ich bei ‚SpongeBob’ gehört.“ Das kann ich nun wiederum gar nicht glauben, immerhin ist der Schwammkopf eine Kindertrickfigur und ich kann mir nicht vorstellen, dass dort ein Diskurs über die inneren Geschlechtsorgane der Frau geführt wird, deshalb bitte ich ihn, mir das näher darzulegen. Er erklärt: „Naja, weißt du, der SpongeBob ist in einer Folge mal böse hingefallen. Und dann ist er zum Arzt gegangen und der hat ihm was gegeben und hat gesagt: ‚So, SpongeBob, dein Uterus maximus“ ist wieder voll in Ordnung, oder so.“ Ich frage ihn: „Aha. Und wo hatte sich der SpongeBob verletzt?“ Hank antwortet: „Na, auf den Hintern ist er gefallen.“
Messerscharf kombiniere ich: „Nee, also da hast du dann was falsch verstanden. Das Ding heißt dann nicht ‚Uterus Maximus’ sondern ‚Gluteus Maximus’, das ist ein großer, starker Muskel am Hintern!“
Soll ja keiner mehr behaupten, dass Zeichentrickfilme nicht auch lehrreich sein können! So hat er durch den fleißigen Konsum von SpongeBob innerhalb von 10 Minuten gleich drei lateinische Begriffe kennen gelernt und das ist kein schlechter Schnitt, finde ich.

Euch einen lehrreichen Abend wünscht
moggadodde

Was lange währt, wird doch nicht gut

Ein reichlich unschöner Tag liegt endlich hinter mir. In den Katakomben hatte ich das fraglos zweifelhafte Vergnügen mit der Patientin, die mir mit ihren besserwisserischen Kommentaren kolossal auf die Eierstöcke ging. Ich arbeite da schließlich auch nicht erst seit gestern. Mehrere Stunden mussten wir mit BtM und empfindlicher Kühlware hantieren, deren Abarbeitung volle Konzentration erfordert und als kurz vor Feierabend noch eine Lieferung kam, verfiel sie schon wieder in Panik, dass sie jetzt noch eine Stunde Arbeit dranhängen müsse. Da konnte ich mich nicht beherrschen und fuhr sie an, dass sie nicht viel quatschen sondern zupacken soll und sie nannte mich „Generalin“ und das hat mir ziemlich gefallen …

Danach war ich bei meinem Vater im Krankenhaus. Über seinen erneut katastrophalen Zustand möchte ich mich hier gar nicht großartig auslassen, er ist grauenvoll anzusehen und muss den Gedanken daran ganz weit nach hinten schieben, um wieder etwas Kraft zu tanken für das, was noch kommt. Ich hatte ein nicht sehr angenehmes Gespräch mit dem Arzt – bald ist das Ende der Fahnenstange dessen erreicht, was mein Vater aushalten kann. Einige Zentimeter fehlen vielleicht noch und der Satz des Arztes, dass man bei weiterer Verschlechterung im Kreis der Familie diskutieren müsse, ob eine Verlängerung des Lebens nicht auch eine Verlängerung des Leidens bedeute, traf mich in den Magen wie eine eiskalte Faust. Nein, nein, da will und kann ich noch lange nicht drüber nachdenken. Nein. Nein. Nein. Nein. Nein. Nein. Nein.
Ich habe immer noch Hoffnung, Hoffnung, dass er sich etwas erholt, sich die Organe soweit stabilisieren, dass er noch ein kleines bisschen angenehme und bewusste Zeit verlebt und sich nicht direkt aus diesem inzwischen 8wöchigen Albtraum ins geistige Abseits oder gar ganz aus dem Leben verabschiedet. Für ihn und für meine Mutter. Und ein wenig auch für meinen Bruder und mich.
Jetzt habe ich doch mehr darüber geschrieben, als ich wollte und jetzt heule ich schon wieder. So eine verfluchte Scheiße!

Euch einen positiven Abend wünscht
moggadodde